27. Februar 2015

"Das letzte Casting" von Patrick Worsch

Jeannine will berühmt werden. Gabriel will unbekannt bleiben. Er verlangt von ihr den virtuellen Suizid. Doch der Facebook-Wettbewerb Lady Like ist ihre letzte Chance auf Ruhm. Binnen einer Woche gilt es, die meisten Likes zu sammeln. Tausende Frauen posten und blenden für den Sieg, leider auch Intimfeindin Carmen. Es beginnt ein Krieg um Anerkennung, und die Waffen heißen Selbstlob, Neid und Egoismus. Keiner weiß, ob Champagner oder Blut sprudeln wird.

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Leseprobe:
Als Gabriel sich in die Disco schwindelte, war Jeannine nicht mehr drinnen. In diesen Minuten saß sie am Beifahrersitz eines Wagens, der an der nächsten Tankstelle neben der Zapfsäule parkte. Sie war allein. Sie zupfte an den Strümpfen, und zur Sicherheit wählte sie am Handy die Kontaktliste und tippte ICE neben die Nummern ihrer Eltern. Dann sah sie in den Rückspiegel.
Der Blonde verließ den Tank-Shop durch die Schiebetür. Er hetzte sich nicht. Behutsam faltete er die Rechnung und schlichtete sie in die Brieftasche, zählte hinterm Lenkrad sein Geld, verstellte die Rückenlehne und rollte im Schritttempo durch die Ausfahrt. Er lag mehr, als er saß; mit einer Hand lenkte er, mit der anderen reichte er Jeannine die Kaugummidose, die er gekauft hatte. Sie lehnte ab und schwieg. Im Augenwinkel beobachtete sie sein Verhalten. Sie schlug das linke über das rechte, das rechte über das linke, und wieder das linke über das rechte Bein.
Sein Fahrstil wirkte nicht wie von einem jungen Mann. Wenn er überholt wurde, machte er Platz, wenn eine Ampel grün blinkte, hielt er an, wenn ein Wagen mit offenen Fenstern und grölender Besatzung in der Nebenspur brummte, grinste er zwar hinüber, verzichtete aber auf jedes Duell. Zudem lief im Radio kein Techno und kein House, sondern Kuschelrock aus den Siebzigern.
»Könntest du abdrehen oder lauter machen?«, sagte Jeannine.
Er stellte die Musik aus.
»Fährst du auch sonst unter dem Tempolimit ... oder willst du mich quälen? Hier ist Siebzig erlaubt.«
»Bist du im Stress?«, sagte er.
»Es wäre gut, wenn ich in einer Stunde zuhause bin. Ich muss morgen früh raus.«
Er aktivierte die Sitzheizung und spielte mit der Temperatur.
»Sagst du mir bitte, was du mir zeigen willst?«
»Du hast was gegen Überraschungen, stimmt‘s?«
»Ich hab keine Ahnung, wohin du mich bringst, was du dort vorhast, und wie das alles für mich endet.«
»Wir fahren zu deinen Likes.«
»Verstecken sich die in einer Schatzkammer?«
Er machte eine Geste, als läge sie damit nicht so falsch.
»Vielleicht erklärst du mir wenigstens, was diese Abkürzung bedeutet.«
»Welche?«
»FFF«, sagte sie. »Dein Freund hat sie zweimal erwähnt. Er lächelte dabei sehr seltsam. Was ist FFF?«
»FFF bringt dich ins Finale. Aber lehn dich mal zurück. Lass deine Finger los und entspann dich. Sei wieder so lustig wie vorher.«
»Zeig mir eine, die lustig bleibt, wenn sie mit einem Typen beim ersten Treffen nach X fährt.«
»Hab ich ahnen können, dass du alleine kommst? Eine Berühmtheit in spe, ohne Begleitung?«
»Morgen ist ein regulärer Arbeitstag. Meine Freundinnen müssen ...« Sie bemerkte die Straßenschilder. »Was wollen wir auf der Autobahn? Wir fahren raus aus der Stadt?«
Er blinkte und bremste am Pannenstreifen. »Wenn du meine Hilfe nicht möchtest, steig aus und geh zurück. Ich hab damit kein Problem. Nach der ersten Ampel biegst du nach rechts ab und stehst direkt vor dem Taxistand.«
Sie seufzte. »Fahr weiter.«
An der nächsten Ausfahrt verließen sie die Autobahn und rollten durch ein Industriegebiet. Sie passierten eine Karthalle, einen Baumarkt und Fabriken, ehe sie in eine enge Gasse einbogen. Am Ende dieser Gasse erhob sich ein Haus, auf dessen Dach eine Reklame blinkte. Im linken und rechten Teil des Gebäudes war es dunkel hinter den Fenstern, im Mittelhaus fiel rotes Licht durch die Jalousien.
Jeannine fasste in ihre Handtasche. »Wo sind wir hier?«
Er buchstabierte die Adresse, dann sagte er: »Poste sie ruhig. Aber merk sie dir, damit du sie der Polizei zuflüstern kannst, wenn ich mich als Mädchenmörder entpuppe ... Warum versteckst du den Pfefferspray? Nimm ihn raus – verringert die Reaktionszeit.«
Sie aber kitzelte ihren Labello aus der Tasche und behandelte die Lippen. Er fuhr in eine Tiefgarage, hielt vor der Schranke und ließ das Fenster hinab, zog aber keine Karte, sondern nahm aus der Mittelkonsole einen Schlüsselbund, an dem ein Skorpion baumelte. Einen langen und dicken Schlüssel steckte er in den Kasten und drehte. Das Gittertor fuhr langsam und leise hoch. In den Decks U1 und U2 gab es zur Genüge freie Plätze, er aber rollte bis ins dritte Untergeschoss. Im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen schob er rückwärts in die Parklücke.
Jeannine verrenkte sich auf ihrem Sitz, als rechnete sie mit einem Übergriff. Doch ihr Chauffeur beachtete sie nicht. Er stellte den Motor ab, nahm ein Kabel von der Rückbank und stieg aus. Zum Aufzug lief ein schmaler Korridor mit Schimmel an den Wänden. An der Decke waren einige Leuchten ausgefallen, die anderen flirrten. Während sie warteten, pfiff der Blonde eine Melodie. Sie musterte ihn und sah nach hinten. Im Aufzug drückte er auf L und pfiff weiter.
Gummipflanzen und billige Stoffmöbel standen in der Lobby. Hinter der Rezeption chillte die einzige Person, ein junger Mann in einem Lederstuhl. Er hatte einen Laptop am Schoß und kreuzte die Beine auf der Theke. Der Blonde begrüßte ihn mit einem einstudierten Handschlag. Sie zwinkerten einander zu, dann sagte der Mann Jeannine Hallo, indem er sie mit einem Grinsen betrachtete. Er stand auf, holte eine Plastikkarte aus den Fächern in der Wand und reichte sie dem Blonden. Er wünschte eine angenehme Nacht.
»Wohnst du hier?«, sagte Jeannine, als sie wieder im Aufzug waren.
»Gelegentlich.«
»Aber das ist kein Hotel?«

Im Kindle-Shop: Das letzte Casting

26. Februar 2015

"Teufel: Fantasy-Thriller" von Markus Tillmanns

Luzifer offenbart sich. Und die Welt ist geblendet. Journalist Tabarie berichtet für gewöhnlich über Lokalpolitik und Kleinkriminelle. Doch nun traut er seinen Augen nicht, als der Engel der Finsternis selbst erscheint und mehr und mehr Menschen dem Bösen verfallen. Kann Tabarie den Teufel noch aufhalten? Der Journalist ermittelt in dem verzweifelten Versuch, Satans Plan zu durchschauen. Aber was ist es, dass die Menschen so anfällig für das Böse macht? Warum sind sie so leicht verführbar?

