16. Januar 2015

"Lucy und die abenteuerliche Zeitreise" von Monika Baitsch

Was gestern noch unmöglich erschien, kann heute schon Wirklichkeit sein!

Die 10-jährige Lucy staunt nicht schlecht, als hinter dem großen Apfelbaum im Garten mit lautem Knattern eine silberblassblaurosa glänzende Metallkugel landet. In der Kugel findet sie den lustig aussehenden Wissenschaftler Oles, der aus dem Jahr 2098 stammt und mit seiner Erfindung – einer Zeitmaschine – eine Bruchlandung hingelegt hat, weil ihm die Antriebsmasse ausgegangen ist. Lucy besorgt für Oles Marshmellows, mit denen er Ersatztreibstoff herstellen und wieder in seine Zeit zurückkehren kann. Als Dank verspricht er ihr, wiederzukommen und sie auf eine abenteuerliche Zeitreise mitzunehmen.

Oles hält sein Versprechen und bringt seinen Cousin Giss, einen Geschichtsexperten, mit. Noch am selben Abend brechen die beiden mit Lucy in spannende Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf. Giss liefert fesselnde geschichtliche Informationen, und gemeinsam erleben sie tolle Abenteuer. Aber schafft es Lucy, wieder in ihre eigene Zeit zurückzukehren – und was hat es mit dem blauen Edelstein auf sich?

Eine packende Zeitreise, die ganz nebenbei wertvolle Informationen zu Politik, Sport, Literatur, dem 2. Weltkrieg, der Mondlandung 1969 und vielem, vielem mehr bereithält.

