1. August 2012

'Der Hustende vom Moor' von Aileen O´Grian

Acht Kurzgeschichten, in denen das Unheimliche in das Leben einbricht. Anna und Dieter erfüllen sich den Traum von einem eigenen Hotel, doch was bedeuten Annas Albträume? Hanna und Rainer lieben sich über alles; als sie endlich ihr Wunschkind bekommen, scheint die Familienidylle perfekt zu sein. In der Küche klopft es, bald ist sogar eine Stimme zu hören. Fröhlich und hilfsbereit ist Elisabeth im ganzen Ort beliebt, Nur eine Frau gönnt ihr das Glück nicht. Marion und Ingo adoptieren ein afrikanisches Kind. Mit den Vorurteilen ihrer Nachbarn rechnen sie nicht.

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Leseprobe aus "Der schwarze Edelmann":
Anna strich die Decke, sobald sie trocken war, würde sie mit dem Tapezieren anfangen. Inzwischen sah sie kaum noch etwas, da es dunkel geworden war. Noch hatten sie in den Zimmern keine Lampen. Dieter flieste das Bad des Nachbarzimmers. Seit fünf Wochen arbeiteten sie vierzehn und mehr Stunden am Tag, um ihren Traum zu erfüllen. Im Frühjahr wollten sie in dem verfallenen Herrenhaus ein Hotel eröffnen. Lange hatten sie nach einem geeigneten Objekt gesucht, meistens war es an dem Preis gescheitert. Aber diesmal würde es klappen. Die Bausubstanz war gut. Die Lage noch besser. Idyllisch an einem See zwischen Wald und Feldern gelegen, mit eigenem Bootsanleger.
„Es reicht. Wir arbeiten morgen weiter.“ Dieter schaute zur Tür herein.
„Die Stuckdecken dauern so lange“, klagte Anna. Sie wischte sich mit dem Ärmel Haare aus dem Gesicht. Dann verschloss sie die Farbe und säuberte noch die Rolle und die Pinsel.
Anschließend wusch sie sich in dem uralten Badezimmer hinter der Küche. Sie musste dem Klempner dringend auf die Füße treten, damit er endlich die Rohre für die Restauranttoiletten im Erdgeschoss verlegte.
Mit nassen Haaren huschte sie durch die langen Gänge. In der Diele legte Dieter Feuerholz nach. Es dauerte eine Weile, bis die Flammen an dem frischen Scheit züngelten. Endlich prasselte im Kamin ein gemütliches Feuer. Anna trat heran. Trotz Dieters Nähe fühlte sie sich beklemmt. Sie bekam kaum noch Luft. Selbst ihr Hund ließ sich nicht blicken.
„Rex komm“, lockte Dieter ihren Schäferhundsmischling. Doch Rex blieb oben an der Treppe stehen und kam nicht näher.
„Ich halte es in der Diele nicht aus.“ Anna fröstelte.
„Stell dich doch nicht so an. Das ist der einzige Raum, den wir heizen können.“
Anna seufzte. Auch die Heizungsanlage musste noch geliefert und montiert werden. Die modernen Heizkörper in den Räumen funktionierten daher noch nicht.
„Hoffentlich kommt die Heizung bald.“ Sie lief die Treppe hoch. Oben drehte sie sich zu ihrem Mann um. „Ich lege mich lieber ins Bett.“
Rex wartete schon auf sie. Sie fuhr ihm über den Kopf. „Du magst die Diele auch nicht. Warum nur? Hoffentlich fühlen sich unsere Gäste dort wohler als wir beiden“, murmelte sie. Sie entkleidete sich und schlüpfte schnell unter die dicke Daunendecke. Bald schlief sie ein, erschöpft von der anstrengenden Arbeit.
In der Nacht klopfte jemand an der Haustür. Anna schüttelte Dieter, aber der schlief tief und fest und ließ sich nicht wecken. Also zog Anna ihren Morgenmantel über und eilte hinunter. Vor der Diele wollte sie schon umdrehen, doch das Klopfen wurde energischer. Sie überwand ihre Angst und beeilte sich, an die Tür zu kommen. Wo war Rex? Er ließ sich nicht blicken.
Anna schloss die Tür auf und öffnete sie. Vor ihr stand ein Riese in einem schwarzen Umhang. Anna wich zurück, schrie auf. Der Mann folgte ihr und zog ein Schwert aus der Scheide. Gellend kreischte Anna.
„Was ist los?“, fragte Dieter. Er leuchtete mit seiner Taschenlampe von oben durch den Raum, dann eilte er die Treppe hinab.
Anna schrie noch immer. Dieter schüttelte sie kräftig, bis sie sich beruhigte.
„Wo, wo ist der Mann?“, fragte sie stockend. Sie hatte keine Kontrolle über ihre Hände. Um das Zittern zu verbergen, schob sie sie in die Manteltaschen.
„Welcher Mann?“ Dieter schaute sich um. Als er nichts sah, pfiff er nach Rex. Gemeinsam suchten sie die Räume ab. Aber sie fanden niemanden. Dieter hatte das Klopfen an der Tür nicht gehört. Auch Rex hatte nicht angeschlagen.

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