30. Juli 2015

"Milanna: Im Zauber der Lagune" von Laura Gambrinus

Eine junge Frau, die als alte Jungfer gilt ...
Ein reicher Patrizier, der dringend heiraten muss ...
Ein charmanter Freund des Hauses, dessen Herz vielen Frauen gehört ...
Und all das vor der faszinierenden Kulisse Venedigs um 1650 - das sind die Zutaten des neuen Romans von Laura Gambrinus.

Intime Geheimnisse und pikante Enthüllungen, eine romantische Eroberung und vieles mehr fächern sich hier zu einer schillernden Geschichte auf.

Gleich lesen: Milanna: Im Zauber der Lagune





Leseprobe:
Jemand badete in ihrem Weiher!
Entrüstung über dieses Eindringen in ihre Privatsphäre wallte heiß in ihr auf. Dies war ein privates Jagdrevier, und abgesehen davon, dass es gerade nicht die Zeit dafür war, hatten weder sie noch Davide irgendjemanden dazu eingeladen.
Behutsam lenkte sie das Pferd ans Ufer heran. Die Gestalt war untergetaucht und kam erst Augenblicke später prustend wieder an die Oberfläche, ehe sie erneut abtauchte. Es war unverkennbar ein Mann, der sich dort im Wasser vergnügte. Ein Bündel Kleidungsstücke lag unweit von ihrem Beobachtungsposten am Ufer. Als die Gestalt für den nächsten Atemzug auftauchte, holte sie ebenfalls tief Luft.
„He, du da im Wasser!“, rief sie, so laut sie konnte. Der Eindringling hielt inne. Er blieb stehen und fuhr sich ein paar Mal mit der Hand über das Gesicht. Ein kurzer Bart bedeckte das kantige Kinn und gab seinen Wangen einen finsteren Schatten. Ein Lächeln breitete sich auf seinem gebräunten Gesicht aus, dann strich er mit einer fließenden Bewegung die Haare aus der Stirn und kam gemächlich auf sie zu.
„Na, wen haben wir denn da?“, fragte er mit einer Stimme, die Milanna Gänsehaut verursachte.
Sie hatte die Sonne im Rücken, und nun, da er weiter aus dem Wasser kam, erkannte sie immer mehr Details an ihm. Zuerst hatte sie nur muskulöse Schultern und Arme erkennen können. Dann tauchte ein breiter Brustkorb auf. Ihr Blick folgte dem kleinen Vlies dunkler Haare, das von der Brustmitte aus in einem schmalen Streifen hinunter lief zu seiner Taille. Einige weitere Schritte ließen ihn den Wellen bis zum Bauchnabel entsteigen und zeigten seine schmalen Hüften, dann …
„Halt – bleib sofort stehen, wo du bist!“, schrie sie panisch. „Keinen Schritt weiter!“
Er gehorchte. Als er sich räusperte, wurde Milanna erst bewusst, dass sie ihn heftig atmend mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Sein Körper hatte die Perfektion dieser antiken Statuen, die gerade in der Serenissima so unglaublich begehrt waren! Unwillkürlich fragte sie sich, wie er, anstatt aus Marmor in ihrem Garten, wohl lebendig in ihrem Bett aussehen mochte. Sie keuchte leise auf und fühlte, wie sich ihre Wangen mit glühendem Rot übergossen.
„Was willst du hier?“, fuhr sie ihn heftig an.
Er stand so lässig da, als ginge ihn all das gar nichts an. Das Wasser reichte ihm gerade so bis zur Körpermitte. Wenn er auch nur einen einzigen weiteren Schritt auf sie zu machen würde, dann …
Sie blieb wie angewurzelt stehen und starrte ihn weiter an, während sie auf eine Antwort wartete.
„Also?“, bohrte sie angespannt nach. „Was suchst du?“
„Ich?“, fragte er gedehnt zurück. Seine Stimme war melodisch und tief.
„Natürlich du! Bist du hier, um zu wildern? Fische zu stehlen? Wie kommst du überhaupt auf diese Insel? Weißt du denn nicht, dass das hier ein privates Refugium ist? Nun rede schon und erkläre dich!“
„Gemach, Signorina, gemach!“ Seine Stimme klang unverkennbar belustigt, was Milannas Ärger nur noch mehr anheizte. „Holt Ihr denn manchmal auch Luft zwischen Euren Sätzen?“
„Nun, das ist ja wohl der Gipfel der Unverfrorenheit!“, giftete sie und richtete sich im Sattel zu ihrer vollen Größe auf. „Du dringst hier in fremdes Eigentum ein, und wenn man dich zur Rede stellt, dann wirst du auch noch frech! Du kannst froh sein, wenn ich nicht umgehend meine Diener auf dich hetze und dich einsperren lasse!“
Er reckte den Hals und sah betont neugierig an ihr vorbei.
„Welche Diener, Signorina? Ich sehe keine!“
„Erstens heißt es Signora!“, fauchte sie wütend. „Und zweitens wäre es mir ein Leichtes, in Kürze eine ganze Truppe von Dienern zusammenzurufen und dich festsetzen zu lassen! Mach also lieber, dass du auf dem schnellsten Weg verschwindest und lass dich nie wieder blicken, hast du verstanden? Wilderer werden bei uns nicht geschont!“
Statt einer Antwort lachte er ihr dreist ins Gesicht und machte eine Bewegung, allerdings ohne sich ihr weiter zu nähern.
„Bleib, wo du bist!“, schrie sie. „Bleib du ja im Wasser!“
„Signorina – aber nein, verzeiht! – Signora!“ Er betonte das Wort über Gebühr, bewegte sich aber tatsächlich nicht mehr. „Wenn Ihr weiterhin so schreit, bekomme ich es wahrhaftig noch mit der Angst zu tun! Habt also Erbarmen mit einem armen Wicht wie mir und lasst mich ungeschoren davonkommen! Seht, ich wollte ja ohnehin schon aufbrechen, als mich dieser wunderbare Weiher hier so sehr bezauberte, dass ich mich in seinem Anblick verlor und die Zeit vergaß.“
„Dann sieh zu, dass du dich davonmachst!“, forderte sie mit etwas ruhigerer Stimme. „Und eins sollst du wissen – wenn irgendetwas Verdächtiges passiert, dann lasse ich mit Hunden nach dir suchen, und das wird dann kaum vergnüglich werden, das verspreche ich dir!“
Mit einem letzten, giftigen Seitenblick wandte sie ihr Pferd um und zwang sich, es nur im Schritt gehen zu lassen. Es drängte sie, der Stute die Fersen in die Flanken zu treiben, um diese beschämende Szene so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Ob sie wohl später wirklich ein paar Leute losschicken sollte, um nach dem Rechten zu sehen?

Im Kindle-Shop: Milanna: Im Zauber der Lagune

Mehr über und von Laura Gambrinus auf ihrer Website.

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