29. August 2015

"Oceanbay - Höllentrip Türkei" von Monika Baitsch

Türkische Riviera: Als Pam eines Morgens während des gemeinsamen Urlaubs mit ihrem Mann Alex an einem felsigen Strandabschnitt aufwacht, glaubt sie noch, am Vorabend auf einem Partyschiff zu viel gefeiert zu haben. Unter rätselhaften Umständen, begibt sie sich auf den Weg zurück ins Hotel Oceanbay. Unterwegs schließt sie sich einigen Frauen an, denen es scheinbar ebenso ergangen ist wie ihr. Aber wo ist Alex? Wie kam sie hierher? Und: Wer ist die geheimnisvolle Frau im Haus an den Felsen?

Im Hotel taucht nach Stunden auch Alex auf. Sie finden heraus, dass ihnen mehrere Monate ihres Lebens fehlen. Sie sind als Opfer eingesponnen in ein Netz krimineller Machenschaften, in das selbst die Polizei verwickelt zu sein scheint. Eine dramatische Flucht mit drei anderen betroffenen Personen nach Ankara zur Deutschen Botschaft beginnt. Unterwegs stoßen sie auf eine Spur, die sie zu einer einsam gelegenen Klinik führt. Dort finden sie die unglaubliche Antwort auf ihre Fragen. Aber – ist es wirklich schon vorbei?

