17. Juni 2015

"SOROS: Das gestrandete Raumschiff" von Hans-Peter Michael

Auf der Flucht vor der amerikanischen Polizei findet Michael Walther als Versteck ein havariertes fremdes Raumschiff. Ein als super-intelligenter Bordcomputer getarntes, noch funktionierendes Gehirn, eines Homo solaris, bewegt den Flüchtling zur Hilfe – für das Gehirn und für die gesamte Menschheit. Als Gegenleistung wird dem Menschen eine umfassende Remodellierung, mit längerer Lebenserwartung, zuteil. Mit Hilfe extraterrestrischer Technik nimmt der Mensch Einfluss auf politische Entscheidungsträger der irdischen Führungsmacht, den USA. Er wird Chef der Astro Force. Auf seinem Weg begleiten ihn alte und neue Freunde. Alle haben nur ein Ziel: Den drohenden Untergang der menschlichen Zivilisation zu verhindern.

Gleich lesen: SOROS Buch I: Das gestrandete Raumschiff



Leseprobe:
Das Wesen aus der Tiefe der Galaxis schaute den Mann, der sich selbst der Spezies Mensch zuordnete, lange schweigend an. Dieser fühlte sich unbehaglich. Die Sehkörper des Wesens schienen dem Menschen, wie die Tentakel einer Krake gleich, zu umfassen und förmlich zu entkleiden.
Der Sprecher des kaiserlichen Rates spürte die Unsicherheit seines Gegenübers, er konzentrierte sich darauf, die schwachen Gehirnströme des Menschen wahrzunehmen, um dessen Gedanken lesen zu können.
Dieser dachte gerade: Was will dieses Scheusal von mir? Mein Gott, wie kann ich diesem Albtraum entkommen, wann wache ich endlich auf? Vielleicht ist dies gar kein Traum? Was habe ich am Abend getrunken? Was war im Mix, den mir der Barkeeper auf den Tresen stellte? Das war LSD! Der Hund hat mich entweder mit LSD oder KO-Tropfen betäubt.
„Du träumst nicht!“, sprach das reptilienartige Wesen klar und deutlich, scheinbar in der Muttersprache des Mannes. „Ich kann deine Gedanken lesen. Von mir hast du nichts zu befürchten.“ Erschrocken lehnte sich der Mann auf seinem Stuhl zurück.
„Wer ... was bist du?“
„Ich bin von der Spezies der Paguaren, der Sprecher des Rates und ich habe vom Kaiser den Auftrag, mit dir zu sprechen. Dabei benutze ich nur dir verständliche Begriffe, denn wenn ich die Sprache meiner Zivilisation nutzen würde, wäre es so, als ob du dich mit deinem Hund unterhältst.“
Die Arroganz des Wesens ärgerte den Mann, Nobelpreisträger für Medizin des Jahres 2076, aber die Neugierde des Wissenschaftlers war stärker als die Furcht.
„Du bist also ein vernunftbegabtes Wesen aus dem All?“
„Ja, das ist korrekt.“
„Wie kommt es, dass du meine Sprache sprichst?“
„Ich spreche nicht deine Sprache. Das, was du zu hören meinst, sind meine Gedanken, die in deinem Sprachmodus umgewandelt und für dich verständlich sind. Als ich zu dir kam, hast du mich nicht wahrnehmen können. Ich habe eines meiner Tastorgane auf deinen Kopf gelegt und alle dort abgespeicherten Daten deines körperlichen Zentralrechners eingescannt und bei mir im Zentralrechner als Wissenskopie abgelegt. Nun habe ich dein Wissen und ich muss sagen, es ist das eines Primitiven.“
Wieder schoss Ärger durch den Kopf des Nobelpreisträgers. Das Wesen gab Laute von sich, die eine Art Lachen sein konnten.
„Was seid ihr doch für eine bemitleidenswerte Spezies, ärgert euch über jede Scheiße.“
Scheiße hat er eben gesagt oder laut gedacht. Er scheint uns Menschen ähnlicher zu sein, als er es selbst in seiner großkotzigen Gefälligkeit vermutet, dachte der Mensch. Der Zustand seines eigenen „körperlichen Zentralrechners“, ist ein Fall für den Alienpsychiater.
„Nicht ich, sondern du als Teil eurer Spezies, bist ein Problemfall. Aber dazu später. Also, im Auftrage unseres Kaisers soll ich ... „
