30. April 2012

"Das Geheimnis der Lukaskinder" von Eva Markert

Die dreizehnjährige Mona Lukas und ihr kleiner Bruder Julian wohnen nach dem Tod der Eltern zusammen mit ihrer ältesten Schwester Alena in einem Haus. Die Lukaskinder haben ungewöhnliche Fähigkeiten: Mona kann Dinge bewegen, ohne sie zu berühren, und Julian kann zehn Minuten in die Zukunft schauen.

Niemand darf davon erfahren, vor allem nicht Frau Mullhaupt vom Jugendamt. Denn nur solange sie überzeugt ist, dass bei den Lukaskindern alles glatt läuft, erlaubt sie ihnen, weiter allein zu leben. Doch leider ist es für die Geschwister gar nicht so einfach, ihr Geheimnis vor aller Welt zu verbergen ...

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Leseprobe:
Die Bushaltestelle war an der Straßenecke, nicht weit vom Haus der Lukaskinder entfernt. Vom Küchenfenster aus konnte man das Wartehäuschen sehen.
„Wann kommt der Bus denn endlich? Man steht sich ja die Beine in den Bauch!“, murrte Mona.
„Ich hab dir doch gesagt, dass er Verspätung hat.“
„Das hätte ich auch voraussagen können“, fuhr Mona ihren Bruder an. „Der Bus hat schließlich fast jeden Morgen Verspätung.“
Als er endlich kam, hatten die beiden unglaubliches Glück. Sie konnten Sitzplätze ergattern, sogar zwei nebeneinander.
„Guck doch nicht dauernd auf die Uhr!“, sagte Julian. „Davon fährt der Bus auch nicht schneller.“
„Bestimmt kommen wir zu spät“, jammerte Mona. „Ausgerechnet, wo ich in der ersten Stunde die Wachtel habe.“
Julian richtete seinen Blick kurz in die Ferne. „Reg dich nicht auf. Du schaffst es gerade noch.“
„Bist du sicher? Da vorn steht schon wieder eine lange Schlange vor der roten Ampel.“
Julian kicherte. „Lass die Autos doch einfach durch die Luft fliegen. In einer langen Reihe. Dann kommt der Bus besser durch.“
„Warum so umständlich? Dann lass ich doch lieber gleich den Bus fliegen.“
Die beiden grinsten sich an.
„Ich weiß gar nicht, ob ich so schwere Sachen mit meinen Gedanken bewegen könnte“, überlegte Mona. „Das habe ich noch nie probiert.“
„Ich würde es auch lieber bleiben lassen“, meinte Julian. „Stell dir die Leute im Bus vor. Wie die zappeln würden und schreien. Da wär’ was los, sage ich dir!“ Mona lachte. Für einen Augenblick vergaß sie ihre schlechte Laune. Dann fiel ihr die Wachtendonk, ihre Klassenlehrerin, wieder ein, und sie bekam einen grimmigen Gesichtsausdruck.

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23. April 2012

"Die Traumvektor Tetralogie - I. Ursprung" von Jeamy Lee

Teil 1 der Science Fiction Tetralogie. Ein frustrierter Programmierer findet sich nach einer durchzechten Nacht plötzlich in einem unbekannten Zeitalter wieder, in der die Menschheit ausgestorben scheint. Er trifft auf eine technologisch fortschrittliche, humanoide Spezies und bald erkennt er, dass die Erde ihren angestammten Platz verlassen hat und einen fremden Stern umkreist.

Was ist aus der Menschheit geworden? Wer hat die Erde in diesen Raumsektor transportiert? Woher kommen die Außerirdischen? Auf der Suche nach Antworten stößt er auf ein Geheimnis, das älter ist, als das Universum selbst.

