31. Januar 2014

'Das Haus an den Gleisen' von Rainer Bauer

Eine Geschichte vom Erwachsenwerden und der ersten Liebe. Sie beschwört die Illusionen unserer Kindheit und ihren Verlust. Deutschland in der Zeit zwischen Kennedy-Attentat und Mondlandung. In Berlin wird ein Student erschossen. Und Fritz geht's auch nicht gut. Bei der Wahl der Fußballmannschaften bleibt er übrig. Am Seil kommt er nicht hoch. Nicht mal den Hof kann er durchqueren aus Angst vor dem Gockel. Er kapiert die Schrittfolge beim Tanzen nicht und stolpert über eigene und fremde Füße. Schuld ist die Welt, weil sie ihm dauernd im Weg steht.

Da begegnet ihm Leo. Sie ist zwölf, so alt wie er. Sie sagt zu ihm, was noch niemand zu ihm gesagt hat: Du kannst es! Ich helfe dir. Leo wird sein Kompass. Sein weißes Kaninchen. Er wird sie nie mehr vergessen. Eines Tages ist sie verschwunden. Er steht vor seiner größten Herausforderung …

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Leseprobe:
Die Holztreppe ächzte und knarzte, wenn man seinen Fuß darauf setzte. Kam Hermann spätnachts in seinen schweren Stiefeln die gewachsten Stufen herauf, wusste ich genau, wo er war. Ich kannte jeden Laut in diesen Nächten der Angst.
Geht er weiter oder bleibt er stehen?
Die Schritte verstummten.
Jetzt stand er auf dem Treppenabsatz vor unserer verglasten Eingangstür. Ich lauschte seinem schweren Atem, hörte aber keinen Laut. Alles still. Wäre im Treppenhaus kein Licht gewesen, gedämpft durch das geriffelte Glas der Scheibe, hätte ich geglaubt, zu träumen.
Mir fielen die Augen zu.
Minutenlang muss er dort gestanden haben – dann, wie ein Paukenschlag in der nächtlichen Stille, fuhr es aus ihm heraus in diesem herrischen, schnarrenden Ton einer Amtsperson:
„Katzenpisse komm raus! Ich hab mit dir zu reden.“
Zwölf Jahre, fett wie ein Aal, erpicht auf erste Heldentaten, schlich ich geräuschlos zur Schlafzimmertür und linste durch den Spalt in den Flur.
„Nicht, bleib im Bett“, zischte Johanna hinter mir aus ihrer Bettengruft.
„Katzenpisse komm raus!“
Mit dem Licht im Rücken warf er einen übergroßen, schwankenden Schatten, aber ich war nicht beeindruckt: Selbst Ratten warfen große Schatten.
„Komm raus, stell dich! Wir kriegen dich, du Drecksau!“
„Sag nichts“, flüsterte Johanna meinem Vater zu. „Er geht auch wieder weg.“
Doch er ging nicht, sein Tagewerk war nicht getan. Im zweiten Stock öffnete sich die Tür und Hedwig kreischte herunter:
„Hermännle, so lass doch. Komm doch rauf, Hermännle. Ich bitte dich!“
„Halts Maul, Weib. Schaff dich ins Bett“, schrie Hermännle nach oben zu seiner Frau, seine Faust so heftig gegen unsere Türfüllung schmetternd, dass das Glas klirrte. „Bist du kein Mann, du Schlappschwanz? Komm raus, ich hab mit dir zu reden.“
„Hermännle! So hör doch auf, Hermännle!“ Die Stimme immer verzweifelter. Die grün leuchtenden Zeiger des Weckers zeigten Viertel vor zwei.
„He du, Katzenpisse. Liegst du da drin in deinem Bett? Träumst du was Schönes? Ich weiß genau, dass du mich hörst. Ich krieg dich, ich schwör`s dir. Ich krieg dich, du Drecksack, du. Du Drecksack, du dreckiger! Sei dir bloß nicht so sicher. Wir kommen und holen dich ab zum Verhör.“
In Filmen griffen sich die Leute an die Brust, kippten mit dem Gesicht in die Salatschlüssel und waren mausetot. Warum nicht Hermann? Warum ging Wendel nicht raus und warf ihn kopfüber die Treppe hinunter? Ein Unfall.
Er hatte einen sitzen und ist gestürzt. Ich hab’s genau gesehen. Ich kann es bezeugen, Herr Wachtmeister.
Was wollte er erreichen? Eindruck machen? War er hinter Johanna her? Hätte er sie gekannt, wie ich sie kannte, wäre er nicht hinter ihr her gewesen. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil, einer von Wendelins Sprü- chen. Sprüche, keine Taten. Warum unternahm er nichts?
Ich hielt die Luft an.
Konnte er meine Gedanken lesen? Da draußen, keine drei Meter von meinem Bett, stand eine Amtsperson in grüner Uniform und schweren schwarzen, auf Hochglanz polierten Stiefeln: die Polizei!

Karriere machte Hermann freilich weniger als Gesetzeshüter, sondern mehr auf dem Gebiet der Medizin: Erst bekam er‘s auf die Brust, dann Bluthochdruck, dann einen Hörsturz, einen Herzinfarkt, Diabetes, erblichen Veitstanz oder irgendwas Degeneratives, von dem ich dachte, er hätte es schon immer gehabt. Wendelin, der Nichtraucher und Nichttrinker, ein stiller, in sich gekehrter Mann, war seit fünfundzwanzig Jahren tot.
Und wie geht‘s dem Gesetz?
Den Umständen entsprechend gut. Der ambulante Dienst pudert ihm zweimal am Tag den Arsch und wechselt die Windel.

"Das Haus an den Gleisen" im Kindle-Shop

Mehr über und von Rainer Bauer auf seiner Website.

30. Januar 2014

'Ohne Hintern wär ich sexy' von Sandra Hausser

Hilfe, Klassentreffen! Auch Diana Frank bekommt eine Einladung zu einem Wiedersehen mit ihren früheren Mitschülern. Doch mit besagter Einladung flattern auch zwei große Probleme ins Haus, die es vorher zu lösen gilt: Denn während es an potenziellen Begleitern mangelt, herrscht an einer ganz anderen Stelle ein Überschuss: an Dianas Hinterteil. In den verbleibenden vier Wochen setzt Diana alles in Bewegung, um beide Herausforderungen zu bewältigen und vor den Augen der anderen bestehen zu können ... und tritt dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste.

»Ohne Hintern wär ich sexy« - Zum Schmunzeln und Mitfühlen!

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Leseprobe:
„Oh mein Gott! In vier Wochen schon?“, rief ich erschrocken in die leere Küche und hielt den Brief mit zittrigen Fingern umklammert. Seit Jahren wusste ich, dass ich diese Nachricht eines Tages in den Händen halten würde. Vor einiger Zeit hätte ich mich sogar sehr darüber gefreut, nun schien es der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt. Ich starrte weiter auf das Papier. Das durfte nicht wahr sein.
Ich stand auf und holte mir eine Zigarette und ein Glas Wein aus der Küche, setzte mich an den Tisch und nahm den Brief ein weiteres Mal in die Hände. Sein Inhalt hatte sich nicht verändert, ich musste mich den Tatsachen stellen: Ich war zum Klassentreffen eingeladen. Meine Klassenkameraden versammelten sich, hatten mich seit fünfzehn Jahren nicht gesehen und keine Ahnung von meiner persönlichen Situation und meinem riesigen Hinterteil. Dieser, von mir sarkastisch als Fettsteiß betitelte Po war in den letzten sechs Jahren heimtückisch und gänzlich unbemerkt Teil meines Körpers geworden. Ich hatte seine Entwicklung zuerst nicht einmal bemerkt. Aus Jeansgröße siebenundzwanzig war eine neunundzwanzig geworden. Na und, dachte ich, du wirst eben älter, treibst weniger Sport und arbeitest im Sitzen. Jeans und andere Bekleidungsstücke der unteren Körperhälfte kaufte ich größer, dann noch größer.
Hajo, mein Exmann, sagte immer: „Sei froh, dass du nur an einer Stelle zunimmst. Andere werden rundum richtige kleine Fässer.“
„Und was ist mit den Proportionen?“, brüllte ich ihn irgendwann an. „Wie sieht das denn aus? Spindeldürre Arme und Beine, flacher Bauch, wenig Busen und ein fetter Hintern?“
Er lachte und erwiderte trocken, dass er gegen einen üppigeren Busen nichts einzuwenden habe.
Zeitgleich mit dem Wachstum meines Popos bröckelte unsere Beziehung. Hajo war immer öfter geschäftlich unterwegs. Auffällig oft. Das „Geschäftliche“ entpuppte sich später als Gabi Klein, wirklich klein war an ihr jedoch nur sehr wenig.
Ich stand auf und ging ins Schlafzimmer. Aus meinem Nachtschränkchen kramte ich ein blaues Kästchen, in dem ich alle alten Bilder meiner Kindheit und Jugend aufbewahrte. Ich blickte ausschließlich auf mich selbst, als ich die Fotografien, eine nach der anderen, zutage förderte und mich sehnsüchtig in jene Zeit zurück wünschte. Drahtig, sportlich, dünn, keine Spur von Fettpolstern.
Ein Bild zeigte mich mit dem Rücken zur Kamera und mit einem Apfelärschlein, klein und rund, hübsch verpackt in einer ausgewaschenen Jeans. Keiner meiner Kameraden würde mich wiedererkennen, zumindest nicht von hinten. Ich gluckste belustigt. Dabei würde ich mich wirklich freuen, die alte Truppe einmal wiederzusehen. Den harten Kern zumindest, mit dem ich ständig Unfug angezettelt hatte. So mancher Lehrer kann sich sicher bis heute noch gut an uns erinnern. Auf den Rest konnte ich gern verzichten. Allerdings schlichen sich auch nachdenkliche Gedanken in meinen Kopf. Denn wenn wir die Schulzeit ein wenig ernster genommen hätten, so wie die Streberbank weit vor uns im Klassenzimmer, würde ich jetzt nicht hier sitzen, geschieden und mit Bratarsch. Die Lehrstelle im Reisebüro damals hatte mir zum Glück meine Mutter besorgt, nachdem sich all meine eigentlichen Berufswünsche wegen meines schlechten Abschlusszeugnisses von jetzt auf gleich in Luft aufgelöst hatten. Meine jetzige Anstellung verdankte ich dem puren Zufall.
Wie es wohl den anderen aus unserer Klassenclique ergangen ist, fragte ich mich und spürte Sehnsucht in mir aufkeimen. Doch ich konnte mir denken, wie es bei dem Klassentreffen werden würde. Ein Werbespruch aus den Neunzigern fiel mir dazu ein: Mein Haus – mein Auto – mein Boot. Fotos würden herumgereicht und als Grund zum Prahlen genutzt werden.
Ich konnte nur einen dicken Hintern und Bilder vom Ex anbieten.
Das durfte ich mir nicht antun, diese Schmach musste ich mir unter allen Umständen ersparen.
Morgen rufe ich Carola an und sage ihr, dass ich unmöglich zum Klassentreffen kommen könne. Ausgerechnet an diesem Wochenende fände die wichtigste Fortbildung der Reisebranche statt und Teilnahme wäre Pflicht. Aber sie solle bloß nicht vergessen, mich für das nächste Treffen wieder einzuladen. Da käme ich ganz bestimmt.
Zufrieden mit dem Beschluss und der wunderbaren, taktvollen Entschuldigung, ging ich zurück in die Küche, öffnete den Kühlschrank und schaute begierig auf die fett- und kalorienreich lächelnden Waren. Meine Finger tasteten sich zielorientiert vorbei an der Leberwurst und dem Butterkäse, der Stangensalami und dem Erdbeerquark. Schnell hatte ich mir den Topf Stracciatella-Pudding geschnappt und fingerte mit der freien Hand im Gemüsefach nach der Sprühsahne. Auf dem Sofa legte ich die Beine hoch, wickelte meine immer kalten Füße in die Mikrofaserdecke und sprühte eine wunderbar große Portion Sahne auf den Pudding.

Im Kindle-Shop: Ohne Hintern wäre ich sexy: Roman (feelings emotional eBooks)

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23. Januar 2014

'Zentauren küssen anders' von Elle Marc

Fantasy mit Humor, Action und Romantik.

Ein Unfall machte ihn zu dem, der er heute ist: verletzt, verbittert, einsam. Er hat nur noch einen Wunsch: ein Leben in Freiheit, in den Wäldern, fernab der Zivilisation. Als der Tierarzt Eric Ehrenthal die Fähigkeit erwirbt, sich in einen Zentauren zu verwandeln, sieht er sich am Ziel seiner Träume. Gäbe es da nicht das weibliche Geschlecht, das der impotente Mann plötzlich wie magisch anzieht ...