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Leseprobe:
»Hallo, aufwachen!«, rief jemand, tätschelte ihr dabei die Wangen und rüttelte sie an der Schulter. Pam öffnete langsam die Augen und schaute geradewegs in das Gesicht einer Frau, die sich über sie beugte.
»Sie ist wieder bei sich«, teilte diese den anderen um sie herumstehenden Personen sichtlich erleichtert mit.
»Wo bin ich? Wer sind diese Leute?«, murmelte Pam und versuchte, sich zu erheben. Die zierliche Frau stützte sie dabei. Langsam kam ihre Erinnerung wieder, es war Sandra, eine aus der Gruppe, die sie vorhin auf den Klippen getroffen hatte. Nun befand Pam sich im Inneren des Hauses, das völlig überraschend auf dem steilen Weg aufgetaucht war.
Die fremde Frau brachte ihr ein Glas Wasser. Ihre zusammengekniffenen Mundwinkel machten einen verbissenen Eindruck.
»Sie sind ohnmächtig geworden und wir mussten Sie hereintragen. Fühlen Sie sich nun wieder etwas besser?«
Besser? Sie fühlte überhaupt nichts, nur noch immer diesen unwahrscheinlich pochenden Schmerz in ihren Schläfen und eine Gedächtnislücke, die sich einfach nicht schließen wollte.
»Ich habe im Hinterhof den Tisch gedeckt und ein paar Kleinigkeiten zu essen hergerichtet. Wenn Sie sich stärken wollen … Ihre Freundinnen sind schon draußen«, bemerkte die Frau, während sie einige Flaschen in einen Korb packte und ebenfalls nach draußen ging.
Freundinnen? Das sind nicht meine Freundinnen, dachte Pam, sagte aber nichts.
Verstohlen schaute sie sich um. Sie saß in einem kleinen, dunklen Raum, an einem Holztisch direkt hinter einer Tür. Ein Blick durch diese Tür verriet ihr, dass es die Küche des Hauses war. Etwas weiter vorn im Flur befand sich eine weitere Tür. Sie verspürte den Drang, sich das Gesicht mit kaltem Wasser abzuwaschen und erhob sich, in der Hoffnung, dass es sich um das Bad oder zumindest eine Toilette handelte. Mit wackeligen Beinen erreichte sie die Tür und öffnete sie. Es war das Badezimmer. Drinnen war es finster, fast ein bisschen unheimlich, und die Deckenbeleuchtung warf nur ein schummriges Licht.
Sie drehte den Wasserhahn auf und wusch ihr Gesicht mehrmals eiskalt ab. Als ihr Blick in den Spiegel fiel, wunderte sie sich über das Bild, das sich ihr bot. Sie schien abgenommen zu haben, die Wangen wirkten eingefallen und ihre grünen Augen lagen in tiefen Höhlen. Die dunklen Ringe darunter führte Pam auf die gestrige Party zurück. Inzwischen konnte sie sich dunkel an ein Fest auf einem Piratenschiff erinnern. Was war nur geschehen? Wieso wirkte sie so hager und ausgemergelt? Nachdem sie das Gesicht abgetrocknet hatte, schaute sie sich in dem Raum um. Über der Badewanne war eine Wäscheleine gespannt, auf der einige Kleidungsstücke zum Trocknen aufgehängt waren. Kurzerhand griff sie zu einem dunkelblauen Shirt und Jeans-Shorts und stopfte die Sachen in ihre Badetasche, sie würde sie später gegen das Strandtuch austauschen. Ratlos ließ Pam sich auf den Rand der Wanne sinken. Wo war Alex? Wieso hatte er sie allein gelassen? Ihr Handy fiel ihr ein und sie kramte es aus ihrer Tasche. Es war ausgeschaltet. Sie drückte auf den Einschaltknopf, aber das Display blieb schwarz. Der Akku war vermutlich alle, wobei ihr das merkwürdig vorkam. Normalerweise hielt er immer ein paar Tage, wenn er voll aufgeladen war, und das hatte sie sicher getan, bevor sie und Alex zum Schiff aufgebrochen waren. Seufzend ließ Pam das Telefon wieder in die Badetasche zurückgleiten, als es an der Tür klopfte.
»Alles in Ordnung mit Ihnen?«, vernahm sie die Stimme der Hausbesitzerin, die sich als Anna vorgestellt hatte. Erst jetzt fiel Pam auf, dass auch sie Deutsche war. Merkwürdig, dachte Pam, aber an diesem Tag war alles in irgendeiner Form merkwürdig und sie bekam einfach keine klare Linie in das Geschehen oder ihre Erinnerung.
»Ja, alles okay. Haben Sie vielleicht eine Kopfschmerztablette für mich?«, versuchte sie möglichst unbefangen zu antworten. Irgendetwas mahnte sie, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Pam fuhr sich mit den Händen durch ihre schulterlangen, blonden Haare und verließ das Badezimmer. Als sie nach draußen in den Innenhof trat, war ein großer Tisch gedeckt. Die anderen Frauen saßen schweigsam um ihn herum und stocherten appetitlos auf ihren Tellern. Schon allein der Gedanke an Nahrung drehte ihr fast den Magen um und sie begnügte sich mit dem Wasser, das in einer Karaffe bereitstand. Anna brachte das Päckchen mit den Tabletten und legte es wortlos vor ihr auf den Tisch. Der bohrende Blick aus ihren eisblauen Augen, ließ Pam schaudern. Sie erinnerte sie an eine unangenehme Person, aber an wen?
