19. August 2016

'Nanny wider Willen' von Lisa Torberg

Karola kann ihr Glück nicht fassen, als sie ausgerechnet von der AB-Unternehmensberatung zum Einstellungsgespräch eingeladen wird. Nur ein Hauch trennt sie noch von ihrem Traumjob! Doch dann läuft alles schief. Die U-Bahn bleibt auf der Strecke stehen, in der Eile stolpert sie und beschmiert ihre Bluse mit Marmelade. Verspätet erscheint sie im Büro des Dr. Bernhard – und fällt in Ohnmacht.

Und dann hat dieser Typ mit den tiefgrünen Augen die Frechheit, ihr einen Job als Nanny anzubieten. Als Nanny! Nachdem sie jahrelang geschuftet hat, um ihr Doktorat zu machen. Wutschnaubend läuft sie davon. Als ihr das Schicksal eine zweite Chance bietet, muss sie sich entscheiden. Aber lohnt sich dieser Umweg für ihren Traumjob? Und wird sie es schaffen, diesen attraktiven Millionär zu ignorieren, dessen Blick sie bis in ihre Träume verfolgt?

Gleich lesen: Nanny wider Willen: A Millionaire Dream Story

Leseprobe:
Das war‘s dann. Die größte Chance meines Lebens ging flöten.
Der Zug stand seit geschlagenen sieben Minuten still, an irgendeinem Ort unter der Erde und in totaler Dunkelheit. Das Einzige was sich bewegte, war der Sekundenzeiger meiner altmodischen Armbanduhr. Mir war zum Heulen. Der linke Arm, mit dem ich mich auf Schulterhöhe an der Haltestange festhielt, schmerzte bereits. Ich ließ genau in dem Moment los, in dem die U-Bahn ruckend anfuhr, und verlor den prekären Halt, den mir die schwindelerregenden Absätze gaben. Ich wurde von etwas Weichem gebremst, das sich bei eingehender Betrachtung als der prominente Bauch eines älteren Mannes herausstellte. Der Kerl grinste anzüglich und stank erbärmlich. Entweder war er gegen Wasser und Seife allergisch oder er trug den fusseligen Pullover bereits seit Tagen.
Verzweifelt griff ich wieder nach der Haltestange, umklammerte sie und starrte auf die automatische Tür. Ich musste unbedingt als Erste aussteigen, schob den rechten Fuß in Startposition. Endlich. Vor den Fenstern wurde es heller, der Wagen fuhr in die Station ein und hielt. Doch die Tür blieb zu.
Von hinten wurde ich angerempelt, umklammerte die Pochette und drückte die Bewerbungsmappe noch fester mit dem Arm gegen den Körper. Was ist los, überlegte ich verwirrt. Doch erst ein schmerzhafter Tritt auf meine kirschrot lackierten Zehen brachte mich zur Besinnung. Ich sah in die falsche Richtung!
Mit Schwung drehte ich mich um und stieß mit dem Ellenbogen das erstbeste Hindernis zur Seite. Eine Frau keifte los, doch ich war bereits auf dem Bahnsteig und eilte zur Rolltreppe. Eineinhalb Minuten später und zwanzig Meter höher suchten meine Augen nach dem Aufgang zur Oberwelt. Wie auf Eiern und die bleistiftdünnen Stöckel verfluchend, stieg ich die Treppe hinauf.
Endlich stand ich wenige Schritte vom Ziel entfernt. Die Uhr neben dem Schild der U-Bahn zeigte sechs Minuten vor neun. Das war knapp, aber machbar, wenn ich einen Spiegel und ein Waschbecken fand, um meine äußere Erscheinung auf ein annehmbar weibliches Niveau zu bringen.
Zielstrebig ging ich auf die verspiegelte Front des Bürogebäudes zu. Der Eingang lag genau in der Mitte der futuristischen Fassade, ähnelte dem Menschen verschlingenden Maul eines Dinosauriers. Die feinen Härchen auf den Unterarmen stellten sich auf, signalisierten Gefahr. Eine Drehtür. Die kleine Hexe in meinem Unterbewusstsein lachte hämisch. Das Innere des Saurierschlunds rotierte wie ein Kreisel automatisch - Albtraum hoch zwei. Meine Beine blockierten unmittelbar vor dem Eingang, verweigerten jede Bewegung.
Doch ich musste durch. Jetzt. Sonst konnte ich den Traumjob sofort abschreiben. Mit zusammengekniffenen Augenlidern trat ich in die freie Schleuse, legte die linke Hand auf die Griffleiste und setzte einen Fuß vor den anderen. Die löchrige Gummimatte war sicher ein fantastischer Fußabtreter, jedoch meinen High Heels feindlich gesinnt. Und so blieb ich mit dem Absatz hängen, stolperte aus dem Karussell in die Halle, direkt auf einen Mann zu, der mir seinen angebissenen Krapfen auf die Bluse drückte. Nein, nicht irgendwohin, sondern genau zwischen die Brüste. Mit dem einen Arm hielt er mich um die Taille fest, mit der freien Hand versuchte er, Krümel und Marmelade zu entfernen. Den Blick starr auf diese fremde Hand gerichtet, begriff das Gehirn endlich das Desaster und plötzlich rann mir die Wimperntusche mit Tränen vermischt über die Wangen.
Meine Augen waren auf einen Kehlkopf und einen hellblauen Hemdkragen gerichtet. ‚Keine Krawatte‘ notierte ich ebenso, wie das kurze Erstarren des männlichen Körpers. Fühlt sich angenehm an, lispelte die Hexe in meinem Kopf.
»Sie haben vermutlich einen Termin im Haus. Bei wem?« fragte mich eine Stimme von oben, zeitgleich zog mich der Mann zu einer Sitzgarnitur, drückte mich nach unten.
»Bei Dr. Bernhard um neun. Vorstellungsgespräch.« flüsterte ich weinerlich.
Er verschwand kommentarlos quer durch die Halle, sprach kurz mit der Angestellten am Empfangstresen. Das nahm ich aus dem Augenwinkel wahr, auch wenn mein Gesicht immer noch beschämt zu Boden blickte.
»Alles in Ordnung, Sie haben noch genügend Zeit. Die Sekretärin hat ihren Termin auf Viertel nach verschoben.« sagte er und reichte mir ein Taschentuch. Ich griff danach, wischte mir die Tränen ab und sah auf.

Im Kindle-Shop: Nanny wider Willen: A Millionaire Dream Story


Mehr über und von Lisa Torberg auf ihrer Website.

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