Ein Thriller, der uns entführt von den Türmen des Kölner Doms bis in die Gewölbe unter dem Vatikan. Für alle, die immer schon sehen wollten, wie die Welt zum Teufel geht ...

Gleich lesen: Teufel: Fantasy-Thriller (Die Luzifer-Chroniken 1)


Leseprobe:
Um 14:32 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) registrierte das Kitt Peak National Observatory in Arizona, USA, den heranrasenden Kometen. Größe und Geschwindigkeit des Objektes ließen erkennen, dass die Menschheit den drohenden Einschlag nicht überleben würde.

Um 14:34 Uhr MEZ klappte Martin Payatt, der diensthabende Astrophysiker, seinen Mund wieder zu und begann zu zittern. Wertvolle Augenblicke verstrichen, in denen er zu nichts anderem imstande war. In den dann folgenden sieben Minuten entwickelte er fieberhafte Aktivitäten, Nachricht an alle Observatorien der nördlichen Hemisphäre zu geben. Rund um den Globus setzten sich Planetarien unter dem Surren von Elektromotoren in Bewegung. Der kalte Blick der Teleskope richtete sich überall auf einen einzigen Punkt.
Jenen Punkt, dessen Daten Payatt um die Welt schickte.
In Arizona liefen die Drähte heiß, während Bestätigungen mexikanischer, britischer, französischer Physiker eintrafen.
Ja, sie sahen es auch. Ja, dieselben Messergebnisse. Ja, es war das Ende.
Juicio Final. Doomsday. Apocalyptique.

Um 14:47 Uhr MEZ war der Komet mit bloßem Auge über Zentralafrika zu erkennen. Von Sierra Leone bis Somalia blickten die Menschen auf zum Himmel mit der gleichen Mischung aus Unglauben und böser Vorahnung wie 65 Millionen Jahre zuvor die Dinosaurier. Der Feuerball vergrößerte sich rasch und schien mit der Sonne zu konkurrieren. Die Fernseh- und Radiostationen unterbrachen ihr Programm. Noch bevor die Regierungen eingreifen konnten, lief auf allen Kanälen nur eine einzige Nachricht: Dies ist das Ende.
In den Augenblicken darauf brachen die weltweiten Handynetze zusammen. Eltern und Kinder, Freunde und Geliebte, die einander informieren und Beistand spenden wollten, wurden auseinandergerissen.
Die Welt verstummte. Nur der Wortschwall der Rundfunkmoderatoren blecherte noch in die Stille. Das Ende ist nah. Das ist das Ende. Das Ende.

Um 15:23 Uhr MEZ tat der Komet etwas für seinesgleichen Ungewöhnliches: Er hielt an. Der Abschussbefehl für die amerikanischen Atomraketen in ihren unterirdischen Silos wurde im letzten Moment widerrufen.
In den Fernsehstationen schaltete man unentwegt Astronomen zu, deren vielstimmiger Chor niemandem Orientierung gab.
Noch während die Spekulationen ins Feld schossen, setzte sich das Objekt wieder in Bewegung. Es raste über die Sahara, das Mittelmeer und die Alpen hinweg und wurde dabei stetig langsamer.

Um 15:34 Uhr erreichte es deutschen Luftraum.

Um 15:39 Uhr starteten vom Luftwaffenstützpunkt Neuburg, Bayern, zwei Eurofighter des Typs Typhoon und gingen auf Abfangkurs. Der Pilot der ersten Maschine, Stefan Rimbach, näherte sich von Südsüdost. Doch alle Versuche, mit dem unbekannten Flugobjekt Funkkontakt aufzunehmen, scheiterten. Für diesen Fall hatte er strikte Order, das UFO per Augenschein einzuschätzen.
Er schloss bis auf dreihundert Meter auf und starrte angestrengt durch die Scheibe des Cockpits. Er gab sofort an die Kommandozentrale weiter, was er sah: einen riesigen Ball aus Feuer, aber nicht gelb wie gewöhnliches Feuer, eher weiß.
Die Einsatzleitung fragte nach dem Inneren des UFOs. Der Pilot gab an, mehr könne er nicht sehen.
Er erhielt Anweisung, bis auf hundertfünfzig Meter heranzufliegen.
Rimbach schluckte. Er bestätigte den Befehl und drückte gegen den Steuerknüppel. Die Bordelektronik korrigierte den Kurs. Der Feuerball wuchs heran und nahm fast das gesamte Cockpit ein. Der Pilot kniff die Augen zusammen, um in dem Gleißen etwas erkennen zu können. Was sehen Sie?, bellte der Einsatzleiter.
Tränen verschleierten Rimbachs Blick. Er starrte ins Licht. Da war eine Bewegung.
Was sehen Sie?
Das Bild verschwamm.
Was sehen Sie?
Ein langgestrecktes Objekt, das sich in Windungen bewegte.
Was sehen Sie?
Eine spiralförmige Bewegung.
Was sehen Sie, verdammt nochmal?
Das war, oh Gott! Das war eine Schlange ... eine Schlange aus Feuer!
Herrgott, Rimbach, was sehen Sie? Der Einsatzleiter schrie jetzt.
Das konnte einfach nicht wahr sein. Das würde ihn den Flugschein kosten. Rimbach schluckte.
Nichts. Nur noch mehr Licht, antwortete er.

Im Kindle-Shop: Teufel: Fantasy-Thriller (Die Luzifer-Chroniken 1)

Mehr über und von Markus Tillmanns auf seiner Website.

25. Februar 2015

"Closed Hearts - Gefährliche Hoffnung" von Susan Kaye Quinn

Wenn du Gedanken kontrollierst, kann nur dein Herz dir zum Verhängnis werden.

Vor acht Monaten hat Kira Moore der Welt der Gedankenleser offenbart, dass es Mindjacker wie sie selbst gibt, die Gedanken kontrollieren können und mitten unter ihnen leben. Jetzt fragt sie sich, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, die Wahrheit öffentlich zu machen. Während sich wilde Gerüchte verbreiten, nutzt ein mächtiger Anti-Jacker Politiker die Angst der Gedankenleser aus und beraubt Jacker ihrer Rechte.

Während manche von ihnen nach Jackertown fliehen – einem Slum voller Jacker, die Gedankenkontroll-Gefälligkeiten gegen Bares eintauschen – verstecken sich Kira und ihre Familie vor den Lesern, die sie fürchten und den Jackern, die sie hassen. Doch nachdem ein Jacker-Clan Kiras Freund Raf in ihren Armen zusammenbrechen lässt, ist Kira gezwungen, die Leute die sie am meisten liebt dadurch zu retten, indem sie sich der Sache stellt, die sie am meisten fürchtet: FBI Agent Kestrel und seine experimentelle Folterkammer für Jacker.

Teil 2 der Mindjack-Serie von Susan Kaye Quinn.

