21. Mai 2014

"Lavendula - Es begann am Nil" von Pia Süss

"Manche Liebe reist rückwärts durch den Sand der Zeit." Emilia merkt, dass sie in ihrem scheinbar glücklichen Leben gar nicht so glücklich ist wie alle meinen. Eine tiefe Sehnsucht holt sie immer wieder ein, bis sie eines Nachts von einer vergangenen Zeit und einer vergangenen Liebe träumt. Als sie erkennt, dass es sich um ihr eigenes, vorheriges Leben im antiken Ägypten handelt, kann sie nichts mehr aufhalten. Sie fliegt alleine nach Ägypten, um ihn zu finden. Julianus, den Mann der sie nicht mehr aus seinem Bann lässt.

Als sie ihn sucht, findet sie sich selbst als Hohepriesterin wieder in Abydos, 1206 v. Chr., Julianus an ihrer Seite. Doch Minmose, der Hohepriester des Osiris will Emilia für sich alleine und geht, besessen wie er ist, dafür über Leichen …

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Leseprobe:
In unserer Küche stützte ich den Kopf auf die Fäuste. Der Duft des Lavendeltees kroch mir in die Nase und hatte etwas Beruhigendes, obwohl meine Gedanken Achterbahn fuhren. Falls Christian der richtige Mann für mich war, weshalb fühlte es sich dann so falsch an? Ich wurde den Gedanken nicht los, dass dort draußen jemand auf mich wartete.
Christian war ein Mann zum Heiraten. Mit seinen stahlblauen Augen, seinem dunklen Haar und dem markanten Kinn gehörte er zu der Gruppe Männer, an denen Frauen Gefallen fanden.
Das Leben mit ihm war ein schönes Klischee. Nette Freunde, liebenswerte Familie, gemütliche Abende zu zweit.
Aber wir waren zu verschieden, unterschiedlicher hätten unsere Interessen und Ziele kaum sein können.
Wir waren auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier. Ein Freund von Christian lud ein und wir freuten uns auf einen ausgelassenen Abend. Ich versuchte wie immer meine zufriedene Miene aufzusetzen. Dies gelang mir in der Öffentlichkeit meist sehr gut.
Oft war es für mich jedoch anstrengend, mit meinem aufgesetzten Optimismus durchs Leben zu laufen. Den Grund für meine Maskerade kannte ich selbst nicht. Nicht dass ich ein pessimistischer Mensch war, er stimmte nur irgendetwas nicht in meinem Leben. Auch wenn ich nicht erklären konnte was es war, so fühlte sich ein Teil in mir falsch an. Unwirklich. Fehl am Platz.
An jenem Tag war es anders. Bei der Party angekommen fühlte ich mich von Anfang an wohl. Christian und ich verstanden uns blendend. Wir hielten uns an den Händen, er küsste mir von Zeit zu Zeit zärtlich die Wange und blickte mich an als wären wir gerade frisch verliebt.
Keiner hatte es bemerkt. Wir hatten die glückliche Beziehung so gut vorgespielt, dass wir beinahe selbst glaubten, alles sei in bester Ordnung. Kaum denkbar, dass ich im tiefsten Innersten schon längst mit Christian abgeschlossen hatte. Ich war mir bei ihm nie sicher, ob er selbst noch daran glaubte, dass wir eine Chance auf eine glückliche Zukunft zu zweit hatten. Es fiel mir die gesamten Jahre hindurch schwer, zu erahnen wie er fühlte und was er dachte.
Während ich ein offenes Buch für meinen Freund war und stets heraus posaunte, was in meinem Kopf vor sich ging, blieb er zumeist die Ruhe in Person. Selbst wenn ich wieder einen meiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle bekam, blieb er gelassen und versuchte den Streit zu umgehen, was mich eigentlich immer noch mehr wütend machte.
Ich versuchte, auf der Party einfach nicht daran zu denken, dass alles schon bald vorbei sein könnte. An dem Abend wollte ich das Leben einfach in vollen Zügen auskosten. Mit meinem Freund gemeinsam genießen. Ohne über die Zukunft nach zu grübeln und alle Eventualitäten bis ins kleinste Detail zu zerpflücken. Heute Abend sollte ein schöner Abend werden. Ich beschloss, alle belanglosen Gedanken auf morgen zu verbannen.
Die Nacht verlief wie erhofft. Während die Männer auf der PS3 Guitarhero spielten und dabei kämpften, als ginge es um Leben und Tod, waren wir Frauen von dem Schauspiel der sich duellierenden Playstationspieler dermaßen belustigt, dass wir vor lauter Lachen kaum noch Zeit zum Plaudern fanden.
Als wir um vier Uhr morgens betrunken nach Hause wackelten, konnte ich es kaum noch erwarten ins Bett zu fallen. Jegliche Annäherungsversuche von Christian wurden durch ein zufriedenes Schnarchen meinerseits abgewehrt.
In dieser Nacht fühlte ich es das erste Mal. Obwohl ich tief und fest schlief, hatte ich das Gefühl hell wach zu sein. Meine Beine und Finger kribbelten. In meinem Kopf drehte sich alles, dennoch war alles ganz klar und hell. Dann kam noch ein leises Summen und Klirren in meinen Ohren dazu. Mein Atem wurde schneller, ich drehte mich wie besessen von einer Seite des Bettes zur anderen. Dann wachte ich auf.

Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.
- Carl August Sandburg –

1206 v. CHR. ABYDOS, ÄGYPTEN TEIL 1
Ich sah mich um und fühlte die trockene Hitze in der Luft des Tempelraumes. An mir herab blickend bewunderte ich das weiße Leinenkleid, das meinen Körper umspielte. An der Taille war es mit einem grünen, mit Goldperlen bestickten Gürtel geschnürt. Schwere goldene Ohrringe hingen seitlich an meinem Gesicht herab und ein weißer Schleier, der einem Hauch von Nichts ähnelte, bedeckte mein Haar. An den braunen Ledersandalen waren winzige Amulette befestigt, die schon bei jeder kleinen Bewegung klingelten.
Auch wenn ich nicht ganz verstand, wie ich hier her kam, so kannte ich doch den Ort. Ich wusste genau, wo ich mich befand. In Ägypten, im Tempel von Abydos. Ich erkannte den schweren Geruch des Weihrauchs, der die Tempelluft schwängerte. Konnte fühlen, dass ich den sandigen Lehmboden unter meinen Füßen schon tausende Male betreten hatte. Unzählige Male zuvor blickte ich durch das runde Fenster hinaus Richtung Himmel. Schon viele Jahre hatte ich an jenem Ort verbracht, er war meine Heimat. Meine vergangene und vergessene Heimat. Ein Ort, an dem ich bereits vor über dreitausend Jahren lebte.
Der rhythmische Klang der Männerstimmen und der sanfte, weibliche Gesang, der einen in Trance zu versetzen schien, war mir so vertraut. Sogar mein kleines, fast herzförmiges Muttermal an der Innenseite meines linken Handgelenks war da.
„Emilia!“ rief eine mir bekannte, weibliche Stimme. „Komm doch, was wartest du? Mach dich für die Zeremonie bereit!“
Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, ging ich eine steinerne Wendeltreppe hinab, die in einen kryptenartigen Raum führte. Auf einem Tisch standen verschiedene Metallgefäße und Amphoren mit duftenden Ölen und Salben. Durch ein kleines Okulifenster ließ die Sonne den Schmuck funkeln, der auf einem Pult feierlich aufbewahrt wurde.
Als erstes salbte ich meine Füße mit Rosenöl mit dem Gefühl, als würde ich mitten in einem Rosengarten umherwandern. Einen Tropfen des Lavendelöles platzierte ich geschickt an dem Punkt zwischen meinen Brüsten und zwei weitere hinter meinen Ohrläppchen. Mit einem kleinen Pinsel nahm ich ein wenig Kohlestaub auf, um meine Augen dunkel zu umranden. Eine Salbe, die mit roten Puderpartikeln versehen war und nach Aprikosen roch, verlieh mir weiblichere Akzente auf meine Wangenknochen.

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Mehr über und von Pia Süss auf ihrer Website.

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