Gleich lesen: Lucy und die abenteuerliche Zeitreise

Leseprobe:
Was war denn das? Lucy eilte zum Fenster. Neugierig schob sie die Gardine zur Seite und schaute in den Garten. Zuerst hörte sie ein ihr unbekanntes Knattern, dann ein lautes Rumsen. Hinter dem großen Apfelbaum meinte sie ein silberblassblaurosa glänzendes rundes Ding entdeckt zu haben. Sie machte sich sofort auf den Weg nach draußen, um sich das aus der Nähe anzuschauen.
Lucy war neugierig – immer … und egal, worum es sich handelte. Mit ihren zehn Jahren wollte sie alles ganz genau wissen und hinterfragte jede Einzelheit, bis sie alle Informationen besaß, die sie brauchte. Den Erwachsenen ging sie damit schon häufig auf die Nerven, aber das war Lucy egal. Schließlich wusste sie selbst am besten, was wichtig für sie war und was nicht. Immer, wenn ihre Mutter sie bat, doch endlich einmal still zu sein und nicht ununterbrochen ihre Fragen zu stellen, schüttelte sie trotzig ihre rotbraunen Locken, stampfte mit dem Fuß auf und erwiderte energisch: „Ich muss das aber wissen!“ Ihre Mutter erkannte, dass es kein Entrinnen gab, solange Lucy nicht zufrieden war und alle Fragen gestellt hatte, die es zu stellen gab.
Lucy kam im Garten bei dem großen Apfelbaum an und ging vorsichtig zu den hohen Büschen, die dahinter standen. „FLIEGENSHIT und KRÖTENDRECK, du dickes Ding, beweg dich jetzt!“, hörte sie jemanden fluchen, der an einer seltsamen Metallkugel zerrte und diese wohl gerade in den Büschen verstecken wollte. Erschrocken wich sie einige Schritte zurück. Sie konnte ein Keuchen und Krächzen hören, als ob jemand schwer körperlich arbeiten würde. „Puh, geschafft!“, vernahm sie in dem Augenblick, und gleich darauf einen dumpfen Plumps. Nun war ihre Neugierde richtig geweckt. Langsam schob sie die Äste beiseite und traute ihren Augen nicht. Da lag rücklings ein … ja, was war das bloß? Ein kleines Männlein, etwa halb so groß wie sie! Es lag auf dem Boden und schnaufte so sehr, dass der kugelrunde Bauch aussah wie ein Luftballon. Das Männlein hatte die Augen geschlossen und machte einen erschöpften Eindruck. Seine Latzhose war grasgrün und dazu trug es ein lila Hemd. Die Haare hatten einen karottenroten Farbton und waren fürchterlich strubbelig. Und die Ohren waren oben nicht rund, nein sie waren flach - ein seltsames Geschöpf. In diesem Moment öffnete der kleine Kerl die Augen. Lucy sah ihn groß an und er stieß sofort einen Schrei aus, der Lucy derart erschreckte, dass sie rücklings auf den Po fiel. Als sie sich gerade aufrappeln wollte, um die Flucht zu ergreifen, kam dieses Männlein vorsichtig auf sie zu. Er stupste sie mit seinem überlangen Zeigefinger an und meinte: „Okay, du bist echt.“
„Natürlich bin ich echt, was denkst du denn?“ Lucy hatte ihre Sprache wiedergefunden und stand entrüstet auf. „Wieso landest du mit diesem seltsamen Schrottteil ausgerechnet in unserem Garten?“, fragte sie. „Kannst du mir vielleicht mal bitte sagen, wer du bist und woher du kommst? Was ist das überhaupt für ein seltsames Ding da?“ Dabei deutete sie auf die merkwürdige Metallkugel.
„Das geht dich gar nichts an“, antwortete das Männlein aufmüpfig.
„Das geht mich wohl etwas an, schließlich bist du hier in unserem Garten!“ Lucys Kampfgeist war geweckt.
„Nein, tut es nicht!“
„Doch, tut es wohl! Wenn du mir das nicht auf der Stelle sagst, werde ich dich an meine Mutter verraten und die holt die Polizei.“
„Pfft“, machte das freche Kerlchen, drehte sich um und ging zurück zu seiner Kugel. Es stieg ein und versuchte den Motor zu starten. Krcht …. Krcht …. Krch …. Nichts passierte.
„FLIEGENSHIT und KRÖTENDRECK“, fluchte das Männlein erneut und stieg wieder aus. „Kann ich dir vertrauen?“, fragte es Lucy und schaute sie mit zusammengekniffenen Augen an.
„Verrate mir doch erst einmal, was das hier alles soll.“ So allmählich war Lucys Wut verflogen und Neugierde machte sich in ihr breit.
Seufzend ließ sich der Halbgroße ins Gras sinken und fragte: „Sind wir hier sicher?“
„Sicher? Wovor?“
„Na, stört uns jemand?“
„Wenn du nicht bald mit der Sprache herausrückst, wird wohl meine Mutter nach mir suchen, weil das Abendbrot fertig ist.“ Lucy setzte sich neben das Männlein ins Gras und schaute es abwartend und selbstsicher grinsend an. „Ich habe ja sowieso keine andere Chance, also kann ich dir auch erzählen, wer ich bin. Mein Name ist Oles und ich bin ein Wissenschaftler aus dem Jahre 2098. Ich arbeite gerade an dieser Zeitmaschine und wollte einen kurzen Probeflug machen. Leider habe ich vergessen, Antriebsmasse mitzunehmen und jetzt sitze ich hier wohl für alle Zeiten fest.“ Traurig ließ er den Kopf sinken.
