21. Dezember 2015

"Geheimauftrag Leben" von Thomas Schlenther und Carol Bartholmé

Eine in die Reserve entlassene Beamtin der GSG 9 muss noch einmal in den Dienst zurückkehren. Ein alter Widersacher und ehemaliger Vorgesetzter reaktiviert sie unter Vorwänden. Durch politische Intrigen in einen Strudel aus Verrat und Verschwörung gezogen, kämpft sie um ihr Leben.
Neue Freunde und alte Feinde helfen einander. Doch wo ist der wahre Feind zu finden?

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Leseprobe:
Gepanzerte, schwarze Limousinen näherten sich dem am Steilhang nach Bad Hersfeld gelegenen Schlosshotel Niemeyer. Sicherheitskräfte untersuchten die Insassen und ließen sie nach Prüfung der Einladungen passieren. In einem Umkreis von fünf Kilometern kam keine Maus an das Hotel heran.
Obwohl von diesem Treffen niemand wusste, wurden die strengen Sicherheitsmaßnahmen durchgezogen. Leitende Angestellte der größten deutschen Rüstungsbetriebe, CEOs einiger ausgesuchter amerikanischer Waffenproduzenten und hochgestellte Staatssekretäre diverser Ministerien kamen zu einem Meeting zusammen.
Im Saal drei des Tagungshotels hatten die Kellner alles perfekt vorbereitet, als bewaffnete Männer eintraten und sie des Saales verwiesen. Nach dem letzten Wachhund kamen der Bundesverteidigungsminister, der Innenminister und der Generalinspekteur des Heeres durch den langen Flur zum Saal. Sie begrüßten sich und gaben sich einander durch einen besonderen Siegelring zu erkennen. Jeder dieser Ringe wies jeden einzelnen der Gruppe als vollwertiges Mitglied des bewaffneten Arms der ›Gruppe der Tapferen‹ aus. Es folgten der Präsident des Verfassungsschutzes, zwei Staatssekretäre, diverse Oberste des Heeres und der Luftwaffe, der Kommandeur der deutschen KSK Verbände und zwei Abteilungsleiter aus dem Bundesministerium für Verteidigung. Sie wurden begleitet von den für die Waffenhersteller tätigen Lobbyisten.
Als die insgesamt 26 Männer den Saal betreten und sich durch den Siegelring ausgewiesen hatten, wurden die Türen geschlossen und der oberste ihrer Clique, der Präsident des Verfassungsschutzes, ging an das Rednerpult. Nach einem kurzen Applaus begann er zu sprechen.
»Danke, meine Herren. Wie ich sehe, sind wir heute das erste Mal vollständig versammelt. Um Ihnen lange Reden zu ersparen, bitte ich Sie, die vor Ihnen liegenden Ordner zu öffnen und sich mit den darin enthaltenen Papieren vertraut zu machen. Wir haben es geschafft, unsere Wünsche bei den politischen Würdenträgern durchzusetzen. Wie Sie anhand der ersten Seiten sehen, sind Ihnen bereits die versprochenen Gelder der Firmen überwiesen worden. Meine Herren, für uns ist es von ganz besonderer Bedeutung, dass Widerstände gegen die Verträge mit den Vereinigten Staaten und Israel so schnell wie möglich ausgeräumt werden. Die ersten Anmerkungen zu den Internierungslagern finden Sie auf Seite zweiunddreißig des Dokumentes. Bei dem dort beschriebenen Punkt Anton wird der größte Standort sein. Wir werden allein an diesem Standort insgesamt zweitausend Regimegegner festhalten können und das, meine Herren, so lange wie wir wollen!« Wieder brandete ein kurzer Applaus auf. Der Redner winkte lapidar ab und sprach weiter:
»Die militärischen Vorbereitungen sind laut unserem General fast abgeschlossen. Soweit ich weiß, trainieren die letzten Fallschirmjäger noch den Häuserkampf. Der Herr Innenminister war so freundlich, bereits heute die ersten Einheiten der Bereitschaftspolizei zu alarmieren. Diese werden auf einem Truppenübungsplatz des Heeres eingewiesen. Dort, meine Herren, werden dann die wirklich ersten Einheiten der neuen deutschen Schutzpolizei gegründet, vereidigt und ausgerüstet. Wir werden sie früh genug ins Rennen schicken müssen. Herr Weissmüller hat mir explizit einen Vorfall versprochen, nach dem der Kanzler nicht mehr weitermachen kann, ohne dass er endlich eingreift. Wenn das passiert, werden wir seine Kanzlerschaft beenden, ein für alle Mal. Diese Akte«, er hielt einen dünnen Aktenordner hoch, »diese Akte versetzt uns in die Lage, dem Herren aus Rostock zu zeigen, wer der wirkliche Bundespräsident ist!« Erneut brandete Beifall auf. Diesmal ließ der alte Mann sich sichtlich feiern. Er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen. Sein Ego strotzte jetzt nur so vor Kraft.
»Aber bedenken Sie bitte, was es bedeutet, wenn wir beginnen, dieses Land endlich wieder zu dem zu machen was es war. Die führende Industrienation Europas, die bestimmende Macht in der Mitte, der starke Mann als Schutz gen Osten! Das Land, welches Europa führen wird und nach dessen Pfeife gefälligst die von uns abhängigen Staaten zu tanzen haben. Deutschland hat in zwei sehr blutigen Demonstrationen bewiesen, wozu es in der Lage sein kann, wenn es gefordert wird. Meine Herren, wir werden ein drittes Mal zeigen müssen, was es bedeutet, Deutschland zu sein! Erst dann werden wir gesiegt haben!«
Stille erfasste den Saal. Alle Beteiligten schauten in die Runde und erst nach einigem Nachdenken hatten sie die gesamte Tragweite der Worte erfasst. Der Präsident des Verfassungsschutzes nahm einen Schluck Wasser. Er erläuterte auf einem großen Bildschirm die über die Bundesrepublik verteilten Zellen der Gruppe. Jeder der führenden Köpfe wurde nun in die Details eingeweiht.

Im Kindle-Shop: Geheimauftrag Leben

Mehr über und von Thomas Schlenther auf seiner Website.

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