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Leseprobe:
 Es gibt Zeiten, in denen man sagen wird, hier und heute hat alles angefangen: Der Weg zurück zum Ursprung, wenn man es pathetischer wollte, in die Heimat. Oder zumindest an einen Ort, der sich so anfühlte, auch wenn er es nicht wirklich sein konnte, da sich eine zu große Kluft von Raum und Zeit zwischen uns und der Geschichte aufgetan hatte, als wäre man nach all den unzählbaren Jahrtausenden endlich zu Hause angekommen.
Doch wir wussten es besser. Dies hier war weder ein Anfang noch ein Wendepunkt, nicht einmal besonders erwähnenswert und hätte auch nie den Weg in die Geschichtsbücher der Menschheit gefunden, finden dürfen, wäre uns nicht ein kleiner aber entscheidender Fehler unterlaufen. Eine Unachtsamkeit, die uns Äonen später beinahe zum Verhängnis werden sollte und das Überleben nicht nur der Menschheit über Jahrtausende hinweg nur von zwei Dingen abhängig machen sollte: unserer Meisterschaft im Improvisieren und der Anhäufung besonders glücklicher Umstände. Menschen würden von Wundern sprechen, obwohl es so etwas wie Wunder nicht gibt – doch der Mensch liebte das Unerklärliche, daher wurde jedes Ereignis außerhalb seines geistigen Fassungsvermögens sogleich als untrügliches Zeichen eines allmächtigen Gottes gewertet.
So klein dieses auslösende Ereignis damals auch gewesen sein mochte, im Laufe der Zeit wurde es zu einem immer größeren Störfaktor. Das Chaos und seine seltsamen Auswüchse machten uns klar, dass auch hier letztendlich die alte Weisheit »Wahrscheinlichkeiten existieren nicht zu ihrem Vergnügen« mit unerbittlicher Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit auf ihre Erfüllung pochte.
Es war von Anfang an ein außerordentlich waghalsiges Abenteuer gewesen, auf das wir uns damals, auch wenn alles gegen einen Erfolg sprach, einlassen mussten. Ja, mussten! Ein Scheitern hätte alles infrage gestellt. Alles. Wir mussten es versuchen und wären beinahe gescheitert. Wir waren von falschen Annahmen ausgegangen, hatten die erwähnte kleine Unregelmäßigkeit im Gefüge übersehen, welche im Prinzip nur unserem Hochmut zuzuschreiben war, unseren Allmachtsfantasien. Wir hatten den menschlichen Forschergeist und Erfindungsreichtum als vernachlässigbar aus unseren Berechnungen eliminiert. Trotzdem oder gerade deshalb, gerade weil diese Anomalie mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden war, hatte sie eine neue Tür aufgestoßen. Eine, die uns mit der wohl wichtigsten Eigenschaft des Universums vertraut machte: Nichts konnte den Lauf der Geschichte verändern oder gar stoppen. Der einzige Ausweg, der uns blieb, war der, sie von Anfang an neu zu schreiben. Alles, was geschehen war und geschehen wird, musste neu erdacht werden. Nicht einmal wir, die sie Götter nannten, waren in der Lage, dieses Naturgesetz zu brechen.

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Mehr über und von Jeamy Lee auf seiner Website.

20. April 2012

"Töten ist ganz einfach" von B.C. Schiller

Ein Thriller über einen Serienmörder. In Prag wird ein Geschäftsmann brutal ermordet. Alle Spuren führen nach Linz in Österreich zu einem zwielichtigen Konzern mit großem Einfluss. Ist der psychopathische Konzernchef in den Mord verwickelt und was befindet sich auf den Fotos, die seine Schwester erhält? Und welches persönliche Interesse hat die Werbeagenturchefin Anna Lange an dem Fall, in den ihr Vater tief verwickelt ist. In seinem ersten Fall muss Chefinspektor Tony Braun brutale Morde aufklären und einen Mörder bis Mallorca jagen, der nur ein Motiv kennt: Rache.