Gleich lesen: Closed Hearts - Gefährliche Hoffnung (Mindjack #2)

Leseprobe:
„Ava wird nicht gerade gut auf dich zu sprechen sein, wenn sie aufwacht“, sagte Julian. Er lehnte sich an die Küchenanrichte, nahm einen Apfel aus einem Korb dort und biss geräuschvoll hinein. Ich mochte Julian zuvor schon nicht, aber mein Hass auf ihn erreichte gerade neue Höhen.
„Lasst Raf gehen.“ Mir war egal, dass Verzweiflung meine Stimme brüchig klingen ließ. „Ich tue alles was ihr wollt, aber tut ihm nicht weh.“
„Ihm weh tun?“ Julian stoppte mitten im Kauen. „Ich glaube dir ist die Situation in der du dich befindest nicht ganz klar.“ Er gestikulierte mit dem Apfel in der Hand. „Das hier ist Jackertown. Hier gibt es einen ganzen Haufen Jacker, die nicht verstehen wie wichtig du bist – für uns, für Jacker überall – und die dich mit Freuden tot sehen würden, aufgrund des Ärgers den du ihnen eingebrockt hast.“
Ich hatte keine Ahnung, was Julian mit meiner Wichtigkeit meinte, aber ich verstand durchaus, dass mich eine Menge Jacker tot sehen wollten. Sascha sah so aus, als würde er diese Ehre gerne übernehmen.
„Ich habe hier einigen Einfluss…“, fuhr Julian fort. Hinckley ließ ein Schnauben von seinem Hochsitz auf der Couch hören. „…weswegen ich euch in Myrtles geheimen Unterschlupf bringen lassen konnte. Und wieder hierhin zurück. Aber er“, sagte Julian und zeigte auf Raf, „ist hier draußen so gut wie tot. Das, oder eine skrupellose Crew ohne viele moralische Bedenken wird ihn als Pfand einsetzen. Ich hatte gedacht, du würdest das verstehen und keinen Leser quer durch die Straßen hier zerren.“
Julians herablassender Ton entfachte ein Feuer in mir. Vielleicht hatte er uns von der Straße geholt, aber wir waren noch lange nicht sicher. „Du bist derjenige, der uns überhaupt hierhin verschleppt hat!“
„Ich hatte nicht die Absicht, ihn hierhin zu bringen!“ Julian stieß sich von der Anrichte ab und warf den Apfel in einen kleinen Mülleimer, der daraufhin umfiel. „Ich dachte…“ Zum ersten Mal seit ich auf der Couch zu mir gekommen war, schien er nach Worten suchen zu müssen. Er fuhr sich mit der Hand über den Mund und starrte auf meine geballten Fäuste. „Ich verstehe nicht, was du in diesem Gedankenleser siehst, aber aus irgendeinem Grund scheint er dir wichtig zu sein. Ich hatte wirklich nie die Absicht, ihn hier zu haben, aber jetzt wo er das nun mal ist, ist es sicherer für ihn, wenn er weiter schläft.“
Und mit diesen Worten stürzte Rafs Körper mit dem Gesicht voran auf den schäbigen Tisch. Myrtle setzte sich neben ihn und auch Molloy kam aus dem hinteren Teil der Halle, um sich neben Raf zu stellen, die gewaltigen Arme verschränkt, während er über ihn wachte. Meine Fingernägel gruben Furchen in meine Handflächen.
Julian verschränkte die Arme und lehnte sich wieder an den Küchenschalter. „Sascha, die Hüterin wird heute Nacht auf der Couch schlafen. Kannst du Ava zu ihrer Pritsche bringen und sie im Auge behalten?“ Sascha warf mir einen letzten bösen Blick zu, wickelte dann die Decke enger um Ava, hob sie mühelos hoch und trug sie zu der Ansammlung von Betten.
Julian sah den beiden einen Moment nach. „So sehr du auch deinen Leser-Freund beschützen willst“, sagte er, „meine Schwester ist momentan in den Händen von diesem Monster Kestrel, also vielleicht hast du etwas Verständnis dafür, dass ich hier nicht rumsitzen und Einladungen verschicken wollte. Auch würde ich dich lieber nicht noch einmal durch halb Jackertown jagen müssen. Ich kann verstehen, dass du nicht nochmal in Kestrels Nähe willst, aber ich dachte… ich dachte wir hätten mehr gemeinsam, als wir anscheinend haben.“

Im Kindle-Shop: Closed Hearts - Gefährliche Hoffnung (Mindjack #2)

Mehr über und von Susan Kaye Quinn auf ihrer Website.

24. Februar 2015

"Kaltakquise mit Spaß und Erfolg" von Rolf Nagel

Eine Anleitung für Einsteiger und Verkaufsprofis. Beispiele aus der eigenen 30-jährigen Vertriebsarbeit und später die Erlebnisse in der Aus- und Weiterbildung von Außendienstmitarbeitern bieten eine praxisbezogene Anleitung, um die tägliche Arbeit zu erleichtern. Die tatsächlich erlebten Schilderungen geben einen direkten Bezug zum Alltag eines Außendienstlers. Gerade die Kaltakquisition ist dauerhaft höchst effizient, jedoch allgemein unbeliebt. Auf theoretische Analysen wird in der Schilderung verzichtet, um im Besonderen den Einsteigern eine Anleitung anhand zugeben, die sie selbst direkt in ihre eigene Praxis umsetzen können.

Für routinierte Profis sind die Schilderungen zur Erweiterung der eigenen Erfahrungen gut geeignet. Es wird aufgezeigt, dass man auch an der Kaltakquise besondere Freude haben kann und wie man die Aufgabe zu einem eigenen spannenden Erlebnis werden lässt. Die fleißigsten und besten Außendienstler erreichen durchaus Jahresgehälter, die selbst Einkommen von Topmanagern deutlich übersteigen. Lesen Sie daher einige erfrischende Episoden und nehmen sie den Haupttitel, die „Kaltakquise mit Spaß und Erfolg“ wörtlich. Damit auch Sie selbst in Zukunft Freude an dieser Aufgabe finden.

Gleich lesen: > > > Auf dem Kindle

Leseprobe:
Eine entscheidende Hürde ist der Empfang in einem Unternehmen, den es geschickt einzunehmen gilt. Allein das Telefonat des Empfangsmitarbeiters mit ihrem möglichen Gesprächspartner kann über den Erfolg oder Misserfolg sehr entscheidend sein. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz zwischen den Telefongesprächspartnern. Hierzu schildere ich ihnen einige Beispiele.
„Herr Mustermann da ist jemand unangemeldet, der möchte ihnen seine Produkte verkaufen.“
Lieber Leser, glauben Sie, dass Herr Mustermann den Vertriebler empfängt? Nein, natürlich nicht. Ganz klar, der Empfangsmitarbeiter war dem Außendienstmitarbeiter nicht besonders gut gesonnen, oder er hatte einen schlechten Tag.
Ganz anders kann es aber auch positiv verlaufen:
„Einen schönen guten Morgen Herr Mustermann, hier ist ein freundlicher Herr, der Ihnen gerne einmal seine spannenden Produkte zeigen würde.“
Das klingt jetzt ein wenig übertrieben, aber in ähnlicher Form kommt dies häufiger vor.

Im Kindle-Shop: Kaltakquise mit Spaß und Erfolg: Anleitung für Einsteiger und Verkaufsprofis

Mehr über und von Rolf Nagel auf seiner Website.

23. Februar 2015

"Nathaniel" von Alex Turow

Nathaniel Hawk ist ein Genie, erfolgreich und vermögend, aber unglücklich. Er sagt von sich, er könne nicht lieben. Und nun zweifelt er endgültig an seiner geistigen Gesundheit. Immer wenn er den chancenreichen Präsidentschaftskandidaten George Baldwin im Fernsehen oder in einer Zeitung sieht, wird ihm schlecht und er bekommt rasende Kopfschmerzen. Versucht er, sich auf diesen Mann zu konzentrieren, füllt das Bild einer Eule seinen Verstand aus und macht jeden weiteren Gedanken unmöglich. Ein Arzt stellt fest, dass er organisch gesund ist, doch eine Hypnosetherapie bringt verborgene, über dreißig Jahre alte Erinnerungen zurück. Nathaniel glaubt, George Baldwin schon einmal begegnet zu sein und er ist davon überzeugt, dass der künftige Präsident ein übernatürliches Wesen ist, das die Welt zu vernichten droht.

