27. August 2015

"Rebellion unter Tage" von Steff Chulam

Nach dem letzten großen Krieg ist die Menschheit nahezu ausgestorben. Das Gros der Überlebenden zog sich in ein System unterirdischer Bauten zurück, das rechtzeitig, bevor die atomaren Sonnen über den großen Städten aufgingen, errichtet worden war. Konrad, aufgewachsen in den Trümmern der alten Hauptstadt, sucht nach Jahren des Überlebenskampfes nun sein Glück in dieser Unterwelt.

Katharina, seine Betreuerin, lebt mit ihm auf einem der zahlreichen Hausboote, die das unterirdische System aus Seen, Kanälen und Inseln bevölkern. Sie führt ihn ein in die Neue Gemeinschaft unter Tage. Katharina ist dem System treu ergeben, das seine Bürger streng kontrolliert und Schutzsuchende in genetisch wertvolle oder in vermeintlich minderwertige Menschen kategorisiert, und die Ausgesonderten in Lager steckt.

Konrad wird in die Sicherheitskräfte aufgenommen und nimmt an Einsätzen gegen Terroristen teil. Als Konrad klar wird, dass er einem faschistoiden Regime dient, wechselt er die Seiten und schließt sich dem Widerstand an. Zusammen mit seinen Freunden startet er die 'Rebellion unter Tage' .