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Leseprobe:
Töten ist ganz einfach, sagen die Stimmen in meinem Kopf, während ich die Stufen nach oben schleiche und mir das Herz bis zum Hals klopft. Töten ist ganz einfach, beruhigen sie mich und reden ständig darüber, dass ich nur an den Staub, das Blut und die Erbärmlichkeit denken muss, mit der ein Leben ausradiert wird. Töten ist ganz einfach, wiederhole ich lautlos und versuche mich auf mein Ziel zu konzentrieren.
Töten ist ganz einfach, weiß ich, als ich vor der Tür stehe, die wie besprochen von der Putzkolonne nur angelehnt wurde und in eine Empfangshalle mündet – um diese Zeit leer und verwaist. 500 Euro sind eine Menge Geld für einen Mitarbeiter vom Putzdienst, damit er mir alle Türen öffnet, denke ich, und plötzlich pocht das Blut in meinen Ohren und ich muss stehen bleiben. Hasserfüllt und mitleidlos erinnern mich die Stimmen wieder an dieses lähmende Begreifen, diese tödliche Gewissheit, dass ich mich nicht rühren darf, dass ich für alle Zeiten tot bin, aber noch am Ufer liege, während die anderen bereits übergesetzt haben. Immer weiter reden sie von Zielorientiertheit und dass alles nur eine Frage der Motivation sei, eine Frage des Motivs. Und ein solches besitze ich.
Töten ist ganz einfach, davon bin ich jetzt überzeugt und tippe mit dem Latexfinger die Tür zum Büro auf, sehe ihn an seinem Schreibtisch sitzen, seitlich gedreht, in die Computerbilder versunken, die er hektisch weiterklickt mit stupidem Gesichtsausdruck. Natürlich weiß ich, wie er aussieht, bin aber dennoch überrascht. Bulliger Oberkörper, muskulöse Arme, das schwarze Polohemd spannt, und sein Nacken, ein Nacken fett wie bei einem Stier. Das wird schwierig, denke ich, beginne zu überlegen, doch damit haben die Stimmen in meinem Kopf gerechnet, denn sofort ist alles wieder da: der Staub, der Zerfall, das Blut, die Straße, der Boden, das Pochen, die Klaustrophobie, der Tod. Doch die Stimmen in meinem Kopf schieben mich weiter, treiben mich hinein in das Büro und weiter auf den Schreibtisch zu und vorwärts zu dem Mann, der vollkommen überrascht aufsieht, nichts begreift und sich nicht vorstellen kann, dass Töten einfach ist, wie die Stimmen in meinem Kopf immer sagen.

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19. April 2012

"Das Versuchskaninchen" von Norman Nekro

Ein Ärztekrimi: Der Professor versprach dem Patienten eine sanfte Krebsheilung ohne Operation. Doch das Experiment mit dem angeblich revolutionären Wirkstoff schlug fehl, und der einst erfolgreiche Werbemanager musste sich mit der bitteren Tatsache abfinden, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Dafür, schwor das mißbrauchte Versuchskaninchen, sollen die Verantwortlichen ebenfalls mit dem Leben bezahlen.

Als erster fällt der Professor, renommierter Leiter eines Krebsforschungsinstituts, dem gnadenlosen Haß des unheilbar Kranken zum Opfer. Ihm in den Tod folgen soll der für die Institutsgründung verantwortliche Bundesminister. Doch inzwischen wird der Mörder nicht nur von der Polizei gejagt. Auch die von Rachsucht getriebene Professorenwitwe und zwei skrupellose Boulevardreporter kommen ihm auf die Spur. So beginnt vor dem Hintergrund der turbulenten 70er Jahre des 20. Jahrhunderts eine atemberaubende Verfolgungsjagd ...

