9. Juli 2012

'Kinder erzählen' von Sigrid Wohlgemuth

Drei kleine Geschichten: Theo zieht mit seinen Eltern von Portugal nach Köln, in eine anscheinend relativ ruhige Gegend. Manolis, der mit seinen Eltern aus Kreta stammt sucht einen neuen Freund. Daniel! Doch der verschanzt sich hinter heruntergelassenen Rollos. Eric hat eine ganz besondere Überraschung für seine Mutter.

Gleich lesen: Kinder erzählen

Leseprobe aus "Das falsche Wort":
Geboren wurde ich, Theo Berger, in Deutschland. Als ich gerade sechs Monate alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Portugal, an die Algarve. Mein Vater hatte dort als Ingenieur einen lohnenden Auftrag erhalten, der für sechs Jahre im Voraus geplant war. Wir lebten in einer parkähnlichen Häuserzeile in der Nähe des Meeres. Im Vorschulalter besuchte ich eine deutschsprachige Schule. Vaters Job zog sich ein Jahr länger hin als geplant. Ich erinnere mich gerne an meinen Aufenthalt in diesem fernen Land. Die Sonne begrüßte uns an vielen Tagen des Jahres. Die Einheimischen waren gastfreundlich und ich fand, als ich heranwuchs, schnell viele Freunde, mit denen ich täglich auf Entdeckungstour am Meer umherstreifte. Wir wussten, der Tag rückte näher und wir würden nach Deutschland übersiedeln.
Meine Eltern suchten per Internet ein kleines Haus in der Kölner Gegend für uns, weil der nächste Auftrag in Köln sein sollte. Wir erhielten einige Exposé übersandt und meine Eltern studierten sie jeden Abend. Nach längerer Zeit entschieden sie sich für ein Haus am Stadtrand. Die Wohngegend wurde als relativ ruhig beschrieben.
Der Rhein fließt nicht weit davon entfernt. Das Foto, das uns übersandt wurde, zeigte ein zweistöckiges Haus mit einer schönen Außenfassade und einem großzügigen Garten. Obwohl es sich um eine Aufnahme handelte, die mit Weitwinkelobjektiv aufgenommen war, sah man jenseits des braunen Holzzauns, der das Grundstück einschloss, keine anliegenden Häuser. Das sagte meinen Eltern am meisten zu. Der Grundstücksvermittler teilte uns mit, dass dieses Haus einem älteren Ehepaar gehört habe, das vor ein paar Jahren eine Wohnung im Altenheim bezogen hat. Sie hatten den Preis damals sehr niedrig angesetzt.
Meine Eltern erwarben das Haus am Stadtrand. Ich freute mich schon darauf, meine Geburtsheimat kennenzulernen, zumal meine Großeltern nur zweihundert Kilometer von Köln entfernt wohnten. Vor den Sommerferien packten wir unser Hab und Gut ein und eine Speditionsfirma transportierte es nach Köln. Wir reisten mit dem Flugzeug und landeten auf dem Frankfurter Flughafen. Meine Großeltern beiderseits erwarteten uns freudig am Ausgang. Am folgenden Tag hatten meine Eltern einen Termin mit dem Makler vereinbart und wir sollten unser neues Heim besichtigen können. Nicht nur ich, sondern auch meine Eltern waren ganz schön aufgeregt.

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