28. August 2015

"Emilie - Traumbegegnungen" von Marita Sydow Hamann

Romantasy der Reihe "Das Vermächtnis der Lil`Lu" und der dritte Band der Lovisa-Bücher.

Die 17-Jährige Emilie wird seit ihrem fünften Lebensjahr Nacht für Nacht von immer gleichen Alpträumen heimgesucht. Ein blitzendes Messer, eine blasse Kinderhand und Blut, so viel Blut … Als ihre Freundin Lovisa entführt wird, ändert sich ihr Alptraum zum ersten Mal und die Ereignisse überschlagen sich. Vollkommen verwirrt taucht Lovisa wieder auf und erzählt eine unglaubliche Geschichte von Dimensionsagenten aus parallelen Welten, von explodierenden Universen, die gerettet werden können, und davon, dass sie selbst in ein benachbartes Universum wechseln muss, um dies zu vollbringen.

Emilie, die zunehmend selbst von mysteriösen Ereignissen eingeholt wird, will ihrer offenbar geistig verwirrten Freundin helfen. Doch dann geschieht etwas, das Emilies Weltbild gehörig auf den Kopf stellt …

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Leseprobe:
Ich war eine Träumerin – Träumen gehörte zu meinem Leben, wie für jeden anderen die Luft zum Atmen. Träume können böse sein oder hilfreich. Sie können dich zermürben oder dir helfen, Ereignisse zu verarbeiten. Träume waren ein fundamentaler Teil meines Lebens – und um ehrlich zu sein, ist das auch heute noch so. Träume haben mich geformt, gequält und …
Aber beginnen wir ganz von vorne. Mein Name ist Emilie, ich wurde in drei Wochen achtzehn Jahre alt, war Schülerin am Gymnasium in Ljungby in Südschweden und war – wieder einmal – hundemüde. Ich schlief schlecht. Um genau zu sein, schlief ich miserabel und das schon seit meiner frühen Kindheit. Albträume plagten mich und Schatten verfolgten mich, sobald ich einschlief. Ein und derselbe Traum, seit vielen, vielen Jahren. Ich weiß nicht einmal mehr genau, wann das alles angefangen hat. Für mich war es so etwas wie ein Normalzustand, niemals ruhig durchschlafen zu können. Nacht für Nacht erwachte ich schweißgebadet, zitterte am ganzen Körper und lauschte meinem davonrasenden Herzen. Schatten in der Nacht, ein Windhauch, ein silberglänzendes Messer, der Schrei eines Kindes, eine schlaffe Hand und Blut … So viel Blut … Im Grunde war das alles, was ich sah. Ein Messer, das viele Blut, eine schlaffe Kinderhand und die Schatten – mehr nicht. Man sollte meinen, dass ich mich nach so vielen Jahren daran gewöhnt hätte, doch das Gefühl der Panik, die Kälte, die mich überfiel, raubte mir jedes Mal wieder von neuem die Luft zum Atmen. An mir hatten sich schon einige Psychologen die Zähne ausgebissen – weder Gesprächstherapie noch Hypnose haben irgendetwas bewirkt. Der Traum änderte sich nicht, genauso wenig wie meine Gefühle, die ihn begleiteten. Ich lernte, damit zu leben. Irgendwie. Die neueste Entwicklung war, dass sich mein Unterbewusstsein etwas wirklich Interessantes ausgedacht hatte: Danny – meine Traumfreundin.
Bereits als Kind hatte ich einen imaginären Freund. Meine Eltern empfanden meinen Freund als befremdlich. Gut, viele Kinder hatten imaginäre Freunde, doch ich ging ihnen in meiner Fantasie wohl doch ein wenig zu weit. Meine Urgroßmutter Thekla fand meinen Freund entzückend. Das Problem dabei war nur, dass Uroma Thekla ebenfalls nicht real war. Genau genommen war sie schon real. Uroma Thekla war die Großmutter meines Vaters. Mit dem kleinen aber feinen Haken, dass sie bereits seit vielen Jahren tot war. Und genau das machte meinen Eltern nun wirklich Sorgen. Ihre Tochter hatte nicht nur einen imaginären Freund, nein, sie behauptete auch noch steif und fest, dass Uroma Thekla ihr erlaubt hatte, mit dem Jungen zu spielen.
Ein leichtes Grinsen breitete sich bei der Erinnerung daran über mein Gesicht aus, während ich dem Strom von Schülern durch die Flure Richtung Klassenraum folgte. Meine Freundin Josefin deutete mein Lächeln falsch.