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Leseprobe:
Eric drehte den Wasserregler unerbittlich in die rote Richtung. Er brüllte wie ein Eisbär in den heißen Quellen Islands, fing aber an zu lachen, weil es ihm Spaß machte, seinen Körper nach einer durchwachten Nacht zu neuem Leben zu erwecken. Er nahm sich Shampoo aus dem Spender und massierte sein ausgedünntes helles Haar. Wohin auch immer sich seine Haare in den letzten Monaten verkrümelt hatten, sie sollten sich zum Teufel scheren. Er stellte das Wasser ab. Aus dem Duschgel, das in einem Körbchen an der Seite stand, drückte er mühsam eine haselnussgroße Menge heraus bis es ihm aus der Hand flutschte.
„Verflucht nochmal“, knurrte er. Mürrisch seifte er sich mit dem wenigen Waschmittel ein und scheuerte darum ausgiebiger mit einem brettharten Waschlappen über seine bleiche Haut als wäre sie durch den Hitzeschock nicht schon rot genug. Er bückte sich nach dem Duschgel und streckte dabei sein steifes rechtes Bein aus der Duschwanne. Als seine Finger den Plastikbehälter berührten, verlor er das Gleichgewicht, schlug mit der Wange gegen das Körbchen und mit dem Ellbogen an den Wasserhahn. Sofort prasselte ein eiskalter Schauer auf ihn nieder, der seinen Atem stocken und sein Herz stolpern ließ. „Dieses verflucht verfluchte Bein“, würgte er aus einem Zustand, den man als schockgefroren bezeichnen konnte.
Beim Aufstehen öffnete er die Augen, schrie ein „Scheiße“ in den Brausestrahl, und presste eine zehntel Sekunde später die Lider fest aufeinander. Das Shampoo brannte höllisch. Wütend warf er das Duschgel in die Duschwanne, traf aber nur seinen linken Fußrücken. Er stöhnte. Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Jetzt ist es aber genug!
Blind tastete er nach dem Wasserhahn, um ihn ins Warme zu drehen. Nur zögernd erholten sich Herz und Lunge von dem Kälteschock und Eric keuchte ein „Was für ein Morgen“ an die nassen Fliesen, gegen die er seine Stirn gelehnt hatte.
Mit hochgezogenen Brauen betrachtete er sein Spiegelbild und überlegte beim Anblick der geröteten Augen und der aufgesprungenen Wange, ob es nicht besser wäre, gleich wieder ins Bett zu gehen. Schließlich zuckte er die Schultern und nuschelte: „Einem Krüppel kann das schon mal passieren.“

Eine Stunde später saß Eric in der Besprechungsrunde, die sein Vorgesetzter jeden Montagmorgen abhielt. Er gähnte verstohlen in seine Hand, während sich in seinem Gehirn nichts als leere Seifenblasen tummelten. Wieder einmal hatte er eine dieser schlaflosen Nächte hinter sich gebracht, die ihn seit einem Jahr aufsuchten und die sich nur dadurch von den anderen unterschied als sie im Bad ihren krönenden Abschluss gefunden hatte. Bleischwer war sein Wochenende an ihm vorbeigezogen genau wie die Regenwolken, die am Firmament festklebten. Seine Wange pochte unaufhörlich und er wusste, dass sich früher oder später im gleichen Takt pulsierend gnadenlose Kopfschmerzen einstellen würden. Es war nur eine Frage der Zeit. Aus weiter Ferne hörte er Dr. Huber wie er mit lauten Worten einen Artikel aus der Kronacher Tageszeitung vorlas.
„Jagdunfall oder Drohung? Bankdirektor endet im Rollstuhl. Als ihr Mann am Sonntagmorgen immer noch nicht von der Jagd zurückgekehrt war, verständigte die Ehefrau die Polizei. Nach mehrstündiger Suche wurde der Jäger unter einem zusammengebrochenen Hochsitz geborgen. Er war ansprechbar, aber reglos. Im Krankenhaus stellte man einen gebrochenen Halswirbel fest. Der Jäger wird nie mehr auf die Jagd gehen können. Weitere Ermittlungen der Polizei stehen noch aus.“
Stille. Beim Wort Rollstuhl spülte es Eric sein Frühstück den halben Weg vom Magen in die Speiseröhre hinauf. Er spürte wie die Säure die Schleimhaut verätzte, biss die Zähne zusammen und stemmte eine Faust gegen den Solarplexus.
Oh Gott. Nicht jetzt. Dieser Körper macht langsam was er will.
Die Mitarbeiter des Veterinäramtes standen in einer ausgedienten Küche beim Kaffee zusammen.
„Da ist doch was faul. Das schreit doch zum Himmel“, entfuhr es Dr. Huber. Eric würde es nie verstehen wieso sein Chef sich so künstlich aufregte. Was kümmerte ihn der Fischer? Es lag doch auf der Hand. Der Mann war alt und hatte im Wald nichts mehr zu suchen.
„Ist schon seltsam“, murmelte er nachdem er einen tiefen Atemzug genommen hatte, darauf bedacht, die richtigen Worte zu finden, „aber wer so alt ist wie der Fischer sollte nicht mehr auf die Jagd gehen.“
„Ein Jäger ist nie zu alt für seine Leidenschaft.“ Der empörte Ausruf des Veterinärdirektors ließ Eric einen Schritt zurücktaumeln.
„Herr Kollege, ein Amtstierarzt sollte immer auch etwas von der Jagd verstehen, begreifen Sie das endlich. Übrigens, es beginnt ein neuer Kurs. Werden Sie uns beehren?“
Das hämische Grinsen seines Vorgesetzten brachte ihn normalerweise immer auf die Palme, doch heute hatte ihn die Magensäure fest im Griff. Das einzige, was ihm einfiel war: „Sie wissen doch, mir fehlt die Leidenschaft.“
Er kann es einfach nicht lassen.
Unterdrücktes Lachen machte sich unter den anderen Männern breit, die Dr. Hubers Sticheleien gegen ihn gewohnt waren.
„Liegt noch etwas an?“, fragte Eric mit starrem Gesicht und geballten Fäusten, die er hinter seinem Allerwertesten verbarg. Seine Laune befand sich sowieso schon zwischen den Karteileichen eines Begräbnisinstituts.
„Haben Sie es heute eilig?“ Dr. Huber taxierte ihn und schmunzelte. „Auf meinem Schreibtisch liegt eine Beschwerde. Da müssten wir heute noch hin.“
Eric drehte sich missmutig um. Wenn der Chef von „wir“ sprach, meinte er im Allgemeinen, dass er die unliebsamen Arbeiten an ihn delegierte. Seine ungleichmäßigen Schritte hallten den Gang entlang, doch nicht laut genug, um die Sätze, die er nicht hören sollte, zu übertönen: „Finden Sie es richtig, ihn allein dort hinzuschicken?“ und „Er sagt doch immer, wir sollen ihn nicht behandeln wie ein rohes Ei.“ Es war nicht neu, dass die Kollegen in seiner Abwesenheit über ihn redeten und eigentlich war es ihm auch egal. Und dennoch, heute verhärteten sich seine Lippen unwillkürlich zu einem schmalen Strich. Es war erschütternd, festzustellen, dass sie noch nicht einmal den Anstand besaßen, zu warten bis er die Tür hinter sich geschlossen hatte.

"Zentauren küssen anders" im Kindle-Shop

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17. Januar 2014

'Micha - Ist Diabetes eigentlich ansteckend?' von Monika Baitsch

Eine kindgerechte Geschichte um Freundschaft und das Leben mit Diabetes. Sie zeigt, dass – wenn man einige Regeln befolgt – ein durchaus „fast“ normales Leben möglich ist. Die Idee hinter diesem Buch ist, Betroffenen, Angehörigen und Interessierten die Krankheit Diabetes mellitus näher zu bringen.

Micha hat Diabetes mellitus Typ I. Er ist mit seiner Familie in eine andere Stadt gezogen und lernt seinen neuen Freund Chris kennen. Im Verlauf der Geschichte erklärt er ihm auf gut verständliche Weise die Hintergründe, Fachbegriffe und Besonderheiten der Erkrankung. Micha beantwortet die vielen Fragen von Chris und die Freunde erleben gemeinsam aufregende Situationen.

Ist Diabetes eigentlich ansteckend? Diese und andere Fragen rund um das Thema Diabetes werden in der Geschichte des 12jährigen Micha beantwortet.

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Leseprobe:
„Micha, du bist eine verdammt coole Socke!“ Chris schlug Micha freundschaftlich auf die Schulter. „Wir sehen uns nachher auf dem Bolzplatz hinter der Schule.“
Noch während er das sagte, schwang er sich auf sein Fahrrad und fuhr los.
Micha war mit seinen Eltern und seiner Schwester Clara erst vor zwei Wochen in den winzigen Vorort von Heidelberg gezogen. Seine Eltern hatten ein kleines Haus gekauft, und er und Clara mussten die Schule wechseln. Eigentlich hatte er Bauchschmerzen deswegen gehabt, aber es hatte sich herausgestellt, dass auch in der neuen Klasse richtig nette Jungs waren. Mit Chris hatte er sich schon am ersten Tag angefreundet, und der wohnte nur eine Straße entfernt von ihm. Seitdem trafen sie sich fast jeden Nachmittag und gingen auf den Bolzplatz, der hinter der Schule lag, zum Fußballspielen, oder hingen einfach nur zusammen an der Spielekonsole oder an ihren Laptops. Chris war inzwischen ein richtig guter Freund geworden und die beiden Jungs verstanden sich prächtig.
Auch Micha machte sich auf den Heimweg von der Schule, seine Mutter würde sicher schon mit dem Mittagessen warten. Während er so gedankenversunken die Straße entlanglief, dachte er daran, dass es bestimmt bald wieder soweit war und er bei Dr. Born vorbeischauen musste, um seine Blutwerte kontrollieren zu lassen.
Micha hatte Diabetes, die Zuckerkrankheit, wie man früher gerne dazu sagte. Vor einigen Monaten war es bei ihm festgestellt worden und seither hatte sich einiges in seinem Leben verändert – verändern müssen!

Als er zu Hause ankam, stand das Essen bereits wie erwartet auf dem Tisch.
„Na, wie war es heute in der Schule? Wie lief die Mathearbeit?“, erkundigte sich seine Mutter bei Micha.
„Die war okay, ich hatte keine Probleme, aber für manche ist die Zeit am Ende etwas knapp geworden.“ Micha ging ins Badezimmer und wusch seine Hände, um noch vor dem Essen seinen Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und sich das notwendige Insulin zu spritzen. Er trug die Werte fein säuberlich in sein Blutzucker-Tagebuch ein, das er immer zu Dr. Born mitnehmen musste. Dann setzte er sich an den Tisch und aß. Auch seine Essgewohnheiten hatte er anpassen müssen!
„Du hast am Montagmorgen bei Dr. Born einen Termin zur Kontrolle deiner Werte“, sagte seine Mutter in dem Moment.
„Ist ja witzig, ich habe eben auf dem Heimweg auch daran gedacht, dass es bestimmt bald wieder an der Zeit ist, zur Untersuchung zu gehen. Ich brauche auch ein neues Rezept für mein Insulin. Dann sage ich Herrn Baumert morgen Bescheid, dass ich am Montag etwas später zur Schule komme.“

Nach dem Essen ging Micha in sein Zimmer, um seine Hausaufgaben zu erledigen. Kaum war er fertig, klingelte es auch schon an der Haustür und Chris holte ihn ab.
„Bin auf dem Bolzplatz“, rief Micha seiner Mutter noch zu, und schon waren die beiden weg. Als sie an der Schule ankamen, war noch niemand von den anderen da, und sie setzten sich auf die Tischtennisplatte.
„Ach, übrigens!“ Micha fiel ein, dass Chris ihn am Montag dann nicht zur Schule abzuholen brauchte. „Am Montag komme ich später zur Schule, du brauchst nicht auf mich zu warten.“
„Musst du mal ausschlafen, oder?“, fragte Chris lachend.
„Nee, ich habe einen Termin beim Doc – Blutentnahme!“
„Bist du krank?“ Chris schaute Micha etwas irritiert an.
„Ja und nein. Ich habe Diabetes und muss regelmäßig zur Blutkontrolle, damit mein Insulin auch richtig eingestellt ist.“ So, jetzt war es raus, nun wusste auch Chris Bescheid. Bisher hatte Micha es vermieden, darüber zu reden, weil er nicht anders behandelt werden wollte als die anderen Jungs. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten wussten, was es bedeutete, diese Krankheit zu haben, und sich auch nicht trauten zu fragen. Nicht so aber Chris.
„DU hast Diabetes?“, fragte er ungläubig. „Meine Oma hat das auch, aber die ist alt. Und auch unsere Nachbarin, aber die ist auch schon alt. Wie kommt denn ein Junge in deinem Alter zu so etwas?“
„Erzähle ich dir ein anderes Mal, da vorne kommen schon Bastian und Leon. Ich gehe noch mal kurz hinter die Büsche.“
Micha tat, als müsste er noch mal für kleine Jungs, aber hinter dem Busch nahm er sein Blutzuckermessgerät aus dem Rucksack und überprüfte seinen Blutzuckerspiegel. 148 zeigte das Gerät an, und somit war alles in Ordnung, der Wert war im grünen Bereich. Er konnte beruhigt mit den anderen Jungs Fußball spielen und musste weder Insulin nachspritzen, um den Wert zu senken, noch eine Kleinigkeit essen, um den Wert anzuheben. Als er wieder bei den anderen angekommen war, kickten sie fröhlich drauflos. Chris beobachtete Micha immer wieder verstohlen, man merkte überhaupt nicht, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung war. Seine Oma machte immer einen Test mit einem kleinen Gerät, ehe sie die Sahnetorte verschlang, und anschließend spritzte sie sich etwas, damit ihr Blutzuckerspiegel nicht zu hoch wurde. Aber Chris hatte sich noch nie wirklich dafür interessiert. Er hatte häufig den Eindruck, dass sie das machte, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ja, wenn er in dem Moment schon gewusst hätte, warum Micha hinter den Büschen verschwunden war.

