18. November 2015

"Mehr als Worte" von Laura Gambrinus

Carlotta versinkt in Depressionen, nachdem ihr Idol, der Schriftsteller Damiano Mantovani, sie abserviert hat. Da hält das Schicksal in Gestalt des Verlegers Federico Sangiorgi eine dramatische, aber positive Wendung bereit. Als Carlotta dann endlich wieder bereit ist, einem Mann ihr Herz und ihre Seele zu öffnen, sich neuen Möglichkeiten der Liebe zuzuwenden, da trifft sie der nächste Tiefschlag: Ist der Traummann Federico etwa schwul?

Aber auch Damiano Mantovani hat den Kampf um sein Glück noch nicht vollkommen aufgegeben, erneut umwirbt er Carlotta, und so bleibt bis zum Ende alles offen …

Dieses Buch ist keine reine Fortsetzung von Carlottas Geschichte, sondern setzt vor dem Ende von "Ungesagte Worte" an. Es erzählt viele der gemeinsamen Erlebnisse mit Carlotta diesmal aus Federicos Sicht und gibt darüber hinaus Einblicke in Damianos Seelenleben. Und – so wie von vielen Leserinnen angemahnt – es verspricht ein »echtes« Happyend.

Gleich lesen: Mehr als Worte. Liebesroman

Leseprobe:
»Muss das sein, Vater?«
Als er die Nummer auf dem Display gesehen hatte, war ihm schlagartig klar gewesen, dass etwas schiefgelaufen sein musste. Um diese Uhrzeit rief ihn sein Vater nie auf dem Mobiltelefon an.
»Ich würde dich nicht darum bitten, wenn ich es nicht wirklich nötig hätte. Ich weiß, du hast wenig Zeit, Federico, aber …«
»Wenig ist reichlich untertrieben«, unterbrach er ihn unwirsch. »Lernst du eigentlich nie dazu? Es ist zehn Uhr morgens und ich habe einen Termin zum Mittagessen.«
»Ich weiß.« Wie immer in solchen Situationen blieb sein alter Herr stoisch. »Kommst du nun vor dem Essen oder nachher erst?«
Wieder einmal konnte er sich eine Scheibe von ihm abschneiden und fuhr sich herunter. »Sag mir genau, wo du bist, dann komme ich sofort. Vielleicht schaffen wir es ja sogar rechtzeitig.«
Sein Vater beschrieb ihm die Stelle, die seinem Geländewagen zum Verhängnis geworden war, und Federico setzte sich mit dem anderen Jeep in Bewegung. Unterwegs grollte er vor sich hin. Sein Vater schaffte es doch tatsächlich, mit einem englischen Geländewagen im Wald in einem Schlammloch stecken zu bleiben. Mit einem Auto, das die Sahara durchquerte, als sei es der New Yorker Central Park. Er spürte den Ärger immer noch in seinem Bauch kribbeln, als er schon fast bei ihm angekommen war und die Bescherung mit eigenen Augen sah.
Ugo Sangiorgi war auf eine Schlammkuhle hereingefallen. Das hätte sogar ihm selbst passieren können, musste er sich eingestehen. Es hatte bis vor zwei Tagen geregnet, und rund herum war das Gelände bereits abgetrocknet. Nur in einer wenige Quadratmeter großen Senke hatte sich feines Sediment abgelagert. Der Untergrund darunter war nicht wasserdurchlässig – aus welcher geologischen Laune heraus auch immer. Rein oberflächlich betrachtet sah es an dieser Stelle nicht anders aus als zehn Meter weiter, doch der Jeep seines Vaters steckte mit allen vier Reifen bis zum Unterboden darin fest.
Er musste sich ein ungläubiges Lachen verkneifen, als er ankam und ihn so fand. Seine Anspannung wegen der Verzögerung machte einer unangemessenen Belustigung Platz. Das Auto sah aus, als hätte es keine Räder mehr – was für ein Anblick!
Eine Stunde und sehr viele Flüche später war klar, dass es sinnlos war. Das Fahrzeug seines Vaters war zu schwer, und sein eigenes im Verhältnis zu leicht, der Schlamm zu tief und das Abschleppseil zu kurz. Es funktionierte einfach nicht. Ihr Freund, der Landwirt musste ran.
Immerhin blieb ihm gerade noch so viel Zeit, seinen Vater dort abzusetzen, wo der gewaltige Traktor auf seinen nächsten Einsatz wartete. Mehr aber auch nicht. Den Ärger über das liegen gebliebene Auto noch im Nacken, bog er wenig später auf den Parkplatz seines Verlages ein.
