31. Mai 2014

"Fesselnde Entscheidung" von Alissa Sterne

Ein deutsches Pharmaunternehmen kämpft ums Überleben. Gerade als ein absolut geheimes, menschenverachtendes Projekt zur Erprobung eines Impfstoffes gegen eine todbringende Krankheit ins Leben gerufen werden soll, wird die Tochter des Firmeninhabers entführt. Auf der Flucht trifft sie eine folgenschwere Entscheidung und lernt einen Mann kennen, der eine starke Sehnsucht in ihr entfesselt … mit katastrophalen Konsequenzen.

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Leseprobe:
Es roch modrig und war kalt. Eiskalt. Irgendwo tropfte Wasser. Alle vier Sekunden verloren Wassermoleküle ihren Kampf gegen die Schwerkraft und fielen im freien Fall ins Ungewisse. Sie zählte die Tropfen. Das war ihre Art sich zu beruhigen. Bei 503 hörte sie auf einmal auf. Sie versuchte sich ein wenig zu strecken. Aber es gelang ihr nicht. Ihre Hände waren fest auf ihrem Rücken gefesselt. Jede Bewegung verursachte unvorstellbare Schmerzen, die Riemen hatten sich tief in ihre Haut gegraben. Mit ihren nackten Füßen saß sie auf dem kalten Boden an die Wand gelehnt und versuchte nicht durchzudrehen. Vier oder fünf heftige Panikattacken hatte sie schon hinter sich gebracht. Völlig verzweifelt stellte sie jedes Mal fest, dass die Heulkrämpfe und verzweifelten Versuche, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien, nicht halfen. Im Gegenteil: Die Fesseln schienen statt lockerer immer fester zu werden und ihre vom Knebel eingerissenen Mundwinkel brannten wie Feuer.
Immer und immer wieder ging sie den vergangenen Abend durch. Sie war auf dem Nachhauseweg, als …. Plötzlich hörte sie Schritte. Er kam zurück!
Atemloses Entsetzen lähmte sie für Sekunden. Ihr Herz raste. Voller Panik atmete sie immer schneller, immer flacher. Blitzartig bildete sich kalter, nasser Schweiß auf ihrer Stirn und ihrem Rücken.
Ein Schlüssel wurde in das Schloss gesteckt und zweimal umgedreht.
Instinktiv schob sie sich mit den Füßen in die hinterste Ecke des Raums. Panikartig versuchte sie sich aufzurichten, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie wollte schreien. Aber zu hören war nur ein gurgelndes Keuchen.
Erst mit einem kräftigen Druck sprang die Tür knarrend auf.
Er trat ein und stand mit einer rostigen Säge in der Hand vor ihr.
Sie wünschte sich schon tot zu sein.

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30. Mai 2014

"Juli.Mord.: Sylt-Krimi" von Bodo Manstein

Am Westerländer Strand wird eine junge Frau tot aufgefunden. Robert Benning, Inselmaler und freier Journalist, erhält den Auftrag über den Fall zu berichten. Zusammen mit seinem Freund, Hauptkommissar Hinrichs, stößt er schon bald auf weitere ungeklärte Mordfälle in Norddeutschland. - Sind sie etwa einem Serienmörder auf die Spur gekommen?

Dann erhält Benning eine Nachricht aus der Vergangenheit, die auf merkwürdige Weise mit den Morden in Verbindung zu stehen scheint. Und auf einmal bekommt der Fall eine bedrohliche Nähe. Benning steht plötzlich inmitten einer tödlichen Geschichte, über die er eigentlich nur berichten wollte.

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Leseprobe:
So, habt ihr sie also gefunden! Aufmerksam las der mittelgroße Mann, der sich lässig auf einen Stehtisch vor der Arko-Filiale stützte, über einen Mord am Sylter Weststrand. '...Wie die Polizei mitteilte, wurde am frühen Sonntagmorgen eine junge Frau in Höhe der Nordseeklinik tot am Strand aufgefunden. Nach ersten Ermittlungen wurde die Tote, deren Identität bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt war, offensichtlich ermordet. Als Todeszeitpunkt wird derzeit von einem Zeitraum zwischen Samstagabend, 23 Uhr und Sonntagmorgen 1 Uhr ausgegangen.'
»Ziemlich dicht dran«, bemerkte der sportlich gekleidete Anfangfünfziger leise. Mit einem wissenden Lächeln schielte er zu einem älteren Ehepaar am Nachbartisch, das sich mit rheinischem Dialekt lautstark über die ihrer Meinung nach in diesem Jahr mal wieder viel zu hohe Kurtaxe unterhielt.
'... Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Westerland oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.' Sichtlich amüsiert legte der Mann die an einem hölzernen Zeitungshalter befestigte Gazette vor sich auf den Tisch und schaute mit überheblichem Blick in die Runde. Doch niemand nahm Notiz von ihm.
Eure Suche nach Hinweisen könnt ihr euch sparen, dachte er. Bisher habt ihr mich nicht gekriegt und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Er war eben einfach zu clever. Was sollte man auch sonst von jemandem erwarten, der in den letzten zwanzig Jahren nach eigenem Gusto über Leben und Tod entschieden hatte? So wie gestern. Doreen hatte jemanden gesucht, der ihr die große weite Welt der Reichen und Schönen zeigen würde. Und zu ihrem Glück hatte sie ihn gefunden. Es musste doch ein Glück sein, für einen, wenn auch nur kurzen Moment, diesen Traum leben dürfen.
Oh, wie hatte sie diesen Abend genossen: Champagner in Kampen, danach edle Köstlichkeiten in der Sansibar. Versonnen blickte er vor sich hin. Und wenn es am schönsten ist, dachte er, soll man ja bekanntlich gehen. Und Doreen war gegangen. Mit seiner Hilfe. Gegangen in eine Welt ohne Enttäuschungen und ohne falsche Illusionen. Doreens selbst ernannter Erlöser richtete sich auf und genoss dieses, wie er persönlich fand, viel zu seltene Gefühl der Überlegenheit und Stärke. All die ganzen Durchschnittsbürger, in ihren geschmacklosen Hawaihemden, mit billigen Strohhüten und Plagiaten teurer Sonnenbrillen auf der Nase, die sich direkt vor ihm die Friedrichsstraße in Richtung Strand schoben, lösten in ihm Ekel und tiefste Verachtung aus. Immer auf der Suche nach dem ultimativen Urlaubskick zertrampelten sie Jahr für Jahr die spärlichen Reste norddeutscher Kultur. Die Steigerung waren im Grunde nur noch alkoholgefüllte Plastikeimer, aus denen meterlange Strohhalme ragten ...
Er warf einen Blick auf seine Uhr und stand auf. Den Zehneuroschein, den er auf den Tisch legte, war, wie er fand, auch für Sylter Verhältnisse einem Cappuccino einschließlich Trinkgeld angemessen. Der Mann schlenderte in die Mitte der Westerländer Fußgängerzone, wo er wie ein Fels in der Brandung stehen blieb. Ein Pulk von Tagestouristen, die soeben mit dem Zug aus Hamburg eingetroffen sein mussten, zog eilig an ihm vorbei.

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27. Mai 2014

"Das Ende der Weltmafia" von Rolf Nagel

Der Autor war Jahrzehnte lang als Topmanager in der internationalen Finanzwelt tätig. Als Geschäftsführer einer der ersten deutschen Risikokapitalgesellschaften, die sich bei Unternehmen aus der Softwarewelt engagierte, erhielt er später tiefe Einblicke in die Finanzströme der weltweit agierenden Unternehmensbeteiligungsbanken. Unweigerlich und beinahe zwangsweise kam er bei diesen Geschäften in Kontakt mit dubiosen Persönlichkeiten. Dabei ist es äußerst ratsam, sich in dieser Schattenwelt nicht persönlich zu verstricken. Über einige Jahre hinweg entwickelte sich beim Autor der Gedanke, einen Kriminalroman über die Organisation der internationalen Mafia zu schreiben.

Eigene wirtschaftliche Erfahrungen sollten in die Geschichte einfließen. Der Roman erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Recherche und Genauigkeit, sondern soll den Eindruck des Autors wiedergeben. Häufig erlebte der Autor beim eigenen Bücherstudium, dass er aus zeitlichen Gründen eine Geschichte nicht von Anfang bis Ende lesen konnte. Beim Neubeginn musste er jeweils einige Abschnitte nochmals lesen, um der Geschichte folgen zu können. Dieser Roman soll dem entgegenwirken und eine leichte Lektüre darstellen, die mit ins sich geschlossen Kapiteln einen abschnittweisen Wiedereinstieg erleichtert und sich so bestens für Urlaubszeiten oder Reisen eignet. Dem Autor ist daran gelegen, wirtschaftliche Zusammenhänge einfließen zu lassen, ohne den Leserinnen und Lesern wirtschaftliche Kenntnisse abzuverlangen. Auch wenn die Dramatik keineswegs fehlt, handelt es sich nicht um eine weitere blutrünstige Mafia-Erzählung, wie es sie schon zahlreich gibt.

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Leseprobe:
Karl Grosser wurde durch eine Intrige aus seinem bürgerlichen Leben herausgerissen und stieg zu einem internationalen Mafiaboss auf. Er war ein großer stattlicher Mann mit stark ausgeprägten Wangenknochen und verfügte über eine hohe erotische Ausstrahlung. Stets legte er Wert auf korrekte Kleidung und führte ein wohlgeordnetes Leben. Eigentlich gäbe es nichts außergewöhnlich über ihn zu berichten, wenn nicht an einem einzigen Wochenende sein Leben auf den Kopf gestellte worden wäre.
Wie an jedem Sonntag ging er alleine die Uferpromenade entlang und dachte ein wenig über sein bisheriges Leben nach. Er war mit sich selbst recht zufrieden, obwohl viele seiner Kollegen ihn als Langweiler ansahen. Mit seinen 40 Lebensjahren hatte er es zu einer hübschen Eigentumswohnung gebracht und war seit vielen Jahren als Organisationsleiter in einem privaten Geldinstitut angestellt. Was wollte er mehr von seinem Leben erwarten? Frauen spielten in seinem Leben keine große Rolle und das war nach seiner Meinung auch gut so. Schließlich sah er um sich herum genug gescheiterte Ehen und katastrophale Liebschaften, die regelmäßig zum Chaos führten.
Um den Sonnenuntergang bei seinen Spaziergängen zu genießen, verweilte er stets auf einer Parkbank am Flussufer, die ihm bereits wie persönliches Eigentum erschien. Auch an diesem Tag näherte er sich „seiner“ Parkbank, die er bereits aus einer Entfernung von circa 300 Metern sah.
Aber was war das? In all den Jahren war so etwas noch nie vorgekommen. Auf seiner Holzbank saß eine Gestalt, das glich einer Verschwörung, einem Anschlag auf seine Person heran. Als er näher kam, fielen ihm die Rundungen einer eleganten Frau auf. Er hatte jedoch keinesfalls die Absicht, sich dieser Person zu nähern. Möglicherweise war es eine Frau, in die er sich – ohne Erwiderung – verlieben würde. Einer solchen Gefahr konnte er sich nicht aussetzen. Was war zu tun? Er überlegte, wie er mit dieser Überraschung umgehen könnte. Sollte er ohne einen Blick vorbeiziehen und auf den Genuss der Abenddämmerung verzichten? Oder sich vielleicht doch neben ihr auf der Parkbank niederlassen? Natürlich bei voller Ignoranz der geballten Weiblichkeit.
Als er sich bis auf wenige Meter der Parkbank genähert hatte, war er gezwungen, einen schnellen Entschluss fassen. Zu seiner eigenen Verwunderung sprach er die hübsche Weiblichkeit an: „Guten Tag, darf ich hier Platz nehmen.“
Er hatte in diesem Moment nicht den Hauch einer Ahnung, was diese kleine Frage für die Zukunft der gesamten Menschheit bedeuten würde.
Freudig, mit einem Lächeln auf den roten Lippen, antwortete die impertinente Person: „Sehr gerne, mein Herr.“
Vorsichtshalber ein wenig von ihr abgewendet, ließ er sich mit einem kurzen „Dankeschön“ neben ihr nieder. Nach seiner Meinung war damit der Höflichkeit bereits Genüge getan. Nicht im Geringsten hatte er Absicht, die Konversation fortzusetzen. Sein aufkeimender Zorn ließ hierzu auch wenig Raum, wenngleich sie eine ausgesprochen hübsche Weiblichkeit war.
So saßen sie nun mit einigen Zentimetern Abstand auf seiner Parkbank, die Beine in gleicher Richtung zeigend übereinander verschränkt, was wohl jeder Psychologiestudent als eine wechselseitige Interessenbekundung gedeutet hätte.
Eine ganze Weile verging, ohne ein Zeichen der gegenseitigen Kontaktaufnahme.
Hier hätte diese Geschichte bereits ihr endgültiges Ende finden können, wenn diese weibliche Person nicht den nächsten Angriff gestartet hätte.
Die junge Dame öffnete ihre sündhaft teure Tasche und zog ein goldenes Zigarettenetui heraus, aus dem sie eine Damenzigarette entnahm. Dann kramte sie weiter in ihrer kleinen Tasche, als ob sie ein riesigen Koffer für eine mehrwöchige reise durchsuchen müsste. Karl spielte seine Rolle so, als ob er dies nicht bemerkte.
Nach einer Weile, vernahm er den Satz: „Verzeihung mein Herr, dürfte ich sie um Feuer bitten?“
Karl traute seinen Ohren nicht. Jedoch lies es seine Erziehung zum Gentleman nicht zu, diese Frage genüsslich zu überhören. Ja, er verfügte über ein Feuerzeug in seiner Jackentasche. Er führte es als Nichtraucher nur mit sich, um bei solchen Gelegenheiten dem Bittenden seinen Wunsch erfüllen zu können. Dieses elegante Stück kam nicht häufig zum Einsatz, aber gerade für solche Gelegenheiten hatte es durchaus seine Existenzberechtigung.