Im Kindle-Shop: MICHA - Ist Diabetes eigentlich ansteckend?

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14. Januar 2014

'William und Die blutende Quelle im Wald' von Marita Sydow Hamann

Ein spannendes Krimi-Abenteuer für Kinder ab 10.

Die drei Freunde William, Albin und Ida machen eine unglaubliche Entdeckung: Die Quelle am Wichtelpfad blutet! Aus einem gespaltenen Fels läuft blutrotes Wasser heraus, sie sehen es mit eigenen Augen. Doch niemand glaubt ihnen ...

Es gibt eine uralte Legende im Ort, von einem verschwundenen Pastor, der ermordet worden sein soll. Laut dieser Überlieferung, soll sich das Wasser der Quelle auch damals rot gefärbt haben ...

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Leseprobe:
»Bist du sicher?«, fragte Albin mit skeptischem Blick.
»Absolut!«, antwortete Ida und warf ihren dicken, blonden Zopf nach hinten. Entschlossen zog sie das kleine Kellerfenster auf. Sie leuchtete mit ihrer Taschenlampe hinein, da sie keine der praktischen Stirnlampen hatte wie William und Albin.
»Das Haus soll abgerissen werden, genau, wie William vermutet hat«, erklärte Ida. »Der alte Larsson ist vor einem Monat ins Heim umgezogen. Morgen kommt die Abrissfirma. Also ist das unsere letzte Chance.«
»Ich gehe vor«, entschied William und schob Ida beiseite.
Ida verdrehte die Augen und schnaufte abfällig. Sie drückte William unsanft zurück. »Da wartet schon kein Geist auf mich!«, spöttelte sie.
Albin grinste breit. »Da hast du’ s. Den Geist des Pastors gibt‘ s ja auch nicht!«
William zog eine Grimasse und fuhr sich mit der Hand durch seine strubbeligen, blonden Haare.
Im Ort wurde erzählt, der Geist des Pastors spuke in dem Haus hinter dem Friedhof. William, Albin und Ida wussten es besser, denn vor ein paar Jahren waren sie der Geschichte auf den Grund gegangen. Gefunden hatten sie Williams großen Bruder Anders und dessen Freundin Sophie. Jugendliche benutzten das Spukhaus nämlich als heimlichen Treffpunkt. Und, um ungebetene Gäste fernzuhalten, hielten sie die Spukhausgeschichte mit einem angeblich unheimlichen Licht am Leben. William erinnerte sich gut daran, dass sie alle drei schreckliche Angst gehabt hatten. Denn der einzige Weg zum Spukhaus führte über den Friedhof, und der war nachts richtig gruselig.
»Sei bloß still, Albin! Du hast dir doch fast in die Hosen gemacht!«, konterte William und grinste zufrieden, als er sah, wie Albin sich nervös umsah, als Ida in den dunklen Keller kletterte.
Die Taschenlampe störte sie.
»Ich brauch dringend eine neue Stirnlampe«, murmelte sie vor sich hin. Der Lichtschein fuhr umher wie ein Irrlicht auf der Flucht.
»Du wolltest doch nur vor Ida den Mutigen spielen«, zischte Albin William zu. »Nur deshalb wolltest du zuerst gehen!«
»So ein Quatsch«, giftete William zurück, obwohl Albin genau ins Schwarze getroffen hatte. Er kannte ihn wirklich gut, was nicht verwunderlich war.
William, Albin und Ida waren Freunde, seit sie denken konnten. Es gab sogar Fotos von ihnen, wie sie mit zwei Jahren nackt am Strand spielten. Williams Mama holte diese Fotos oft hervor und zeigte sie Menschen, die William oft nicht einmal kannte.
Peinlich, fand William. Warum machte sie das nur? Als ob er, Albin und Ida das heute noch machen würden!
»Kommt ihr?« Idas aufgeregtes Gesicht erschien im Kellerfenster. Sie leuchtete mit der Taschenlampe direkt in Williams Augen.
»He, lass das!«, schimpfte er und sah sich aufgebracht um. »Willst du den ganzen Ort herlocken?«
Albin wurde immer nervöser.
»Los, zur Seite!«, drängelte er Ida rückwärts. Sie machte Platz, und Albin kletterte in den Keller.

Im Kindle-Shop: William und Die blutende Quelle im Wald: Kinder Krimi

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10. Januar 2014

'Gestatten, Erkül Bwaroo, Elfendetektiv' von Ruth M. Fuchs

Ein humorvoller Fantasy-Krimi. Erkül Bwaroo hat einen für einen Elfen ziemlich ungewöhnlichen Beruf – er ist Privatdetektiv. Als der Elf mit dem stattlichen Schnurrbart und dem französischen Akzent eines Tages von sieben Zwergen zu der Leiche einer wunderschönen Prinzessin gerufen wird, scheint jeder außer diesen Zwergen von einem Unfall auszugehen. Doch auch Bwaroo wittert ein Verbrechen. Allerdings kann er nicht die Meinung der Zwerge teilen, nur die Stiefmutter der Prinzessin könne die Mörderin sein.

Vielmehr gibt es für ihn eine ganze Reihe von Verdächtigen, einschließlich der sieben Zwerge. Der Detektiv macht sich also daran, mit seinen ‚kleinen grauen Zellen’ den Fall zu lösen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, seine eleganten Lackschuhe dem feuchten Waldboden auszusetzen. Mit Hilfe seines unerschütterlichen Dieners Orges kommt er bei der Aufklärung auch scheinbar gut voran – da geschieht ein zweiter Mord.

