13. Februar 2013

'Nacht über Valencia' von Eddy Zack

Valencia - spanische Metropole am Mittelmeer. Ein Serienkiller macht die Rotlicht-Szene der Stadt unsicher. Der Killer hat eine besondere Handschrift - er schneidet seinen Opfern die Köpfe ab. Luca, ein heruntergekommener alkoholabhängiger Schriftsteller, lebt in Valencia. Immer wieder schlägt der Serienkiller zu und alle Opfer stehen in Beziehung zu Luca. Endlich begreift Luca - der Mörder kommt aus den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Valencias.

Gleich lesen: Nacht über Valencia








Leseprobe:
Es sei ein russisches Fest mit überwiegend russischen Gästen, hatte Irina gesagt. Das bedeutete, es gab Schnaps bis zum Umkippen. Sie sprach es nicht aus, ließ es nur anklingen. Weil sie mich locken wollte. Die Aussicht auf Brandy oder Whiskey war für mich ein sehr überzeugendes Argument. Kaum jemand wusste das besser als Irina.
Sie hatte gegen Mittag mit mehreren voluminösen Plastiktüten die Wohnung verlassen. Sie müsste die Kostüme für die Folklore vorbereiten, hatte sie gesagt. Russische Folklore. Seit ich Irina kannte, schrumpfte meine Begeisterung für Russland von Tag zu Tag. Im Moment war sie nahe dem Gefrierpunkt.
»Komm nicht nach 21 Uhr«, hatte sie mir in dem typischen Tonfall ans Herz gelegt, den sie immer hervorkramte, wenn sie von mir etwas wollte. Ich war Dekoration wie die Kostüme, die sie mitgeschleppt hatte. Die Metro wurde wieder einmal bestreikt und ich verspätete mich. Das war nicht der einzige Grund für meine Verspätung. Ich wollte zu spät kommen. Irina erwartete mich voll nervöser Spannung auf dem Bürgersteig, als ich gegen halbzehn das Lokal erreichte.
»Wartest du auf mich?«
»Was glaubst du denn, wie lange ich hier schon stehe«, gab sie schnippisch zur Antwort. Wir gingen ins Lokal und sie zeigte auf eine Ecke an einem Tisch, wo ich sitzen sollte. Ich hatte Glück, zwei meiner Tischnachbarn kannte ich - Emilio mit seiner russischen Frau Natascha. Ich setzte mich zu ihnen, und sie begrüßten mich so überschwänglich, als sei ich ein lang verschollener Verwandter. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass wir so gut miteinander bekannt waren. Emilio redete auf Deutsch von rechts auf mich ein, links sprach Natascha Spanisch mit dem Mann gegenüber. Quer über den Tisch diskutierten lautstark zwei Männer auf Russisch. Obendrein nuschelte Emilio stark, ich verstand ihn kaum. Er hatte offenbar schon Einiges weggekippt. Von einer neuen Geschäftsidee erzählte er. Es war eine Idee von der Sorte, mit der schon Hunderte vor ihm pleitegegangen waren.
»Hört sich interessant an.« Er freute sich über meine Bemerkung.
Lena stand plötzlich hinter mir. Sie war Irinas beste Freundin und manchmal schien mir, sie war mehr als das. »Was bist du für ein Sternzeichen?«, wollte sie wissen.
»Keine Ahnung. Januar. Ich glaube Wassermann.«
»Das chinesische Sternzeichen meine ich.«
Chinesisches Sternzeichen? Ich wusste nur, dass es vom Geburtsjahr abhing. Sie gab mir einen Zettel.
»Hier, such’s dir heraus. Ich habe chinesische Horoskope.«
Wenn es dem lieben Frieden dient, dachte ich ergeben. Ich suchte eine Weile auf dem Blatt, bis ich es kapierte. Ich war ein Pferd, tröstlich. Frosch und Ochse waren auch auf dem Blatt angeführt, aber ich war ein Pferd. Etwas Edles, kein versoffener Ochsenfrosch.
Sie gab mir ein zweites Blatt. »Dein Horoskop«, sagte sie. Der Text war auf Spanisch. Im ersten Absatz stand etwas von Geschäft und Geld, in der Mitte von Liebe und Beziehung. Von Schnaps und Nutten stand nichts drauf.
»Ich schreibe dir meine Webadresse auf«, sagte Emilio. »Die von deinem Geschäft?«
Vielleicht wollte Emilio auch nur Natascha beeindrucken. Wenn Männer nichts mehr in der Hose haben, entwickeln sie mancherlei irrwitzige Aktivitäten.
»Was willst du machen?«, fragte ich, obwohl er es mir gerade erklärt hatte. Ich hatte nicht zugehört.
»Reisebegleitung in Valencia. Bei Shopping dolmetschen, Kathedrale und Museen besichtigen, mit ihnen raus nach Albufera.«
Albufera ist ein Nationalpark südlich von Valencia. Weshalb musste man in Albufera Begleitung haben und außerdem, was wollte man dort? Ein Salzwassersee mit vielen Flamingos. Ich sprach es nicht aus. Emilio war ein netter Kerl, tat keiner Fliege etwas. Warum sollte ich ihm die Illusionen rauben, die er sich mühsam zurechtgebogen hatte. Schließlich leben wir alle auf irgendeine Weise von Wunschvorstellungen. Wenn ich eine Nutte aufgable, dann ist ihr Gestöhne auch nur Theater.

"Nacht über Valencia" im Kindle-Shop

Mehr über und von Eddy Zack auf seiner Website.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen