22. Juni 2015

"Paradiesisch für Anfänger" von Anna Becker

Der Brite Henry gewinnt eine Reise auf die karibische Insel St. Christine. Erschöpft und entnervt landet er und wartet am Flughafen darauf, von einem Mitarbeiter des Hotels abgeholt zu werden, schließlich ist er Ehrengast. Adeline, Tochter der Besitzerin des „Fantastique“, fällt diese Aufgabe zu. Doch bevor sie sich auf den Weg machen kann, muss sie einen Streit in der Küche schlichten und danach entdecken, dass der Jeep einen Platten hat.

Henry nimmt sich währenddessen ein Taxi und kommt nach einer höllischen Fahrt schlechter gelaunt an, als er ohnehin schon ist. Henry und Adeline geraten sich in die Haare. Zu allem Übel ist die Hotelchefin nicht auffindbar und Adeline darf allein mit dem dreisten Gast klarkommen. Paradiesisch ist diese Situation nicht gerade – noch nicht …

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Leseprobe:
Erleben Sie einen unvergesslichen Aufenthalt auf St. Christine, der idyllischen Insel mitten in der Karibik. Weiße Strände, im Wind schwingende Palmen, spektakuläre Sonnenuntergänge und milde Tropennächte. Die quirlige Hauptstadt Sébastien – mit traditionellen Restaurants und Bars und bezaubernden Häusern in Bonbonfarben. Eine Insel, die die gute Laune erfunden hat …
Ich hasse diese Insel jetzt schon!, dachte Henry Esmond-Halloron. Mit dem Prospekt, der St. Christine in den schillerndsten Farben anpries, fächelte er sich Luft zu.
Vor dem Flughafengebäude, das eher den Begriff Baracke verdiente, wartete er darauf, von einem Mitarbeiter des Hotels abgeholt zu werden. Er hatte eine über 20-stündige Reise mit zwei Stopps hinter sich, eine ziemlich unangenehme obendrein.
Nach der ersten Zwischenlandung hatte Henry das Pech, dass der dämliche Vordermann die Sauerstoffdüse bis zum Anschlag aufgedreht und dazu noch die ganze Zeit über seinen Sitz nach hinten geklappt hielt. Die Flugbegleiterin konnte nicht viel ausrichten. Zuerst hatte sie den Kerl überreden können, mehr Rücksicht zu nehmen. Anfangs tat er es, dann nicht mehr, und Henry war es schließlich leid gewesen, die Stewardess zu bemühen oder sich mit diesem Sturkopf unentwegt auseinanderzusetzen.
Zu allem Überfluss hatte das Bordessen unterirdisch geschmeckt; dieses vegetarische Zeug, das er im Voraus bestellt hatte, um bloß keine Lebensmittelvergiftung durch Fleisch oder Fisch zu bekommen, war eine verkochte Pampe. Und der Tee erst – eine Zumutung! Es war unverzeihlich, so eine Brühe zu servieren.
Beim letzten Flugabschnitt hatte ein quengelndes Kleinkind, das mit seiner Mutter hinter ihm saß, Henrys Nervenkostüm arg strapaziert. Es trat mit seinen Füßen gegen den Sitz, brüllte und übergab sich. Die Mutter konnte als Entschuldigung nur ein mitleiderheischendes Lächeln erübrigen.
Sein Nacken schmerzte, sein Kopf dröhnte. Der Schweiß rann ihm übers Gesicht und sein Hemd klebte am Körper, obwohl er sich in den Schatten gestellt hatte. Natürlich musste er in den Tropen während der Mittagshitze ankommen …
Die heiße, feuchte Luft hatte ihn wie ein Vorschlaghammer getroffen, als er aus dem kleinen Flieger gestiegen war. Die Kerosinwolke war wegen der Witterung nicht verflogen und waberte um Henry. Er versuchte durchzuatmen, doch seine Lungen brannten.
Die anderen Passagiere waren schon längst in Taxis oder den hoteleigenen Fahrzeugen auf dem Weg zu ihren klimatisierten Zimmern und kühlen Drinks. Das Flughafenpersonal machte irgendwo Pause. Einzig eine Blechkiste stand in der Parkbucht. Henry schien der einzige Mensch weit und breit zu sein.
Mühsam hielt er sich die Fliegen vom Leib. Wo blieb der Shuttle-Service des Hotels „Fantastique“? Man kannte seine Ankunftszeit und darüber hinaus gehörte es zu seinem Rundum-Wohlfühl-Paket.
Wo um Himmels willen war er nur gelandet? Auf einer karibischen Insel, beantwortete er sich seine gelinde gesagt dumme Frage. Weil er bei einem Preisrätsel gewonnen hatte.
Henry lief hin und her und stand kurz davor, zu explodieren.
Wenn nicht sofort jemand kommt, dann … Ja, was dann?

Im Kindle-Shop: Paradiesisch für Anfänger


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