„Aus dem Jahre 2098?“ Lucy schaute ihn mit großen Augen an. „Du bist wohl eher irgendwo ausgebrochen, wo man solche Lebewesen …“, formulierte sie vorsichtig, „ … ansonsten eher einsperrt.“
„Nein, ich erzähle dir die Wahrheit, aber das kannst du natürlich nicht glauben, wie auch? Ich bin ein Nachfolger der Menschen. Wir haben uns im Laufe der Zeit weiterentwickelt und sind zwölfmal intelligenter als ihr in eurer Zeit. Deshalb haben wir auch nur noch die Hälfte an Größe, weil wir dadurch weniger Nahrung aufnehmen müssen und somit weniger Dreck produzieren – du weißt schon, was ich meine“, ergänzte er grinsend. „Seit sieben Jahren arbeite ich nun an dieser Zeitmaschine und dachte, dass die Entwicklung so gut wie abgeschlossen sei.“
„Zwölfmal intelligenter?“, fragte Lucy ungläubig.
„Um genau zu sein, zwölfeinhalbmal, aber das klingt so angeberisch.“
„Das klingt eher gelogen!“, fing Lucy schon wieder an sich aufzuregen. So ein eingebildeter Schnösel! „Und wieso schafft ihr es dann nicht, euch vernünftig anzuziehen? Guck dich mal an, so läuft doch niemand herum!“ Sie schaute dabei auf seine grasgrüne Latzhose, das lila Hemd und nun stellte sie auch noch fest, dass seine Schuhe orange waren und die Socken rosa! Welcher Typ trug denn rosa Socken?
„Das ist absolut trendy! Du hast ja keine Ahnung – woher auch? Man nennt das Gruffel-Look und der ist der neuste Schrei!“, regte sich Oles auf.
„Oles, was ist das denn für ein bescheuerter Name?“, stichelte Lucy amüsiert weiter.
„Oles bedeutet auch Intelligenzbolzen und setzt sich zusammen aus: O wie ohne, L wie Lexikon, E wie extrem und S wie schlau und du brauchst dich überhaupt nicht lustig über mich zu machen.“
„Mach ich gar nicht.“
„Machst du wohl!“
„Nee, mach ich nicht!“
„Doch!“
„Nee!“
„Blöde Ziege!“
„Dummer Affe!“
„Und jetzt?“
„Weiß nicht.“
„Du bist tatsächlich ziemlich intelligent und mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als dir zu vertrauen“, unterbrach Oles unvermittelt den Schlagabtausch.
„Klar kannst du mir vertrauen!“
„Dummerweise habe ich nicht daran gedacht, dass ich in eurer Zeit keine Antriebsmasse bekomme und auch vergessen, den Tank zu füllen.“
„Was ist denn Antriebsmasse?“
„Kannst du Marshmallows besorgen?“ Oles schaute Lucy ernst an.
„Marshmallows? Wenn du Hunger hast, kann ich dir auch etwas Richtiges besorgen.“
„Nein, wenn ich Marshmallows habe und Regenwasser dazugebe, habe ich eine Ersatz-Antriebsflüssigkeit und kann wieder zurück in meine Zeit fliegen. Das müsste eigentlich klappen.“
„Ja, aber das geht erst morgen, heute sind die Geschäfte schon alle geschlossen.“ Lucy wunderte sich über Oles, aber es schien etwas an seiner Geschichte dran zu sein, denn normal war der nicht!
„Besser morgen als niemals! Was soll ich in eurer Zeit? Ich werde diese Nacht hier im Garten verbringen und du besorgst mir morgen Marshmallows, damit ich wieder nach Hause komme.“ Er stand auf und wollte zu seiner Zeitmaschine gehen.
„Moment!“ Lucy stand auch auf. „Was ist für mich dabei drin?“
„Ich habe es befürchtet! Ich muss auf jeden Fall zuerst einmal in meine Zeit zurück und ausreichend Antriebsmasse laden. Wenn du dein Versprechen hältst, werde ich wiederkommen, und wir machen eine Zeitreise in die Vergangenheit.“
„Hmmm, das klappt nie und nimmer und du lügst mich sicher an. Aber ich gehe das Risiko ein, der Handel gilt!“ Lucy streckte Oles die Hand entgegen und ließ keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinte. „Ich muss jetzt in Haus zurück, sonst kommt meine Mutter, um mich zu suchen. Wenn heute Nacht etwas sein sollte, kannst du ein Steinchen an das rechte Fenster über der Terrasse werfen, das ist mein Zimmer.“
„Was bleibt mir anderes übrig?“ Oles zuckte seufzend die Schultern.
„Das klappt schon“, sagte Lucy und zwinkerte Oles dabei aufmunternd zu.
In diesem Moment rief auch schon Lucys Mutter zum Abendessen und Lucy knuffte Oles beim Gehen freundschaftlich in die Seite.
„Bis morgen dann“, sagte dieser aber mürrisch und versteckte sich in seiner Zeitmaschine.
Am nächsten Morgen schaute Lucy direkt nach dem Aufstehen aus dem Fenster. Sie wollte wissen, ob sie das alles nur geträumt hatte, oder ob tatsächlich im Garten hinter dem Apfelbaum eine Zeitmaschine gelandet war.

Im Kindle-Shop: Lucy und die abenteuerliche Zeitreise

Mehr über und von Monika Baitsch auf ihrer Website.

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