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Leseprobe:
Die ersten Anzeichen hatte Ronald Hertrich vor zwei Jahren bemerkt. Nach dem Mittagessen bekam er im Büro plötzlich heftige Magenschmerzen. Natürlich witzelten die Kollegen über den „Schlangenfraß aus der Kantine“. Er witzelte mit und maß dem Vorfall keine Bedeutung bei.
Seiner Frau erzählte er nichts davon.
Als die Magenschmerzen immer häufiger auftraten und er sich sogar einige Male völlig grundlos übergeben mußte, entschloß er sich, einen Arzt aufzusuchen.
Seiner Frau sagte er immer noch nichts.
Und als ihm dann der Arzt seinen Verdacht mitteilte, als das furchtbare Wort Magenkrebs fiel, brach für Hertrich eine Welt zusammen.
Seine Frau blieb tapfer, als er es ihr endlich erzählte.
Anke war es auch, die ihm die Kraft gegeben hatte, nicht einfach durchzudrehen. Denn sein erster Gedanke nach dem diagnostischen Todesurteil war, einfach Schluß zu machen. Sie brachte ihn dazu, die vielen Untersuchungen und Tests durchzustehen. Und sie war es schließlich, die einen Sekretärinnen-Job annahm, als ihr Mann seine bestens bezahlte Position als Art Director in der renommierten Frankfurter Werbeagentur AdMountain aufgeben mußte.
Aber Anke war es auch, die auf die Idee kam, sich an das neu gegründete Institut von Professor Clemenshausen zu wenden.

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17. April 2012

"Theodor Althaus - Revolutionär in Deutschland" von Renate Hupfeld

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise in drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Einfühlsam erzählt sie die Lebensgeschichte des Detmolder Theologen, Schriftstellers und Journalisten Theodor Althaus. Am Schicksal dieses talentierten jungen Mannes werden die Verwicklungen einer Zeit deutlich, in der demokratische Prinzipien bitter erkämpft und häufig mit dem Verlust von Freiheit, Heimat und Leben bezahlt werden mussten.

Geboren am 26. Oktober 1822 als ältester Sohn des lippischen Superintendenten und behütet aufgewachsen hat Theodor Althaus alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben. Doch im Strudel der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 schlittert er in ein verhängnisvolles Dilemma. Zeitgleich mit dem Scheitern des ersten deutschen Parlaments in Frankfurt endet die Laufbahn dieses wortstarken Verfechters von Einheit, Freiheit und Demokratie im „Staatsgefängniß vor dem Cleverthor“ in Hannover. Er wird nicht einmal dreißig Jahre alt.