Natürlich sah er nach dieser Aktion nicht gerade aus wie jemand, dem man auf den ersten Blick Vertrauen schenken möchte. Das wurde ihm angesichts des Blicks klar, den die junge Dame ihm zuwarf, mit der er verabredet war.
Was genau er nach dem Telefonat mit ihr erwartet hatte, konnte er nicht sagen. Carlotta Mazzoni war auf eine unauffällige Art hübsch, leger gekleidet und schätzungsweise Anfang dreißig, relativ schlank, aber bei weitem nicht dürr. Und sie hatte einen sympathischen, offenen Gesichtsausdruck. Allerdings wirkte sie etwas unsicher. Wenn sie Literaturagentin war, dann sicher noch nicht sehr lange. Als er sich vorstellte, entgleisten ihre Gesichtszüge, doch ein kleiner Scherz über seinen Aufzug lockerte die Atmosphäre auf und sie entspannte sich etwas. Federico hatte es noch nie gemocht, wenn seine Termine steif und steril abliefen. Das hier war zwar ein Geschäftstermin, und es ging um eine dritte Person, die nicht anwesend war – aber irgendwie war das Eis bereits gebrochen, so hoffte er.
Er brachte seine Besucherin hinein, stellte sie ein paar Kollegen vor und wechselte eilig wenigstens seine schmutzigen Schuhe, während sie mit den anwesenden Lektoren plauderte. Dann brachen sie auf, um essen zu gehen. Unterwegs erfuhr er, dass sie aus einem Ort kam, der gar nicht so weit entfernt lag. Er verbiss sich allerdings die Frage, wie es sie ausgerechnet nach Marina Caleri und zu Damiano Mantovani verschlagen hatte.
Er hatte einen Tisch im »Nido di Falco« reserviert. Für seinen Aufzug eigentlich vollkommen unangemessen, aber dort kannte man ihn und würde es ihm nachsehen, dass er in nicht mehr ganz sauberen Safarihosen zum Essen erschien.
»Ich hoffe, sie mögen auch Fleischgerichte«, sagte er, als sie die Karte zur Hand nahmen. »Da Sie von der Küste kommen, habe ich einfach mal vorausgesetzt, dass Sie hier nicht unbedingt Fisch essen wollen.«
»Das haben Sie gut gemacht.« Sie schenkte ihm ein halbes Lächeln. »Ein bisschen Abwechslung ist nie verkehrt.«
Anstatt sich aber der Speisekarte zu widmen, sah Carlotta Mazzoni geistesabwesend zum Fenster hinaus. Ihr Blick wurde verträumt, und ihm war schlagartig klar, dass diese Frau weder eine professionelle Agentin war, noch sich mit der Rolle, in die sie da heute schlüpfte, identifizierte. Sie mochte eine gute Lektorin sein, aber Geschäftsfrau war sie keine.
»Haben Sie schon etwas gefunden, was Ihren Geschmack trifft?«, holte er sie schließlich sanft aus ihren Träumereien.
Sie zuckte zusammen und errötete wieder.
»Ich nehme dasselbe wie Sie«, sagte sie etwas zu eilig, als dass es überlegt hätte klingen können.
Er konnte sich einen Versuchsballon nicht verkneifen, den er in einen kleinen Scherz verpackte.
»Sie gehen ein erhebliches Risiko ein«, warnte er sie. »Was würde Signor Mantovani sagen, wenn Sie mit einer Knoblauchfahne zu ihm zurückkämen?« »Was würde Ihr Büro dazu sagen?«, gab sie überraschend schlagfertig zurück.
Da hatte sie aber geschickt gekontert, ohne etwas preiszugeben.
Sangiorgi trat die Flucht nach vorne an. Schließlich handelte es sich nicht um Staatsgeheimnisse.
»Wie geht es Signor Mantovani jetzt? Ich meine – wie geht es ihm wirklich?«, wollte er unverblümt wissen und beobachtete dabei ihre Reaktion.
Sie schluckte und zögerte einen halben Atemzug lang. »Gut!«, sagte sie dann. »Es geht ihm blendend, würde ich sagen. Warum fragen Sie?«
Weil ich so viel wie möglich über potenzielle Autoren wissen muss, wenn ich sie schon nicht selbst zu Gesicht bekomme, lag ihm auf der Zunge, doch er schluckte es hinunter.

Im Kindle-Shop: Mehr als Worte. Liebesroman

Mehr über und von Laura Gambrinus auf ihrer Website.

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