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Leseprobe:
Friedrich erreicht vollkommen erschöpft die Werkstattinsel. Seine Männer, die noch in jüngeren Jahren und um einiges ausdauernder sind als er, stützen ihn, als sie über die breiten Steinstufen aus dem Wasser steigen. Einige Techniker und Arbeiter, die die Landung ihrer Leute beobachtet hatten, laufen dem kleinen amphibischen Trupp entgegen. Die Schwimmer stehen in stetig wachsenden Pfützen und erholen sich schwer atmend von der Anstrengung.
»Männer, wir brauchen euch! Die Rebellion hat endlich begonnen. Wir haben eine Eingangsschleuse und ein Tunnellager besetzt. Derzeit läuft der Kampf um die Regierungsinsel. Wir haben die Schleuse zur Basis der Sicherheitskräfte zugeschweißt. Kein Boot kommt da mehr durch«, redet Friedrich auf die Leute ein.
»Wo ist euer Boot? Warum seid ihr zurück geschwommen?«, fragen die Leute.
»Wir hatten nach der Schweiß-Aktion die Schleuse weiter überwacht. Als die Wachen Verstärkung durch die Schleuse schicken wollten zu ihren Truppen auf der Insel und sie das Schleusentor nicht öffnen konnten, haben sie uns aufgefordert, das Tor zu reparieren. Natürlich haben wir nicht reagiert. Dann haben uns die Drecksäcke unter Feuer genommen, bis unser verdammter Kahn abgesoffen ist. Unsere Verbündeten, die ein Patrouillenboot der NGuT gekapert hatten, kamen gerade noch rechtzeitig, um uns Deckung zu geben. Leute, wir brauchen jetzt jeden Mann! Das ist die Gelegenheit, die Macht zu übernehmen und die verdammten Faschos beiseite zu fegen. Wenn wir jetzt entschlossen handeln, siegen wir.«
»Friedrich, du weißt, dass wir hinter die stehen«, erklärt ein hoch gewachsener Arbeiter mit rotblonden struppigen Haaren, der aus der wachsenden Menge hervor tritt. »Und du weißt auch, dass wir nichts lieber täten, als diese Nazi-Bande zu vernichten. Aber wir können doch nichts ausrichten mit Schraubenschlüsseln, Spaten und Hämmern! Wir brauchen Waffen!«
»Wir haben Waffen. Jede Menge sogar. Sind unsere drei Arbeitsboote in Ordnung?«
»Wir haben noch zwei von ihnen, ein drittes ist verschwunden.«
»Wie, verschwunden?«
»Vor ein paar Stunden hatten wir hohen Besuch. Der Nestapo-Chef höchst persönlich hat sich die Ehre gegeben. Er kam mit einem stinknormalen Hausboot. Abgefahren, oder? Er ist mit seiner schwer bewaffneten Eskorte, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen, in eines der Boote umgestiegen und ist abgedampft.«
»Egal, darum kümmern wir uns später. Dann muss es eben mit zwei Booten gehen. Also was ist jetzt, Männer? Seid ihr bereit, zu handeln?«
»Ich sage meinen Kumpels aus der Schicht Bescheid. Die sind auf jeden Fall dabei, wie ich sie kenne.« Der Rotschopf macht auf dem Absatz kehrt und läuft in Richtung des zentralen Platzes davon. Die Menge strebt auseinander. Weitere Leute laufen zu ihren Häusern, um Bekannte und Freunde zu mobilisieren.
»Wir machen die Boote klar. Los!«, sagt Friedrich zu seinen Kameraden. Die Männer streben dem kleinen Anleger zu. Dann steigen sie in die Boote und werfen die Motoren an.
Minuten später sammeln sich dutzende Techniker und Arbeiter am Steg. Friedrich bedeutet ihnen, an Bord zu kommen. »Die letzten machen die Leinen los!«, ruft er ihnen entgegen. »Hört zu Männer! Wir werden jetzt zur sabotierten Schleuse fahren und mit unserem Patrouillenboot koppeln, das die Wachen im Schach hält. Auf dem Boot sind die Waffen für euch. Wir legen ab, volle Fahrt voraus!«
Als die beiden Werkstattboote bei Ben ankommen, liegt der See bereits in der Abenddämmerung. Die Boote schieben sich langsam an die von der Schleuse abgewandte Seite heran und machen am Patrouillenboot fest. Die Männer steigen die flache Bordwand herauf und gehen dann nacheinander unter Deck, wo Ben sie unverzüglich mit Gewehren und Munition ausstattet. »Friedrich, das sind weit mehr Leute, als ich erwartet hatte. Ich hoffe nur, dass sie mit den Waffen auch halbwegs umgehen können und vor allem, dass wir uns auf sie verlassen können«, sagt Ben, als er Friedrich den Niedergang zum Mannschaftsraum herunter kommen sieht.
»Für meine Leute würde ich meine Hand ins Feuer legen. Sie waren allesamt beim Pflichtdienst der Sicherheitskräfte. Sie sind also, was Waffen angeht, absolut fit.«
»Dein Wort in Gottes Ohr!« Ben grinst seinen Freund breit an und hält ihm ein Sturmgewehr entgegen. »Während du deine kleine Schwimmrunde absolviert hast, habe ich nachgedacht.«
»Schwimmstunde! Sehr witzig!«
»Komm, sei nachsichtig mit mir.«
»Über was hast du denn nun nachgedacht?«
»Darüber, wie wir weiter vorgehen werden. Unser Plan sah ja eigentlich vor, dass wir mit euch als Verstärkung zur zentralen Insel aufbrechen sollten. Ich denke aber, dass wir dem Feind auf der Basis keine Chance geben sollten, sich über Nacht zum Gegenangriff zu sammeln. Wir müssen sie unter Druck halten. Wir sollten die Schleuse besetzen und dort eine Art Brückenkopf bilden. Dann gehen wir mit Patrouillen links und rechts des Kanals vor und greifen sie weiter an. Parallel schicken wir eines der Werkstattboote mit einigen Männern zu Konrad und Chris auf die Regierungsinsel. Sie verstärken die Teams dort und übermitteln die Nachricht, dass wir die Basis angreifen. Der Kahn sollte aber erst abrauschen, wenn wir den Schleusenposten fest in unserer Hand haben. Was meinst du?«
»Hast du alle Posten erledigt?«
»Ich hoffe es. Genau wissen wir es erst, wenn wir die Schleusenhäuschen gecheckt haben und dabei nicht beschossen wurden.«
»Dieses Risiko müssen wir wohl eingehen.«
»Attacke?«
»Attacke!«

Im Kindle-Shop: Rebellion unter Tage

Mehr über und von Steff Chulam auf seiner Website.

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