12. August 2014

"Traummänner und andere Hirngespinste" von Annika Bühnemann und Anna Fischer

Eine Liebeserklärung an das Leben. Die Mittdreißigerin Marietta begegnet nach einem Unfall endlich dem Mann fürs Leben. Als sich der vermeintliche Traummann mal wieder als absoluter Mistkerl entpuppt, will sie ihn vor die Tür setzen. Doch es stellt sich heraus, dass er nur eine Halluzination ist. Noch dazu eine äußerst nervige, die ohne fremde Hilfe nicht loszubekommen ist. Der Hypnocoach Paul macht ihr in unkonventionellen Therapiestunden klar, dass nur die wahre Liebe sie von ihrem Hirngespinst heilen kann.

Aber wie soll man sich auf jemanden einlassen, wenn man bislang nur enttäuscht worden ist und der Liebe abgeschworen hat?

Gleich lesen: "Traummänner und andere Hirngespinste"


Leseprobe:
Ich hatte Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Sollte ich Mark vor die Tür setzen? Oder der Beziehung noch eine weitere Chance geben?
Vier Monate waren wir jetzt zusammen. Vier Monate, in denen ich mich zwar nicht mehr alleine, aber zu oft als Ersatz-Mami statt als Prinzessin gefühlt hatte.
In Gedanken vertieft, steckte ich den falschen Schlüssel in die Tür meiner Wohnung. Ich hielt inne. So ähnlich war das mit Mark. Es passte einfach nicht. Warum ließ ich mich andauernd auf Typen ein, die sich vom Prinzen auf dem weißen Pferd in einen Sancho Panza auf einem Esel verwandelten? Hatte ich Lust auf einen Kuschelabend, schaute er lieber Fußball. War mir nach einem Buch, war ihm nach Sex. Aber zum Wäschewaschen und Putzen war ich immer gut genug. Ich musste die Sache zwischen uns wirklich beenden. Doch dann wartete wieder nur diese unerträgliche Sehnsucht nach einer Beziehung auf mich.
»Ich muss mich endlich entscheiden«, murmelte ich, öffnete die Tür mit dem richtigen Schlüssel und schob sie auf. Vielleicht änderte Mark sein Verhalten doch noch und wir würden eine erfüllte Beziehung führen.
Die Wohnung duftete nach seinem Parfum. Jetzt wusste ich wieder, was ich an Mark so liebte: Ich war seinem Geruch verfallen. Immer, nachdem er das Bett verlassen hatte, kuschelte ich noch so lange mit seinem Kissen, bis die letzten Duftpartikel verflogen waren. Nein, ich konnte mich nicht von ihm trennen.
»Mark?«
Niemand antwortete.
Ich hörte den Fernseher dröhnen und ein Husten. Er war also doch da.
Die Hoffnung auf eine liebevolle Begrüßung nach einem anstrengenden Arbeitstag hatte ich bereits in den ersten Wochen aufgegeben.
Ein Blick in die Küche verriet mir, dass es Spiegeleier zum Mittagessen gegeben hatte. Oder zum Frühstück, wer konnte das schon wissen? Die Eierschalen neben dem Ceranfeld badeten in einer Eiweißlache. Die Pfanne stand auf dem Küchentisch. Sogar aus drei Metern Entfernung konnte ich die Fettspritzer am Boden und auf den Fliesen sehen. Da kein Teller herumstand, nahm ich an, dass Mark wieder direkt aus der Pfanne gegessen hatte.
Vielleicht sollten wir uns doch trennen. So konnte es nicht weitergehen. Dieser Kerl machte aus meiner Wohnung einen Saustall, während ich hart arbeitete, um uns beide über die Runden zu bringen. Da konnte er noch so gut riechen.
»Mark, wir müssen reden«, rief ich auf dem Weg ins Wohnzimmer. Er kam mir entgegen, in jeder Hand einen Koffer. Perplex starrte ich erst ihn und dann die Koffer an.
»Marietta, es tut mir leid. Aber das mit uns funktioniert einfach nicht. Ich denke, es ist das Beste, wenn wir getrennte Wege gehen.«
Warum stieg mir gerade jetzt sein Duft besonders in die Nase? Warum sahen mich seine braunen Kuhaugen so schmerzverzerrt an, als wäre ich es, die ihm gerade das Herz brach? Wenn, dann hätte ich doch allen Grund, ihn zu verlassen. Aber er doch nicht mich!
»Aber was hab ich falsch gemacht?«, wollte ich wissen.
»Es passt einfach nicht, das mit uns. Ich weiß auch nicht, warum«, meinte er ausweichend und drängte sich an mir vorbei.
»Wir können das schaffen, Mark«, begann ich, wurde aber sogleich unterbrochen.
»Wir haben es oft genug versucht. Du weißt doch gar nicht, was du willst! Wenn ich links sage, willst du nach rechts – und wenn ich dann nach rechts gehe, willst du nach links. Bring erst mal dein Leben in Ordnung, dann können wir nochmal drüber reden.«
Mein Leben in Ordnung bringen? Mein Leben war super, wenn man die Männerpleiten ausklammerte. Es war definitiv richtig, dass Mark und ich uns trennten. Mit jemandem, der die Situation vollkommen falsch einschätzte, wollte ich nicht zusammen sein.

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