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26. Mai 2014

"Mission Phoenix 3 - Die Aruniten von Fraanish" von Mara Laue

Das dritte Abenteuer um das Raumschiff PHOENIX. Bereits der erste Auftrag auf Fraanish erweist sich als schwierig in mehr als einer Hinsicht. Die Fraanisheh sind misstrauisch und zögern, den Forschern Zugang zu ihrem Gebiet zu gewähren. Erschwerend kommt hinzu, dass Captain Melori immer noch auf der Abschussliste der Piratengilde steht, die alles daran setzt, sie zu finden.

Damit nicht genug, entdeckt die Crew auf Fraanish etwas, das nicht nur das ganze Volk in höchste Gefahr bringt, sondern auch für die Interstellare Allianz zur tödlichen Bedrohung werden könnte. Und einige Fraanisheh haben kein Interesse daran, die PHOENIX mit diesem Wissen entkommen zu lassen.

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Leseprobe:
Captain Melori betrachtete die Liste ihrer IsteND-Befugnisse und war froh, dass sie eine Frelsini war. Die hervorstechendste Eigenschaft ihres Volkes war neben Freiheitsliebe und Toleranz absolute Loyalität gegenüber Freunden, Bündnispartnern und jedem, dem sie sich verpflichtet fühlten. In diesem Fall war das die Interstellare Allianz. Wäre dem nicht so, dann hätte nicht nur der Interstellare Nachrichtendienst ein erhebliches Problem gehabt, sondern die ISA ebenfalls, denn Melori befehligte das leistungsfähigste Schiff der gesamten ISA, in dem es Technologie gab, von der nicht einmal ihre Vorgesetzten etwas wussten, sondern nur Melori und ihre Crew. Sie bedauerte diese Heimlichkeiten, denn sie sollte gerade ihren Vorgesetzten uneingeschränkt vertrauen.
Leider ließ das die gegenwärtige Lage nicht zu. Es gab Verräter innerhalb der ISA, die mit der Gilde Freier Piraten kollaborierten und dadurch nicht nur mitschuldig daran waren, dass die Piraten der gesamten ISA erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügten. Wie es aussah, saß mindestens einer dieser Verräter, wahrscheinlich aber mehr als einer, auch im IsteND. Das Oberkommando des IsteND hatte jeden einzelnen Mitarbeiter einer telepathischen Bewusstseinssondierung unterzogen und war, nachdem alle Ergebnisse nichts Negatives ergeben hatten, zu dem Schluss gekommen, dass es unter ihnen keinen Verräter gab. Zumindest nicht in leitender Position. Die Überprüfung der restlichen Mitarbeiter dauerte noch an.
Melori wie auch Erster Admiral Rhan Kharmin – Oberbefehlshaber der Interstellaren Polizei und Mitglied des IsteND und die einzige Person, der Melori uneingeschränkt vertraute – war zu dem Schluss gekommen, dass auch das Bestehen der Bewusstseinssondierung keine Garantie für die Unschuld der so Geprüften war. Zum einen gab es Telepathen, die in der Lage waren, im Bewusstsein anderer Personen eine Art Gedankenschutzschild zu etablieren, der verhinderte, dass andere Telepathen die dahinter verborgenen Gedanken lesen konnten. Zum anderen gab es keine Garantie dafür, dass ein mit der Bewusstseinsprüfung beauftragter Telepath nicht selbst zu den Verrätern gehörte und seine Komplizen für unbedenklich erklärte.
Um die Verräter zu enttarnen und in dem Zug auch die Piraten zur Strecke zu bringen – zumindest einige von ihnen –, bedurfte es eines Schiffes wie der PHOENIX 1, dessen gesamte Crew aus IsteND-Agenten bestand, die alle ihre Laufbahn als ganz normale Spezialisten in dem Bereich begonnen hatten, in dem sie eine Funktion innerhalb des Schiffes und seines offiziellen Auftrags ausübten. Als Schiff der Terranischen Raumflotte war es die Aufgabe der PHOENIX, umfassende Forschungen zu betreiben. Forscher schnüffelten im Rahmen ihrer Forschungen per se überall herum, sodass das nicht der Tarnung widersprach. Deshalb wussten auch nur sehr wenige, handverlesene Leute über den wahren Auftrag der PHOENIX Bescheid. Melori traute nicht einmal denen mit Ausnahme von Rhan Kharmin, weshalb er der Einzige war, der die Geheimnisse der PHOENIX kannte.
Das Problem war, was passierte, sollte das Schiff jemals Feinden der ISA in die Hände, Tentakel, Klauen oder deren Äquivalent fallen. Ein anderes Problem hätte sich ergeben, wenn Melori der ISA gegenüber nicht absolut loyal gewesen wäre. Sie war sich der Macht bewusst, die sie als Kommandantin gerade dieses einzigartigen Schiffes besaß, denn einige ihrer Crewmitglieder teilten ihre Loyalität für die ISA nicht, sondern waren nur ihrem Captain ergeben. Dazu noch diese umfassenden Befugnisse …
Melori besaß die Macht, jedem Kommandanten eines Trägerschiffs der IsteP mit Berufung auf die für solche Fälle vorgesehenen Geheiminstruktionen Befehle zu erteilen. Sie konnte jederzeit den Ratsvorsitzenden des Interstellaren Rates sprechen, der die ISA regierte, sie konnte theoretisch sogar eine Kriegsflotte anfordern. Sie konnte auch in gewissen Grenzen gegenüber einem Nicht-ISA-Volk verbindliche Zusagen im Namen der ISA machen, und der Interstellare Rat wäre verpflichtet, diese Zusagen zu erfüllen. Zwar müsste sie jeden derartigen Schritt vor ihren Vorgesetzten detailliert rechtfertigen, aber falls sie sich entschließen sollte, diese Macht zu missbrauchen, würde niemand sie aufhalten können. Eine immense Verantwortung. Melori hoffte, dass sie ihr auf die Dauer gewachsen war.
Sie unterbrach ihr Schwelgen in Machtfantasien und wandte sich wieder praktischen Dingen zu. Seit die PHOENIX vor achtzehn Tagen offiziell in Dienst gestellt worden war, hatte sich endgültig herauskristallisiert, welche Crewmitglieder welche Posten bekamen, bei denen Melori und ihr Erster Offizier Halan Ashkonn sich noch nicht sicher gewesen waren. Außerdem dauerten manche Dinge in der TRF eine gefühlte Ewigkeit, sodass Melori die offiziellen Beförderungen ihrer Leute erst heute erhalten hatte. Sie hatte die betreffenden Crewmitglieder zu sich gerufen, die in diesem Moment ihren Bereitschaftsraum betraten, gefolgt von Commander Ashkonn. Der Mimik und Gestik der Leute nach zu urteilen, befürchteten zumindest einige einen Tadel oder Schlimmeres.
„Lieutenant Commander Janssen“, wandte sie sich an eine Terrani und überreichte ihr ein Datenpad, „meinen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung zum Commander und zum Dritten Offizier der PHOENIX. Die offizielle Urkunde finden Sie auf dem Datenpad.“
Shakti Janssen blieb der Mund offen stehen. Sie starrte Melori ungläubig an, während sie das Pad entgegennahm.
„Schließen Sie den Mund, Commander Janssen, sonst fliegt Ihnen noch etwas hinein.“
Shakti Janssen fand ihre Sprache wieder. „Danke, Ma’am! Vielen Dank!“
Melori reichte das nächste Pad Lieutenant Commander Brrkkt. „Auch Sie darf ich zur Beförderung zum Commander beglückwünschen.“
Der sauroide Castorer zischte erfreut, ehe er das Pad mit einem Dank entgegennahm.
„Commander Shedora, seien Sie ebenfalls beglückwünscht.“
Kya Shedoras Augen funkelten erfreut. „Danke, Captain.“
Auch die Kommandantin der bordeigenen Jägerstaffel Thalia Lindstrom sowie der Leiter der Kybernetikabteilung Segokk stiegen vom Lieutenant Commander zum Commander auf. Das galt auch für den Chefpsychologen Dr. Ben Semjonov.
Melori wandte sich an Cheftechniker Robar Selakem. „Commander Selakem, ich hoffe, Ihr neuer Rang spornt Sie noch mehr an als bisher, Ihr Bestes zu geben. Allerdings bin ich der Meinung, dass da kaum noch eine Steigerung möglich ist.“ Sie reichte ihm das Pad.
„Verzeihung, Captain, aber Sie meinen sicherlich, dass ich zum Lieutenant Commander befördert wurde. Ich bin schließlich erst Lieutenant.“
„Nein, Commander, Sie haben genau den Rang bekommen, den Sie längst hätten, wenn Sie schon länger unter meinem Kommando gestanden hätten. Das gilt auch für Sie, Commander Malana.“ Melori reichte Naika Malana ihre Beförderungsurkunde.

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23. Mai 2014

"Von Möpsen und Rosinen" von Miriam Pharo

Ein SciFi-Krimi-Sammlung.

Lucio Verdict hat alles verloren: seinen Job als Spion, seine Glaubwürdigkeit und seine Geliebte Kaori. Mit etwas Geld, zwei Koffern und Kaoris kleinem Sohn Shou strandet er im Münchner Umland des Jahres 2066, wo die Gesichter der Hundertjährigen so glatt sind wie Alabaster und bewaffnete Blumenmädchen für die Sicherheit sorgen.