Dieses Buch ist eine humorvolle Hommage an die Kriminalautorin Agatha Christie und ihren berühmten belgischen Detektiv.

Gleich lesen: Gestatten, Erkül Bwaroo, Elfendetektiv (Erkül Bwaroo ermittelt 1)

Leseprobe:
„Also dann“, redete Bilmo sich selber gut zu, „reiß dich zusammen. Die Leiche kann schließlich nicht ewig so rumliegen.“
Er holte noch einmal tief Luft und stellte sich dann auf die Zehenspitzen, an den Klingelzug erreichen zu können. Noch einmal zögerte er kurz, dann zog er kräftig daran. Nervös drehte er seine Zipfelmütze in den Händen und ertappte sich dabei, wie er hoffte, es sei niemand zu Hause. Doch da öffnete sich auch schon die Tür und ein distinguierter Butler blickte mit undurchdringlicher Miene auf ihn herab: „Sie wünschen?“
„Ich möchte zu Erkül Bwaroo.“ Bilmo schluckte, fügte dann aber noch rasch hinzu, „in einer geschäftlichen Angelegenheit.“
„Natürlich“, der Butler verzog immer noch keine Miene, machte jedoch einen Schritt zur Seite und gleichzeitig eine Geste ins Innere des Hauses. „Wenn Sie die Güte hätten, einen Moment im Vestibül Platz zu nehmen ...“
Bilmo hatte keine Ahnung, was das sein sollte, trat jedoch ein. Gehorsam nahm er auf dem Stuhl Platz, auf den der Butler wies, allerdings nur vorsichtig auf dem Sitzrand. Denn er war überzeugt, dass es nicht sehr geschäftlich aussah, wenn er die Füße baumeln ließ.
„Wen darf ich melden?“, fragte der Butler mit ausdruckslosem Gesicht.
„Äh... mein Name ist Bilmo Taschler“, stotterte Bilmo.
„Sehr wohl.“ Der Butler verschwand durch eine Tür auf der rechten Seite und alleingelassen wagte es Bilmo, sich verstohlen umzusehen, wobei er weiter seine Mütze umklammert hielt.
Er befand sich in einer Eingangshalle, von der zwei Türen abgingen, eine rechts, durch die der Butler verschwunden war und eine identisch aussehende links. Überhaupt kam man sich vor, als wäre in der Mitte des Raumes ein Spiegel, denn alles war absolut spiegelbildlich. Der Stuhl, auf dem Bilmo saß, hatte ein genau gleich aussehendes Gegenstück auf der anderen Seite des Raumes. Nur war der eben leer, und Bilmo hatte bald das Gefühl, einen Frevel zu begehen, weil er die Symmetrie durch seine bloße Anwesenheit störte.

„Draußen wartet ein Herr Bilmo Taschler“, meldete der Butler seinem Herrn. „Er bittet um eine geschäftliche Unterredung.“
Erkül Bwaroo blickte von seinem Pollentörtchen auf, das er gerade mit Genuss verspeiste: „Bilmo? Bilmo Taschler? Nie gehört. Will da mal wieder einer eine Versicherung gegen Hexenflüche verkaufen?“
„Das glaube ich nicht. Es handelt sich um einen, äh, rustikalen Zwerg. Wegen eines Versicherungsvertreters hätte ich Sie nie gestört.“
„Natürlich nicht, Orges. Ein rustikaler Zwerg? Interessant. Es muss etwas Außergewöhnliches dahinter stecken, wenn ein Zwerg vom Land sich aus freien Stücken an einen Elf aus der Stadt wendet.“
„In der Tat“, Orges, der Butler, machte nach wie vor ein ausdrucksloses Gesicht.
Bwaroo strich sich gedankenvoll seinen üppigen Schnurrbart: „Très intéressant. Vielleicht ein neuer Fall. Nun gut, bitten Sie ihn in mein Büro. Ich komme gleich.“
Mit einer knappen Verbeugung verließ der Butler das Zimmer wieder. Erkül Bwaroo blickte ihm lächelnd nach. Ja, es war bestimmt ein neuer Fall. In letzter Zeit war nicht viel los gewesen und Bwaroo hatte bereits angefangen, sich zu langweilen. Selbst der brillanteste Verstand des Elfenreichs – und er zweifelte keine Sekunde daran, dass das der seine war – brauchte doch Anregung von außen. Philosophische Erwägungen oder theoretische Denkspielchen waren nichts für ihn. Nun, vielleicht bekamen seine grauen Zellen ja bald wieder etwas zu tun.
Gut gelaunt verzehrte Erkül Bwaroo den Rest des Törtchens, seiner Lieblingsspeise zu einem späten Frühstück wie heute, und trank genüsslich seine Tasse Würzmilch leer. Dann tupfte er sich sorgfältig die Mundwinkel mit der Serviette ab und erhob sich.
„Dann wollen wir doch mal sehen ...“, murmelte er vergnügt.

Im Kindle-Shop: Gestatten, Erkül Bwaroo, Elfendetektiv (Erkül Bwaroo ermittelt 1)

Mehr über und von Ruth M. Fuchs auf ihrer Website.

9. Januar 2014

'Mission Phoenix 1 - Der Auftrag' von Mara Laue

Auftakt einer Science Fiction-Serie über ein einzigartiges Raumschiff mit einer bunt zusammengewürfelten Crew eigenwilliger Individualisten und ihre gefährlichen Aufträge.

Als Captain Melori aufgrund eines Zerwürfnisses mit ihrem Vorgesetzten ihren Posten als Kommandantin einer Raumjägerstaffel verliert, macht ihr die Forschungsflotte ein überraschendes Angebot. Sie soll eine Reihe hochqualifizierter, aber als schwierig geltende Mitglieder der Terranischen Raumflotte zu einer effektiven Crew zusammenschweißen.

Obwohl Melori ahnt, dass mehr dahintersteckt, als man ihr sagt, akzeptiert sie die Aufgabe. Als wäre die nicht schon schwierig genug, entpuppt sich das der neuen Crew zugeteilte Raumschiff als Schrottmühle. Melori nutzt diesen Umstand, um aus ihrer noch unmotivierten, mürrischen Mannschaft eine funktionierende Einheit zu machen. Sie lässt die Leute das Schiff von Grund auf umbauen – mit ein paar schlagkräftigen Accessoires, von denen nicht einmal ihre Vorgesetzten etwas wissen.