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Leseprobe:
Im Wintersemester 1842/43 war Theodor wieder in Bonn. Er belegte Veranstaltungen verschiedener Fakultäten, hörte Metaphysik und Philosophie bei Brandis, einem Schulfreund seines Vaters aus Holzminden, über den römischen Theaterdichter Plautus bei dem Philologen Ritschl, neuere Geschichte bei Löbell und griechische Kunst bei August Wilhelm Schlegel, dessen bizarre Auftritte gewollt oder ungewollt für große Erheiterung sorgten. Wer wollte es Theodor Althaus verdenken, wenn er das Bild des älteren Herrn im Abendanzug neben dem Katheder mit vom Diener im Livrée sorgfältig geputztem silbernen Leuchter vor einem nach Parfum duftenden Auditorium den Seinen zu Hause nicht vorenthielt?
Ebenfalls nicht vorenthalten wurde die erste Vorlesung von Friedrich Christoph Dahlmann, bekannt als einer der „Göttinger Sieben“, der sein Professorenamt verloren hatte, weil er sich zusammen mit sechs anderen Professoren der Göttinger Universität gegen die Obrigkeit aufgelehnt hatte. Er wollte nicht akzeptieren, dass König Ernst August nach seinem Amtsantritt im Jahre 1837 im Königreich Hannover mit einem Handstreich die bestehende Verfassung außer Kraft setzte. An der Universität Bonn durfte der Historiker Dahlmann ab 1. November 1842 lehren. Theodor ließ es sich nicht nehmen, gleich bei der ersten Veranstaltung dabei zu sein, dicht gedrängt stehend zwischen mehreren hundert Kommilitonen, ein Indiz dafür, dass die Jugend begierig auf politische Botschaften wie die von Dahlmann und seinen sechs Professorenkollegen wartete: Abkehr von selbstherrlich monarchischen, hin zu demokratischen Strukturen.
Freiheit und nationale Einheit waren die wichtigsten Ziele der jungen Menschen. Und einer der angesagtesten Verkünder der Definition von Freiheit, außerhalb des Lehrbetriebes, hatte auch bei Theodor Althaus den Nerv getroffen. Es war der fünfundzwanzigjährige Autor Georg Herwegh, in dessen 1841 erschienener Sammlung „Gedichte eines Lebendigen“ die personifizierte Freiheit vor den Marmorhallen flieht und sich in Hütten zu Gaste laden lässt.
Bei den Machthabern allerdings waren Herweghs Botschaften weniger beliebt. Nach einer Audienz bei König Friedrich Wilhelm VI. im Berliner Schloss wurde die Publikation der Gedichte in Preußen verboten und nach einem offenen Brief an den König wurde der Verfasser ausgewiesen. Zu den jüngsten Vorgängen um den Lyriker Herwegh und über das Verhalten desselben Monarchen, der zwei Jahre zuvor mit seinen ersten Amtshandlungen so große Hoffnungen geweckt hatte, schrieb Theodor seinem Vater am 21. Januar 1843:
„Die Politik des hohen Herrn scheint jetzt die zu sein, sich vorerst die allzu lästigen Schreier und Koryphäen auf dem literarischen Gebiet […] vom Halse zu schaffen. […] übrigens sieht man daraus, dass eine derbe Wahrheit doch noch sehr unverdaulich für die Herren der Erde ist und zumal eine, die nicht in schönen Versen, sondern in nackter Prosa auftritt.“
Angesichts dieser starren Haltung der Machthaber war es nicht verwunderlich, dass die Studenten sich zu denjenigen Lehrern hingezogen fühlten, die politisch in die gleiche Richtung dachten wie sie und ihren Unmut teilten. So war für den inzwischen zwanzigjährigen Studenten Althaus auch der junge Dozent Gottfried Kinkel wieder die wichtigste Anbindung an der Bonner Universität. Es entwickelte sich sogar eine befriedigende inhaltliche Zusammenarbeit. In seinen theologischen Studien suchte Althaus Stellen heraus, die für Kinkels Beschäftigung mit der Kirchengeschichte interessant waren. Somit waren Vorlesungen, Seminare und das wöchentliche Kränzchen für ihn nicht mehr die einzige Möglichkeit, diesem verehrten Manne nahe zu sein. Er wanderte so oft es ging, durch die Kastanienallee zum Poppelsdorfer Schloss, doch jetzt eher zum themenorientierten Austausch und zum Zweiergespräch.
Die abschlussbezogenen Veranstaltungen in der praktischen Theologie und Predigtlehre wurden von Professor Nitzsch vertreten. Vorbehalte wie zu Beginn des Studiums zwei Jahre zuvor, wurden weiterhin nach Detmold berichtet. Nitzsch habe zwar umfassendes Fachwissen, jedoch persönliche Defizite, da er sich scheue, seine Meinung frei und offen zu vertreten.
Im sogenannten homiletischen Seminar hatte der Student Althaus eine Predigt zu einem frei gewählten Thema zu halten. Er nahm sich eine Stelle aus dem ersten Korintherbrief vor, in der es um Freiheit und Knechtschaft ging. Nach einer Betrachtung der beiden Begriffe sowie Argumentationen zum Für und Wider spannte er den Bogen über den religiösen Aspekt, Freiheit sei nur „in Christo“ möglich, zum politischen und kam zu dem Schluss, das größte Übel sei die geistige Knechtschaft, wobei seine Definition von Freiheit durchaus der Herwegh’schen entsprach, nicht in Fürstenhäusern, sondern in Hütten solle sie angesiedelt sein. Für Inhalt und Aufbau der Arbeit mit dem Titel „Welche Gedanken sollen den Christen in seinem Streben nach Freiheit leiten?“ erntete er von Professor Nitzsch großes Lob, wo er durchaus Kritik wegen zu großer politischer Anteile erwartet hatte. Das war auch der Punkt, warum die nächste Predigt ihm noch mehr Kopfzerbrechen bereitete. Er merkte schon bei den Vorbereitungen, wie schwer es ihm fiel, seine politischen Neigungen herauszuhalten. In der Universitätskirche sollte sie gehalten werden, vor Seminaristen. Und mit einem von ihnen geriet er im Vorfeld während eines Kränzchenabends bei Nitzsch in Konflikt, als der Kommilitone die politischen Lyriker kritisierte, niemand ihm widersprach und der Professor sich distanzierte. Angepasstes Verhalten wertete Theodor als Schmeichelei, um sich beim Lehrer beliebt zu machen. Es musste wohl ziemlich hoch hergegangen sein, denn im Brief an seinen Vater einige Tage später, am 17. Februar 1843, waren die Emotionen noch deutlich herauszulesen:
„Neulich war ein eigenthümlicher Kränzchenabend bei Nitzsch. Sonst nämlich ist der Comment das: Ja, Herr Professor! Oder: ich glaube auch, Herr Professor! Nun aber steckt in mir einmal die Opposition gegen dergleichen Farblosigkeiten und die manifestirte sich etwas – übrigens nicht durch meine Schuld; sondern einem der frommen Musensöhne fiel es ein, auf die politischen Poeten zu schimpfen. Das konnte ich nun nicht vertragen und gerieth in eine üble Lage. Wo es sich nämlich um Dinge handelt wie Preßfreiheit, Volksvertretung u.s.w. pflege ich jetzt keine Gründe mehr anzuführen, was lange genug geschehen ist und Nichts geholfen hat, sondern gleich derb zu werden.“
Machte sich der junge Stürmer aus Detmold wohl klar, dass gerade die Professoren mit Konsequenzen rechnen mussten, wenn es in ihren Veranstaltungen zu politisch zuging und dass für ein Schicksal wie das des politischen Poeten Hoffmann von Fallersleben nicht jeder geboren war? Wusste er, dass Funktionsinhaber der Universitäten, Vereine und anderer gesellschaftlicher Bereiche heimlich durch das Überwachungssystem des Klemens Wenzel Fürst von Metternich bis in die Privatsphären hinein beobachtet wurden? Das Attribut „provisorisch“ der Karlsbader Beschlüsse hieß nämlich nicht, dass diese weniger wirksam waren, sondern im Gegenteil: Von sechsunddreißig Regierungen wurden sie je nach Bedarf willkürlich ausgelegt. Maßnahmen wie Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Berufsverbote, Verbot der Burschenschaften, Pressezensur und entsprechende Strafen waren möglich und gesetzmäßig. Möglicherweise spielten diese Hintergründe eine Rolle, wenn Professor Nitzsch versuchte, den rebellischen Schüler Althaus in die Schranken zu weisen. Er wollte keinen Ärger mit seinem Dienstherrn.