Bei seinen Ermittlungen bekommt es der frischgebackene Privatdetektiv unter anderem mit einem explosiven Mops, einer tollwütigen Oma und einer Rosine im Trenchcoat zu tun. Und er trifft eine alte Freundin wieder, die nicht vor Mord zurück schreckt …

Gleich lesen: "Von Möpsen und Rosinen (Sammelband - ISAR 2066)" von Miriam Pharo

Leseprobe:
„Oaschloch!“
Als Jimmy der Mops mein Büro entert, bin ich gerade dabei, die letzte Kiste auszupacken. Den blank polierten, schwarzen Schreibtisch zieren bereits eine polyforme Lichtskulptur und ein Hacker-Tablet. An den unsichtbaren Halterungen rundum reiht sich MiniCube an MiniCube – noch sind die Datenspeicher leer – und neben der Eingangstür hängt ein Panel mit den Hologrammen der am höchsten dotierten Verbrecher der Europäischen Föderation. Mit etwas Glück kreuzt einer dieser grimmig aussehenden Jackpots schon bald meinen Weg. Das Bullauge hinter dem Schreibtisch bietet freie Sicht auf die gelb verhangenen Berggipfel, vorausgesetzt eine Expressbahn jagt nicht gerade lautlos vorbei, was exakt alle sechsundsiebzig Sekunden geschieht.
In der Regel bedarf es einigem, um mich zu verblüffen. Jimmy gelingt das auf Anhieb. Wie ein Poller steht er mitten im Raum, klein und gedrungen, die Hände in die Seiten gestützt. Sein Gesicht ist mit roten Flecken übersät und er scheint kurz vor der Explosion zu stehen.
„So a bleeds Oaschloch!“, bellt er noch einmal für den Fall, dass ich schwerhörig bin. Als ich immer noch nicht reagiere, seufzt er hörbar. „Ich will wissen, welcher Mistkerl das getan hat!“ Bei diesen Worten reißt er sein Hemd auf und zeigt auf seinen Solarplexus, in dem ein fünf Zentimeter langer Bolzen steckt. „Das ist doch Ihr Job oder?“, brüllt er weiter.
Ich nicke und versuche das Klingeln in meinen Ohren zu ignorieren.
„Gut!“ Er wirkt erleichtert. „Ich kann Ihnen nur fünfhundert zahlen!“
Ich verziehe keine Miene. Die Monatsmiete für das Büro allein beträgt zweitausend Eurodollar, obwohl es sich im wenig glamourösen Außengürtel der Biosphäre befindet. Andererseits ist der Poller mein erster Klient. Sollte ich die Sache also nicht vermasseln, und das werde ich nicht, könnte das weitere Aufträge nach sich ziehen.
„Tut es weh?“, frage ich und zeige auf den Bolzen.
„Ja, Zefix!“
„Wie ist das passiert? Und könnten Sie bitte etwas leiser reden, sonst steht gleich die Security auf der Matte.“
„Geht nicht!“ Seine Augen drohen aus ihren Höhlen zu fallen. „Rede ich mit normaler Stimme oder versuche den Bolzen zu entfernen, detoniert das Teil!“
Unwillkürlich trete ich einen Schritt zurück. „Sie machen Witze.“
„Sehe ich vielleicht so aus?!“
„Werden Sie erpresst?“
„Nein! Keine Ahnung, was die Schweinerei soll! Heute Morgen bin ich mit diesem Ding da aufgewacht und daneben lag ein handgeschriebener Zettel!“
„Handgeschrieben?“ Das ist ungewöhnlich. „Haben Sie ihn dabei?“
Wortlos fischt er einen durchsichtigen Beutel mit einem Zettel aus der Tasche und reicht ihn mir. Ein umsichtiger Mitbürger. Ich werfe einen kurzen Blick darauf, dann lege ich ihn zur Seite. Ich werde ihn mir später genauer anschauen.
„Also, was is?“, reißt mich mein Gegenüber aus meinen Gedanken. „Helfen Sie mir oder nicht?“
„Ich tue es.“ Zwar fällt mein Lächeln angesichts des mickrigen Honorars etwas dünn aus, dennoch kann ich nicht verhehlen, dass der Fall einen gewissen Reiz birgt – auch wenn er mir samt Klient jede Sekunde um die Ohren fliegen könnte.
Ich bitte meinen Gast im Besuchersessel Platz zu nehmen und während sich das Wall-Flax seiner Körperform anpasst, nehme ich ihn in Augenschein. Er ist schätzungsweise zwischen fünfzig und sechzig – ziemlich jung für die Biosphäre – mit gegeltem Haar, Augen in der Farbe eines qualmenden Kamins und Pranken wie ein Boxer. Er ist nachlässig gekleidet, Hose und Hemd passen nicht zusammen, und weder trägt er Handschuhe noch Weste. Ein Wunder, dass er nicht von der Straße weg verhaftet wurde. Die geringste Abweichung der Norm wie das Nichttragen modischer Retrofits – Einglas oder Halstuch bei Männern, brodiertes Taschentuch oder Spitzenfichu bei Frauen, um die knitterigen Schultern zu verdecken – sorgt gewöhnlich für Unmut. Eine für mich entscheidende Erkenntnis. So glänzen meine Schaftstiefel mustergültig mit dem Schreibtisch um die Wette, Hose und Seidenweste lassen jeden Sonnenuntergang blass aussehen, die taillierte Jacke sitzt tadellos.
„Mein Name ist Jimmy Marquard! Ich bin der hiesige Coiffeur!“
Überrascht ziehe ich die Augenbrauen hoch. Coiffeur? Auf mich wirkt er wie ein Totschläger.

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22. Mai 2014

"SIZILIEN - Die wahre Kunst des Kochens" von Barbara Reishofer

Authentische italienische Küche – liebevoll verpackt. Egal ob Sie in kulinarischen Urlaubserinnerungen schwelgen oder Lust auf die echte sizilianische Küche haben - dieses Buch enthält 105 Rezepte direkt aus Sizilien und viele Fotos. Zusätzlich, sozusagen als kleines Extra, sind 80 Buchseiten der sizilianischen Lebensmittel- und Weinkunde (DOC-Weine von A bis Z) gewidmet.

Aus dem Vorwort des Buches: «So manche Delikatesse lernte ich auf meinen berufsbedingten Reisen rund um die Insel kennen. Die Kenntnis vieler Leckerbissen verdanke ich jedoch meinen sizilianischen Familienmitgliedern, die seit Jahrzehnten kulinarisch tätig sind. Allen voran sind dies die fantastische Köchin Nonna Bettina, der Hunderte von Kindern ihre Liebe zu Spinat und Artischocken verdanken, und ihr Mann, der Konditormeister Franco, der noch heute Jung und Alt mit seinen märchenhaften Tortenkreationen, Likörspezialitäten und den besten Arancini der Provinz Catania verwöhnt. In manchen Fällen dauerte es Jahre, bis meiner Insistenz nachgegeben, und das gastronomische Geheimnis gelüftet wurde.»

Sie erfahren hier von regionalen Produkte, wie „masculini di magghia“ oder „fichi d’india“ und lernen die sizilianischen Qualitätsweine kennen. Verzaubern Sie ihre Gäste mit einem Antipasti-Buffet, Pasta oder Risotto, Fisch- oder Fleischgerichten, bis hin zum selbstgemachten Likör, der Schokolade-Arancini oder Orangenbrot begleitet. Mehr als 100 Rezepte, die seit Generationen eifersüchtig gehütet und innerhalb der Familien überliefert werden, sind die Garantie für gutes Gelingen!

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Leseprobe:
(Sizilianischen Lebensmittelkunde)
Tuma, Primosale & Pecorino (Schafskäse)
An sich bezeichnet Tuma (auch: Toma) den ersten Reifegrad des Pecorino (Schafskäse), doch hat sich im Sprachgebrauch das Substantiv eingebürgert, um einen Frischkäse aus Schafskäse zu bezeichnen.
Der Tuma ist eine Spezialität der Provinz Catania. Man verwendet dazu ausschließlich Käsebruch ohne Zusatz von Salz, was die Haltbarkeit auf eine Woche limitiert. Der geschmacksneutrale Tuma dient in erster Linie als Fülle für die typische Scacciata Catanese (Rezept im Buch).
Mit Primosale bezeichnet man den zweiten Reifegrad des Pecorino. Doch auch in diesem Fall wird das Wort auch für einen typisch sizilianischen Käse verwendet, den man nach dem Einsalzen und einem Monat Reife erhält.
Im Handel findet man auch Primosale mit schwarzen Pfefferkörnern oder mit Peperoncino (rote Pfefferschote). Der Primosale trägt das Gütesiegel P.A.T. (typisches sizilianisches Lebensmittel).
Lässt man den Primosale weitere vier Monate reifen erhält man den Secondosale, üblicherweise Pecorino semi-stagionato (halbreif) genannt. Auch dieser trägt das Gütesiegel P.A.T.
Das letzte Stadium ist, in Sizilien, der Pecorino Sciliano D.O.P. (Herkunft geografisch geschützt). Pecorino wird in Italien auch in anderen Regionen hergestellt, die Herkunft mit einem geografischen Gütesiegel garantiert.
Weitere bekannte sizilianische Pecorino-Käse sind der Maiorchino und der Vastedda della Valle del Belice, beide in diesem Buch näher beschrieben.

(Rezeptteil)
Granita al caffè (Kaffee)
Kaffeegranita ist wohl das beliebteste Frühstück der Sizilianer auf dem Weg zur Arbeit, ist der geliebte Caffè doch inklusive.
ZUTATEN (4 Portionen):
250 ml caffé italiano (Espresso)
250 ml Wasser
70 g Kristallzucker
1 Vanilleschote
ZUBEREITUNG:
Wasser, Zucker und Vanilleschote in einem Topf vermengen und zum Kochen bringen, eine Minute lang kochen. Die Hitze reduzieren, denn Kaffee hinzufügen, umrühren und vom Feuer nehmen. Auskühlen lassen und durch ein feines Haarsieb in einen großen Behälter füllen und in den Tiefkühler stellen.
Nach einer Stunde herausnehmen und mit einer Gabel oder einem Schneebesen durchmischen, bis feines Granulat entsteht. Danach den Behälter wieder in den Tiefkühler stellen und die Prozedur alle 30 Minuten wiederholen, bis die Granita die gewünschte Konsistenz erreicht.

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20. Mai 2014

"Bollock und die gräulichen Drei" von Tobias Schindegger

Horror für Kinder und Möchtegern-Kinder: "Mein Name ist Tom. Ich bin 9 Jahre alt und ein waschechter Junge. Ich habe vor nichts Angst, außer dass ich von meinen Eltern oder gar von einem Mädchen ‘nen feuchten Schmatzer kriege. Obwohl, wenn es dunkel ist und ich ein Knarren höre … Und meine Eltern hatten unrecht. Es gibt Monster, Dämonen, Gespenster und vieles andere. Ich habe einige getroffen. Es gibt fiese, böse und gemeine aber auch lustige, liebe und gutmütige. Die meisten sehen ihre Aufgabe darin, tatsächlich Angst und Schrecken zu verbreiten. Und das ist gut so. Es ist ihre Bestimmung."

"Sie wollen uns lehren, wie wichtig und schön Angst auch sein kann. Angst beschützt uns, macht uns auf Gefahren aufmerksam und beflügelt uns, Gefahren zu erkennen, evtl. zu beseitigen. Sie wollen uns motivieren, manche unnötigen Ängste zu überwinden. Woher ich das weiß? Nun, mein Leben änderte sich, als mich eines nachts ein Bollock besuchte und ich ihn begleiten durfte. Es hat mein Leben schlagartig verändert, mich auf Angst vorbereitet … und ja … ich habe immer noch Angst … und das ist gut so. Ich vermisse Bollock. Was ein Bollock ist? - Davon handelt diese Geschichte ..."

