14. März 2014

"Die Erben der alten Zeit - Das Amulett" von Marita Sydow Hamann

Der erste Teil einer Fantasy-Trilogie.

Ein verstörendes Erlebnis veranlasst das 14-jährige Findelkind Charlotta Johansson, genannt Charlie, nach ihren wahren Eltern zu suchen. Charlie stiehlt ihre Akte und verlässt bei Nacht und Nebel das Kinderheim, in dem sie lebt. Mit dabei: Ein steinernes Amulett, das der Akte beilag. In Charlies Händen bewirkt es seltsame Dinge: Auf ihrer Flucht wird sie von dichtem Nebel umhüllt und findet sich plötzlich auf einem anderen Planeten namens Godheim wieder.

In dieser mittelalterlich geprägten Welt herrscht der grausame Magier Oden, der nun auch nach Charlies Leben trachtet da sie den Schlüssel zur Erde in Händen hält. Außerdem gibt es noch Sora, eine junge Frau, die nach einem mystischen, fast 15.000 Jahre langen Schlaf auf dem fortschrittlichen Planeten Euripides erwacht. Hier regieren Wissenschaft und Technik. Welche Verbindung besteht zwischen den beiden Welten? Und was hat dies mit Charlies Herkunft zu tun?

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Leseprobe:
Charlie folgte einem Schotterweg, der in Richtung Torpa führte. Bis sieben Uhr hatte sie sich schon viermal mit einem Hechtsprung in den Wald gerettet, um sich vor entgegenkommenden Autos in Sicherheit zu bringen. Beim letzten Mal war es äußerst knapp gewesen. Der Nebel war in den letzten Stunden dichter geworden und hing nun in dicken, weißen Schwaden zwischen den hohen Fichten sowie über den kleinen Lichtungen.
Es wurde immer riskanter, die Wanderung fortzusetzen. Charlie wollte auf keinen Fall gesehen werden. Sie war erschöpft und befürchtete, beim nächsten Mal nicht mehr rechtzeitig hinter einem Baum verschwinden zu können. Deshalb bog sie in den nächsten Waldweg ein und suchte sich einen geschützten Platz, um etwas zu essen und sich auszuruhen. Nach der langen nächtlichen Wanderung war sie hungrig und müde. Etwas zu essen und ein wenig Schlaf würden ihr gut tun. Sie ließ sich seufzend auf einem dicken Baumstumpf nieder und holte eine Tüte Erdnüsse hervor.
Während Charlie ihre Nüsse knabberte, kramte ihre Hand automatisch in der Jackentasche. Sobald sie den seltsamen, flachen Stein mit ihrer Hand umschloss, wurde dieser immer wärmer. Charlie war während des raschen Nachtmarsches nicht kalt gewesen. Aber jetzt, wo die Wärme des Steines langsam durch ihren Körper sickerte, wurde ihr bewusst, dass sie langsam zu frieren begonnen hatte. Nachdenklich zog sie den Stein hervor und betrachtete ihn.
Ob er mich auch wärmt, wenn ich ihn um den Hals trage?
Langsam hob sie das Lederband hoch und ließ ihn über ihre wuscheligen Haare gleiten. Sorgfältig strich sie alle langen Locken zur Seite, bis der Lederriemen um ihren Hals lag und der weiße Stein an ihrer Jacke herunterbaumelte.
Nichts!
Keine wohltuende Wärme. Dann kam ihr eine Idee.
Vielleicht muss der Stein Körperkontakt haben?
In ihrer Jackentasche war er ja auch kühl gewesen. Erst in ihrer Hand hatte er seine Temperatur geändert. Charlie öffnete den Reißverschluss ihrer Jacke ein Stück und ließ den Anhänger unter ihr Protected by Witchcraft-Shirt gleiten. Kühl legte sich der Stein auf ihre Brust. Nach einer Weile spürte sie, wie er langsam warm wurde und sich die Wärme wohltuend in ihrem Körper ausbreitete. Sie legte eine Hand von außen auf die Jacke und konnte den Anhänger als kleine Erhebung auf ihrem Brustkorb fühlen.
Körperkontakt!
Sie hatte recht gehabt. Zufrieden atmete sie ein paar Mal tief durch. Dann zog sie ihre Regenjacke aus dem Rucksack hervor. Sie rollte sich auf dieser wasserdichten Unterlage neben dem Baumstumpf zusammen und schlief augenblicklich ein.

Sie flog leicht wie ein Vogel durch dichten Nebel. Je schneller sie wurde, desto freier fühlte sie sich. Begierig sog sie die kühle, feuchte Luft in ihre Lungen. Ein helles Lachen suchte sich, erst leise und dann immer kräftiger, den Weg durch ihre Kehle. Sie fühlte, wie ihre Stimmbänder kraftvoll vibrierten. Plötzlich teilte sich der Nebel und schuf einen schmalen Tunnel. Am Horizont zeichnete sich ein schwarzer Punkt ab, auf den sie langsam zuflog. Je näher sie kam, desto aufgeregter wurde sie. Langsam, sehr langsam flog sie näher. Jetzt konnte sie es erkennen: Was von weitem wie ein schwarzer Punkt ausgesehen hatte, waren Haare. Schwarze, kurze Haare lockten sich um den Kopf eines Jungen, der mitten im dichten Nebel auf einem Baumstumpf saß. Je näher sie kam, desto schärfer wurden seine Umrisse. Er war schmal und sehnig. Die Haare waren ungleichmäßig kurz geschnitten; auf der linken Seite fiel ihm eine lange, gelockte Strähne in den Nacken. Der Junge wickelte diese dunkle Strähne immer wieder um den Zeigefinger und ließ sie dann bedächtig bis zum Ende des Fingers gleiten.
Sie flog näher heran und umkreiste langsam den Jungen. Er blickte vor sich auf den Waldboden. Sein rechtes Auge verbarg sich hinter einer längeren, schwarzen Haarsträhne. Der Junge hatte ein leicht blasses, längliches Gesicht, lange Wimpern und hohe Wangenknochen.
Plötzlich flog sie schnell und geradewegs auf den Jungen zu! Der Windstoß, den sie mit sich führte, blies die schwarze Haarsträhne zur Seite. Der Junge schlug die Augen auf und starrte ihr entgegen. Mit einem grünen und einem blauen Auge!

Als Charlie aufwachte, war es später Nachmittag. Ein Blick auf die Armbanduhr verriet ihr, dass es genau 17:33 Uhr war. Der Nebel hatte sich nicht gelichtet. Dicke, weißgraue Nebelschwaden hingen zwischen den Bäumen. Trotz des feuchtkalten Wetters war ihr wohlig warm. Ein gezielter Griff an die Brust bestätigte ihr, woran das lag. Die Wärme des Steines strömte sanft durch ihren Körper.
Warum wurde im Polizeibericht dieser ganz offensichtlich ungewöhnliche Stein als ganz normales Quarzgestein beschrieben?
Charlie räkelte sich und fuhr sich durch die zerzausten Haare.
Vielleicht ist der Stein bei der Polizei nicht warm geworden?
Sie gähnte und setzte ihre Überlegungen fort.
Der Stein gehörte offensichtlich ihr. Sie hatte ihn um den Hals getragen, als sie an jenem Morgen als Baby im Nebel aufgetaucht war. Aus dem Nichts sozusagen. Aus Nebel, ähnlich dem, der sie jetzt hier im Wald umgab. Also war es wohl ihr Stein.

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Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

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