31. Juli 2015

"Mission Phoenix 6 - Die Macht der Matriarchin" von Mara Laue

Die PHOENIX ist bei der Suche nach dem nagdanischen Präsidenten Drinos apat Sersuk auf ein gronthisches Flottenkontingent gestoßen. Kann sie der Übermacht entkommen? Und was steckt wirklich hinter den gronthischen Angriffen auf Nagdorel? Obendrein kocht nicht nur die gronthische Widerstandsbewegung ihr eigenes Süppchen. Auch die Gronthagu Herrscherin und Matriarchin ihres Volkes hat Pläne, die das Schicksal der Gronthagu Liga und der ISA entscheidend beeinflussen könnten.

„Die Macht der Matriarchin“ ist der sechste Roman der erfolgreichen Science-Fiction-Serie „Mission Phoenix“.

Gleich lesen: Mission Phoenix 6 . Die Macht der Matriarchin



Leseprobe:
Sie starrten einander in die Augen. Dunkelviolette Sauroidenaugen auf der einen Seite, silberblaue humanoide Augen auf der anderen. Jedes dazugehörige Gesicht war durch die Zoomfunktion der Bildschirme so groß, dass es die gesamte Wand ausfüllte. Captain Melori lächelte, ohne dabei jedoch die Zähne zu zeigen, denn das hätte die gronthische Kommandantin als aggressive Geste werten können.
Sechzehn Gronth-Schiffe gegen ein ISA-Schiff, das von der Größe her gegenüber einigen Schiffen der Gegner wie ein Spielball wirkte. Der Ausgang des Kampfes, sollte die Gronth-Kommandantin sich entscheiden, ihn zu beginnen, stand aus der Sicht der Grontheh garantiert schon fest. Dass sie in dem Fall eine höchst unangenehme Überraschung erleben würden, konnten sie nicht ahnen. Meloris PHOENIX hatte ein paar Extras auf Lager, die sogar einem IsteP-Trägerschiff hätten gefährlich werden können.
Aber würde die Gronthi den Angriff riskieren? Immerhin hatte sie ihr Flottenkontingent vor der Ortung durch die in einiger Entfernung vorbeiziehenden anderen gronthischen Einheiten im Ortungsschutz eines Mondes versteckt. Das musste einen verdammt guten Grund haben, denn die Grontheh waren alles andere als Feiglinge. Deshalb war so ziemlich ausgeschlossen, dass diese Gruppe sich versteckt hielt, um nicht an dem Angriff auf die Nagdanische Planetenunion teilnehmen zu müssen, zu dem die anderen gronthischen Schiffe unterwegs waren. Nach Meloris Einschätzung konnte dieses Versteckspiel nur eines bedeuten.
„Nun, Kommandantin Ashshannak, was werden wir in Anbetracht der Situation jetzt aufbauen?“, fragt sie die Gronthi.
Sie verzichtete auf eine Übersetzung durch den Translator, sondern sprach Ussagu, die Verkehrssprache der Gronthagu Liga. Dabei hatte sie das Ussagu-Wort sassaku – „aufbauen“ – in einer Weise betonte, die der Gronthi eine bestimmte Information geben musste, falls Meloris Vermutung zutraf.
Ashshannak stieß ein langgezogenes Zischen aus. Melori war leider nicht allzu gut mit gronthischen Lautäußerungen vertraut, um diese interpretieren zu können.
„Was gedenken Sie aufzubauen, Kommandantin Melori? Ein Herrschaftssystem oder eine Stadt vielleicht?“
„Anshnaki“, antwortete Melori, wieder in Ussagu: Beziehungen.
Ashshannak zischte erneut. „Das ist eine gute Form von Aufbau.“ Sie machte eine Geste, die ihrer Crew galt. „Waffen deaktivieren.“
Melori atmete innerlich auf. „Waffen deaktivieren“, befahl sie Shakti Janssen, der Taktikoffizierin. „Schilde ebenfalls.“
„Ma’am?“ Janssen warf ihr einen Blick zu, als wäre Melori nicht ganz zurechnungsfähig.
„Befehl ausführen, Commander.“
Janssen deaktivierte die Waffen und den Schutzschild. Melori war sich des damit verbundenen Risikos durchaus bewusst, aber sie vertraute auf die siebenfach cribomitverstärkte Hüllenpanzerung. Die hielt zwar keinem Dauerbeschuss stand, erst recht nicht, wenn er von sechzehn Schiffen gleichzeitig kam oder auch nur von den zwei größten Kampfschiffen des gronthischen Kontingents. Aber sobald die Grontheh ihre Waffen aktivierten, blieb der PHOENIX genug Zeit, um die Schilde erneut hochzufahren.
Ein Gronther, den Melori für den Ortungsoffizier hielt, hatte bereits seit einiger Zeit zunehmend hektisch an seinem Pult schräg hinter Ashshannak hantiert. Er wandte den Kopf und starrte sie an. Seine Zunge schnellte vor und zurück.
„Was?“, zischte die Kommandantin ihm zu.
„Shasharrash“, antwortete er und schien unfähig, noch etwas anderes zu sagen.
Melori warf einen Blick zu Lieutenant Sutaro Han am Kommunikationspult. Da sie vorzutäuschen versucht hatten, dass sie zum Volk der Sulkatreh gehörten, die Terraneh und anderen humanoiden ISA-Völkern äußerlich sehr ähnlich sahen, hatten sie die Translatoren deaktiviert. Schließlich sprachen alle Sulkatreh Ussagu. Die gesamte Besatzung hatte die Grundzüge dieser Sprache gelernt und beherrschte sie gut genug, um in alltäglichen Dingen gut damit zurechtzukommen. Aber dieses Wort war Melori unbekannt.
Han, ein Genie in Sachen Sprachen, kannte es. „Auserwählte“, sagte er leise. Da nun keine Tarnung mehr nötig war, schaltete er die Translatoren wieder ein.
„Auserwählte“, wiederholte der gronthische Ortungsoffizier nachdrücklich an Ashshannak gewandt. „Und zwar alle. Kommandantin, die gesamte Besatzung dieses Schiffes wurde von Gronth – Ehre sei ihr! – auserwählt.“
Ashshannak blickte Melori mit demselben Gesichtsausdruck an wie ihre anderen Crewmitglieder auch. Die senkrechten goldenen Pupillenschlitze ihrer Augen weiteten sich. „Sie haben die Pylonen von Gronth gefunden.“ Eine Feststellung, keine Frage. „Und Gronth – Ehre sei ihr! – hat sich Ihnen gezeigt?“
„Ja.“
„Wie lange?“
Das spielte sicherlich auf die Zeit an, die die PHOENIX verloren hatte, während die Besatzung das den Grontheh heilige kosmische Phänomen betrachtet hatte, die „Pylonen von Gronth“. Obwohl die Zeit gefühlt kurz gedauert hatte, nicht mehr als ein paar Minuten, waren in Wahrheit Stunden vergangen.

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