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Clip einer Lesung:

Leseprobe:
Ich lag im Bett. Draußen war es dunkel. Mein Zimmer wurde durch mein Trinchen spärlich erleuchtet. Trinchen war eine Nachttischlampe in Entchenform. Sie befand sich etwas abseits auf dem Schreibtisch, welcher meinem Bett gegenüber stand. Zu meiner Linken war an der Wand mein Not-Licht montiert. Es war eine Wandleuchte für Kinder, die einen halbförmigen Mond darstellte. Draußen durch das Fenster schien der wahrhaft echte Mond hinein. Nebelschwaden zogen an ihm vorbei. Er war so hell, dass er durch den zugezogenen roten Vorhang schien, welcher mein Zimmer in ein gespenstisch wirkendes Farbenspiel eintauchte. Selbst die Schatten spielten verrückt. Sie bewegten sich hin und her, Dielen knarrten, die Heizung gluckerte. Draußen krächzte eine Krähe ihren Totengesang. Dann schepperte es auch noch. Ich versuchte mich zu beruhigen. Vermutlich war vor unserer Einfahrt eine Katze, die den Mülleimer umschmiss. Aber hätte sie dann nicht lauthals miaut? Meine Nackenhaare richteten sich langsam aber sicher auf. … Mist … außerdem musste ich jetzt so dringend auf die Toilette. Das Badezimmer befand sich zwar gegenüber, aber ich musste 3 bis 4 Meter Spielflur überwinden … verdammt. Egal. Ich sprang schnell auf, flitze ins Badezimmer. Schnell öffnete ich die Türe, betätigte den Lichtschalter und schwang mich auf den Toilettensitz. Plötzlich hörte ich ein leises Hüsteln. Es könnte auch ein gedämpftes Röcheln gewesen sein. Es kam aus der Badewanne. Der Duschvorhang war zugezogen. Komisch, wer stellt sich denn mitten in der Nacht in die Dusche ohne das Wasser aufzudrehen? Mein Herz raste. Es schlug mir bis zum Hals. Langsam rutschte ich von dem WC herunter, zog mir die Hose meines Schlafanzuges hoch. Ich wagte nicht mehr zu atmen, geschweige denn die Klospülung zu betätigen. Ich streckte zitternd meinen Arm aus. Vorsichtig, ganz vorsichtig näherte sich meine Hand dem Duschvorhang. Mit einer plötzlich eintreffenden Entschlossenheit zog ich mit einem Ruck den Vorhang zur Seite. Schließlich konnte da kein Monster sein, es gab ja keine ...also musste es für alles eine vernünftige Erklärung geben. Aber da täuschte ich mich. Als ich den Vorhang zur Seite schob sah ich es … das Monster.
Das war also der Augenblick der absoluten Zuspitzung von Angst. Sie war so groß, dass Tom gar nicht merkte, ob er schrie oder nicht. Er fürchtete, dies sei sein Ende. Der Anblick dieses Monsters war zu schrecklich. Beinahe hätte sein Herz aufgehört zu schlagen. Aber dann wurde er auf einmal ruhig. – Weiterhin hoch konzentriert, aber dennoch gelassen. Dem kalten Schauer wich dem Zweifeln an seinem Verstand. Absolute Neugier gesellte sich zu seinen Gefühlen hinzu. Was war das für ein Vieh?
In der Wanne saß ein grüngestreiftes lila Fellknäuel mit den Proportionen eines in etwa 9jährigen und ziemlich pummeligen Jungen. Drei große rötliche Augen mit kleinen schwarzen Pupillen sahen ihn an. Das Maul – ähnlich einer Raubkatze – stand offen. Seine beiden Schweinsohren standen auf „Hab‘ acht“ – Stellung, kleine Hörnchen, wie die eines jungen starken Stieres ragten aus seiner Stirn. In seiner linken Tatze befand sich ein tiefgefrorenes Pommes Frites und in der rechten Hand eine von Tom’s Socken, die er schon seit mindestens 2 Wochen vermisste. Im Grunde genommen vermisste sie gar nicht Tom, sondern Tom’s Mutter. Sie lag ihm ständig in den Ohren, auf seine Sachen besser aufzupassen.
Ein kleiner Fetzen dieser Socke ragte aus seinem Maul. Genauer gesagt die Sockenregion, die normalerweise den großen Zeh bedeckte.
Das mittlere Auge pendelte zwischen der Pommes und der Socke hin und her. Wäre es nicht eine auf den ersten Blick so gruselige Erscheinung gewesen, hätte man diese Mimik durchaus als verlegen deuten können. Mit seiner dicken Nase mit drei Nasenlöchern atmete er schwer. Die anderen beiden äußeren Augen wagten nicht von Tom zu weichen. Eine Weile schwiegen sie sich an.
Diese Stille wurde langsam aber sicher unerträglich. Tom fühlte ein Krabbeln im Hals. – Er hüstelte. Jetzt schauten ihn alle drei Augen an. Anscheinend erwartete er von ihm den Beginn einer Konversation. „Mist“ dachte Tom. Jetzt lag es also an ihm das Gespräch anzufangen. Er hasste so etwas bei Fremden, geschweige denn bei Monstern. Nie fiel ihm etwas Vernünftiges ein. Egal, er stellte die erste Frage, die ihm sowieso schon eine Weile durch den Kopf ging:
„Frisst Du mich jetzt?“
Zu Tom’s Erstaunen klang die Frage weniger ängstlich als erwartet. Sie tendierte schon eher in Richtung kindlicher Neugier.
Jetzt musterten ihn alle drei Augen von oben bis unten. Wieder verging eine Weile des Schweigens.
Dann löste sich das Monster aus seiner Erstarrung und verschlang noch schnell die tiefgekühlte Pommes und die Socke, rülpste wie ein von Luther geprägter Mönch und sprach mit einer tiefen aber erstaunlicherweise sehr sanft klingenden Stimme: „Später …“ und zwinkerte dabei mit seinem rechten Auge. Dann schmatzte er ein Weilchen und fragte schließlich ganz selbstverständlich, als sei dies die normalste und alltäglichste Situation auf der Welt: „Du hast nicht zufällig etwas Eiscreme, oder!?“ Dabei weiteten sich hoffungsvoll seine Pupillen.
Minuten später saßen sie in der Küche an dem runden hölzernen Esstisch. Erneut war Tom mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Das Monster schaufelte sich mehrere Packungen Eiscreme (samt Verpackungselementen) in sich hinein, welche Tom zuvor mühsam aus dem Eisfach des Kühlschrankes in der Küche geholt hatte. Eines seiner drei Augen konzentrierte sich auf das Koordinieren von Tatzen und des „Eiscreme-in-sich-Hineinschaufelns“, während die anderen beiden Tom unentwegt anstarrten. Anscheinend erwartete das Monster erneut, dass Tom das Gespräch fortführte. Dies nervte ihn allmählich. Zumal er immer noch keine beruhigende und zufriedenstellende Antwort auf seine Frage erhalten hatte. Außerdem war er so müde, dass ihm die Augen schon vom Aufhalten schmerzten. Also fragte er erneut: „Frisst Du mich jetzt?“
Nachdem sein Gegenüber nun sämtliche Eiscremes aus dem Tiefkühlfach verputzt hatte, antwortete es schließlich: „Naja, jetzt bin ich erstmal pappsatt. Außerdem verspeise ich mein Fleisch nur ungern roh … Dann schon lieber medium oder voll krass durchgebraten … mit einer ordentlich scheußlich scharfen mit Peperoni verfeinerten Ketchup-Chili-Sauce…“
Während es antwortete, lief im grünlich-glibbriger Speichel aus dem Maul, welchen es mit seiner erstaunlich riesigen rosa fleischigen extrem langen und vor allem schnellen Zunge wieder einschlabberte. Kleinlaut, fast schon absichtlich nuschelnd fuhr es fort: „Außerdem weiß ich gar nicht wie Menschenfleisch schmeckt, geschweige denn wie es zubereitet werden sollte …“
Spitzbübisch sah es Tom in die Augen:
„Es sei denn, Du besorgst uns das nächste Mal eine ziemlich große Bratpfanne, in die ein großer 9jähriger Junge auch hineinpasst!“ Dann lächelte es. Auch wenn dieses Lachen ziemlich heiser und kaum hörbar klang, war es sehr ansteckend. Und so lachten beide eine Weile. Schließlich fragte Tom:
„Heißt das, dass Du wieder kommst?“
Nun sah es Tom mit allen drei Augen und ernster Miene an und fragte:
„Na, wenn Du das möchtest?“
Zu seinem eigenen Erstaunen hörte Tom sich sagen: „Ja, sehr gerne.“
Und das war noch nicht einmal gelogen, sondern entsprach der Wahrheit.
Äußerst cool meinte es nur: „Na gut, mal sehen ob ich Zeit habe. Mein Terminplaner ist ziemlich voll, weißt Du … Mal sehen, ob sich das Einrichten lässt … Ich bin sehr beschäftigt …“
Tom hatte noch viele Fragen, war aber auch sehr müde. Dies schien sein Gesprächspartner zu bemerken.
„Na, Du bist jetzt sehr schläfrig was? Das liegt an meinen Ausdünstungen aus meinen sogenannten Schlafdrüsen, weißt Du? Die wirken wie das reinste Schlafmittel … hätte ich gecheckt, dass wir uns unterhalten wollen, dann hätte ich mich mit meinen Ausdünstungen zurückgehalten …. Ich kann das nämlich steuern … weißt Du?“
Tom konnte tatsächlich kaum noch den Worten des Monsters folgen. Das Monster kam sehr flink und elegant um den Tisch geflitzt, da Tom vor Müdigkeit umzufallen drohte.
„Warte, ich trage dich in Dein Bett“ sprach es mit sanfter Stimme. Komisch, irgendwie kam Tom das Monster plötzlich ein wenig größer vor. So, als sei es schlagartig um ein paar Zentimeter gewachsen. Mühelos brachte es Tom zurück in sein Kinderzimmer zu seinem Bett. Gerade als es sich abwenden und gehen wollte, sprach Tom mit seinen letzten Kräften:
„Könntest Du noch ein wenig bei mir zum Kuscheln bleiben? – Nur so lange bis ich eingeschlafen bin. Ich habe doch solche Angst allein und nachts im Bett.“ Freudestrahlend drehte sich das Monster um, sprach „Aber gerne“, schrumpfte auf seine vorherige Größe zurück und krabbelte zu Tom ins Bett. Das Fell des Monsters war so wohlig warm und kuschelig weich. Mmmh, mittlerweile fand Tom den Begriff „Monster“ ziemlich unpassend für dieses zwar furchtsam anzublickende, aber doch sehr nette Geschöpf. Tom schmiegte sich wohlig entspannt um dieses knufflig schaurig schön hässliche furchteinflössende und Geborgenheit und Wärme gebende Wesen und fragte mit aller-allerletzter Kraft:
„Was …“ Weiter kam er nicht mehr. Zu einem „… bist Du?“ fehlte ihm die nötige Energie. Der Schlaf hatte ihn buchstäblich übermannt. In weiter Ferne hörte er es „Bollock“ sagen. Dann fiel er in einen sehr erholsamen und angenehmen, langen, tiefen Schlaf.

"Bollock und die gräulichen Drei" im Kindle-Shop

Mehr über und von Tobias Schindegger auf seinem Blog.

19. Mai 2014

"Hilfmir - mein kleiner Freund und seine neuen Mutmacher-Geschichten" von Monika Baitsch

"Hilfmir" ist kein herkömmliches Kinderbuch, es ist vielmehr ein Konzept – ein Mutmacher, ein Unterstützer, ein Trostspender, ein kleiner Freund für unsere Kinder – einer, der Selbstvertrauen schenkt. Was würde passieren, wenn es uns gelingen würde, unsere Gedanken so zu verändern, dass unsere Probleme plötzlich viel kleiner oder ganz weg sind? Wenn wir es schaffen könnten, unseren Fokus auf das Positive zu lenken?

In den neuen Mutmacher-Geschichten zeigen Hilfmir und die Hilfmir-Helden
- wie man seine Angst besiegt
- dass man mehr kann, als man denkt
- wie man mit der ABC-Strategie Selbstzweifel bekämpft
- wie uns "geheime Feinde" dabei helfen so zu werden, wie wir sein wollen
- wie man sich ein positives Leben "erdenken" kann
- dass man öfter mal auf sein Bauchgefühl hören sollte

Hilfmir ist für die Kinder eine moralische Unterstützung und erinnert sie daran das Richtige zu denken, zu tun und zu erwarten. Sie werden ganz nebenbei zu positiven Denkern mit großem Vertrauen in sich selbst! Denn: „Was man wirklich will, das schafft man auch!“

Ein Buch mit lehrreichen Anregungen und Botschaften für Kinder ab dem Kindergartenalter und auch für Erwachsene.