„Wer ist dieser Kaiser?“, unterbrach der Mensch den Paguaren. „Er ist nicht mein Kaiser, ich lebe in einer Republik und unser höchster Repräsentant ist ein Präsident.“
„Der Kaiser ist der höchste Vertreter der Galaktischen Föderation der 427. Ich habe die Bezeichnung Kaiser nur gewählt, weil du damit etwas anfangen kannst. Er ist kein Diktator, kein Autokrat, er ist unser oberster Herrscher, von den 427 Nationen gewählt, der geistige und weltliche Vater unserer Nationen.“
„Schön, also doch so eine Art Präsident der 427, von was auch immer, was das ist. Aber ich habe da noch eine Frage, warum hat der Kaiser gerade mich als potenziellen Gesprächspartner ausgesucht?“ Der Ratssprecher dachte einen Moment nach, bevor er antwortete.
„Du hast im Jahre 2076 eurer Zeitrechnung den höchst bewerteten Nobelpreis für Medizin bekommen. Unsere Beobachter haben die menschliche Zivilisation bereits seit über dreitausend Jahren im Visier. Mit dem Eintritt in die nukleare Entwicklungsstufe und der Stufe zur Weltraumfahrt haben wir unsere Beobachtungen gemäß unseres Selbsterhaltungsgesetzes forciert. Bereits deine Doktorarbeit aus dem Jahre 2066 erregte unsere Aufmerksamkeit. Ebenso deine Veröffentlichungen in diversen wissenschaftlichen Publikationen. Dein Buch „Wege aus dem Dilemma unserer Zivilisation“, aus dem Jahre 2069, hat unser Augenmerk auf deine Person gerichtet.“
„Uns?“
„Mit uns meine ich den Rat für Sicherheit beim kaiserlichen Rat der Weisen.“
„Aha, die Geheimpolizei eures Kaisers.“
„Nein, dieser Rat ist kein Instrument eines totalitären Staates, wie es der KGB in der Sowjetunion war. Unser Rat für Sicherheit hat andere Aufgaben, er dient dem Überleben der Zivilisationen der 427.“
Der Mensch runzelte die Stirn. Der Paguare beobachtete ihn und las seine Gedanken. Ohne das er die Frage des Menschen abwartete, was die 427 seien, antwortete er.
„Die 427 sind die vierhundertsiebenundzwanzig vernunftbegabten Spezies in unserem Imperium. Es handelt sich um die Anzahl aller Spezies, welche den Standard der Stufe 5 erreicht haben. Wir, die Paguare, befinden uns in der höchsten Stufe 10.“
„Und wie wären wir Menschen einzuordnen?“
„Ohne dich beleidigen zu wollen, muss ich dir die traurige Botschaft mitteilen, dass die Menschheit unter 6 eingeordnet wurde. Einzelne Exemplare erreichen die Stufe 7 bis 8.“
„Und ich?“
„Der Rat hat dich unter 9 eingestuft. Daher unser Interesse.“
„Also gibt es genau vierhundertsiebenundzwanzig höhere Spezies im Weltall?“
„Nur in unserer Galaxis. Unsere Erkundungsteams haben in den umliegenden Galaxien, im Umkreis von eintausend Lichtjahren, insgesamt achttausend höher entwickelte Spezies entdeckt. Nach unseren Hochrechnungen befinden sich im gesamten Kosmos über einhunderttausend Nationen, die Milliarden Arten ohne Vernunft, nicht mitgerechnet.“
Der Mensch war erschüttert. Diese Anzahl von höher entwickelten Lebewesen hatte er nicht erwartet.
Mit einem lauten Knall flog die Tür zum Aufenthaltsraum auf. In der Tür stand der wachhabende Leiter für Institutssicherheit mit angeschlagener Waffe. Erschrocken schaute der Mensch zur Tür. „Entschuldigen Sie Dr. Koch, ich habe Stimmen gehört und dachte, jemand sei eingebrochen oder hätte Streit mit Ihnen. Kann ich Ihnen helfen?“
Koch schaute zum Stuhl, in dem noch vor wenigen Augenblicken das außerirdische Reptil gesessen hatte. Er war leer. Hilflos schaute er sich um und konnte den Außerirdischen nirgendwo entdecken. Dem Sicherheitsmann kam das Verhalten des sich hier allein aufhaltenden Mannes merkwürdig vor.

Im Kindle-Shop: SOROS Buch I: Das gestrandete Raumschiff

Mehr über und von Hans-Peter Michael auf seiner Website.

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