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Mehr von und über die Autorin Renate Hupfeld und ihre Veröffentlichung auf ihrer Homepage.

16. April 2012

"5 Minuten und 4 Sekunden" von Elsa Rieger

Ein Monolog, aber nur beinahe. Eine Frau klettert auf die Plattform eines Kirchturms, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Wird sie springen? Eine Kurzgeschichte.

Leseprobe:
Wie der Wind um die Turmspitze pfeift. Eigentlich ist es mehr ein Singen. Seit Ewigkeiten bläst er durch die Turmluken und brachte damit vermutlich Generationen von Glöcknern zur Raserei.
Heutzutage wird sie ja wohl elektronisch geläutet. Schön ist sie. Ob sie geläutet werden wird, danach? Wohl kaum. So etwas wird nicht an die große Glocke gehängt – wie man so sagt.
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13. April 2012

"Und dennoch ist es Leben" von Birgit Böckli

Acht Erzählungen über Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, von vornherein chancenlos und dennoch von einer verzweifelten Hoffnung getrieben. Geschichten, die unter die Haut gehen, die das Innerste nach außen kehren, uns verstört und nachdenklich zurücklassen. Tauchen Sie ein in eine Welt aus Widersprüchen und Ängsten, folgen Sie der Autorin auf einsamen Wegen, in die sich kein Sonnenstrahl verirrt.