Empfohlenes Lesealter: ab 6 Jahre

Gleich lesen: "Hilfmir - mein kleiner Freund und seine neuen Mutmacher-Geschichten" von Monika Baitsch

Leseprobe aus "Olli, genannt Moppel":
Olli war nicht wie andere Jungs in seinem Alter. Er war mehr! „Mehr“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn er war bestimmt zehn Kilogramm schwerer, als seine Klassenkameraden.
Er aß gerne und er aß gerne oft und viel, aber was sollte er auch sonst den ganzen Tag machen? Er hatte keinen besten Freund, wie alle anderen. Keiner hatte Lust etwas mit ihm zu unternehmen. Eigentlich war ihm auch klar, warum das so war!
Er hatte kein Talent für Ballspiele, kein Talent für Fangspiele, kein Talent fürs Fahrradfahren und kein Talent für coole Sprüche.
Heute war wieder so ein Tag, an dem er sich über sich selbst ärgerte. Alle waren im Schwimmbad und hatten ihren Spaß, aber auch zum Schwimmen hatte er kein Talent. Traurig ließ er den Kopf hängen. Warum sollte er sich auch den blöden Witzen der anderen ausliefern? „Nilpferd“, hatte neulich einer zu ihm gesagt.
Olli erhob sich von der Gartenbank, die draußen auf der Terrasse stand und ging zurück ins Haus.
Auch zum Herumsitzen hatte er kein Talent!
Zuerst schaute er in den Kühlschrank, nahm sich das Schnitzel, das noch vom Mittagessen übrig geblieben war und verschwand in seinem Zimmer.
Die Sonnenstrahlen warfen lustige Schatten auf sein Bett, aber Olli bemerkte das gar nicht. Er ließ sich gelangweilt auf seinen Schreibtischstuhl fallen, schaute ins Leere und biss gedankenverloren in sein Schnitzel.
Wozu hatte er eigentlich Talent? Er konnte gut Schachspielen und auch handwerklich stellte er sich nicht blöd an. Aber welches Kind in seinem Alter interessierte sich schon für Schach oder handwerkliche Dinge?
Traurig leckte er sich die fettigen Finger ab. Und jetzt? Das Schnitzel war aufgegessen und ihm ging es immer noch nicht besser.
„So ein Mist“, sagte er laut und stampfte dabei wütend mit dem Fuß auf. „Und morgen ist auch noch dieses verdammte Sportfest.“ …
… Na gut, dann würde er eben endlich mal die Schubladen in seinem Zimmer ausmisten. Seine Mutter hatte es ihm schon einige Male gesagt, aber er hatte eigentlich keine Lust dazu. Heute würde er es ihr zuliebe einfach tun! In seinem Zimmer angekommen, nahm er die drei Schubladen seines Schrankes und kippte sie lustlos auf den Boden. Oh, da waren ja die Fußball-Sammelkarten, die er vor einigen Wochen gesucht hatte. Und da – die Taschenlampe! Er schob den Schalter nach vorne, aber anscheinend war die Batterie alle. Wenn er so weitermachte, dann würde er morgen noch sitzen!
Da fiel sein Blick plötzlich auf das kleine, braune Ding – seinen Hilfmir! …

"Hilfmir - mein kleiner Freund und seine neuen Mutmacher-Geschichten" im Kindle-Shop

Mehr über und von Monika Baitsch auf ihrer Website.

18. Mai 2014

'Herzensfreunde' von Lena Paul

Die Liebe – ein allgegenwärtiges, großes Thema. Auch die Liebe auf den ersten Blick ist ein oft thematisiertes Ereignis und viele Menschen fragen sich: Gibt es sie wirklich? „Herzensfreunde“ erzählt auf humorvolle Art die Geschichte der jungen Carolin, die mit einem Job bei einer Tageszeitung ihr Geld verdient. Eines Tages lernt sie in einem Wellness-Urlaub Mark kennen und ist vom ersten Augenblick an fasziniert von ihm. Er wird schnell zu ihrem besten Freund, mehr noch: Carolin verliebt sich in ihn. Doch wer denkt, damit wäre das Ende der Geschichte bereits besiegelt, der irrt. Denn es vergehen Jahre, bis beide endlich zusammenfinden.

Für Carolin ist früh klar, dass Mark ihr Traummann ist. Doch Mark, der liiert und ziemlich irritiert über die Tatsache ist, dass sich eine junge, hübsche Frau für ihn interessiert, obwohl er zehn Jahre älter als sie ist und nach eigener Auskunft auch noch mit zahlreichen Macken bepackt, lässt sie lange Zeit zappeln. Carolin versucht es in der Zwischenzeit mit anderen Männern, scheitert aber immer wieder. Entweder weist der jeweilige Verehrer keine guten Manieren auf, oder er sucht nur eine platonische Freundin beziehungsweise mag seine Hobbys mehr als sie. Zudem vergleicht Carolin jedes Mal ihre Freunde mit Mark, dem einen Mann, dem scheinbar keiner das Wasser reichen kann ...

Gleich lesen: "Herzensfreunde" von Lena Paul

Leseprobe:
In ihre Cosmolita vertieft saß Carolin auf der Terrasse des Restaurants und wartete auf das leckere Gratin, dass sie kurz zuvor bestellt hatte. Sie ließ ihren Blick dabei kurz durch den Raum schweifen, in dem sich gerade viele der Hotelgäste einfanden, um ebenfalls zu Mittag zu essen.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, durchzuckte Carolin ein Blitz, der ihr durch Mark und Bein ging. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie sich vehement gegen etwas wehren, schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen und öffnete sie dann ganz vorsichtig wieder.
NEIN, sie hatte sich nicht getäuscht. Inmitten einer Menschenmenge hatte sie soeben die schönsten blauen Augen des Universums entdeckt. Leuchtende, vor Fröhlichkeit strahlende Augen, die sie sofort in ihren Bann zogen. Die Menge lichtete sich und im nächsten Augenblick wusste Carolin: Das ist er!
Sie war wirklich wie vom Blitz getroffen. Keine zwanzig Meter von ihr entfernt hatte Carolins Traummann den Raum betreten und von jetzt auf gleich gab es nichts mehr, das wichtiger war als dieser Mann.
Warum, weshalb, wieso? Carolin hatte keine Ahnung. Sie sah ihn und wusste, dass dieser Mann ihr Mann war. Der eine, auf den sie schon so lange gewartet hatte und den sie ein Leben lang lieben würde. Derjenige, der für sie bestimmt war. Sie war sich einfach sicher, auch wenn sie noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, keinen noch so kleinen Blick oder ein Lächeln mit ihm getauscht hatte.
„Das ist mein Traummann!“, war der erste und einzige Gedanke, der Carolin bei seinem Anblick durch den Kopf ging.
Fortan konnte sie nicht anders, als ihn immer und immer wieder anzusehen. Ihr Herz stolperte vor Aufregung und machte Luftsprünge, als er sich an einem Tisch in ihrer Nähe niederließ und ein Wasser bestellte. Seine Stimme war klar, ruhig und sanft. Stundenlang hätte er weiterreden können, hätte die Speisekarte von oben nach unten und zurück vorlesen oder über Gott und die Welt philosophieren können, wenn er nur nie wieder damit aufhörte.
Während der letzten Tage hatte sich der Stresspegel in Carolin gelegt, sie war ruhig geworden und hatte sich entspannt. Doch die Ruhe, die sich jetzt in ihr breitmachte, war ihr bis dahin völlig fremd. Der schöne Fremde beruhigte allein mit seiner Stimme ihr aufgekratztes, nervöses Seelenleben, ohne dass er die leiseste Ahnung davon hatte. Er plauderte mit dem Kellner darüber, dass er gerade erst eingetroffen war und fragte ihn nach seiner Empfehlung für das Mittagessen. Er war offenkundig ein Mann mit Manieren, soweit man das nach ein paar Minuten aus der Ferne beurteilen konnte.
Carolin versteckte sich hinter ihrer Zeitung und betrachtete ihn über die Gläser ihrer Sonnenbrille hinweg verstohlen aber eingehend. Wie eine Detektivin saß sie da und hoffte, dass nur niemand ihr merkwürdiges Treiben beobachtete.
Der Unbekannte war groß, hatte eine stattliche Figur (nicht zu dünn, nicht zu dick, ein paar Muskeln, hübsches Hinterteil, starke Oberarme und Brust), sein Haar war grau meliert, die Gesichtszüge sanft und freundlich.
„Kein störender Bart, keine ungepflegten Hände, gute Schuhe und Kleidung. Perfekt!“, stellte Carolin fest. Nun musste sie nur noch mit diesem Wundermann in Kontakt kommen.
Aber wie?
„Bitte, sieh mich! Ich bin hier, dreh dich doch mal um! Bitte, bitte, schenk mir nur ein Lächeln!“, bettelte Carolin in ihrem Innersten.
Und tatsächlich: Im nächsten Moment sah „Mr. Du-verzauberst-mich“ Carolin direkt in die Augen und lächelte ihr freundlich entgegen. So herzergreifend, unverschämt frech und gleichzeitig bezaubernd, dass Carolin sich gerade noch beherrschen konnte, nicht das Sabbern anzufangen. Stattdessen verschluckte sie sich an ihrem Fruchtcocktail und konnte sich nur mit Müh und Not das Husten verkneifen.
Mutig lächelte sie zurück.
„Diese Augen, der Hammer! Wie kann ein Mann nur so unverschämt gut aussehen und so lächeln? Wer bist du, dass du einfach nur zur Tür hineinkommst und schon gehört dir mein Herz?“, fragte Carolin sich selbst, bemüht, nicht ständig in seine Richtung zu sehen.
Sie hatte nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, doch gerade war sie eines Besseren belehrt worden. Nun wusste sie, dass dieses Gefühl, das in unzähligen Kinofilmen zum Thema gemacht und in noch mehr Liedern interpretiert worden war, kein Mythos, sondern Wirklichkeit war. Ihr Herz, ihr Verstand, ihr ganzer Körper sagte ihr, dass dieser Mann einfach der Richtige für sie war. Dass mit ihm ihr Traummann in ihr Leben getreten und eben dieser Mann ihr Schicksal war. Warum, das konnte sich Carolin selbst nicht erklären. Aber wer brauchte schon Erklärungen, wenn das größte und mächtigste Gefühl der Welt plötzlich über einen hereinbrach?
Die Liebe hatte in ihr Leben Einzug gehalten. Musste sie sich also wirklich noch fragen, ob das Liebe war? Nein, das musste sie nicht, denn sie wusste es. Sie spürte es mit jeder Faser ihres Körpers und nun verstand sie auch, was ein Autor in einer ihrer Frauenzeitschriften gemeint hatte, als er schrieb, dass man Liebe daran erkennt, nicht mehr danach fragen zu müssen, ob es überhaupt Liebe ist.

"Herzensfreunde" im Kindle-Shop


16. Mai 2014

"Ein Mord geht immer: kurz und schmerzfrei" von Karin Büchel

24 Kurzkrimis. Ein Mord geht immer. Kurz und schmerzfrei muss er sein, fesselnd und trotzdem mit einer gewissen Portion Humor gespickt. Eine Sammlung mörderischer Kurzgeschichten vereinen sich in diesem Buch - mal zum Lachen, mal zum Weinen, zum Fürchten und zum Nachdenken bilden sie ein Gesamtbild, in dessen Fokus die Schattenseiten und verborgenen Wünsche von uns Lesern zum Vorschein kommen.

Steckt nicht ein bisschen Mordlust in jedem von uns? Ein kleiner Giftmord mit Cashewnüssen am Abend, ein unbeabsichtigt freier Fall aus enormer Höhe oder ein Golfball, der zum plötzlichen Tod führt. In jeder einzelnen Geschichte sprühen Spannung, Mystik, Überraschung, Ironie: So wie das Leben ist.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle


Leseprobe aus "Endlich":
Es klingelte. Laut und schrill.
Konnte nur der Postbote sein, die haben nie Zeit, schoss es mir durch den Kopf.
Muss warten, bis ich wenigstens das nötigste angezogen hatte. Wollte keinen zu so früher Stunde schocken.
Muss einfach nicht sein.
Dabei hatte ich einen Astralkörper, wie aus dem Bilderbuch. Nur jetzt gerade zu wenig an, um die Tür zu öffnen. Meine Haare hingen mir ins Gesicht und der Zahnpastaschaum quoll mir weißlich aus dem Mund. Zähne wollten gepflegt sein. Darauf achten besonders Frauen. Das weiß ich aus Erfahrung. Sie gucken dir als erstes in den Mund. Nicht so direkt, sondern ganz beiläufig. Frauen sind da raffiniert. Und wenn du dann ein Spinatblatt zwischen den Zähnen hast oder dein Atem nach Whisky riecht, hast du schon verloren. Ich spuckte also kurzerhand ins Waschbecken, riss den Morgenmantel vom Haken und schlurfte zur Tür.
Wieder dieses penetrante Schellen. Laut und störend.
Dem Postboten werde ich den Marsch blasen. Warte ab, mein Freund.
Ich öffnete mit meinem grimmigsten Gesichtsausdruck, den ich so gerade auf Lager hatte und wollte gerade zu einem Wortschwall ansetzten, da sehe ich sie: Jung, dynamisch, sympathisch und wunderschön. So stand sie vor meiner Tür.
Damit hatte ich ja nun gar nicht gerechnet.
„Sie müssen mir helfen. Hier im Haus scheint keiner anderer zu hause zu sein. Ich habe ein Problem mit dem Strom. Irgendetwas stimmt nicht und ich habe wahnsinnige Angst vor allem Elektrischen. Ich wohne eine Etage über Ihnen. Können sie mal kurz mitkommen? Nur gucken, ob nichts passieren kann. Bitte!“
Ich schaute in zwei katzengrüne Augen, die anscheinend wirklich Angst zu haben schienen.
„Bin nicht ausgehfertig. Müsste etwas anziehen.“
„Brauchen sie nicht.“ Sie versuchte ein krampfhaftes Lächeln. „Kommen sie. Schnell!“
Na gut. Ich rannte in meinen blauen Plastikschlappen hinter ihr her, hielt den Morgenmantel mit einer Hand zu, da der Gürtel irgendwie nicht dran war und erreichte ihre Wohnung, in die sie schnell hinein lief.
Weg war sie.
„Hallo?“
„Hallooo?“ Ich ging den kleinen Flur entlang in die Küche, deren Tür weit geöffnet war.
Von da an weiß ich nichts mehr.
Schwarzes Loch.
Leere.
Blackout, um einen Fachbegriff aus der Psychologie zu nehmen.