Einst hatte er zusammen mit seinen Freunden die Kreatur bezwungen und seine Pläne durchkreuzt, aber alle haben einen hohen Preis dafür bezahlt. Doch jetzt geht es um nichts weniger als die Zukunft der Menschheit. Nathaniel muss seine Mitstreiter finden und überzeugen, ein zweites Mal gegen das Monstrum anzutreten und es für immer zu besiegen.

Gleich lesen: Nathaniel: Thriller

Leseprobe:
Seit einigen Tagen weiß der Junge, was es bedeutet, Angst vor dem Sterben zu haben. Er ist schwer erkrankt und sein Hausarzt, ein schlaksiger Mann mit riesigen Händen und sanftem Gemüt, hielt es anfangs für eine hartnäckige Erkältung, doch das erwies sich als Irrtum. Zwei Wochen nachdem er sich ständig schwach und fiebrig gefühlt hatte, setzte der schlimme Husten ein, vor allem, wenn er schlief. Dies dauert nun schon sieben Tage und es gibt keine Medizin dagegen. Jede Nacht schreckt der Junge mehrmals auf, ringt nach Luft und hört sich dabei an, wie ein achtzigjähriger Kettenraucher mit Emphysem. Die Tür zu seinem Kinderzimmer steht seitdem offen, denn wenn ihn der Keuchhusten attackiert, ringt er nach Luft und droht zu ersticken. Er kann nicht um Hilfe rufen, schon atmen ist kaum mehr möglich. Stakkatoartig zieht er die Luft ein, denn seine Bronchien sind von Schleim blockiert und sein Vater, der nur noch mit einem Ohr zu schlafen scheint, kommt dann in sein Zimmer, beruhigt ihn und sorgt dafür, dass sein Sohn vom hartnäckigen Auswurf befreit wird. Sporadisch erscheint auch seine Mutter, doch sie ist ein wenig hilflos vor Liebe.
Jetzt schläft der Junge, begleitet von einem leisen Pfeifen, das jeder Atemzug erzeugt und mit Schweißperlen auf der Stirn. Es ist ungefähr drei Uhr in der Nacht, der Mond scheint in sein Zimmer und zaubert auf alles ein blaues Licht. An der Wand hängen Poster von Ernie, Bert, Oscar und Big Bird. Ein paar Jahre später würden sie durch Kiss und AC/DC ersetzt werden, doch der Junge ist jetzt erst sechs. Er interessiert sich mehr für Zeichentrickfilme, als für Rockbands. Es ist das Jahr, in dem John McLean American Pie singt, der Pate die Kinos erobert und der Vietnamkrieg noch in vollem Gange ist. Der Junge hat seinen blauen Teddy eng an die Brust gedrückt. Auf einem Sideboard sitzen weitere Stofftiere und ein Kasperle, der höhnisch in die Dunkelheit grinst. In diesem Licht sieht alles teuflisch aus, erst recht die langen Schatten der Dinge im Zimmer eines kleinen Kindes. Das Pfeifen aus seinem Mund wird immer lauter, lauter als die Grillen, die man von draußen durch das offene Fenster hört. Es ist Sommer und auch in der Nacht noch sehr heiß. Zu dem Pfeifen gesellt sich ein feuchtes Rasseln. Gleich wird er aufschrecken, um sein Leben ringen, sodass ihm die Augen aus dem Kopf quellen. Doch bevor das geschieht, betritt jemand sein Zimmer und schließt leise die Tür hinter sich. Er geht durch den Raum und berührt sanft die Kuscheltiere. Auf dem Nachttisch des Jungen sitzt ein kleines Äffchen, das mit seinen Schellen eine Menge Krach erzeugen kann, wenn man es aufzieht. Es gibt unter der Berührung des Fremden ein kurzes Geräusch von sich, das aber niemanden aufweckt. Der dunkle Mann setzt sich zu ihm auf die Bettkante und legt eine Hand auf die des schlafenden Kindes. Der Kleine wacht langsam auf, und als er sieht, dass jemand an seinem Bett sitzt, weiß er sofort, dass es nicht sein Vater ist. Er schreckt hoch, reißt den Bären nochmals enger an sich und hockt aufrecht, an die Rückwand seines Bettes gedrückt. Jetzt ringt er nach Luft, was zu erwarten gewesen war. Die Sterbensangst ist wieder da und der Junge glaubt, der Tod persönlich würde ihn besuchen. Aber im Licht des Mondes erkennt er, dass nicht der Sensenmann an seinem Bett kauert, sondern ein alter Mann mit grauen, langen Haaren und Augen so schwarz wie Kohle. Der Greis legt nun seine Hand auf die Brust des Jungen und sofort hören die Erstickungsanfälle auf. Seine Lungen sind frei, und frische Atemluft durchströmt ihn. Er weiß nicht, wie der Fremde das angestellt hat, aber er hat ihn geheilt. Verwirrt sagt der Junge »Danke«, denn er ist gut erzogen und weiß, dass es sich so gehört.
»Gerne«, sagt der Mann und nimmt seine Hand wieder von ihm.
»Was wollen Sie von mir?«, flüstert der Junge.
»Ich wollte dich sehen. Es hat eine Weile gedauert, dich zu finden, doch nun ist es so weit und es freut mich, dich kennenzulernen.«
Statt Angst vor dem Tod durch Schleim, hat der Junge nun Angst vor diesem dunklen Mann. Er ist völlig schwarz gekleidet und seine grauen, fast weißen Haare leuchten in der Finsternis. Vor den Augen des Alten fürchtet sich das Kind am meisten. Sie sind dunkel und doch scheint hinter ihnen ein Feuer zu glühen, das man nicht sehen kann.
»Du bist noch so klein ..., das ist gut. Denn wenn du größer wärest, würdest du mich vielleicht nicht mehr so gut verstehen. Du musst auch nicht alles wissen, was ich dir erzählen könnte. Aber ein paar Dinge gibt es schon, die du dir einprägen solltest.«
Der Junge nickt.
»Sicher ist es dir nicht bewusst, wie besonders du bist. Bislang spürst du nicht, was ER mit dir gemacht hat. Alles, was er getan hat, dient dem Zweck, MIR zu schaden. Du verstehst sicher, dass mir das missfällt. Ich habe Kolossales vor und es wichtig, dass du mich nicht dabei störst, denn wir werden uns wieder begegnen, wenn du älter bist. Vielleicht wirst du mich nicht gleich erkennen, denn ich werde ganz sicher anders aussehen. Dieser Körper ist alt und hässlich. Er stinkt. Ich brauche einen neuen, kräftigen Leib, mit dem ich all das tun kann, was das Menschsein so angenehm macht.«
Der Junge beginnt zu zittern, richtet sich noch mehr in seinem Bett auf.

Im Kindle-Shop: Nathaniel: Thriller

Mehr über und von Alex Turow auf seiner Website.

19. Februar 2015

"Die List des Arminius - Band 2" von Ulla Schmid

Gaius Flaminius ist als einer der wenigen Überlebenden der römischen Truppen aus der Varusschlacht heimgekehrt. Noch zweimal muss er zu einem Einsatz außerhalb Roms. Mit Germanicus, dem Thronfolger, kämpft er drei Jahre lang in Germanien, anschließend begleitet er Germanicus nach Syrien.