Noch ehe das Schiff einsatzbereit ist, treten Ereignisse ein, die nicht nur Melori in Lebensgefahr bringen, sondern die sehr viel weitreichendere Konsequenzen haben und den eigentlichen Auftrag der neuen Crew umso dringlicher machen.

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Leseprobe:
Die ersten Gebäude zerpulverten unter dem Beschuss der Laserkanonen. Eins der Evakuierungsschiffe explodierte. Wo eine Sekunde zuvor noch etliche Menschen gestanden hatten, gab es nur noch zerstörtes Erdreich, gespickt mit geschmolzenen Teilen von Schiffshaut und Robotern.
Melori erwiderte das Feuer ihrer Angreifer und betätigte gleichzeitig den stimmengenerierten automatischen IsteP-Notruf, der in jedem ISA-Schiff installiert war, und sei es noch so klein. Der Notruf sagte jedem IsteP-Schiff in Reichweite, dass ein Angriff erfolgte und das notrufende Schiff dringendst Unterstützung brauchte. Eine mit dem Notruf gekoppelte automatische Ansage übermittelte anhand der Ortungsdaten und taktischen Daten ununterbrochen die Lage. Die ohnehin im Anflug befindliche SALAK würde mit höchster Beschleunigung kommen.
„SALAK 221“, ertönte die vertraute Stimme von Admiral Kendro Trevayaa aus dem Lautsprecher des Kom-Gerätes. „Ankunft in 7,3 Minuten.“
„Verstanden, Admiral. Wir halten die Angreifer so lange auf“, gab Melori durch, nachdem von der ZULU keine Antwort erfolgt. „Staffel 1 und 2: Decken Sie die Evakuierung. Der Rest: Ausschwärmen und nach eigenem Ermessen angreifen!“
Sie erhielt von allen Jägern die Klar-Meldung. Die Jäger schwärmten aus und stürzten sich wie ein Insektenschwarm auf die Piratenschiffe, während zwanzig von ihnen den Geschützen der Angreifer in den Weg flogen und die Schüsse abzufangen versuchten, mit denen der Rest der Siedler vernichtet werden sollte. Zehn Jäger bildeten einen Ring um die restlichen beiden Evakuierungsschiffe und synchronisierten ihre Schutzschirme, sodass sie einen einzigen Schild über den beiden Schiffen bildeten, der dem Beschuss der Angreifer erst einmal Stand hielt. Zumindest lange genug, bis die SALAK eintreffen würde. Außerdem verschaffte das Manöver der ZULU die Gelegenheit zu landen und den Rest der Siedler an Bord zu nehmen, dessen Evakuierungsschiff vernichtet worden war. Sobald die ZULU unter dem Schirm ihrer Jäger war, konnte sie ihre eigenen Schilde deaktivieren und die Siedler mit den Transportern an Bord holen. Leider funktionierten die nicht bei eingeschalteten Schutzschirmen.
Doch die ZULU tat nichts dergleichen. Melori glaubte ihren Ortungsinstrumenten nicht zu trauen, die anzeigten, dass sich der Schwere Kreuzer ein Rückzugsgefecht mit drei kleineren Piratenschiffen lieferte. Ein Rückzugsgefecht! Melori konnte es nicht fassen. Obwohl die ZULU von drei Gegnern bedrängt wurde, sah jeder halbwegs erfahrene Kommandant, dass für einen Rückzug kein Grund bestand. Die Geschütze der ZULU waren mehr als ausreichend, um mit denen fertig zu werden. Doch Commodore Alkamai war augenscheinlich dazu nicht in der Lage.
„Staffel 4! Schaffen Sie der ZULU die drei Angreifer vom Hals!“, befahl sie unverzüglich, und zehn ihrer Jäger drehten ab, um sich die drei feindlichen Schiffe vorzunehmen. Diese Schiffe gehörten ursprünglich zur Transportflotte der Nilameh, bevor sie den Piraten in die Hände gefallen waren, und verfügten deshalb über keine allzu leistungsstarken Schutzschirme oder Offensivwaffen. Aus diesem Grund mussten sie die ZULU zu dritt angreifen, da ein nilamisches Schiff allein kaum Aussicht gehabt hätte, ein terranisches Militärschiff zu zerstören. Ihr mangelnder Schutz gab den Jägern und der ZULU die Gelegenheit, die drei zumindest kampfunfähig zu schießen.
Melori nahm einen Piratenkreuzer aufs Korn, wich mit waghalsigen Manövern seinen Schüssen auf sie aus, unterlief sein Feuer und setzte mit einem breit gefächerten Torpedobeschuss seine Waffenphalanx außer Gefecht, nachdem drei andere Jäger durch konzentriertes Feuer eine Lücke in den Schirm des Gegners geschossen hatten. Im Inneren des Schiffes wurde eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, der es innerhalb von nur ein paar Sekunden in ein Wrack verwandelte. Unverzüglich wandte sich Melori dem nächsten Feind zu. Die taktische Analyse auf dem Bildschirm zeigte ihr, dass die größte Bedrohung ein ehemaliges tinuskisches Kriegsschiff war, das entschlossen schien, die Siedlung auf Kantaka vollständig dem Erdboden gleich zu machen. Gleichzeitig konzentrierte es einen Teil seines Beschusses auf die Schutzschilde der Jäger, um deren Gemeinschaftsschirm zu knacken, mit dem sie die Evakuierungsschiffe und die Siedler schützten. Da das tinuskische Schiff über sehr starke Waffen verfügte, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Schild zusammenbrach.
„Staffel 5! Nehmen Sie unauffällig das tinuskische Schiff aufs Korn“, ordnete sie an. „Ziel: Vernichtung!“ ‚Unauffällig’ bezeichnete ein Manöver, das Melori eingeführt hatte. Die Jäger der fünften Staffel würden sich nicht als geschlossene Formation dem Schiff nähern, sondern in derselben ungeordneten Form, wie sie zurzeit herumflogen, mal diesen und mal jenen Feind anvisieren. Dabei würden sie sich aber alle scheinbar zufällig in eine Position manövrieren, aus der sie von einem Moment zum anderen geschlossen ihr auserkorenes Ziel angreifen konnten – völlig überraschend für den Gegner, der dieses Manöver in der Regel zu spät durchschaute, um es verhindern zu können.
Die vierte Staffel hatte die drei die ZULU angreifenden Schiffe manövrier-und feuerunfähig geschossen und überließ es dem Schweren Kreuzer, ihnen den Rest zu geben. Doch die ZULU zog sich stattdessen immer weiter zurück.
„Captain Melori“, klang die Stimme von Commodore Alkamai in ihrer Kom-Anlage auf, „brechen Sie den Angriff ab und kehren Sie mit Ihren Leuten unverzüglich an Bord zurück. Wir ziehen uns zurück.“
Melori fühlte Wut in sich aufsteigen und ließ sie aus allen Geschützen feuernd an einem kleineren Piratenschiff aus, das Sekunden zuvor einen Jäger vernichtet hatte. „Wiederholen Sie das!“, verlangte sie.
„Ich sagte die Aktion wird abgebrochen. Sie kehren mit Ihren Jägern sofort an Bord zurück! Und zwar alle!“
„Commodore, damit verurteilen wir die Siedler auf Kantaka zum sicheren Tod!“, protestierte Melori. „Die SALAK müsste jeden Moment eintreffen und ...“
„Sie haben meinen Befehl gehört, Captain!“, donnerte Alkamai. „Sie kehren unverzüglich an Bord zurück, oder ich sorge dafür, dass Sie wegen Befehlsverweigerung vor Gericht kommen!“