Im Kindle-Shop: Ein Mord geht immer: kurz und schmerzfrei

Mehr über und von Karin Büchel auf ihrer Website.

14. Mai 2014

"Lovisa - Der Riss im Universum" von Marita Sydow Hamann

Romantasy der Reihe "Das Vermächtnis der Lil`Lu" und der erste Band der beiden Lovisa-Bücher.

Lovisa ist 17, selbstsicher, sarkastisch und schreibt Geschichten, die ihr in Tagträumen einfach zufliegen. Doch es nagen Zweifel an ihr, als sie erfährt, dass ihre Tagträume eigentlich Visionen sind – Visionen, die sie zu ihrer leiblichen Mutter in die Psychiatrie führen. Lovisa fühlt sich zunehmend verfolgt. Wer ist der junge Mann aus ihrer Vision, der ihr das Gefühl eines leidenschaftlichen Kusses auf den Lippen hinterlässt?

Ozeanblaue Augen verfolgen sie, ihr Weltbild wird erschüttert, und die Realität ist viel unglaublicher, als sie es sich je erträumt hätte …

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Leseprobe:
Ich stand bei ICA – einer schwedischen Lebensmittelkette – an einem Süßigkeitenstand und konnte mich nicht entscheiden.Das Schild sagte eindeutig drei für zehn Kronen, aber es gab fünf Sorten zur Auswahl.
Da werden einem aber auch schwierige Entscheidungen abverlangt! Gemein.
Ich wippte vor und zurück, starrte auf das Sortiment und auf die bereits gewählten Riegel in meiner Hand.
Mein Blick verschwamm. Alles um mich herum wurde auf einmal undeutlich. Die Farben der Verpackungen begannen zu verwischen, lustige Muster bildeten sich, der Raum vor mir fing an, sich unnatürlich zu dehnen. Es kribbelte in meinen Händen. Die Muster verwandelten sich in beängstigende Gebilde. Ich zog scharf die Luft ein, blinzelte erschrocken die verzerrten Bilder fort und starrte ins Leere.
Was war denn das? Geträumt? Oder ...
Ein elektrisierender Impuls eilte durch meinen Körper, so einer, den man siedend heiß spürt, wenn es einen eiskalt erwischt. Hm, siedend heiß und eiskalt. Nettes Wortspiel. Ich grinste, schaute mich verlegen um – niemand sah mich an – und widmete mich dann wieder der Auswahl an süßen Leckereien. Ich zitterte leicht. Ich schob das Gefühl von Unzulänglichkeit, das sich auf einmal breitgemacht hatte, energisch zur Seite.
Es war nur ein Tagtraum, schimpfte ich mich und griff aufs Geratewohl nach noch einem Schokoriegel. Entschlossen drehte ich mich zu den Kassen und suchte mir die am wenigsten bevölkerte aus. Das leichte Kribbeln blieb in meinen Händen. Ich quetschte die Riegel, sodass ich es knirschen hörte und seufzte.
Na toll. Jetzt ist der Keks im Riegel zerbröselt.
Den Riegel kann man sowieso kaum essen, ohne zum Krümelmonster zu werden. Der Anflug von Ärger vertrieb zum Glück die unwillkommenen Gedanken, die mich seit diesem überraschenden Farbspielerlebnis irritierten. Wenigstens etwas!
Erleichtert schaute ich mich um.
Ich war in einem typischen ICA Maxi-Laden mit einer unglaublichen Artikelvielfalt, Pfannen, Klamotten, Gartenzubehör – zum Glück verkauften die auch immer noch Lebensmittel. Wobei es mich wunderte, dass dort für so einfache Dinge wie Brot auch noch Platz war. Um ehrlich zu sein, ging ich lieber bei City Gross einkaufen, dort war es geräumiger, und übersichtlicher war es auch.
Bei ICA Maxi brauchte man Kondition. Ich war nicht die Einzige, die Probleme hatte, dort auf Anhieb etwas zu finden. Ob das Taktik war? Je mehr der Kunde rumläuft, desto hungriger wird er? Wie zur Bestätigung knurrte mein Magen.
Ich blickte auf meine Beute. Was hatte ich eigentlich als Letztes gegriffen? Oh, wunderbar ... Ein Geisha, gerade den mochte ich aus der Fünferauswahl am wenigsten. Ich wollte losgehen, um den Riegel auszutauschen, als ich mitten in der Bewegung anhielt. Hinter mir ringelte sich die Warteschlange bis weit in eine Regalreihe. An den anderen Kassen das gleiche Bild. Ich seufzte – diesmal laut hörbar – und fügte mich dem Schicksal. Also gut, dann eben ein Geisha. Ich würde es überleben.
Langsam rückte die Schlange vorwärts. Als ich unter ein Reklameschild trat, tropfte mir irgendetwas auf den Kopf. Ich strich mir hastig über die Haare und schaute nach oben. Da war nichts. Zumindest nichts Sichtbares. Meine Finger tasteten meine Locken ab. Aber ich konnte nichts Nasses ausmachen. Ich schaute nochmal nach oben – dann trat ich vorsichtshalber etwas zur Seite. Wer weiß, dachte ich, sicher ist sicher.
Diese Bilder ... Der verzerrte Raum …
Ich atmete tief durch und fixierte den Zeitschriftenständer, der direkt vor der Kasse auf die Kunden wartete. Prinzessin Madeleine lachte mir von einer Titelseite entgegen. »Alles rund um Madeleines großes Babyglück«, war die Schlagzeile. Hinter ihr lachte Kronprinzessin Victoria in die Kamera. Sie war offenbar auf dem Weg zu einer Hochzeit. Es war seltsam, sie auf einem Foto ohne Prinzessin Estelle im Arm zu sehen. Nun ja, jetzt war wohl Madeleine dran. Hier wurde man vom Königshaus verfolgt, wohin man auch sah.
Ich konzentrierte mich auf die Überschriften. Las sie noch einmal und stellte verärgert fest, dass ich immer noch nicht wusste, was dort stand. Mein Unterbewusstsein drängelte sich faszinierend penetrant in den Vordergrund: verzerrte Bilder, ein Raum, der sich dehnte …
Ich quetschte wieder meinen Riegel und las zum dritten Mal: »Nachdem Madde ihre Schwangerschaft bekannt gab: Carl-Philip und Sofia in freudiger Erwartung?« Nicht zu fassen! Nur, weil die Schwestern jetzt anfingen, sich zu reproduzieren, musste er es auch? Hatten die nichts anderes zu berichten? Mein Blick huschte weiter: »Mitten im Babyboom. Der König will die Krone an Victoria abgeben.«
Ich stutzte, dann grinste ich breit. Ich brauchte nicht einmal den Artikel aufzuschlagen, um zu wissen, dass das garantiert nur ein Köder für die Leser war. Als junge Mutter hatte Victoria sicher anderes zu tun, als gerade jetzt das Amt zu übernehmen! Immerhin repräsentierte die Kronprinzessin auch jetzt schon unser Land. Jeder wusste, dass sie einmal Königin werden würde. Wozu also die Eile?
Ich musterte die Abkömmlinge von Königin Silvia kritisch: attraktive Repräsentanten. Vor allem Madeleine. Obwohl ich fand, dass mir die Gesichter der Königsfamilie viel zu häufig entgegenlächelten, gehörte ich doch zu jenen Bürgern, die das Königshaus als eine Bereicherung ansahen und nicht als ein Relikt vergangener Zeiten.

Im Kindle-Shop: Lovisa - Das Vermächtnis der Lil`Lu (1): Der Riss im Universum - Romantasy

Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

11. Mai 2014

"Von Flammen verzehrt: The Darkest Red2" von Emily Bold

Band zwei der Fantasy-Reihe Darkest Red. Um Chloé aus den Fängen ihres grausamen Entführers zu befreien, folgen ihre Schwester Fay und Julien diesem nach Rom. Dessen perfides Spiel um Chloés Leben führt Julien in die tiefsten Abgründe seiner Vergangenheit und mitten in die Arme seiner schlimmsten Feinde. Er muss sich entscheiden: Ist er bereit, diesen Preis für Chloés Sicherheit zu zahlen, oder ist ihm seine Mission wichtiger als Fay und die leidenschaftlichen Gefühle, die sie in ihm weckt?

Der Roman enthält erotische Szenen.