Nach dessen Tod kehrt er zurück und lebt seitdem zurückgezogen mit seiner Familie südöstlich von Rom in den Albaner Bergen. Nun droht seinen Verwandten und Freunden Ungemach, denn eines Tages werden sie wegen des Verdachts auf Spionage und Verschwörung gegen Kaiser Tiberius verhaftet und eingekerkert.

Wer steckt hinter diesen Machenschaften? Noch weiß Gaius nicht, dass er Verbündete im Kaiserhaus hat.

Gleich lesen: Die List des Arminius - Band 2

Leseprobe:
Fabius war auch schon da und lächelte den Frauen beruhigend zu. Er hoffte inständig, dass sein Plan funktionierte, denn sonst war Petronius verloren. Die Eltern Amata Cominius’ waren auch gekommen. Jetzt, da Petronius sterben musste, wollten sie endlich in der Öffentlichkeit bekennen, warum ihre Tochter gestorben war.
Petronius wurde gefesselt von Soldaten hereingeführt. Er war sehr blass, wirkte aber gefasst und ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen, als er Thusnelda, Irmentrud und die Kinder sah.
„Papa“, jauchzten Lucia und Cornelius und rannten auf ihn zu. Petronius lächelte schmerzlich, auch wenn er nicht der leibliche Vater der Kinder war, so liebte er sie doch wie eigene. Die Anwesenden grinsten erneut. Sie wussten doch schon die ganze Zeit, dass Petronius der Vater der beiden Kleinen war und das jüngste Kind, das Irmentrud auf dem Arm hatte, war auch von ihm. Petronius’ ganze Sorge betraf nicht ihn selbst, sondern nur sie. Jetzt aber, da er wusste, dass Fabius die Beschützerrolle übernommen hatte, konnte er beruhigt gehen.
„Wir führen einen Prozess gegen den Arzt Petronius. Dieser wird beschuldigt, die Frau des Gastwirts Scribonius Potitus, Servilia, ermordet zu haben“, begann der Richter. „Bekennst du dich schuldig?“
„Nein, ich bin nicht schuldig“, antwortete Petronius fest. „Als ich bei Scribonius Potitus eintraf, war die Frau schon tot. Ich habe sie nicht umgebracht. Ich habe sie nicht einmal angefasst und sie nicht richtig untersuchen können.“
„Doch, du hast den Mord an meiner Frau begangen“, schrie Scribonius erregt. Meine Freunde und ich sind dazugekommen und haben gesehen, wie du sie erwürgt hast.“
„Du hast mich in eine Falle gelockt. Ich wusste genau, dass du mich hereinlegst, als du das Mädchen zu mir geschickt hast, weil es deiner Frau nicht gut ginge, und dabei war sie schon tot. Und du wusstest genau, dass ich keine andere Wahl hatte, als zu dir zu gehen. Deine Frau kam in dieser Nacht in unser Haus und hat mich und die Frauen, die in meinem Haushalt wohnen, gewarnt. Du und deine Freunde führten Übles gegen uns im Schilde und ihr wolltet Claudia, die Frau, die mit Julius, dem Sohn des Arztes Fabius Manlius, verheiratet ist, entführen und erst freilassen, wenn Thusnelda, eine der Frauen meines Haushalts, an dich und deine Kumpane ausgeliefert wird. Ihr wolltet ihr und uns etwas Übles antun, weil wir uns gegen eure ständigen Belästigungen gewehrt haben. Du und deine Kumpane habt euch von uns Ohrfeigen eingehandelt, weil ihr euch schlecht benommen habt, und dafür wollt ihr euch nun rächen.“
Der Richter wurde nachdenklich. Wie Scribonius und seine Freunde mit den Frauen und Petronius umgegangen waren und sie dafür von diesen und Petronius geohrfeigt wurden, war in ganz Stapie bekannt. Es würde auch wenig nützen, nach dem Mädchen, das Scribonius zu Petronius geschickt hatte, zu suchen und sie zu befragen. Das würde Petronius auch nicht weiterhelfen. Lange nach dem Prozess versuchten Thusnelda und Irmentrud, das Mädchen zu finden, es war aussichtslos. Es schien, als sei sie gar nicht mehr in Stapie.
„Was du dir alles ausdenkst“, höhnte Scribonius. „Weil es dir jetzt an dein Leben geht, erfindest du solche Geschichten, das kannst du überhaupt nicht beweisen.“
„Aber Irmentrud und ich können es“, fiel Thusnelda ein. „Der eine oder andere hat von uns und Petronius Ohrfeigen bekommen, weil ihr euch schlecht benommen und Irmentrud und mir unehrenhafte Anträge gemacht habt. Ihr wolltet mit uns ins Bett und Scribonius hat mir unter mein Kleid gegriffen, dafür habe ich ihm eine heruntergehauen. Und der da“, sie zeigte auf Licinius, „hat sich Thumelicus, meinem Sohn, genähert. Er hat ihn in eine Hütte gelockt und angefangen, sich auszuziehen, und er hat mein Kind aufgefordert, sich auch ausziehen, und es dürfe mit niemandem darüber reden, denn sonst würde er es umbringen. Ganz aufgelöst ist mein Kind nach Hause gekommen und es konnte sich lange nicht beruhigen.“
Und auch Petronius und Irmentrud waren sehr empört und bestätigten, wie verstört Thumelicus nach Hause gekommen sei und weinend erzählt habe, was ein Mann, den man bis zu diesem Zeitpunkt nicht finden konnte, ihm angetan hatte.
Unwillkürlich musste der Richter grinsen, wurde aber gleich wieder ernst. Man konnte ja Scribonius und seine Kumpane verstehen, die Frauen waren sehr attraktiv, aber so ging das trotzdem nicht. Und was sich Licinius mit dem Kind erlaubt hatte, und er war dabei, Thusnelda und dem Kind zu glauben, ging schon zweimal nicht.
„Petronius hat meine Frau erwürgt und meine Freunde und ich haben es gesehen und alles andere tut hier nichts zur Sache“, sagte Scribonius nach kurzer Unsicherheit.
„Und warum sollte ich das gemacht haben?“, fragte Petronius. „Deine Frau hat mir nichts getan, im Gegenteil, sie hat uns vor dir gewarnt und du hast deine Frau selbst umgebracht und mir die Tat in die Schuhe geschoben. Mich wolltest du aus dem Weg räumen, damit du dich an Irmentud und Thusnelda rächen konntest. Du musstest deine Pläne ändern, weil Claudia und Julius Manlius geflohen sind, und die Flucht kam dir gerade recht. Und selbst wenn ich einen Mord begehen würde, dann würde ich darauf achten, dass mir nicht drei Zeugen zusehen.“
Was Petronius sagte, war einleuchtend und Scribonius wurde blass und unsicher, was vom Richter bemerkt wurde. Er ahnte die Wahrheit, aber gegen Scribonius und seine Kumpane konnte er nichts unternehmen. Die drei sagten übereinstimmend das Gleiche aus. Schweren Herzens musste er Petronius zum Tode verurteilen, er sah keine Möglichkeit, ihn zu retten.
Thusnelda und Irmentrud wurden unruhig. Worauf wartete Fabius denn noch? Und endlich trat dieser vor.
„Darf ich sprechen?“, fragte er.
„Hier darf jeder sprechen, der meint, in dieser Sache etwas zu sagen zu haben“, meinte der Richter freundlich. „Es steht zwar eindeutig fest, dass Petronius der Mörder Servilias ist, aber wenn du meinst, dich dazu äußern zu müssen, dann rede.“

Im Kindle-Shop: Die List des Arminius - Band 2

Mehr über und von Ulla Schmid auf ihrer Website.

