1. Dezember 2015

'Burglinde' von Ulla Schmid

Im ersten Jahrhundert nach Christus: Rom ist auf dem Höhepunkt seiner Macht und hat seine weiteste Ausdehnung seit seiner Stadtgründung. Das Leben für die meisten Menschen dieser Zeit ist kurz, rau und ruppig. Nur einigen wenigen ist vergönnt, ein Leben in einem ungeheuren Luxus zu führen. Viele Menschen aus allen Ecken der Welt machen sich auf den Weg nach Rom um dort ein besseres Leben führen zu können. Sie wissen nicht: Die meisten Römer leben auch erbärmlich.

Burglinde aus dem Chattenland schließt sich einem Handelszug an, um nach Rom zu gelangen. Siegbert, ein Werkzeugmacher, und seine Familie fahren auch mit und nehmen Burglinde unter ihren Schutz, da so eine Reise für ein alleinreisendes, junges Mädchen sehr gefährlich ist. Giselher – Burglindes große Liebe – will in seinem Dorf im Chattenland bleiben.

Nach ihrer Ankunft in Rom gelingt es Burglinde durch einen glücklichen Zufall, eine Stellung bei einem reichen Senator und dessen Frau zu erhalten. Giselher reist ihr hinterher und ihr Glück ist perfekt. Doch dann scheint sich alles zum Schlechten zu wenden.

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Leseprobe:
Endlich war es soweit: Burglinde konnte die Kinder ins Bett bringen, gab ihnen einen Gute-Nacht-Kuss und verabschiedete sich schnell. Eine Gute-Nacht-Geschichte gab‛s dieses Mal auch nicht. Die Kinder waren mehr als enttäuscht.
„Ich weiß gar nicht, was ich euch heute erzählen soll“, murmelte Burglinde verschämt. „Aber morgen Abend fällt mir bestimmt wieder etwas ein.“
Sie rannte schnellstens aus der Haustür und sah sich suchend um. Giselher trat auf sie zu und nahm sie einfach in seine Arme. In diesem Moment tauchte Lucilla auf, die mal wieder eine kranke Verwandte besucht hatte. Burglinde und Giselher fuhren auseinander. Lucilla runzelte die Brauen. Doch dann traf Giselher ein interessierter Blick Lucillas, was Burglinde und Giselher in ihrer Euphorie nicht bemerkten. Sie hatten keine Ahnung, dass Lucilla Gedanken bezüglich Giselher hegte, die ihnen nicht behagen mussten. Sie warteten bis sich Lucilla ins Haus begeben hatte, und endlich konnten sie sich erneut in die Arme nehmen, und endlich konnten sie sich begrüßen.
„Giselher, wie kommst du denn hier her?“, fragte Burglinde freudig erregt.
„Auf die gleiche Weise wie du“, grinste Giselher. „Ich habe mich einem Handelszug angeschlossen. Ich wollte dort sein, wo du bist.“
„Seit wann bist du denn schon hier und wie hast du mich gefunden?“, fragte Burglinde zurück.
„Ich bin schon ein paar Tage hier. Ich habe mich auf dem Forum Romanum umgehört. Es war für mich ein Leichtes, dich zu finden. Ich habe nicht nur nach dir sondern auch nach Siegbert und seiner Familie gefragt. Siegbert hatte ich bald gefunden. Er hat es auch geschafft, sich hier eine Existenz aufzubauen. Siegbert hatte auch erfahren, dass du hier eine gute Stellung angetreten hast. So wusste ich, wo ich die finden konnte. Ich durfte dann bei ihm übernachten, auch wenn sie sehr beengt leben. Ich hoffe nur, dass ich bald eine andere Unterkunft finde, denn die Gastfreundschaft des Siegbert möchte ich nicht mehr lange in Anspruch nehmen. Er hat mir gesagt, dass ich so lange bei ihm bleiben kann, wie ich möchte. Er hat mir auch gesagt, dass es nicht ratsam sei, bei Nacht in dieser Stadt unterwegs zu sein“, erzählte Giselher euphorisch. So kam es, dass sich Burglinde und Giselher in der Zeit vertan hatten, und er nachts wieder seinen Heimweg antrat. Vier Kerle stellten sich ihm in den Weg.
Er wurde von ihnen bedroht: „Na schau mal, wen wir da haben“, lachten drei der vier Kerle roh. Dazu leuchteten sie ihm mit einer Fackel ins Gesicht. Giselher hatte keine Ahnung, wen er da vor sich hatte. Allerdings war ihm klar, dass er mit dem Erdenleben fertig war. Einer von ihnen hatte ihm schon das Messer an die Kehle gesetzt.
„Du scheinst ein Germane zu sein. Was für ein hübscher Kerl du bist. Es ist ja richtig schade um dich. Nun mach schon, Markus! Du willst doch zu uns gehören. Jetzt kannst du zeigen, dass du unserer würdig bist“, stichelte einer. Er schien der Anführer der Bande zu sein.
Giselher bemerkte, dass dieser Markus sehr nervös war. Seine Hand mit dem Messer zitterte und Giselher spürte, dass diese Hand von kaltem Schweiß nass war. Dieser Junge hatte große Angst.
„Welcher normale und anständige Mensch wollte zu solchen Typen gehören“, mochte Markus wohl denken. So etwas war nicht seine Sache. Das wusste er jetzt, aber er konnte nicht mehr zurück. Er sollte einem Menschen, den er noch nie in seinem Leben gesehen hatte, die Kehle durchschneiden.

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