5. August 2015

"KONTAKT - Lutz verrückte Reise durch Raum und Zeit" von Tim Tiez

Der arbeitslose und völlig frustrierte Lutz trifft bei einem Waldspaziergang auf Ypsilix Inzilox, den er zunächst für einen Geistesgestörten hält. Ypsilix stellt sich jedoch schnell als echter Außerirdischer heraus, der auf der Erde notlanden musste. Ypsilix engagiert Lutz kurzerhand als Reiseleiter für den Zeitraum seines Aufenthalts. Lutz nimmt den Job an, obwohl ihm die ganze Sache nicht wirklich geheuer ist, erlebt dann jedoch die Reise seines Lebens.

Ein humorvoller und sozialkritischer Science-Fiction-Roman.

Gleich lesen: KONTAKT Lutz verrückte Reise durch Raum und Zeit: oder Arbeitslos im All




Leseprobe:
Der gemeine Arbeitslose ist ein Mensch mit meist liederlichen Moralvorstellungen und einer angeborenen Aversion gegen geregelten Broterwerb. Seine tief sitzende Abscheu gegen Arbeiten aller Art und seine Ablehnung gegenüber einem wohlgeordneten Tagesablauf machen sich schon rein äußerlich meist durch sein ungepflegtes Auftreten und ein geradezu flegelhaftes Benehmen gegenüber dem hart arbeitenden Durchschnittsbürger bemerkbar, der mit seinen Steuergeldern für diesen gewissenlosen Sozialschmarotzer auch noch aufkommen muss. Der meist dumme und ungebildete Arbeitslose nun lacht sich dagegen in seiner unermesslichen Dekadenz jeden Morgen erneut ins Fäustchen und erfreut sich seines Lebens, welches wie ein immer währender Superurlaub ist.
Und obwohl jeder über diese furchtbare Wahrheit Bescheid wusste, wollte doch erstaunlicher Weise niemand mit ihm tauschen. Warum eigentlich nicht? Vielleicht, weil dem ein oder anderen dämmerte, dass es noch andere Wahrheiten gab? Das es noch andere Mächte außer dem großen Heer der Arbeitslosen gab, die einen Staat in den Ruin treiben konnten?
Seit der großen Bankenkrise führte man in den Talkshows nun keine Quotenarbeitslosen mehr vor, die: „Ich hab einfach kein Bock auf arbeiten!“ in die Runde pöbelten.
Doch der Deutsche war ein misstrauischer Mensch und hielt gerne am lieb gewordenen Feindbild des faulen Arbeitslosen fest, der sich einfach keine Mühe gab, Arbeit zu finden. Außerdem verstand er die komplizierten Machenschaften der Manager, Banker und Börsenmakler nicht und so trat er lieber weiterhin nach unten, was wesentlich einfacher war.
Doch wie sah so ein Durchschnittsdeutscher heute aus? Gut, im Ausland malte man ihm ein Hitlerbärtchen auf und zog ihm eine Rot/Weiß/Schwarze Armbinde an, und schon hatte man einen Deutschen. Aber so einfach war das heute nicht mehr. Er selbst war schließlich auch Deutscher.
Er nahm sich drei dicke Kissen von der Couch und stopfte sie unter sein T-Shirt. Dann ging er ins Bad, stellte sich vor den Spiegel und plusterte seine Backen auf.
Ich bin ein dicker fetter Deutscher. Wenn ich verhungernde Kinder im Fernsehen sehe schalte ich schnell um. Ob ich stolz bin ein Deutscher zu sein? Nein! Ich habe vor Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Das ist jetzt aus der Mode und man verachtet Raucher. Fett sein darf man aber noch. Bei Kik gibt’s sogar Mode für Fette. Wie bei den Amerikanern. Die verachten wir aber jetzt auch langsam, weil die gar nicht so toll sind, wie wir immer dachten. Wir sind mittlerweile auch sehr amerikanisch. Wir gucken gerne “Superstar“ und “Frauentausch“ und fressen dabei Chips und Schokolade. Zwischendurch schreiben wir irgendeine Scheiße auf unsere Facebook-Seite und fühlen uns dabei großartig. Wir tippen unheimlich gerne auf unseren Smart-Phones herum und halten sie jedem unter die Nase, der sie nicht sehen will. Ja, wir Deutschen tippen alle wie bescheuert und mit ständig wachsender Begeisterung auf allen möglichen Touchscreens herum. Sogar der Wetterfrosch im Fernsehen muss jetzt immer selber mit seinen Fingern im Bild herumrühren.
Nein! So einfach konnte man einen Deutschen nun doch nicht beschreiben. Ihm selbst war es schon unangenehm, wenn sein Handy einmal im Supermarkt klingelte und er verschob ein Gespräch dann, bis er wieder draußen war. Mit dieser Hemmung war er allerdings ziemlich alleine. Die Leute waren heutzutage so Technik begeistert, dass sie von ihrer Umwelt kaum noch etwas mitbekamen. Ob in Bus, Bahn oder Fußgängerzone, alle waren in ihre Smart-Phones und Tablets vertieft.
Er war da anders. Er neigte dazu, alles Moderne erst einmal abzulehnen. Er wusste nicht warum, aber alle Dinge mussten erst einmal ein gewisses Alter haben, damit er ihnen eine Wertschätzung entgegenbringen konnte. Seine Mitmenschen verstanden das nicht immer und viele hielten ihn sogar für etwas verbohrt.

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