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8. Januar 2014

'Ehre sei dem Vater' von Elisa May

Krimispannung in einem heiteren bis nachdenklichen Roman über zwischenmenschliche Beziehungen. Franz Seidl kommt nicht darüber hinweg, dass ihm nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden musste. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der mürrische Alte seiner Familie das Leben zur Hölle macht.

Als er eines Tages spurlos verschwindet, macht sich ausgerechnet sein ungeliebter Sohn Julian, gemeinsam mit zwei Freundinnen, auf die Suche nach ihm. Während sich die persönlichen Schicksale der drei Freunde zuspitzen, kommen sie einem lang gehüteten Geheimnis auf die Spur.

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Leseprobe:
Die nächtlichen Saufgelage der Besatzer hatten sich längst überall herumgesprochen. Niemand im Dorf hätte gewagt, abends die Haustüren zu verschließen, viel zu groß war die Angst, dass die Russen aus Zorn über verriegelte Türen ganze Häuser in Brand steckten. „Hoffentlich haben sie es diesmal nur auf Lebensmittel und Wertgegenstände abgesehen, sonst sollen sie mir lieber gleich das Leben nehmen.“ Diese Worte hallten in den Ohren des kleinen Jungen nach, als er auf seinem Strohsack im hintersten Winkel des kalten Zimmers kauerte und erfolglos versuchte, die düstere Stimmung des Tages zu verdrängen. Er hatte seine Mutter im Gespräch mit der Nachbarin belauscht und konnte sich nicht erklären, was noch schrecklicher sein könnte als der Verlust des Lebens. Von Weitem hörte er den spitzen Schrei einer Frau. Seine klammen Finger krallten sich in den rauen, unnachgiebigen Stoff, bis seine Mutter endlich ins Zimmer schlich und ihn still in die Arme nahm. Er konnte ihren heftigen Herzschlag spüren, und der Rosenkranz, den sie um ihre Hände gewickelt hatte, bohrte sich schmerzvoll in seine zarte Haut. „Gott behütet uns!“, murmelte sie leise in sein Ohr. „Niemand kann uns etwas anhaben.“
„Warum ist Vater denn nicht da, um uns vor diesen Männern zu beschützen?“, jammerte der Junge, obwohl er diese Frage schon oft genug gestellt hatte und die Antwort darauf nur zu gut kannte. Ehe seine Mutter antworten konnte, ließ sie ein dumpfes Geräusch zusammenzucken.
Die massive Eingangstür knarrte, als sich schwere Stiefel den Weg ins Innere des alten Bauernhauses bahnten. Die Mutter presste dem Jungen die Hand auf den Mund. „Pssst, keinen Laut, ganz egal was passiert, ich bin gleich wieder bei dir!“, flüsterte sie heiser, während sie beinahe lautlos den Raum verließ.
Er rührte sich nicht vom Fleck und hielt sich die Ohren zu, um die verhaltenen Aufschreie seiner Mutter nicht mehr zu hören. „Vater, Vater, Hilfe!“ stöhnte er, während er sich, mit den Beinen wild um sich schlagend, von einer Seite auf die andere wälzte.
Als Franz Seidl die Augen öffnete, saß seine Frau aufrecht neben ihm im Bett und strich mit den Fingerspitzen sanft die ergrauten Haare aus seinem schweißnassen Gesicht.
Schwer atmend setzte er sich auf. „Ist ja gut mein Schatz, du hast nur wieder geträumt!“, versuchte sie ihn zu trösten, doch es dauerte noch ein paar Minuten, bis Franz wieder vollends zu sich gekommen war. „Nur wieder so ein Traum ….“, stieß er erleichtert und zugleich verlegen aus. Solche Bloßstellungen seiner Verletzlichkeit beschämten ihn zutiefst. Seit seiner Kindheit wiederholten sich diese unheilvollen Träume immer wieder und in letzter Zeit immer häufiger. Man sollte meinen, dass die Erinnerungen mit den Jahren an Gewicht verlieren, doch ihn schienen sie mit der Zeit immer mehr zu erdrücken.
Das gedämpfte Licht der Nachttischlampe erhellte nur die dem Licht zugewandte Hälfte seines hageren Gesichtes. Die spärliche Beleuchtung vermochte nicht über den ängstlichen Ausdruck seiner Züge hinwegzutäuschen. Seine tagsüber zu einem exakten Seitenscheitel frisierten Haare klebten wirr an seiner Stirn. Franz fühlte sich unwohl unter Annas wachsamen Augen und er drehte sich zur Seite. Doch sie hatte den Blick bereits wieder von ihm abgewandt. Flink wie ein junges Mädchen drehte sie sich zur Seite, um gleich darauf mit beiden Beinen auf dem knarrenden Holzboden des Schlafzimmers zu stehen. „Ich mach dir einen Pfefferminztee mit Milch und Honig. Das tut dir ganz bestimmt gut!“, sagte sie aufmunternd und verschwand im selben Moment in ihrem geblümten Rüschennachthemd und den warmen Fellpantoffeln durch die Zimmertüre, ohne einen möglichen Widerspruch von ihm abzuwarten. Der Hund, der vor der Türe gelegen hatte, nutzte die Gelegenheit und schlüpfte durch den schmalen Türspalt, um sich wie selbstverständlich ans Bett seines Herrchens zu legen. Franz beugte sich ungeschickt seitlich aus dem Bett und streichelte dem treuen Tier liebevoll über das weiche Fell. „Willst mich wohl vor bösen Träumen beschützen, was Ronny? Dagegen werden wir wohl beide nicht ankommen!“

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