18. Februar 2015

"Fragen Sie Erkül Bwaroo!" von Ruth M. Fuchs

Erkül Bwaroo hat einen für einen Elfen ziemlich ungewöhnlichen Beruf – er ist Privatdetektiv. Der Elf mit dem stattlichen Schnurrbart und dem belgischen Akzent löst seine Fälle stets mit Hilfe seiner kleinen grauen Zellen und je größer das Rätsel, desto mehr ist er bestrebt, die Wahrheit zu finden. Meist geht es dabei um Mord, aber nicht immer.
Sieben Rätsel – sieben Fälle für Erkül Bwaroo.

Die einzelnen Geschichten:

Fragen Sie Erkül Bwaroo
Ein Wolf bittet Bwaroo um Hilfe. Er wird beschuldigt, eine alte Frau in ihrem Haus im Wald brutal ermordet zu haben. Und auch ihre Enkelin kam nur knapp mit dem Leben davon.

Mann über Bord!
Ein Mann zündet sich in einer stürmischen Nacht auf einem Kreuzfahrtschiff eine Pfeife an – und fällt über Bord. Bwaroo glaubt, gesehen zu haben, wie dabei nachgeholfen wurde. Aber niemand glaubt ihm und er hat keinerlei Beweise.

Ein unmöglicher Mord
Ein erfolgreicher Industrieller wird in seinem Arbeitszimmer ermordet. Aber es war niemand bei ihm. Tür und Fenster waren von innen verriegelt und einen anderen Zugang gibt es nicht. Wie also konnte das Verbrechen überhaupt geschehen?

Gemeinsame Sache
Erkül Bwaroo besucht Köln gerade zu der Zeit, als die Heinzelmännchen den Kölnern den Rücken gekehrt haben. Angeblich ist eine Bäckerin daran Schuld, aber das kann Bwaroo nicht glauben und macht sich auf die Suche nach dem wahren Grund.

Der Fall des weißen Kaninchens
Ein kleiner Junge bittet den Elfendetektiv, nach seinem verschwundenen Kaninchen zu suchen. Obwohl Bwaroo sich sonst eigentlich nicht mit solchen Kleinigkeiten abgibt, willigt er ein, sich auf die Suche zu machen. Und er macht eine erstaunliche Entdeckung.

Die Nase des Oberon
Alles deutet auf einen Unfall, als ein Mann von einer Klippe in den Tod stürzt. Doch Erkül Bwaroo zweifelt daran und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Die verschwundene Nymphe
Eine Premiere: Erstmals erzählt Artur Heystings, ein alter Freund Bwaroos. Der Elf erhält den Auftrag, eine Nymphe wieder zu finden, die scheinbar spurlos verschwunden ist. Und Heystings ist in mancherlei Hinsicht ganz anderer Meinung, als der große Detektiv.

Gleich lesen: Fragen Sie Erkül Bwaroo! (Erkül Bwaroo ermittelt 3)

Leseprobe:
In der Nacht frischte der Wind auf und am nächsten Tag hingen dunkle Wolken tief und bedrohlich über dem Meer. Alles war in ein ungewisses Zwielicht getaucht. Das Schiff schaukelte heftig auf der rauen See. Bwaroo hangelte sich mit etwas Mühe an den überall gespannten Halteseilen zu der Kabine seines Freundes. Der war nicht zum Tee erschienen und nun machte sich der kleine Elf allmählich Sorgen.
Er fand Paul Lester kreidebleich im Bett liegend.
„Mein lieber Lester“, rief er erschrocken, „Ich hole besser den Schiffsarzt!“
„Nein, das wird nicht nötig sein“, ächzte Paul.
Doch da war Bwaroo schon losgestürmt und kehrte nur kurze Zeit später mit dem Arzt im Schlepptau zurück.
„Ah ja“, sagte dieser mit einem Blick auf das inzwischen grünlich verfärbte Gesicht von Paul Lester. „Bei diesem Seegang werden viele krank. Ich denke, Ingwertee wird helfen. Ich lasse gleich eine Kanne voll vorbeischicken.“
„C’est très gentil, Monsieur le Docteur. Das ist sehr freundlich von Ihnen“, versicherte der kleine Elf.
Kurz nachdem der Arzt wieder gegangen war, kam auch wirklich einer der Stewards und brachte eine große Kanne dampfenden Tees. Und während Bwaroo noch darüber sinnierte, wie dieser junge Mann die Kanne unbeschadet über das schwankende Deck hatte tragen können, schenkte er seinem Freund schon einen Becher des Getränks ein. Doch Lester versicherte, im Moment nichts trinken zu können, und bat stattdessen darum, allein gelassen zu werden.

Kaum hatte Bwaroo einen Schritt auf das Deck hinaus getan, als ihm eine Böe auch schon den Hut vom Kopf riss.
„Zut alors“, schimpfte der kleine Elf und setzte noch ein inniges „merde“ dazu. Aber da war nichts zu machen, der Hut flog bereits aufs Meer hinaus und Bwaroo konnte ihm nur noch nachschauen.
Inzwischen hatte es auch noch zu regnen angefangen und der Wind peitschte die Tropfen wie eisige Nadeln gegen das Schiff. Dazu kam die Gischt der immer höher schlagenden Wellen. Schaudernd zog der Elfendetektiv den Kopf ein, schlug den Mantelkragen hoch und schickte sich an, in das Innere des Schiffes zurück zu flüchten. Da bemerkte er einen Mann, der seinen Hut noch fest auf dem Kopf hatte. Verwundert fragte sich Bwaroo, wie er das wohl geschafft hatte. Er stand einige Meter entfernt an der Reling und beugte sich zusammengekrümmt nach vorn, mit beiden Händen auf Mundhöhe. Leider war das Licht zu schlecht, um genaueres zu erkennen, aber zweifellos wollte er rauchen und versuchte nun, die Flamme zu schützen, bis der Tabak Feuer gefangen hatte. Es schien ein schwieriges Unterfangen, aber schließlich richtete der Mann sich wieder auf. Und dann stürzte er über die Reling hinab ins Meer.
„Zu Hilfe! Mann über Bord!“, schrie Bwaroo geistesgegenwärtig und schleuderte auch schon einen der Rettungsringe, die an den Seiten des Schiffes hingen in die Richtung, in der er den Mann vermutete – sehen konnte er ihn nicht.
Seine Rufe waren offenbar gehört worden, denn gleich danach wurde auch schon die Sturmglocke geläutet. Fast sofort stoppte der Schiffsmotor und ein Boot wurde zu Wasser gelassen, um nach dem Passagier zu suchen.
Aufmerksam sah Bwaroo den Männern im Boot zu. Dass er völlig durchnässt wurde, störte ihn jetzt überhaupt nicht mehr. Bei dem schlechten Licht schien es ziemlich aussichtslos, den Körper eines einzelnen Mannes zu finden. Und doch konnte Bwaroo schließlich erkennen, wie etwas Schweres von zwei Männern in das Beiboot gehievt wurde, das sich daraufhin auf den Weg zurück zum Schiff machte.
„Bei dem Wind musste es ja mal passieren, dass jemand über Bord fällt.“ Ein Matrose trat neben Bwaroo und sah zu, wie der Mann, der aus dem Meer geborgen worden war, hinunter in die Krankenstation getragen wurde.
Der Elfendetektiv sagte nichts dazu. Es war dunkel gewesen, doch er war sich sicher, eine Gestalt gesehen zu haben, die sich gebückt an den Mann herangeschlichen und ihn über Bord geworfen hatte.

