21. März 2012

"Die Liebe ist ein seltsam' Spiel" von Elsa Rieger

Erzählungen über die Liebe. Wie war es damals, als wir ungestüm den oder die Liebste erobert haben? Was davon ist geblieben? Wurden Träume wahr oder mussten sie begraben werden? So viele Fragen zum schönsten Thema des Lebens.

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Leseprobe:
Dann bin ich da. Mein Herz holpert vor Ängstlichkeit, das sanfte Vergnügen an der tropfenden Stadt gegen die Betriebsamkeit dort im Nachtcafè einzutauschen. Dennoch kann ich nicht anders, ich brauche heute Menschen um mich – carpe nocturnam – und die Gelegenheit ist günstig.
Je stiller die Stadt, je voller der Mond, desto eifriger sucht man das Knistern und Flirren der anderen. Blicke werden gekreuzt wie Klingen – wer ist schöner, wer gewinnt? Nüstern blähen sich witternd, um nicht den leisen Hauch der Bereitschaft zu versäumen, den Duft der speziellen Essenz, die die Nacht zu einer gelungenen machen soll. Lachen zerplatzt auf Gesichtern wie aufflammendes Feuerholz.
Auch er, der meinen langsam dahintreibenden Blick mühelos einfängt, lacht.
Alles an ihm lacht. Ganz besonders die Augen. Sein Haar, die Zähne, die Nase lachen. Lediglich in den Mundwinkeln zuckt ein Rest von Ernst. Fühlt er wie ich die Qual der Gewissheit, die Gegebenheiten des Daseins akzeptieren zu müssen? Das lässt sich nicht weglachen, obgleich er sich große Mühe gibt.
Ich drücke mich an ihn, er erwidert.
„Sag nichts, bleib still“, flüstert er mit seiner Ernsthaftigkeit, er spürt meine Verwunderung über diese Vertrautheit mit ihm, dem Fremden.
Eros knistert, jede zufällige Berührung erhöht die Spannung der Hautoberfläche und neugierig aufeinander verlegen wir den Schauplatz an einen Ort der Einsamkeit.
„Sag nichts, bleib still“, bittet er.
Und so stöhnen wir stumm und verkrallen uns fremd und doch nahe ineinander.
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