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Der Frosch und die Rose
Der langersehnte Familienurlaub endet in einer Tragödie, ein Vater in der schwersten Stunde seines Lebens.

Blick in den Spiegel
Schon lange ahnt Viola, dass sie anders ist als andere Mädchen. Von Eltern und Mitschülern ausgegrenzt, entschließt sie sich zu einem verzweifelten Schritt und kommt damit dem Geheimnis ihrer eigenen Identität auf die Spur.

Pias Wolke
Nach schwerem Missbrauch findet die kleine Pia Zuflucht in einer Pflegefamilie. Doch trotz aller Bemühungen gelingt es niemandem, sich dem schweigenden Kind zu nähern. Erst als die Wolke Einzug hält, gibt es einen ersten Lichtblick ...

C wie Chrysantheme
Sandra landet nach mehreren Diebstählen in einem Erziehungscamp für straffällig gewordene Jugendliche. Von Anfang an gibt es Spannungen in der Gruppe. Als ein neues Mädchen sich weigert, über seine Vergangenheit zu sprechen, kommt es zur Katastrophe.

Steine
Ein leiser Text über die ungewöhnliche Beziehung zwischen einem einsamen alten Mann und einem kleinen Jungen, der von schrecklichen Schuldgefühlen gequält wird.

Erdbeergeschmack
Zwei russische Straßenjungen, ein verzweifelter Mann, der um seine Tochter bangt. Eine Geschichte über Schuld und Hilflosigkeit.

Tanz im Regen
Die Geschichte einer verbotenen Liebe.

Auf dem Geisenhuber Hof
Landwirt Martin wurde über Nacht von seiner Frau verlassen und weiß nicht ein noch aus. Im Laufe seiner Erinnerungen enthüllt sich das ganze Drama seiner Ehe.

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5. April 2012

"Wo ihre Wiege stand" von Sigrid Wohlgemuth

Seit ihrer Kindheit spürt Rosita eine innere Unruhe, die sie sich selbst nicht erklären kann. Sie erbt. Rosita kündigt ihre Stellung und fängt an die Welt zu bereisen, besonders Inseln in der Karibik. Sie erhofft dadurch ihre Unruhe zu bändigen, was leider nicht eintritt.

Sobald sie wieder in Köln ist bucht sie einen neuen Flug. Sie möchte nach Kuba. Ihre Eltern versuchen ihr diese Reise auszureden. Wird Rosita finden, wonach sie sucht?

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Leseprobe:
„Der Flug ZF 2149 von Isla Margarita, Venezuela, hat dreißig Minuten Verspätung“, gab die Stimme bekannt, die aus dem Lautsprecher auf dem Düsseldorfer Flughafen erklang.
Die Zeit reicht für eine Tasse Kaffee, dachte Christina. Sie wartete auf die Ankunft ihrer Freundin Rosita. Sie konnte nicht abwarten, sie endlich wiederzusehen.
„Hier bin ich!“, rief Christina und winkte Rosita zu. Braungebrannt kam die Freundin ihr entgegen. „Du siehst gut aus.“
Rosita drehte sich um die eigene Achse.
„Lass die Scherze! Erzähl lieber! Bleibst du jetzt für längere Zeit hier?“ Christina sah sie erwartungsvoll an. Rosita schüttelte den Kopf.
„Schade. Ich hatte gehofft, du würdest langsam zum normalen Leben zurückfinden.“
„Nein.“
„Ruf deine Mutter an. Ich musste ihr versprechen, dass du dich, sobald du gelandet bist, bei ihr meldest.“ Christina reichte Rosita auf dem Weg zum Parkhaus ihr Mobiltelefon. Sie wählte die Nummer der Eltern.
„Hallo Mutti, ich bin gut gelandet. Bis später, ich komme auf einen Sprung bei euch vorbei. Tschüss.“

