26. Mai 2014

"Mission Phoenix 3 - Die Aruniten von Fraanish" von Mara Laue

Das dritte Abenteuer um das Raumschiff PHOENIX. Bereits der erste Auftrag auf Fraanish erweist sich als schwierig in mehr als einer Hinsicht. Die Fraanisheh sind misstrauisch und zögern, den Forschern Zugang zu ihrem Gebiet zu gewähren. Erschwerend kommt hinzu, dass Captain Melori immer noch auf der Abschussliste der Piratengilde steht, die alles daran setzt, sie zu finden.

Damit nicht genug, entdeckt die Crew auf Fraanish etwas, das nicht nur das ganze Volk in höchste Gefahr bringt, sondern auch für die Interstellare Allianz zur tödlichen Bedrohung werden könnte. Und einige Fraanisheh haben kein Interesse daran, die PHOENIX mit diesem Wissen entkommen zu lassen.

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Leseprobe:
Captain Melori betrachtete die Liste ihrer IsteND-Befugnisse und war froh, dass sie eine Frelsini war. Die hervorstechendste Eigenschaft ihres Volkes war neben Freiheitsliebe und Toleranz absolute Loyalität gegenüber Freunden, Bündnispartnern und jedem, dem sie sich verpflichtet fühlten. In diesem Fall war das die Interstellare Allianz. Wäre dem nicht so, dann hätte nicht nur der Interstellare Nachrichtendienst ein erhebliches Problem gehabt, sondern die ISA ebenfalls, denn Melori befehligte das leistungsfähigste Schiff der gesamten ISA, in dem es Technologie gab, von der nicht einmal ihre Vorgesetzten etwas wussten, sondern nur Melori und ihre Crew. Sie bedauerte diese Heimlichkeiten, denn sie sollte gerade ihren Vorgesetzten uneingeschränkt vertrauen.
Leider ließ das die gegenwärtige Lage nicht zu. Es gab Verräter innerhalb der ISA, die mit der Gilde Freier Piraten kollaborierten und dadurch nicht nur mitschuldig daran waren, dass die Piraten der gesamten ISA erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügten. Wie es aussah, saß mindestens einer dieser Verräter, wahrscheinlich aber mehr als einer, auch im IsteND. Das Oberkommando des IsteND hatte jeden einzelnen Mitarbeiter einer telepathischen Bewusstseinssondierung unterzogen und war, nachdem alle Ergebnisse nichts Negatives ergeben hatten, zu dem Schluss gekommen, dass es unter ihnen keinen Verräter gab. Zumindest nicht in leitender Position. Die Überprüfung der restlichen Mitarbeiter dauerte noch an.
Melori wie auch Erster Admiral Rhan Kharmin – Oberbefehlshaber der Interstellaren Polizei und Mitglied des IsteND und die einzige Person, der Melori uneingeschränkt vertraute – war zu dem Schluss gekommen, dass auch das Bestehen der Bewusstseinssondierung keine Garantie für die Unschuld der so Geprüften war. Zum einen gab es Telepathen, die in der Lage waren, im Bewusstsein anderer Personen eine Art Gedankenschutzschild zu etablieren, der verhinderte, dass andere Telepathen die dahinter verborgenen Gedanken lesen konnten. Zum anderen gab es keine Garantie dafür, dass ein mit der Bewusstseinsprüfung beauftragter Telepath nicht selbst zu den Verrätern gehörte und seine Komplizen für unbedenklich erklärte.
Um die Verräter zu enttarnen und in dem Zug auch die Piraten zur Strecke zu bringen – zumindest einige von ihnen –, bedurfte es eines Schiffes wie der PHOENIX 1, dessen gesamte Crew aus IsteND-Agenten bestand, die alle ihre Laufbahn als ganz normale Spezialisten in dem Bereich begonnen hatten, in dem sie eine Funktion innerhalb des Schiffes und seines offiziellen Auftrags ausübten. Als Schiff der Terranischen Raumflotte war es die Aufgabe der PHOENIX, umfassende Forschungen zu betreiben. Forscher schnüffelten im Rahmen ihrer Forschungen per se überall herum, sodass das nicht der Tarnung widersprach. Deshalb wussten auch nur sehr wenige, handverlesene Leute über den wahren Auftrag der PHOENIX Bescheid. Melori traute nicht einmal denen mit Ausnahme von Rhan Kharmin, weshalb er der Einzige war, der die Geheimnisse der PHOENIX kannte.
