23. Januar 2012

'Tränen gibt es überall' von R.D.V. Heldt

Ein Schicksalsroman über zwei gegensätzliche Familien, die ein schreckliches Ereignis zusammenführt. Ein übermüdeter LKW-Fahrer verursacht einen Unfall, durch den die junge Mutter Karina ins Koma fällt. Ihr Mann Robert ist verzweifelt, denn niemand kann ihm sagen, wie es weitergeht.

Gedanken der Autorin zum Buch: Warum leben viele Menschen nicht miteinander, sondern bekämpfen sich gegenseitig, nur um besser und größer zu sein? Warum ist der Egoismus so vordergründig und das Schicksal des anderen interessiert nicht? Es zählt nicht das gleiche Recht für alle, sondern nur das Recht, das einzelne für sich beanspruchen. Warum bringen erst schlimme Erfahrungen die Menschen zum Umdenken - und warum erinnern wir uns nicht daran, dass wir alle gleich sind - wenn wir geboren werden und auch im Tod? Genau diese Überlegungen haben mich veranlaßt "Tränen gibt es überall" zu schreiben, um einfach einmal zum Nachdenken anzuregen.

Gleich lesen:
Für Kindle: Tränen gibt es überall
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Als er das Polizeigebäude verlassen hatte, betrat er eine in der Nähe befindliche Telefonzelle und bestellte sich erneut ein Taxi, von dem er sich zum St. Bernwardkrankenhaus bringen ließ.
Hier angekommen kaufte er an einem Blumenstand, der auf dem Krankenhausgelände aufgebaut war, einen Strauß aus roten Gerbera und gelben Rosen. So bestückt trat er an den Informationsschalter des Krankenhauses.
„Guten Tag, ich möchte gern zu Frau Karina Bellings. Können Sie mir bitte sagen auf welcher Station und in welchem Zimmer sie liegt?“ fragte er höflich.
„Sind Sie verwandt mit Frau Bellings?“ kam es zurück.
Verdutzt antwortete er:
„Nein, nur bekannt.“
„Melden Sie sich bitte in der Unfallchirurgie, Station eins. Dort wird man Ihnen weiterhelfen.“
Walter bekam noch eine kurze Wegbeschreibung und verließ die Information.
Er bekam ein schlechtes Gewissen wegen seiner Aussage, er sei mit Karina Bellings bekannt, aber etwas anderes fiel ihm spontan nicht ein. Er konnte ja schlecht sagen, dass er der Verursacher war und sie hierher gebracht hatte. Obwohl, bekannt waren sie ja jetzt auf eine tragische Weise und er war sich sicher, dass Karina liebend gern auf diese Bekanntschaft verzichtet hätte.
Doch nun beendete er dieses Gedankenspiel und konzentrierte sich wieder auf den bevorstehenden Krankenbesuch.
Auf der Station traf er Oberschwester Beate, der er sein Anliegen vortrug.
Hier verschwieg er nichts und erzählte ihr, wie wichtig es ihm wäre, Frau Bellings zu sehen und ihr mitzuteilen, wie sehr er alles bedauere.
Schwester Beate schaute ihn nur abschätzend an und dann erklärte sie, dass er wohl wenig Chancen hätte sich zu entschuldigen, da Frau Bellings seit dem Unfall nicht ansprechbar war.
Außerdem durfte sie ihn nicht zu ihr lassen, da es strikt verboten war Besucher, die nicht verwandt mit den Patienten waren, zu ihnen zu lassen oder Auskünfte zu erteilen. So etwas könnte sie ihren Job kosten.
Blass wurde Walter Becker und er begann zu zittern. Damit hatte er nicht gerechnet. Seine Hoffnung, dass alles eine gute Wende nahm, schwand dahin.
Mitleiderregend stand er da. Leid tat er nun auch Schwester Beate und sie entschied sich, trotz aller Vorschriften und in der Hoffnung, dass niemand davon erfährt, ihn doch zu Karina zu bringen.
„Ich werde Sie zu Frau Bellings lassen“ sagte sie zu ihm.
„Allerdings müssen Sie mir gestatten im Zimmer zu bleiben.“ Benommen nickte Walter Becker mit dem Kopf und folgte der Schwester bis zum Zimmer 24.
Als beide das Zimmer betraten, starrte Walter Becker auf das Bett, in dem eine wunderschöne junge Frau lag. Mit geschlossenen Augen lag sie da. Er drückte der Schwester den Blumenstrauß in die Hand, stellte sich vor das Bett und Tränen liefen ihm über sein Gesicht. Er sackte auf einen Stuhl, der sich neben dem Bett befand, ohne seinen Blick von Karina zu lassen. Er befand sich wieder in einem Schockzustand, aber dieses Mal heftiger als beim Unfall.
Ungefähr nach drei Minuten begann er plötzlich zu sprechen.
„Es tut mir so leid, so unendlich leid. Wäre doch nur ich an Ihrer Stelle. Warum ist mir nichts passiert? Warum bin ich nicht tot? Ich wollte das doch nicht. Ich bin doch nur gefahren, damit ich meiner kleinen Tochter, die Leukämie hat, ihren größten Wunsch erfüllen kann, damit sie einmal ins Disneyland nach Florida kommt. Ich wollte doch nur ein guter Vater sein. Nun bin ich ein Versager und vielleicht sogar ein Mörder. Ihnen hab´ ich großes Leid zugefügt und meine Tochter stirbt vielleicht und ich kann ihren Traum nicht wahrmachen, denn das Geld für die Reise bekomme ich nie zusammen.
Mein Chef hat mich rausgeschmissen und recht hat er, ich tauge zu nichts und mache nur Scherereien. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen.“
Nach diesem Redeschwall schwieg er wieder und hatte während der ganzen Zeit nicht aufgehört zu weinen.

Im Kindle-Shop: Tränen gibt es überall
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von R.D.V. Heldt auf ihrer Website.



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