23. März 2012

"Die Totmacher" von Sabine Ludwigs

Zweiundzwanzig kurze Krimis in einem Band. Wenn ihr Leben aus den Fugen gerät, Hass oder Liebe über sie hereinbrechen, Begierden sie überwältigen oder exzessive Gefühle alle Vernunft und jede Hemmung auslöschen, dann werden scheinbar ganz normale Menschen plötzlich zu Mördern.

Skrupellose Söhne, besessene Serienkiller, als Unfall getarnte Morde, hinterhältige Racheakte, heimtückische Langfinger und mit allen Wassern gewaschene Mörderinnen sorgen für spannende, bitterböse aber auch schwarzhumorige Unterhaltung.
"Warum tötet ein Mensch? Er tötet, um zu essen. Und nicht bloß, um zu essen: Oft muss es auch was zu trinken sein."
Woody Allen

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Leseprobe aus "Der Moloch"
Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem alles begann. Es war neun Tage nach meinem zwölften Geburtstag, als sie es mir sagte. Ein Freitag.
Mama saß auf dem Sofa und klopfte einladend auf den Platz neben sich. „Komm Kevin, setz dich zu mir. Ich muss dir etwas Wichtiges erzählen, kleiner Mann.“
Also setzte ich mich neben sie, genoss, dass sie ihren Arm um mich legte, und wartete ab.
„Es geht um Paul“, erklärte sie. „Paul und ich wollen heiraten. Nächsten Monat.“
Mit rasendem Herzen fuhr ich auf: „Warum?“
„Weil ich wieder eine richtige Familie haben möchte, Kevin. Du weißt, wie lieb ich dich habe. Aber Paul und ich ... nun, ich möchte nicht länger allein ...“
„Du hast doch mich!“, unterbrach ich sie. „Reicht das nicht?“ Ich spürte, wie Tränen in meinen Augen brannten, und befreite mich mit einer heftigen Bewegung.
„Rede keinen Unsinn, Kevin“, murmelte Mama und zog mich wieder in ihre Arme. „Ich werde dich immer lieb haben, egal, was geschieht. Du bist doch mein Großer.“
Eben noch war ich ihr kleiner Mann gewesen - jetzt war ich plötzlich ihr Großer. Wie schnell die Dinge sich bei Erwachsenen doch ändern!
Es war schwer für mich gewesen, als Paul die ersten Male zu uns kam. Er hatte sich Mühe mit mir gegeben, mir sogar ein Buch von Edgar Allan Poe mitgebracht, das ich noch nicht hatte. Eine in Leder gebundene Geschenkausgabe. Die folgenden Wochenenden unternahm er viel mit mir: Wir hingen an der Spielkonsole, machten Fahrradtouren oder gingen ins Kino.
„Nur wir Männer“, wie Paul ständig betonte.
Er plante gern bis ins kleinste Detail und schien erst beruhigt, wenn er alles unter Kontrolle hatte. Es störte mich, dass er die meisten Entscheidungen traf, ohne mich überhaupt zu fragen.

Im Kindle-Shop: Die Totmacher


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