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Leseprobe:
Paschalis sah auf seine Uhr. Der goldene Zeiger wanderte unaufhörlich in Richtung der Zwölf, und mit jedem Ruck des Sekundenzeigers beschleunigte sich sein Puls weiter. Er tupfte sich mit einem karmesinroten Seidentuch die Stirn ab und lehnte sich in das weiche Leder des Rücksitzes zurück. Normalerweise genoss er die Stille in der kugelsicheren Limousine, in der auch Staatsgäste in den Vatikan eskortiert wurden, aber heute empfand der Kardinal den Mangel an Fahrgeräuschen als erdrückend.
Der Innenraum war auf angenehme 19 °Celsius klimatisiert, trotzdem stand ihm der Schweiß im engen Kragen seiner Soutane. Er wälzte seinen massigen Körper näher an die verchromte Lüftungsdüse heran und wischte sich erneut mit dem Tuch über Stirn und Oberlippe.
Er hätte gerne das Fenster einen Spalt geöffnet, um frische Luft hereinzulassen, aber er wusste, dass er damit nur die drückende Hitze hereinlassen würde, also ließ er es bleiben. Stattdessen versuchte er, mit einem Finger den Halsausschnitt seiner scharlachroten Mozzetta zu weiten. Er bekam kaum Luft. Und das Mittagessen lag ihm schwer im Magen und verursachte ihm Sodbrennen.
„Zum Teufel mit dieser Hitze!“, fluchte er und sah erneut auf die Uhr. Wenigstens würde er pünktlich sein. Etwas, das unbedingt von ihm erwartet wurde. Um sich von dem Umschlag neben sich nicht weiter verunsichern zu lassen, warf er einen Blick aus dem Fenster.
Die zypressengesäumte Allee führte schnurgerade zur Küste, und ihm wurde vom abwechselnden Licht- und Schattenspiel auf dem Asphalt übel. Im Süden konnte er schon den Olivenhain ausmachen. Das Gutshaus des Anwesens mit den roten Ziegeln und dem weißen Putz strahlte in der Mittagssonne. In der weitläufigen Auffahrt standen teure Wagen. Hier konnten Geschäftskunden das kostbare Olivenöl der Manufaktur verkosten. Erlesene Weine, außergewöhnliche Käsesorten und frische Ciabatta wurden hier Vertretern der Spitzengastronomie oder wohlhabenden Privatkunden angeboten.
Der Fahrer des Kardinals steuerte den Wagen am Landsitz vorbei und verließ den vornehm gepflasterten Weg. Eine staubige Straße führte zwischen den in Reihen wachsenden Olivenbäumen hindurch, und mit jedem Staubkorn, das die Reifen aufwirbelten, wuchs Paschalis Nervosität. Sein Mund war trocken, und er schnappte nach Luft, als er das Brummen von Rotoren vernahm, die silbergraue Olivenbaumblätter auf den Wagen regnen ließen. Die Baumkronen tanzten im Wind, und das Surren wurde lauter.
Sobald sie die weiße Sandsteinklippe erreicht hatten, stoppte sein Fahrer die Limousine. Der Kardinal wischte sich den Schweiß aus dem Nacken und beobachtete angespannt, wie der Hubschrauber nur wenige Meter vor ihm auf der Klippe aufsetzte. Noch ehe die Kufen den Boden berührt hatten, sprang ein Mann aus dem Cockpit.
Er trug sein schwarzes Haar mit viel Gel nach hinten gekämmt, eine verspiegelte Sonnenbrille verdeckte seine Augen. Ein beigefarbener Anzug saß passgenau an seinem durchtrainierten Körper.
Ein Maßanzug, das konnte Paschalis selbst auf die Entfernung erkennen – genau wie das Schulterholster und die Schusswaffe, die sich durch den Wind der Rotoren unter dem leichten Sakko abzeichneten.
Der Mann nahm eine breitbeinige, militärische Haltung ein und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
Der Kardinal glaubte, trotz der getönten Autoscheiben und der undurchsichtigen Sonnenbrille des Mannes, dessen abschätzenden Blick auf sich zu spüren. Halt suchend griff er nach dem goldenen Kruzifix, das er um den Hals trug, aber für ein Gebet war es nun wohl zu spät.
Mit zitternden Fingern nahm Paschalis den Umschlag, schob sich das rote Scheitelkäppchen zurecht und stieg aus. Die Hitze traf ihn wie eine Wand. Die noch immer drehenden Rotoren wirbelten ihm die heiße Luft entgegen, und er musste sich trotz seiner Leibesfülle gegen den starken Luftzug stemmen. Er beeilte sich, den Mann zu erreichen und sich scheu vor ihm zu verneigen.
Davon unbeeindruckt trat dieser dicht an den Würdenträger heran und durchsuchte ihn nach Waffen.
Als würde ich das wagen, dachte Paschalis und schämte sich, als er sein fettleibiges, ängstliches Spiegelbild in den Brillengläsern seines Gegenübers sah.
„Bueno“, murmelte der Mann und schlug mit der Hand gegen die seitliche Schiebetür des Helikopters.
Paschalis trat ein Stück zurück, als sich diese öffnete und zwei weitere Männer herauskamen. Links und rechts vom Einstieg nahmen sie eine ähnliche Haltung an wie der Maßanzugtyp. Auch äußerlich waren sie ihm ähnlich. Verschlossene Gesichter, bullige Körper und teure Anzüge. Doch der Kardinal wusste, sie waren nur das Beiwerk zu seiner eigentlichen Verabredung.
Und die trat nun aus dem finsteren Innenraum an den Einstieg.
Paschalis spürte den Schweißtropfen, der ihm über die Kopfhaut in den Nacken lief, während er seine Augen über die langen, schlanken Beine nach oben wandern ließ. Elegante Seidenstrümpfe verschwanden unter dem knappen, weißen Rock und ließen kaum Spielraum für Fantasien. Die obersten Knöpfe ihrer schwarzen Bluse standen weit offen und gewährten einen Blick auf ihre vollen Brüste. Ihr schwarzes Haar fiel ihr lang über den Rücken, und nur die Sonnenbrille, die sie sich auf den Kopf geschoben hatte, verhinderte, dass der Wind ihr die Strähnen ins Gesicht blies.
Ihre stark getuschten Wimpern zogen Paschalis‘ Blick auf sich, sodass ihm das herablassende Zusammenkneifen ihrer nur mit Gloss betonten Lippen entging. Der Duft ihres schweren Parfums umhüllte ihn.

Im Kindle-Shop: Von Flammen verzehrt: Darkest Red 2

Mehr über und von Emily Bold auf ihrer Website.

10. Mai 2014

"Nora Morgenroth: Der Hüter" von Kerstin Michelsen

Ein Thriller mit übersinnlicher Spannung. Vor Kurzem ist Nora Morgenroth mit ihrem Lebensgefährten Oliver in ein Haus auf dem Land gezogen. Sie ist verliebt und glücklich. Mit der Renovierung des malerischen Bauernhauses hat Nora außerdem alle Hände voll zu tun. Ja, eigentlich könnte alles perfekt sein, wären da nicht die quälenden Träume, die sie neuerdings heimsuchen. Die düsteren Bilder lassen Nora bald nicht mehr los. Und was hat es mit dem fremden Kind auf sich, das scheinbar in großer Not ist? Was ist Traum und was ist Wirklichkeit?

Auf der Suche nach dem Ursprung ihrer Visionen begeht Nora einen verhängnisvollen Fehler ...

Gleich lesen: "Nora Morgenroth: Der Hüter" von Kerstin Michelsen



Leseprobe:
Der Aufschrei riss mich aus dem Schlaf. Ich schlug in wilder Panik um mich. Licht, ich brauchte Licht. Es war so entsetzlich dunkel. Wo war ich, warum gab es keinen Lichtschalter? War ich etwa in das Loch gefallen, das sich eben noch wie ein schwarzer Schlund vor mir aufgetan hatte? Einen Aufprall hatte ich nicht gespürt, aber es war so schrecklich dunkel. Entsetzt keuchte ich auf.
«Nora, was ist denn?»
Das Licht ging an. Ich setzte mich auf und blickte um mich. Alles war gut. Oliver war da. Ich erkannte ihn und den Schrank und die Kommode und die Decke, die zusammengeknüllt zu meinen Füßen lag. Ich musste sie weggestrampelt haben, aber es war eindeutig meine Bettdecke und wir lagen in unserem wunderschön verschnörkelten Bauernbett. Es war antik, sehr groß und mit außergewöhnlichen Schnitzereien versehen. In wochenlanger, mühseliger Arbeit hatte ich es abgeschliffen und neu lasiert. Dies war unsere erste gemeinsame Nacht in dem alten, neuen Möbel und wir hatten es am gestrigen Abend würdig eingeweiht. Alles war genau so, wie es sein sollte. Es war nur ein böser Traum gewesen. Sehr, sehr böse.
Ich ließ mich auf das Kissen zurücksinken. Oliver zog die Decke über mich. Das alte Shirt, das ich zum Schlafen trug, war durchgeschwitzt. Ich fror.
«Was ist denn?», wiederholte er.
«Nur ein dummer Traum», murmelte ich und lehnte den Kopf an Olivers Schulter.
«Du hast laut geschrien!»
Ich zuckte zusammen. Eigentlich hatte ich angenommen, dass der Schrei in dem Traum vorgekommen war. Jemand hatte doch gequält aufgeschrien. Vielleicht sogar ein Tier? In höchster Not, der Schrei, kaum menschlich.
Aber so war es ja manchmal. Der Wecker klingelte und im Traum meinte man dann, dass es an der Tür läutete. Wenn ich im Schlaf geschrien hatte, dann hatte der reale Schrei sich in meine Traumbilder geschlichen. Die Augen fielen mir zu und ich spürte, wie ich erneut versank. Morgen konnte ich immer noch darüber nachdenken, ich war müde, einfach zu müde.

Am nächsten Tag war alles vergessen. Der nächtliche Alptraum mochte noch so entsetzlich gewesen sein, sobald der helle Tag übernommen hatte, war alles wie fortgewischt. Zum Glück. Lediglich ein vages Gefühl von Erschöpfung war geblieben und legte sich wie ein leichter Dunst über alles. Dämpfend. Wie es eben war, wenn man nicht gut geschlafen hatte. Mehr nicht. Nichts, was dem Grauen der nächtlichen Bilder nahe kam.
Unser Wecker in Form von Olivers Handy weckte uns aus einem unerfindlichen Grund zu spät. Wir mussten uns beeilen oder eher: Oliver musste es tun, denn obwohl es ein Sonntag war, wurde er zum Dienst erwartet. Das war oft so, bei der Kriminalpolizei gab es so etwas wie geregelte Arbeitszeiten nicht. Dennoch stand ich mit auf und bereitete ihm eine Tasse Kaffee, während er hastig duschte und sich anzog. Der Tee, den ich für mich selbst aufgesetzt hatte, war noch zu heiß, als Oliver mir einen eiligen Kuss auf die Lippen pflanzte und das Haus verließ.
Ich trat an das Küchenfenster und sah ihm nach, als er über das viel zu hohe Gras hinüber zum Wagen schritt. Bevor er einstieg, drehte Oliver sich um und blickte zu dem Fenster, an dem ich stand. Wie eigentlich immer, wenn er zur Arbeit fuhr. Es war ein kleines Ritual. Wir hoben gleichzeitig die Hand. Ich lächelte. Oliver stieg ein. Der Wagen wendete und verschwand hinter dem dichten Grün der Fliedersträucher, die unser Haus wie eine undurchdringliche Wand zur Straße hin abschirmten. Sie hingen voll von dicken Blütenrispen, die einen betörenden Duft aussandten.

Ich versank in meinen Gedanken. Es würde noch spannend werden, wie der restliche Garten im Sommer aussah. Wir waren erst im vergangenen Herbst eingezogen, in dieses etwas verwohnte, aber sehr heimelige ehemalige Bauernhaus in Altenstein, einem Zweihundert-Seelen-Dorf zwischen Erzfeld und Vallau. In einem Anfall von Leichtsinn hatten wir zugeschlagen und, obwohl wir uns zu dieser Zeit erst gerade ein Jahr kannten, zusammen das Haus gekauft.
Olivers Mutter hatte, als wir unsere Entscheidung verkündeten, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und uns dann beide geküsst und beglückwünscht. Meine Mutter dagegen hatte uns steif die Hand gereicht und dann ihr Scheckbuch gezückt. Natürlich war sie beleidigt gewesen, dass wir ihre Dienste als Immobilienmaklerin nicht in Anspruch genommen hatten. Dabei wusste sie genau, dass wir uns die Art von Objekten, die sie vermittelte, auch in hundert Jahren nicht würden leisten können, geschweige denn wollen.
Für Oliver und mich war das Haus ein Glücksfall, der uns zu einer Zeit in den Schoß geplumpst war, als wir noch nicht im Entferntesten daran gedacht hatten, etwas Eigenes zu kaufen. Nicht einmal die Möglichkeit, dass wir zusammenziehen könnten, hatten wir mehr als spielerisch ins Auge gefasst. Wir waren beide sehr verliebt gewesen, denke ich, aber es hatte eben auch keine Eile gehabt. Dann hatte Oliver in einem Fall ermittelt, der ihn in die Nachbarschaft unseres heutigen Heims führte. Wie sich herausgestellt hatte, war der Tatverdacht unbegründet gewesen. Zur Entlastung des Verdächtigen hatte maßgeblich eine Zeugin beigetragen, die Oliver mehrmals befragen musste. Aus Rücksicht auf das Alter der Zeugin hatte er sie dann zuhause aufgesucht. Am Abend hatte er mir von dem gemütlichen Bauernhaus vorgeschwärmt. Dann musste er die Zeugin wegen einer Formalität ein letztes Mal aufsuchen. Bei dieser Gelegenheit bat Frau Martensen Oliver herein und servierte ihm einen vorzüglichen, von Hand aufgebrühten Kaffee. Als er sich schon verabschieden wollte, erwähnte sie ihre Entscheidung, das Haus zu verkaufen und in eine Seniorenresidenz in Vallau zu ziehen, wo die beiden erwachsenen Töchter mit ihren Familien lebten.
Drei Tage später saßen wir zu dritt in Ludviga Martensens Wohnküche und ich verstand, was Oliver an diesem Gemäuer so bezaubert hatte. Es war malerisch, wenn auch renovierungsbedürftig. Nur deshalb konnten wir es uns überhaupt leisten. Der Kaufpreis, auf den wir uns geeinigt hatten, war wohl für beide Seiten fair. Wir würden einiges an Zeit und Geld in die Renovierung stecken müssen, aber dafür bekamen wir auch ein gut zweitausend Quadratmeter großes Grundstück. Es war etwas verwildert, aber wunderschön. Und nun waren wir hier.