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3. April 2012

"Freiheit und Liebe" von Manfred Rehor

Ein historischer Roman. England, Toskana, Piemont im Jahre 1854: Viele Deutsche stranden nach dem Revolutionsjahr 1848 als Flüchtlinge in London. Unter ihnen sind der Witwer Georg Danneberg und seine 7-jährige Tochter Bettina. Danneberg gerät in die Intrigen englischer Konservativer, die in Italien die Bewegung des Risorgimento stoppen wollen.

Sie fürchten ein Übergreifen revolutionärer Gedanken auf England. Anführer dieser konservativen Bewegung ist Lord Mayflame, der mit seiner deutschen Geliebten nach Florenz reist. Auch Danneberg ist dort - und verliebt sich unrettbar in die Geliebte des Lords. Georg Danneberg nimmt den Kampf auf gegen den Lord und dessen finstere Pläne und für die Frau, die er liebt. Er kämpft für Freiheit und Liebe.

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Leseprobe:
Georg Danneberg sah durch das schmutzige Fenster hinunter auf die Straße. Aus dem Laden im Erdgeschoss drang Licht, das nach wenigen Metern im Nebel versickerte. Eine Droschke setzte einen Fahrgast ab. Der Mann suchte in den Taschen seines Mantels ein paar Münzen zusammen, bezahlte den Kutscher und betrat das Haus.
German Coffee House nannten die Londoner das Long Acre 27, nahe Covent Garden, aber es war nur eine Kneipe. Einmal in der Woche besuchte Georg dieses Lokal, um den Abend in Gesellschaft seiner Landsleute zu verbringen.
An den Tischen in dem schlecht beleuchteten Saal im ersten Stock saßen deutsche Exilanten und tranken Bier. Ein blonder Kerl mit dem Spitznamen Grenadier rief: "Den preußischen König umbringen, das wär's gewesen!"
"Wie die Franzosen siebzehn-neunundachtzig", stimmte ein Anderer zu, der am Tresen stand. "Dann wären wir jetzt Minister in einer deutschen Republik." "Glauben Sie das auch, Danneberg?", sprach jemand Georg an.
Georg drehte sich um. Es war Daniel Schreckler, ein unscheinbarer Franke, der nicht oft ins Long Acre 27 kam. Er arbeitete als Sekretär bei einem Lord, und sein Aussehen passte zu dieser Stellung: Ein Backenbart nach amerikanischer Art umrahmte das ovale Gesicht und vereinte sich oben mit dem in der Kopfmitte liegenden Haaransatz. Schreckler mischte sich nie in politische Gespräche ein. Trank sein Bier, las seine Zeitung und schien sich einfach wohl zu fühlen zwischen seinen Landsleuten. Wie Georg auch, der diesen dünnen Faden als Verbindung zu seiner Heimat nicht kappen wollte.
"Tagsüber schlafen und die Nächte durchsaufen, das hat noch keine Revolution vorangebracht", antwortete Georg.
"Wahr gesprochen", sagte Schreckler. "Man muss etwas tun für die Freiheit, nicht nur große Reden schwingen. Daran ist vor sechs Jahren alles gescheitert." "Nichts ist gescheitert!", mischte sich der Grenadier ein. "Der Kampf geht weiter, hier wie in Deutschland."
"Sei vorsichtig mit solchen Sprüchen", sagte Georg. "Die Engländer könnten das falsch verstehen."
"Die verstehen gar nichts. Erst recht nicht von Politik!"
Der neue Gast kam herein, warf seinen Mantel über die Lehne eines freien Stuhls und verlangte nach Bier. Es war ein schmalgesichtiger Mann, der ein paar Bekannten im Saal zunickte und sich eine der deutschen Tageszeitungen griff, die herumlagen.

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