„Monsieur le Capitaine, habe ich gesagt! Ich sage Ihnen, es war kein Unglück. Es war ein Mordversuch. Und was macht dieser Mensch? Er lacht mich aus!“ Erkül Bwaroo saß am Bett seines Freundes. Sein enormer Schnurrbart bebte vor Empörung über die Behandlung, die ihm der Kapitän des Schiffes hatte zuteil werden lassen. „Ich sage ihm: Ich bin Erkül Bwaroo. Und er sagt: Wer? Und dann wendet er sich an seinen Angestellten, äh, ich meine an so einen Offizier und flüstert ‚Schaffen Sie mir diesen alten Kauz von der Brücke.’ Alter Kauz, moi! Und er hält mich anscheinend nicht nur für dumm, sondern auch noch für taub.“ Paul Lester, noch immer leichenblass, versuchte sich aufzusetzen, sank aber stöhnend in die Kissen zurück.
„Oh mein Freund!“ rief Bwaroo bestürzt. „Wie herzlos von mir. C'est impardonnable. Sie sind krank und ich behellige Sie mit meinen Sorgen!“ Sehr verlegen stand er auf und deckte Lester fürsorglich wieder zu. „Nur weil ich aufs Äußerste beleidigt wurde ... wie unverantwortlich von mir. Non, mon Ami“, er hob die Hand, als der Kranke etwas erwidern wollte. „Kein Wort mehr. Es tut mir leid, Sie belästigt zu haben. Werden Sie gesund. Das ist das Allerwichtigste. Alles andere kann warten.“
Erkül Bwaroo lächelte seinem Freund aufmunternd zu, schenkte ihm einen Becher Ingwertee ein und achtete mit Argusaugen darauf, dass der auch ausgetrunken wurde. Erst dann verabschiedete er sich.

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17. Februar 2015

"Der Tag, an dem ich David B. ermorde" von Lola Victoria Abco

Frustriert über ihren Misserfolg als Krimiautorin schickt Julia Melchior verschlüsselte Botschaften an ihre frühere Schulfreundin. Der heutige Weltstar empfängt sie daraufhin in ihrer Pariser Hotelsuite. Julia behauptet, Desiree Lincoln habe ihren Vater von den Klippen in Dover gestürzt. Sie will Desiree dazu bewegen, ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen. Desiree reagiert unbeeindruckt von Julias Erpressungsversuch. Wieder zu Hause in Hamburg bekommt Julia jedoch die Tragweite ihrer Behauptung zu spüren. Zu spät fragt sie sich: Was geschah in Dover?

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Leseprobe:
Weshalb in meinem Kinderzimmer überhaupt Möbel standen, ist mir im Rückblick heutzutage ein Rätsel. Mit Ausnahme meines Bettes nutzte ich keines der Möbelstücke für seine eigentliche Bestimmung. Bücher, Jacken, Hosen und Modeschmuck lagen in meinen Teenagerjahren wild verstreut auf dem Fußboden oder übereinander getürmt auf meinem Schreibtisch. Nur mein Bett war meistens frei von Sammelsurium. Wenn ich mich nämlich schlafen legen wollte oder wenn ich Besuch bekam, nahm ich einfach die Bettdecke hoch und ließ das darauf hingepfefferte Wirrwarr zu Boden purzeln.
Halb liegend, halb sitzend hatten Vivi und ich uns in jeweils eine Ecke meines Bettes geschmiegt. Wieder einmal hatte ich begonnen von meiner Reise zum Mond zu erzählen. Doch dieses Mal reagierte Vivi auf meinen Hinweis ungewohnt. Weder begann sie zu kichern, noch stieß sie mir in die Rippen. Sie hörte vielmehr abrupt auf zu sprechen. Ihr Gesichtsausdruck wurde dabei noch ernster als er es bereits war, als sie angefangen hatte, mir von sich und ihrem Vater zu erzählen. Anders als sonst machte Vivi keine Anstalten, eine neue Anekdote oder eine weniger theatralische Fassung des Begonnenen von sich zu geben. Nach einer Weile wurde mir ihr Schweigen schier unerträglich. Wahllos begann ich drauflos zu plappern, erzählte von Ulli und von unseren gemeinsamen Bekannten, nur um die Stille auszufüllen. Was ich auch sagte, Vivi reagierte nicht, sondern stierte in sich gekehrt vor sich hin.
„Ok. Erzähl weiter, Vivi“, forderte ich sie zum Schluss auf.
Meine Schulfreundin sagte jedoch weiterhin nichts. Erst als ich mich ganz zu ihr umwandte und mich für meine Unterbrechung entschuldigte, begann Vivi zu reden. Immer wieder stockte sie, sprach manchmal so leise, dass ich mich zu ihr hinüberbeugen musste, um sie zu verstehen. Hin und wieder strich sich Vivi über die Augen. Ich war mir nicht sicher, ob sie still vor sich hin weinte. Ich erinnere mich wie ich mich genierte, sie direkt anzuschauen, denn ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Auf Vivis Geschichten flachsend einzugehen oder sie mit einem Hinweis auf die Reise zum Mond in ihre Schranken zu weisen, das war das, was ich gewohnt war. Was Vivi mir jedoch an jenem verregneten Nachmittag in meinem Kinderzimmer erzählte, überforderte mich kolossal. Sicher, von solchen Dingen hatte ich schon in der Zeitung gelesen. Bei mir war jedoch der Eindruck entstanden, dass es immer nur Mädchen passierte, die meilenweit von mir entfernt lebten und nicht solchen, die neben mir auf meinem Bett saßen. Als Vivi von ihrem fürchterlichen Erlebnis zu Ende erzählt hatte, hatte ich das Gefühl in die Tiefe zu sinken.
Ich weiß noch wie ich in Gedanken mehrmals sagte: „Ausgerechnet am Vatertag, als ob er sich selbst ein Geschenk hatte machen wollen! Wie konnte er sie ausgerechnet am Vatertag vergewaltigen!“, und wie ich mich selbst schalt, dass nicht der Tag, an dem es geschah, das Schändliche war. Daraufhin begann ich verzweifelt zu überlegen, wie ich mich verhalten sollte. Wenn mir Vivi solch ein Vertrauen schenkte und mir Einblick in ihr dunkelstes Geheimnis gewährte, schien es mir nicht angemessen zu sein, schweigend neben ihr zu sitzen. Verstohlen warf ich Vivi einen Blick zu. Ihre linke Hand bedeckte ihre Augen, die rechte Hand lag schlaff auf meiner Bettdecke. Ich stellte mir vor, wie ich sie in die Arme nehmen würde. Der Gedanke, dass sie dann allerdings hemmungslos zu weinen beginnen würde, erschreckte mich aber total. Vor Unwillen noch mehr Details zu erfahren, wenn ich etwas sagen oder gar fragen würde, drückte ich mich unwillkürlich weiter in die eine Ecke meines Bettes. Ohne, dass es mir bewusst war, strich meine linke Hand jedoch über die Decke bis sie Vivis Hand berührte. Mit Kraft erwiderte Vivi meinen Händedruck. Aus den Augenwinkeln sah ich wie sie mich erwartungsvoll anschaute, ohne ihre linke Hand dabei ganz vom Gesicht zu nehmen. Mein Herz begann so laut zu pochen, dass ich meine Mutter fast überhörte.
„Abendbrot! Julia, Abendbrot!”
Wie jeden Abend kündigte meine Mutter lautstark an, dass meine Eltern und ich in wenigen Minuten essen würden. Gleichzeitig meinte sie mit ihrem Ruf auch, wer immer zu Besuch bei mir war, solle nach Hause gehen und zwar unverzüglich.
Als hätte uns ein magischer Zauberspruch Leben eingehaucht, sprangen Vivi und ich wie auf ein Kommando von meinem Bett auf. Vivi drückte mich kurz fest an sich, dann ging sie hastig zur Zimmertür, ohne mich noch einmal anzuschauen. Ich hielt sie nicht auf. Abwartend blieb ich in meinem Zimmer stehen. Erst als ich unsere Haustür in das Schloss fallen hörte, ging ich hinunter und setzte mich zu meinen Eltern an den Esstisch. Sie beäugten mich immer wieder verwundert, da ich während des Abendbrots kein einziges Wort sagte. Selbst wenn ich meine Eltern eingeweiht hätte, auch sie hätten nicht absehen können, welche tödlichen Folgen Vivis Offenbarung nach sich ziehen sollte.