"Nora Morgenroth: Der Hüter" im Kindle-Shop

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9. Mai 2014

'Double Standard - Doppelmoral' von Peter Brentwood

Ein Thriller. Der Irakveteran Tyler Milinski ist auf der Flucht. Er braucht sofort einen Wagen und stoppt auf einer belebten Kreuzung in Reno ein Auto. Am Steuer sitzt eine Frau, die sich weigert auszusteigen, denn auf der Rückbank sitzt ihr Kind. Aus dem geplanten Carnapping wird eine Geiselnahme. Nicht nur die Polizei heftet sich an Tylers Fersen. Die Odyssee führt Richtung Süden und endet schließlich in einer verlassenen Boraxmine im Death Valley. Hier in der Wüste weiß der erfahrene Veteran, wie man überlebt.

Und hier beginnt Tyler langsam zu verstehen, wer alles hinter ihm her ist und warum...

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Leseprobe:
Die Ampel an der Kreuzung Oddie / Silverada Boulevard schaltete auf rot. Ellen ließ den Wagen bis zur Haltelinie ausrollen. Vor ihr rannten zwei Männer über die Straße, die wohl zu bequem waren, die Fußgängerbrücke zu benutzen. Ellen schüttelte den Kopf und erneut blickte sie in den Rückspiegel. Jimmy hatte sich wieder beruhigt. Er sah sie im Rückspiegel und lächelte. Ellen lächelte zurück.
»Raus aus dem Wagen!« Ein schneidiger Befehlston zerriss die Familienidylle.
Erschrocken sah Ellen nach links in die Richtung, aus der der Befehl kam. Im Gegenlicht der gleißenden Sonne erkannte sie schemenhaft einen kräftigen Mann, der die Fahrertür ihres Wagens aufgerissen hatte.
»Los, mach schon! Raus aus dem Wagen!« Jetzt zerrte der Typ an Ellens Arm.
»He, was soll das!«, schrie Ellen.
»Mom!«, kreischte Jimmy. »Mom!«
»Steig aus, Du Schlampe, ich brauch den Wagen!«
Jetzt bemerkte Ellen, dass eine Pistole auf ihr Gesicht gerichtet war. Sie hatte also keine andere Wahl, auch wenn sie für einen Moment an das Reizgasspray im Handschuhfach dachte.
»Ich muss erst meinen Sohn aus dem Kindersitz holen.« Ellen versuchte möglichst ruhig zu sprechen, aber ihre Stimme zitterte. Der Angreifer wirkte sichtlich irritiert.
»Fuck, so eine verdammte Scheiße!«, fluchte der Räuber, der erst jetzt begriff, dass die Fahrerin nicht alleine im Wagen saß. Durch die verdunkelten Scheiben hatte er das Kind nicht gesehen! Der Straßenräuber ließ die Pistole sinken.
Das war Ellens Chance! Sie drückte das Gaspedal durch, obwohl die Ampel immer noch auf Rot stand. Mit quietschenden Reifen schoss der Chevrolet in die Kreuzung. Von links hupte ein SUV, dessen Fahrer offensichtlich voll in die Eisen gestiegen war und sein Gefährt gerade noch vor dem linken Kotflügel des Chevrolet zum Stehen brachte. Der Abstand war so knapp, dass die noch offene Fahrertür an der Front des SUV entlang schrammte und dabei wieder ins Schloss fiel.
»Geschafft!«, dachte Ellen erleichtert und ungeachtet der Tatsache, dass sie gerade dabei war, gegen alle nur erdenklichen Verkehrsregeln des Bundesstaates Nevada zu verstoßen. Wie groß mochte der Kratzer an der Fahrertür wohl sein? Egal! Jetzt erst einmal weg hier! Zur Polizei würde sie später fahren. Sie wollte ihre Flucht nach vorne über die Kreuzung fortsetzen, als ihr ein von rechts kommender Truck den Weg versperrte. Sie musste abbremsen, wollte sie nicht mit voller Wucht in die Seite des Trucks krachen. Sie blickte nach rechts. Hinter dem Truck war frei!
»Mom!« Schon wieder kreischte Jimmy hysterisch.
»Mein Schatz, es wird alles gut!«

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8. Mai 2014

'Danach: Der Schock' von Scott Nicholson

Ein postapokalyptischer Thriller. Eine gewaltige Sonneneruption hat die technologische Infrastruktur der Erde ausgelöscht und Milliarden von Menschen getötet. Während die wenigen Überlebenden damit beschäftigt sind, sich anzupassen und zu überleben, müssen sie feststellen, dass sich einige von ihnen verändert haben. Rachel Wheeler ist auf sich allein gestellt in einer Stadt, in der gewalttätige »Zapphirne« in den Straßen herumziehen, um zu zerstören und zu töten. Rachels einzige Hoffnung ist, die Berge zu erreichen, in denen ihr Großvater, ein legendärer Überlebenskämpfer, als Vorbereitung auf den Weltuntergang einen sicheren Rückzugsort gebaut hat.

Auch andere Überlebende wollen aus der Stadt fliehen, aber die Zapphirne sind nicht die einzige Gefahr. Skrupellose Gruppen von Soldaten versuchen, in den bröckelnden Ruinen der Zivilisation ihre eigene Ordnung zu errichten. Als Rachel einen zehnjährigen Jungen entdeckt, schwört sie sich, dass sie sich um ihn kümmern wird, auch wenn sie dabei ihr Leben riskieren muss.

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Leseprobe:
Marvin der Marsmensch wird eindeutig unterschätzt.
Campbell Grimes hatte den gesichtslosen kleinen Außerirdischen der Looney Tunes immer bewundert. Jeder liebte Bugs Bunny. Bugs war ein Hase für alle Lagen, aber genau wie Tweety, Sylvester und Schweinchen Dick zog Bugs manchmal den Kürzeren. Wile E. Coyote musste für seine Hartnäckigkeit und seinen Erfindungsreichtum bewundert werden, aber diesem stifthalsigen Road Runner gelang es immer, das Blatt zu wenden.
Campbell hasste den Road Runner, weil ihn der Zeichentrickvogel an Sonny Stanton erinnerte, den Würdigen Meister seiner Studentenverbindung damals an der Universität. Stanton hatte die Gewohnheit, sich von hinten an andere heranzuschleichen und seine nasale Version des Road Runner »meep meep« zum Besten zu geben. Was hätte Campbell nicht für einen patentierten ACME Arschloch-Auslöscher gegeben.
Während Wile E. Coyote ein hilfloser Sklave seines Verlangens war, hatte Marvin ein kultivierteres Gespür für die universelle Ordnung. Für die gesichtslose kleine Ameisenkreatur mit dem Besen auf dem Helm war die Zerstörung nur eine ästhetische Entscheidung.
Nun, als er über die tote Weite der Autobahn und die wie Kinderspielzeug darauf verstreuten, reglosen Fahrzeuge blickte, dachte er, dass dies ein geeigneter Moment sei, einen von Marvins Sprüchen anzubringen.
»Wo bleibt das große Wumm?«, erkundigte er sich mit näselnder Zeichentrickfigurenstimme.
»Was?«, fragte Pete, der nicht zugehört hatte.
»Ich hatte mehr Wumm erwartet.«
»Ja, mit einem Asteroiden am Tag des Jüngsten Gerichts hätte man wirklich mehr Eintrittskarten verkauft. Die Welt endet nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern, nicht wahr?«
»Du hast Literatur studiert. Bei dieser Angelegenheit, bei der es um Leben oder Tod geht, wirst du nicht sonderlich von Nutzen sein, oder?«
Pete nahm einen Schluck warmen Busch-Biers und schob sich die dunklen Locken aus dem Gesicht. »Hey, ich bin hier – im Unterschied zu einer Menge anderer Leute. Ich denke, dafür sollte ich Pluspunkte bekommen.«
»Nun«, meinte Campbell, »du hast wahrscheinlich deine Kappe aus Alufolie getragen, als das große Brutzeln begann.«
Pete nahm einen weiteren Schluck und warf die leere Dose auf den begrünten Mittelstreifen, wo sie aufprallte und in einem Meer verstreuter Kleidung zu liegen kam. »Ich bin nicht derjenige, der Marvin den Marschmenschen zitiert, Alter.«
»Treffer.«
Campbell klappte den Ständer seines Zehngangrads aus und schüttelte den Staub von den Ärmeln seiner Lederjacke. Sie hatten ihre Auswahl im Triad Radladen getroffen. Während Pete sich für ein Mountain Bike mit Noppenreifen entschieden hatte, war Campbells Wahl auf ein Tourenrad mit Drahtkorb gefallen. Es hatte sogar einen kleinen »Made in America«-Anhänger am Korb. Pete hatte versucht, ihn aufzuziehen, indem er ihn »Cheesy Rider« nannte, aber Campbell hatte einen Korb voller Essen und Ausrüstung, während Pete nur das hatte, was in seinen Rucksack passte.
Was im Augenblick vor allem Bier war.
Campbells Körper fühlte sich von der langen Fahrt wie durchgeschüttelt an. In den letzten drei Stunden hatten sie zwanzig Meilen geschafft, wobei sie mitunter durch Ansammlungen von Fahrzeugen gezwungen gewesen waren, die Straße zu verlassen. Sie hatten die Nacht in einem verlassenen VW-Bus auf einem Zeltplatz verbracht und nicht gewagt, Feuer zu machen. Es war ihr sechster Tag, seit sie Chapel Hill verlassen hatten, und eine Woche, nachdem alles zum Stillstand gekommen war. Einem Verständnis dessen, was eigentlich passiert war, waren sie keinen Schritt näher gekommen.
Keine Anzeichen für intelligentes Leben, dachte Campbell in seiner Marvin-der-Marsmensch-Stimme. Was nicht unbedingt schlecht ist. Nein, überhaupt nicht.
»Willst du welche von diesen Autos unter die Lupe nehmen?« Pete akzentuierte seine Frage mit einem tiefen Rülpser.
»Mein Korb ist voll.«
»Vielleicht finden wir was Nützliches: eine Pistole, getrocknete Rindfleischstreifen, mehr Bier.«
»Ich hab schon eine Waffe.«
Pete deutete auf den Revolver, der in Campbells Gürtel steckte. »Willst du nichts Besseres?«
»Der genügt.« Campbell hatte sich für Kaliber .38 entschieden, weil er die Trommel sehen wollte. Er dachte, dass es so einfacher sein würde zu wissen, wie viele Kugeln er noch hatte, falls er ihn überhaupt wirklich benutzen musste. Pete hatte sich eine Glock geschnappt und schien große Freude an dem Klick zu haben, die sie von sich gab, wenn er das Magazin einschob. Die Waffen hatten sie einem Outdoor-Shop zu verdanken. Der war zwar schon ein wenig ausgeplündert gewesen, aber offenbar war die Anzahl der Überlebenden so gering, dass das Angebot die Nachfrage bei Weitem übertraf.
»Was ist, wenn in diesen Autos noch jemand am Leben ist?«, fragte Pete.
»Unwahrscheinlich.« Campbell unterzog die Autobahn einer genaueren Prüfung, weil ihn der Gedanke beunruhigte.
»Könnte jemand wie wir sein. Einer von den Glücklichen.«
»Glücklich bedeutet etwas anderes.«
»Vielleicht hätten wir an der Uni bleiben sollen. Wenn irgendjemand herausfinden kann, was eigentlich los ist, dann sind es unsere guten alten Wissenschaftler.«
»Und wenn schon!« Campbell fühlte sich zunehmend genervt und begann, wütend zu werden, was ihm nicht behagte. Weil es vermutlich mit den anderen genauso angefangen hatte, als die Drähte schmolzen und das Gehirn zu kochen begann. Als sie anfingen, zu denen zu werden.
»Vielleicht können sie einen Impfstoff entwickeln.«
»Es ist kein gottverdammter Tripper, Pete. Und wie willst du die Durchgeknallten dazu bringen, mitzumachen? Willst du sie mit deinem hochexplosiven Weltraummodulator sprengen?«

"Danach: Der Schock" im Kindle-Shop

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