»Emilie!«, rief sie fröhlich und stürmte auf mich zu. Und dann plauderte sie munter drauflos, in der fälschlichen Annahme, ich wäre fit und aufnahmebereit. Immerhin hatte ich lächelnd den Tag begrüßt – ihre Interpretation der Situation. Nun lächelte ich noch breiter. Josefin schaffte es immer wieder, mich trotz zermürbtem Gehirn aus der Reserve zu locken. Ihre überschwängliche, immer fröhliche Art wirkte einfach ansteckend auf mich. Aber sinnerfassend zuzuhören, gelang mir dann doch nicht. Zum Glück war Josefin es gewohnt, von mir eher stumm begleitet zu werden. Hin und wieder ein Hm oder Tatsächlich? reichte ihr vollkommen als Erwiderung. Ich schwamm im Schülerstrom in den Klassenraum und ließ mich auf meinen Platz fallen. Josefin redete ohne Punkt und Komma, während ich überlegte, wie ich es schaffen sollte, im Unterricht nicht einzuschlafen. Die albtraumfreien Schlafstunden der letzten Nächte konnte ich an einer Hand abzählen. So schlimm war es schon lange nicht mehr gewesen. Und auf Hilfe in Form meiner Traumfreundin hatte ich vergeblich gewartet. Wofür wollte mich mein Unterbewusstsein bestrafen? Weshalb hielt es mir die einzige Möglichkeit vor, ein paar Stunden erholsamen Schlaf zu bekommen?
Seufzend legte ich meinen Kopf auf dem Tisch ab, gähnte hinter vorgehaltener Hand und ließ mich weiter von Josefins guter Laune berieseln. Nach und nach trudelten unsere Mitschüler ein. Simon, ein netter Junge mit haselnussbraunen Augen, schmiss seine Tasche neben mir auf den Tisch.
»Hey, Emmy«, murmelte er und warf einen Blick auf Josefin, die einfach weiterredete. Irgendetwas von Haare färben und misslungenem Versuch. Ich betrachtete ihre Mähne, von der sie mir demonstrativ eine Strähne vor die Nase hielt. Ich wich von meinem üblichen Hm und Tatsächlich ab und sagte: »Wow! Das ist echt ...« Ich suchte nach den richtigen Worten.
»Ich weiß!«, rief Josefin, obwohl ich selbst kaum wusste, was ich hatte sagen wollen.
»Ich hab‘s schon dreimal übergefärbt und es ist immer noch …«
»Wie eine Karotte«, warf Simon hilfreich ein, grinste bis über beide Ohren und kassierte ein herzhaftes Lachen von Josefin. Jedes andere Mädchen hätte dafür nur einen giftigen Blick übrig gehabt.
»Genau!«, lachte Josefin stattdessen. »Ich sah aus wie eine Karotte!«
Schmunzelnd hörte ich ihrer Haarfärbe-Leidensgeschichte zu und schaffte es, zwischendurch ein »Aber jetzt sieht es doch ganz gut aus« anzubringen. Denn das tat es. Ich sah jedenfalls keinen Unterschied zu sonst. Bis auf diese eine Strähne, die immer noch einer Karotte glich. Während ich noch überlegte, ob ich meinen rattenfarbenen Haaren vielleicht auch mal ein wenig Pepp verpassen sollte, wechselte Josefin bereits nahtlos das Thema. Ich verpasste den Anschluss, was wohl nicht weiter wild war, denn der Lehrer betrat das Klassenzimmer, im Kielwasser weitere Mitschüler. Darunter Lovisa und Amanda, die genau wie Simon zu unserer Clique gehörten. Josefins Aufmerksamkeit richtete sich schlagartig auf ihre neuen Opfer.
Obwohl Simon es schaffte, sein übliches »Hey, Isa« vorher anzubringen – er war bis über beide Ohren in Lovisa verknallt, was sie zu seinem Leidwesen nicht gerade stürmisch erwiderte –, strahlte Josefin den beiden entgegen.
»Hallo, ihr zwei. Gerade noch rechtzeitig, was?«, lachte sie vergnügt. »Einen wunderschönen guten Morgen!«
Ich warf Lovisa einen verstehenden Blick zu und verdrehte die Augen. Auch wenn Josefins gute Laune mir ein wenig über meine Müdigkeit hinweg half, so wusste ich doch, dass es Lovisa und den meisten anderen in der Klasse mächtig auf die Nerven ging, so früh am Morgen bereits mit Fröhlichkeit überfallen zu werden. Es wunderte mich, dass Josefin die Klassenfahrt überlebt hatte. Von mindestens fünf Leuten wusste ich, dass sie grimmige Pläne geschmiedet hatten, Josefin klammheimlich um die Ecke zu bringen, um ihrer Guten-Morgen-Laune zu entkommen. Eine der fünf war übrigens Lovisa gewesen.
»Wo ist Filip?«, fragte sie gerade verwundert.
Gute Frage, dachte ich. Amanda ohne Filip? Wie äußerst ungewohnt. Seit die beiden ein Paar waren, waren sie wie siamesische Zwillinge – allerdings merkwürdigerweise an den Lippen zusammengewachsen.

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Mehr über und von Marita Sydow Hamann auf ihrer Website.

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