Während die anderen weiterhin schweigend am Tisch saßen, beobachtete sie die Frauen unauffällig und erhoffte sich dadurch irgendeinen Hinweis, der Klarheit in ihre Gedanken bringen konnte. Die Situation war zum Verzweifeln und ihre Unruhe beinahe unerträglich.
Da war zum einen die korpulente Kate. Sie war wohl die Älteste von allen und erzählte inzwischen, dass sie Künstlerin sei und Landschaftsbilder male, die sie in ihrer Galerie verkaufen würde. Dann war da Sandra. Sie war etwa im gleichen Alter wie Pam und ihre langen braunen Haare und die dunkelbraunen Augen gaben ihr ein fast südländisches Aussehen. Auch sie war sehr still und schien, genau wie Pam, aufmerksam die Lage zu beobachten, um einen Überblick zu bekommen. Und die zierliche Rebecca, die Jüngste unter ihnen. Sie wirkte, wie ein erschrockenes Reh, zerbrechlich und ein wenig kindlich. Die Sommersprossen verstärkten diesen Eindruck vermutlich und ihre rotblonden Locken standen wild vom Kopf ab.
Jede hing ihren Gedanken nach, nur Kate redete inzwischen mehr und mehr. Sicher konnte sie nur diese unangenehme Stille nicht ertragen. Die vier Frauen hatten festgestellt, dass sie alle Gäste des Hotels Oceanbay waren, aber sie waren sich dort in den letzten Tagen nicht über den Weg gelaufen. Normalerweise hätte man sich doch bei einer der Mahlzeiten oder am Pool sehen müssen? Und warum trafen sie sich nun ausgerechnet hier in dieser Einöde?
Pam fühlte sich beobachtet und wandte instinktiv ihren Kopf in Annas Richtung. Ihr Gefühl bestätigte sich. Diese drehte sich schnell weg und füllte geschäftig neues Wasser in die Karaffen. Diese hagere Person mit den streng zu einem Zopf gebundenen Haaren war ihr unheimlich. Die nervöse Unruhe breitete sich noch stärker in Pam aus. Sie kannte diese Frau, dessen war sie sich nun sicher, aber woher? So sehr sie sich auch den Kopf zerbrach, sie fand keine Antwort, verspürte aber einen unsäglichen Drang zu fliehen. Erleichtert erhob sie sich, als sie, einigermaßen erholt und gestärkt, ihren Weg fortsetzten. Anna schaute ihnen noch auffällig lange nach.
Pams Füße begannen immer mehr zu schmerzen. Sie war barfuß unterwegs und ihre Fußsohlen waren einen solch steinigen Boden nicht gewohnt, an einigen Stellen bluteten sie bereits. Nach ungefähr einer halben Stunde Fußmarsch erreichten sie eine Stadt. Auf einem kleineren Platz fand gerade ein Markt statt, und sie kaufte sich im Vorbeigehen an einem der Stände ein Paar Flip-Flops. Die Gegend machte einen gepflegten Eindruck, alles war sauber und an den Straßenrändern reihten sich alte Bäume, deren große Baumkronen Schatten spendeten. Auch die Häuser und Grundstücke sahen sehr gepflegt aus und waren überwiegend mit hohen Zäunen umgeben.
Als sie an einem unscheinbaren Stadthotel vorbeikamen, bemerkte Pam die geöffnete Hintertür und erhoffte sich dort eine Gelegenheit, endlich ihr Strandtuch gegen das Shirt und die Shorts auszutauschen. Sie wollte sich auch nach dem richtigen Weg zum Hotel Oceanbay erkundigen, denn obwohl sie inzwischen schon ein gutes Stück gegangen waren, kannte keine der Frauen die Gegend oder den richtigen Weg. Wieso waren sie so weit entfernt von ihrem Hotel? Pam erschien die ganze Situation immer rätselhafter. Sie erreichte die Tür und spähte vorsichtig hinein. Es war niemand zu sehen. Zögerlich klopfte sie, und im gleichen Moment eilte ein Hotelmitarbeiter mit einem strahlenden Lächeln aus einem benachbarten Raum auf sie zu. Er war ein dunkelhäutiger und sehr charismatischer Typ und trug ein ordentlich gebügeltes weißes Hemd zu einer dunkelblauen Stoffhose. Warum nur interessierte sie sich plötzlich für die Kleidung eines Hotelmitarbeiters? Und, weshalb fühlte sie sich in seiner Gegenwart plötzlich unbehaglich? Er sah doch an sich ganz harmlos aus. Mit Händen und Füßen erklärte sie dem Mann, dass sie die Toilette suche und er zeigte ihr bereitwillig, wo sie diese finden konnte. Ehe sie darin verschwand, fragte sie ihn nach dem Weg zum Hotel Oceanbay. Erstaunlicherweise verstand er jedes Wort und antwortete in perfektem Deutsch, dass es etwa drei Kilometer entfernt sei. Der Weg führe zunächst nach links, dann die Straße auf der linken Seite hinunter. In seiner Hand bemerkte Pam ein seltsames Gerät, das an einen Preisscanner im Supermarkt erinnerte. Genau in diesem Moment fragte er, ob er sie einmal scannen dürfe, und bewegte den merkwürdigen Apparat auch schon an ihrem linken Arm hinab. Verwirrt verschwand sie in der Toilette, dachte aber nicht weiter darüber nach. Sie zog sich schnell um und kehrte nach draußen zurück, wo die anderen Frauen im Schatten der Bäume auf sie warteten.

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