14. Mai 2015

'Sweet Dreams: Ein Modehimmel voller Sterne' von Tabea S. Mainberg

Was passiert, wenn eine junge Frau aus der hessischen Provinz auf die Hamburger Modewelt trifft? Die fünfundzwanzigjährige Nele beginnt als Näherin bei dem angesagten Modelabel „Linie Lennox Anderson“ und verliebt sich unsterblich in den arroganten Chefdesigner Lennox Anderson. Doch dieser nimmt sie nicht wahr. Das ändert sich, als Nele ihm in einer nächtlichen Aktion aus einer prekären Lage hilft. Für weitere Aufregung sorgt Neles frühere Freundin Karen, die als Model für das Label arbeitet und die gegen Nele bitterböse Intrigen zu spinnen scheint.

Zum Glück trifft Nele in der oberflächlichen Welt der Mode auf Robin, einen Mitarbeiter von LLA, der zu einem guten Freund wird. Ihrem Naturell geschuldet und nur Augen für Lennox, merkt sie nicht, dass aus der Freundschaft durchaus mehr werden könnte.
Hat Nele die Kraft und den Mut sich gegen alle Widerstände durchzusetzen? Wird sie, die erfolgreich an einem Nachwuchswettbewerb für Designer teilnimmt, ihren Stern am Modehimmel finden und die richtige Herzensentscheidung treffen?

Gleich lesen: Sweet Dreams: Ein Modehimmel voller Sterne

Leseprobe:
Mit zittrigen Knien stand Nele vor einem der großen Backsteingebäude in der Hamburger Speicherstadt. Hier vermischte sich Tradition mit neuen Innovationen. Aufregend war es. Sie hörte die Möwen kreischen. Die Luft schmeckte salzig und völlig neue Eindrücke strömten gerade auf sie ein. Wie ein heiliger Ort wirkte das Gebäude auf die Fünfundzwanzigjährige, die erst vor einer Woche ihre wohlbehütete ländliche Heimat in Nordhessen verlassen hatte. Gegen alle Widerstände hatte sie sich durchgesetzt, um ihrem Traum etwas näher zu kommen. Ihre Eltern waren von dem Gedanken nicht begeistert gewesen ihre geliebte Tochter in den Hamburger Großstadtdschungel zu entlassen. Doch seitdem Nele das Stellenangebot dieser angesagten Modefirma gelesen hatte, war ihr der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf gegangen, endlich einen Neuanfang zu wagen und ihre kleine Welt, in der alles geordnet schien, zu verlassen. Sich zu trauen und das Stigma der ewigen Tagträumerin hinter sich zu lassen. Allen Mut hatte sie zusammengenommen, um sich bei dem Modelabel „LLA – Linie Lennox Anderson“ als Näherin zu bewerben. Ein unbedeutender Schritt für die Menschheit, doch der bislang Größte für die junge Frau.
Vor zwei Jahren hatte die dunkelhaarige Nele ihre Ausbildung als Maßschneiderin abgeschlossen und seitdem in einer Textilfabrik gearbeitet. Tagein, tagaus dieselbe Tristesse. Sie war die letzte Auszubildende des hochbetagten Schneidermeisters gewesen, der, nachdem er seinen Schützling bis zur Prüfung begleitet, sein Atelier für immer geschlossen hatte. Da Maßschneidereien auf dem Land selten waren und ein Weggang zu jener Zeit nicht in Betracht gekommen war, blieben Nele wenig Alternativen um in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.
Die großen Brüder hatten mittlerweile eigene Familien gegründet und somit überschüttete sie ihre Mutter mit sehr viel Nestwärme, die manchmal sehr erdrückend wirkte. Sie war und blieb „die Kleine“ der Familie Heidkamp. Im Grunde war ihr Lebensweg vorgezeichnet: Irgendwann heiraten und Kinder kriegen. Manchmal hatte es den Anschein, als wäre die Welt in dieser ländlichen Region stehen geblieben. Aber es interessierte sich kein Junge für die pummelige Nele, und Nele ihrerseits hatte keinerlei Interesse an den Jungs aus der Gemeinde. Sie galt von jeher als Außenseiterin, die sich nie wirklich integriert hatte. Zum Ärger ihres Vaters und zum Kummer ihrer Mutter, die an dem Dorfleben regen Anteil nahmen.
In der stillen Nele hatte sich irgendwann ein Lebenstraum zu manifestieren begonnen. Für ein Mädchen vom Lande eine scheinbar unerreichbare Vision: Modedesignerin, die ihre Kollektionen auf den großen Laufstegen dieser Welt präsentierte. Immer mehr begann sie sich in diesen Wunsch zu vergraben, lebte in ihrer eigenen Welt. Sie wälzte Modezeitschriften, schaute sich sämtliche Modeschauen auf den diversen Videokanälen an und begann irgendwann an einer Schneiderpuppe spielerisch ihre ersten Entwürfe zu gestalten. Fast provokativ muteten ihre eigenen bunten Kreationen an, die sie für sich selbst zu nähen begann und die in ihrem Umfeld skurril wirkten und für Gerede bei den Nachbarn sorgten. Flower-Power, bunt und schrill, Materialmix aus Stoff und Strick, das alles passte überhaupt nicht in die Dorfgemeinde. Bei all dem hatte sie ein Vorbild: ein junger Designer, der aus einem kleinen Dorf aus Nordschweden stammte.
Man hatte ihr Talent bescheinigt, aber Talent hatten viele, und von der Provinz aus die großen Laufstege zu erklimmen, schien wohl eher illusorisch. Ihre Eltern taten ihre Träume als wirre Spinnereien ab. Aber was wollte man von einem Vater, der als Postbeamter seiner gesicherten Pension entgegen lebte, und einer Mutter, deren einzige Highlights neben den täglichen Fernsehsoaps das einmal im Monat stattfindende Landfrauentreffen war, schon erwarten? Was hatte ihre Mutter einmal gesagt? Sie solle nicht nach den Sternen greifen. Ein Mädchen wie sie hätte in dem Modehimmel der Reichen und Schönen nichts verloren, das sei eine andere Welt. Motivation sah anders aus.

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Mehr über und von Tabea S. Mainberg auf ihrer Website.

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