21. August 2014

"Lovisa - Im Zeichen des Feuers" von Marita Sydow Hamann

Romantasy der Reihe "Das Vermächtnis der Lil`Lu" und Band 2 der Lovisa-Bücher.

Lovisas bisheriges Leben ist völlig auf den Kopf gestellt, so viel ist in den letzten zwei Wochen geschehen - Visionen, die Vergangenes und Zukünftiges offenbaren, eine Entführung durch einen Unbekannten. Und ihre leibliche Mutter ist für sie in den Tod gesprungen, nachdem sie Lovisa Unfassbares offenbart hat.

Erik – der junge Dimensionsagent mit den ozeanblauen Augen, der sie magisch anzieht –, hat Lovisa mit dem Versprechen verlassen, zu ihr zurückzukehren. Doch Lovisa wechselt ebenfalls und folgt ihm in seine Realität. Dort warten gleich mehrere unangenehme Überraschungen auf sie …

Gleich lesen: "Lovisa - Das Vermächtnis der Lil`Lu: Im Zeichen des Feuers" von Marita Sydow Hamann

Leseprobe:
Ich stand auf einer Anhöhe und schaute in ein hell erleuchtetes Tal hinab, durch das sich ein Fluss schlängelte. Der Strom wurde von zahlreichen Scheinwerfern erleuchtet und schien in der Dunkelheit wie ein sich windendes Band zu glühen. Am Flussufer sah ich ein Schloss. Die vielen Türmchen und Erker warfen ihre Schatten auf die umgebende Graslandschaft. Nur wenige Bäume zierten den Schlosshof, die ich nur schemenhaft gegen das Licht erkennen konnte.
Ich erkannte es wieder – es war genau das Schloss, das ich in einer Vision gesehen hatte.
Der Anblick auf das Tal hinab war wundervoll – fast märchenhaft. Dieser Ort strahlte Ruhe aus und Gastfreundlichkeit.
Ich hatte so ein mulmiges Gefühl, als ich widerwillig den Hügel hinabging. Seltsam! Mit jedem Schritt fühlte ich, dass hier etwas nicht stimmte …
Erik.
Denk an Erik. Und alles wird gut, hatte Ulrika gesagt. Ulrika, meine leibliche Mutter, die für mich in den Tod gesprungen war. Ich sollte an Erik denken, um ihn zu finden.
Es war so unglaublich viel geschehen in der letzten Woche. Ich hatte Erik kennengelernt, einen Dimensionsagenten aus einem anderen Universum, der den Auftrag gehabt hatte, Ulrika zurückzuholen. Seine Welt – Ulrikas Welt stand auf dem Spiel, hatte er mir erzählt. Ulrikas Wechsel in unsere Welt hätte einen Riss in sein Universum gerissen, der ständig wuchs und bald seine Welt vernichten sollte. Was bisher niemand wusste, war, dass diese Risse lebten. Es waren Lebensformen, die lediglich um ihr Überleben kämpften. Auch mir fiel es schwer, das zu verstehen.
Aber meine Mutter Ulrika hatte mir genau das gesagt. Nun gut, eigentlich hatte sie es nicht wirklich ausgesprochen. Zu ihren Lebzeiten hatte sie es mir unzusammenhängend zugeschrien, sodass ich nicht verstanden hatte, was sie eigentlich wollte.
Ulrika litt unter einer schweren Psychose, seit sie Zeuge davon wurde, wie ihr Geliebter – mein leiblicher Vater – auf bestialische Weise ermordet worden war. Damals – mit mir schwanger – war sie durch den Wechsel in meine Welt geflohen. Ulrika hatte aber die Geschehnisse und den Wechsel niemals richtig verarbeitet. Sie litt seitdem unter Verfolgungswahn und Visionen.
Ich hatte Erik gesehen, bevor er das erste Mal aufgetaucht war. Wir, Ulrika und ich, konnten Ereignisse aus der Vergangenheit, aus der Gegenwart und sogar aus der Zukunft sehen. Ein großer Schock für mich, die ich mit Vorliebe meine „Tagträume“ als Geschichten aufschrieb – zumeist im Genre Horror und Thriller.
»Sie sind wahr! Sie sind alle wahr!«, hatte Ulrika geschrien.
Jetzt wusste ich, was sie damit gemeint hatte: Unsere „Tagträume“ waren ernst zu nehmende Visionen, und sie entsprachen der Realität.
Ulrika wollte nicht zurück in ihre Welt. Sie konnte nicht. Weshalb, das erfuhr ich erst nach ihrem Tod, als sie – haltet euch fest! – anfing, mit mir zu sprechen … In meinem Kopf …
Ja, ich weiß, das klingt irre. Aber ich schwöre, genau das tat sie, seit sie mir, kurz vor ihrem Sprung in die Tiefe, all ihre Gedanken überlassen hatte. Obwohl auch das verrückt klingt, hat Ulrika mir eine Bibliothek voll mit losen, unsortierten Buchseiten vermacht – bildlich gesprochen. All ihr Wissen und ihre Erlebnisse schwirrten nun in meinem Kopf herum, leider konnte ich nicht nach Belieben darauf zugreifen. Stattdessen überkamen mich Bilder, Gerüche oder ganze Szenen, die ich dann deuten musste. Und Ulrika fing an, mit mir zu sprechen – ich hörte sie wirklich. Vermutlich nutzte mein Unterbewusstsein den Inhalt ihrer Bibliothek, um mir auf diese Art Informationen zukommen zu lassen. Aber da war ich mir nicht sicher. Vielleicht lebte ja ein Teil von Ulrika tatsächlich in mir weiter. Eine seltsame Vorstellung, ebenso erbauend wie erschreckend.
Ob nun sie selbst oder ihr geistiger Abdruck: Durch eine Vision hatte ich erfahren, dass ich Eriks Welt retten konnte, obwohl – laut Eriks Erklärungen – Ulrikas Tod in meiner Welt das Ende seiner besiegelt hatte.
Ich wusste aber jetzt, ich konnte wechseln, ohne meine eigene Welt zu gefährden. Wenn ich wechseln würde, entstehe ein gefährliches Loch in unserem Universum – ein Riss, der nur durch meine Rückkehr geschlossen würde. So Eriks Version.
Doch jede Rückkehr in die eigene Welt verursachte den Tod einer Lebensform, denn – wir erinnern uns – die Risse lebten! Deshalb hatte Ulrika auch nicht zurückgewollt oder gekonnt. Sie sah diesen Riss als ihr Kind an, als ihren Sohn. Er sollte weiterleben. Für ihn hatte sie riskiert, dass Eriks Welt mit Millionen Menschen und Tieren über kurz oder lang explodieren würde …

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Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

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