14. Mai 2014

"Lovisa - Der Riss im Universum" von Marita Sydow Hamann

Romantasy der Reihe "Das Vermächtnis der Lil`Lu" und der erste Band der beiden Lovisa-Bücher.

Lovisa ist 17, selbstsicher, sarkastisch und schreibt Geschichten, die ihr in Tagträumen einfach zufliegen. Doch es nagen Zweifel an ihr, als sie erfährt, dass ihre Tagträume eigentlich Visionen sind – Visionen, die sie zu ihrer leiblichen Mutter in die Psychiatrie führen. Lovisa fühlt sich zunehmend verfolgt. Wer ist der junge Mann aus ihrer Vision, der ihr das Gefühl eines leidenschaftlichen Kusses auf den Lippen hinterlässt?

Ozeanblaue Augen verfolgen sie, ihr Weltbild wird erschüttert, und die Realität ist viel unglaublicher, als sie es sich je erträumt hätte …

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Leseprobe:
Ich stand bei ICA – einer schwedischen Lebensmittelkette – an einem Süßigkeitenstand und konnte mich nicht entscheiden.Das Schild sagte eindeutig drei für zehn Kronen, aber es gab fünf Sorten zur Auswahl.
Da werden einem aber auch schwierige Entscheidungen abverlangt! Gemein.
Ich wippte vor und zurück, starrte auf das Sortiment und auf die bereits gewählten Riegel in meiner Hand.
Mein Blick verschwamm. Alles um mich herum wurde auf einmal undeutlich. Die Farben der Verpackungen begannen zu verwischen, lustige Muster bildeten sich, der Raum vor mir fing an, sich unnatürlich zu dehnen. Es kribbelte in meinen Händen. Die Muster verwandelten sich in beängstigende Gebilde. Ich zog scharf die Luft ein, blinzelte erschrocken die verzerrten Bilder fort und starrte ins Leere.
Was war denn das? Geträumt? Oder ...
Ein elektrisierender Impuls eilte durch meinen Körper, so einer, den man siedend heiß spürt, wenn es einen eiskalt erwischt. Hm, siedend heiß und eiskalt. Nettes Wortspiel. Ich grinste, schaute mich verlegen um – niemand sah mich an – und widmete mich dann wieder der Auswahl an süßen Leckereien. Ich zitterte leicht. Ich schob das Gefühl von Unzulänglichkeit, das sich auf einmal breitgemacht hatte, energisch zur Seite.
Es war nur ein Tagtraum, schimpfte ich mich und griff aufs Geratewohl nach noch einem Schokoriegel. Entschlossen drehte ich mich zu den Kassen und suchte mir die am wenigsten bevölkerte aus. Das leichte Kribbeln blieb in meinen Händen. Ich quetschte die Riegel, sodass ich es knirschen hörte und seufzte.
Na toll. Jetzt ist der Keks im Riegel zerbröselt.
Den Riegel kann man sowieso kaum essen, ohne zum Krümelmonster zu werden. Der Anflug von Ärger vertrieb zum Glück die unwillkommenen Gedanken, die mich seit diesem überraschenden Farbspielerlebnis irritierten. Wenigstens etwas!
Erleichtert schaute ich mich um.
Ich war in einem typischen ICA Maxi-Laden mit einer unglaublichen Artikelvielfalt, Pfannen, Klamotten, Gartenzubehör – zum Glück verkauften die auch immer noch Lebensmittel. Wobei es mich wunderte, dass dort für so einfache Dinge wie Brot auch noch Platz war. Um ehrlich zu sein, ging ich lieber bei City Gross einkaufen, dort war es geräumiger, und übersichtlicher war es auch.
Bei ICA Maxi brauchte man Kondition. Ich war nicht die Einzige, die Probleme hatte, dort auf Anhieb etwas zu finden. Ob das Taktik war? Je mehr der Kunde rumläuft, desto hungriger wird er? Wie zur Bestätigung knurrte mein Magen.
Ich blickte auf meine Beute. Was hatte ich eigentlich als Letztes gegriffen? Oh, wunderbar ... Ein Geisha, gerade den mochte ich aus der Fünferauswahl am wenigsten. Ich wollte losgehen, um den Riegel auszutauschen, als ich mitten in der Bewegung anhielt. Hinter mir ringelte sich die Warteschlange bis weit in eine Regalreihe. An den anderen Kassen das gleiche Bild. Ich seufzte – diesmal laut hörbar – und fügte mich dem Schicksal. Also gut, dann eben ein Geisha. Ich würde es überleben.
Langsam rückte die Schlange vorwärts. Als ich unter ein Reklameschild trat, tropfte mir irgendetwas auf den Kopf. Ich strich mir hastig über die Haare und schaute nach oben. Da war nichts. Zumindest nichts Sichtbares. Meine Finger tasteten meine Locken ab. Aber ich konnte nichts Nasses ausmachen. Ich schaute nochmal nach oben – dann trat ich vorsichtshalber etwas zur Seite. Wer weiß, dachte ich, sicher ist sicher.
Diese Bilder ... Der verzerrte Raum …
Ich atmete tief durch und fixierte den Zeitschriftenständer, der direkt vor der Kasse auf die Kunden wartete. Prinzessin Madeleine lachte mir von einer Titelseite entgegen. »Alles rund um Madeleines großes Babyglück«, war die Schlagzeile. Hinter ihr lachte Kronprinzessin Victoria in die Kamera. Sie war offenbar auf dem Weg zu einer Hochzeit. Es war seltsam, sie auf einem Foto ohne Prinzessin Estelle im Arm zu sehen. Nun ja, jetzt war wohl Madeleine dran. Hier wurde man vom Königshaus verfolgt, wohin man auch sah.
Ich konzentrierte mich auf die Überschriften. Las sie noch einmal und stellte verärgert fest, dass ich immer noch nicht wusste, was dort stand. Mein Unterbewusstsein drängelte sich faszinierend penetrant in den Vordergrund: verzerrte Bilder, ein Raum, der sich dehnte …
Ich quetschte wieder meinen Riegel und las zum dritten Mal: »Nachdem Madde ihre Schwangerschaft bekannt gab: Carl-Philip und Sofia in freudiger Erwartung?« Nicht zu fassen! Nur, weil die Schwestern jetzt anfingen, sich zu reproduzieren, musste er es auch? Hatten die nichts anderes zu berichten? Mein Blick huschte weiter: »Mitten im Babyboom. Der König will die Krone an Victoria abgeben.«
Ich stutzte, dann grinste ich breit. Ich brauchte nicht einmal den Artikel aufzuschlagen, um zu wissen, dass das garantiert nur ein Köder für die Leser war. Als junge Mutter hatte Victoria sicher anderes zu tun, als gerade jetzt das Amt zu übernehmen! Immerhin repräsentierte die Kronprinzessin auch jetzt schon unser Land. Jeder wusste, dass sie einmal Königin werden würde. Wozu also die Eile?
Ich musterte die Abkömmlinge von Königin Silvia kritisch: attraktive Repräsentanten. Vor allem Madeleine. Obwohl ich fand, dass mir die Gesichter der Königsfamilie viel zu häufig entgegenlächelten, gehörte ich doch zu jenen Bürgern, die das Königshaus als eine Bereicherung ansahen und nicht als ein Relikt vergangener Zeiten.

Im Kindle-Shop: Lovisa - Das Vermächtnis der Lil`Lu (1): Der Riss im Universum - Romantasy

Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

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