Das Problem war, was passierte, sollte das Schiff jemals Feinden der ISA in die Hände, Tentakel, Klauen oder deren Äquivalent fallen. Ein anderes Problem hätte sich ergeben, wenn Melori der ISA gegenüber nicht absolut loyal gewesen wäre. Sie war sich der Macht bewusst, die sie als Kommandantin gerade dieses einzigartigen Schiffes besaß, denn einige ihrer Crewmitglieder teilten ihre Loyalität für die ISA nicht, sondern waren nur ihrem Captain ergeben. Dazu noch diese umfassenden Befugnisse …
Melori besaß die Macht, jedem Kommandanten eines Trägerschiffs der IsteP mit Berufung auf die für solche Fälle vorgesehenen Geheiminstruktionen Befehle zu erteilen. Sie konnte jederzeit den Ratsvorsitzenden des Interstellaren Rates sprechen, der die ISA regierte, sie konnte theoretisch sogar eine Kriegsflotte anfordern. Sie konnte auch in gewissen Grenzen gegenüber einem Nicht-ISA-Volk verbindliche Zusagen im Namen der ISA machen, und der Interstellare Rat wäre verpflichtet, diese Zusagen zu erfüllen. Zwar müsste sie jeden derartigen Schritt vor ihren Vorgesetzten detailliert rechtfertigen, aber falls sie sich entschließen sollte, diese Macht zu missbrauchen, würde niemand sie aufhalten können. Eine immense Verantwortung. Melori hoffte, dass sie ihr auf die Dauer gewachsen war.
Sie unterbrach ihr Schwelgen in Machtfantasien und wandte sich wieder praktischen Dingen zu. Seit die PHOENIX vor achtzehn Tagen offiziell in Dienst gestellt worden war, hatte sich endgültig herauskristallisiert, welche Crewmitglieder welche Posten bekamen, bei denen Melori und ihr Erster Offizier Halan Ashkonn sich noch nicht sicher gewesen waren. Außerdem dauerten manche Dinge in der TRF eine gefühlte Ewigkeit, sodass Melori die offiziellen Beförderungen ihrer Leute erst heute erhalten hatte. Sie hatte die betreffenden Crewmitglieder zu sich gerufen, die in diesem Moment ihren Bereitschaftsraum betraten, gefolgt von Commander Ashkonn. Der Mimik und Gestik der Leute nach zu urteilen, befürchteten zumindest einige einen Tadel oder Schlimmeres.
„Lieutenant Commander Janssen“, wandte sie sich an eine Terrani und überreichte ihr ein Datenpad, „meinen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung zum Commander und zum Dritten Offizier der PHOENIX. Die offizielle Urkunde finden Sie auf dem Datenpad.“
Shakti Janssen blieb der Mund offen stehen. Sie starrte Melori ungläubig an, während sie das Pad entgegennahm.
„Schließen Sie den Mund, Commander Janssen, sonst fliegt Ihnen noch etwas hinein.“
Shakti Janssen fand ihre Sprache wieder. „Danke, Ma’am! Vielen Dank!“
Melori reichte das nächste Pad Lieutenant Commander Brrkkt. „Auch Sie darf ich zur Beförderung zum Commander beglückwünschen.“
Der sauroide Castorer zischte erfreut, ehe er das Pad mit einem Dank entgegennahm.
„Commander Shedora, seien Sie ebenfalls beglückwünscht.“
Kya Shedoras Augen funkelten erfreut. „Danke, Captain.“
Auch die Kommandantin der bordeigenen Jägerstaffel Thalia Lindstrom sowie der Leiter der Kybernetikabteilung Segokk stiegen vom Lieutenant Commander zum Commander auf. Das galt auch für den Chefpsychologen Dr. Ben Semjonov.
Melori wandte sich an Cheftechniker Robar Selakem. „Commander Selakem, ich hoffe, Ihr neuer Rang spornt Sie noch mehr an als bisher, Ihr Bestes zu geben. Allerdings bin ich der Meinung, dass da kaum noch eine Steigerung möglich ist.“ Sie reichte ihm das Pad.
„Verzeihung, Captain, aber Sie meinen sicherlich, dass ich zum Lieutenant Commander befördert wurde. Ich bin schließlich erst Lieutenant.“
„Nein, Commander, Sie haben genau den Rang bekommen, den Sie längst hätten, wenn Sie schon länger unter meinem Kommando gestanden hätten. Das gilt auch für Sie, Commander Malana.“ Melori reichte Naika Malana ihre Beförderungsurkunde.

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