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12. Februar 2015

"Die Fee im Absinth" von Janina Venn-Rosky

Die Nachtschwärmerin Velda lebt nach dem Motto: Wir brauchen Glamour, weil wir die Wirklichkeit schon kennen. Getrieben von der Sehnsucht nach Einzigartigkeit, der großen Liebe und einem Plan vom Leben, verbringt sie nach dem Abbruch ihres Kunststudiums ihre Tage mit schlecht bezahlten Nebenjobs und ihre Nächte in schummrigen Bars. Dort trifft sie auf die optimistische Grace, die ihre Hoffnungen und Träume mit ihr teilt und die glaubt, dass das Beste noch vor ihnen liegt. Doch auch, als die zwei jungen Frauen meinen, endlich ihrem Mr. Perfect begegnet zu sein, werden ihre Probleme eher mehr, denn weniger …

Das Leben von Velda und Grace erfährt eine neue Wendung, als sie der mondänen und extravaganten Film-Noir-Diva Estelle begegnen. In ihren Erzählungen nimmt sie die beiden mit zu den verschiedenen Stationen ihres bewegten Lebens, das sie stets mit Eleganz, Unerschrockenheit und absoluter Kompromisslosigkeit geführt hat. Sie bestärkt die beiden darin, aus ihrem Leben das zu machen, was es sein sollte: eine einzigartige Geschichte.

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Leseprobe:
Grace hatte mir das perfekte Film Noir Make-up verpasst und mein Haar in sanfte Wellen gelegt, bevor ich mich auf den Weg zu Glorias Party machte. Sie hatte meinen Augenbrauen den perfekten Schwung verpasst, meine Lippen tiefrot nachgezogen und mein ohnehin blasses Gesicht noch eine Spur heller gepudert. Ein Hauch von einem apricotfarbenen Rouge verhinderte, dass ich aussah wie aus einem Vampirfilm. Als ich meine armlangen goldenen Handschuhe überstreifte und einen letzten Blick in den Spiegel warf, fühlte ich mich fast wie Veronica Lake auf dem Weg zur Oscarverleihung und dank der zwei Champagner-Cocktails, die ich schon intus hatte, kam mir mein Ausschnitt auch nicht mehr zu gewagt vor. Ich klemmte meine goldfarbene Handtasche unter den Arm und ging auf den goldenen High Heels, die Grace mir geliehen hatte, langsam die Treppe hinunter.
Während ich noch die Stufen hinabschritt, erblickte ich ihn. Ich wusste auf den ersten Blick, dass er genau das war, was ich immer gesucht hatte, er war einfach perfekt. Er musste einer der französischen Studenten sein. Er trug ein weißes Dinnerjacket und lehnte mit einem melancholisch-attraktiven Gesichtsausdruck lässig an der Wand, den Blick in die Ferne gerichtet und zog gedankenverloren an einer Zigarette.
Sein Bild wurde überlagert von den Bildern von Casablanca und als er aufblickte, sah mir gleichzeitig Humphrey Bogart in die Augen. Ich bemühte mich, möglichst oscarreif die Treppe hinabzusteigen und ging, ohne ihn anzuschauen, an ihm vorbei in die Küche, während seine Blicke mir folgten. Ich mixte in aller Ruhe zwei Champagnercocktails und ging auf den Unbekannten zu. Mit einem Zwinkern in den Augen und einer möglichst rauchigen Stimme reichte ich ihm ein Glas:
«Bon soir. Herzlich willkommen. Ein Glas Champagner gegen das Heimweh?«
Er grinste mich amüsiert an: »Oh, Champagner nehme ich gern, auch wenn sich das Heimweh noch in Grenzen hält. Und für Erinnerungen an die alte Heimat würde eher ein billiges Bier sorgen.«
»Ach, dann bist du wohl doch nicht François, Jaques oder Nicolas? Wie schade.«
»Es tut mir leid, dich zu enttäuschen, aber ich bin leider nur einer der Bewohner dieses bescheidenen Heims. Herzlich Willkommen bei uns!« Er hob das Glas und prostete mir zu, mit einem Lächeln in den Augen.
Ich zuckte mit den Schultern. »Nun ja, es kann ja nicht jeder aus Paris kommen. Leider, aber tant pis! Vielen Dank für die Gastfreundschaft. Ich bin übrigens Velda. Auch nicht aus Paris.«
»Aber deswegen nicht weniger charmant. Carl. Ist meine Name«, sagte er und streckte mir seine Hand entgegen, während seine Augen meine suchten. Ich konnte seine Hand kaum wieder loslassen, als Gloria mich rief, um ihr beim Cocktailmixen zu helfen, weil trotz der frühen Uhrzeit die ersten Gäste bereits eintrafen. Die wahren französischen Jungs waren tatsächlich bereits eingetroffen, da sie so begeistert von der Einladung gewesen waren, dass sie es nicht ausgehalten hatten, noch länger zu warten.
Ich begrüßte also François, Jacques und Nicolas, machte ihnen ein paar Drinks und plauderte mit ihnen. Sie waren charmant und lustig und ließen mich kaum wieder gehen, aber ich wollte unbedingt wieder zu Carl, bevor jemand anders ihn in Beschlag nahm. Ich blickte zu ihm hinüber. Er stand immer noch allein an seinem Platz, mittlerweile mit einem leeren Glas in der Hand. Ich machte mich von den Jungs los, mixte schnell noch zwei neue Champagnercocktails, stellte mich zu Carl und reichte ihm einen davon.
»Vielleicht bekommst du auf diesem Wege ja doch noch etwas französisches Blut.«
»Wer weiß, schöne Velda.«
Er musterte mich mit einem amüsierten Blick, während er an seinem Drink nippte.
»Und so lerne ich also endlich Glorias fabelhafte Freundin Velda aus dem Kino kennen. Ich hatte schon beinahe geglaubt, du wärst ihre imaginäre Freundin, nach allem, was sie über dich erzählt hat, ohne dich jemals mit zu uns zu bringen. Aber siehe da, du bist doch aus Fleisch und Blut.«
Oh, allerdings, das war ich, besonders in diesem Moment. Zum Glück wusste er nicht, wie sehr.
Er musterte mich von Kopf bis Fuß mit einer Intensität, die mich vermuten ließ, dass mein Ausschnitt vielleicht doch ein wenig gewagter war als gedacht.
»Dein Kleid ist fabelhaft, du siehst aus, als wärest du einem Film Noir entsprungen und kämst gerade aus einer kleinen, zwielichtigen Bar. Es fehlt nur noch der undurchsichtige, legendäre East-End-Mafia-Boss an deiner Seite, dann wäre dein Outfit absolut perfekt. Aber ich denke, ich wüsste da jemanden, der für diese Rolle perfekt geeignet ist.«

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10. Februar 2015

„Nymphenblut – Die Gefolgschaft“ von Isabel Roderick

Im Untergrund von Paris lebt eine verschworene Gesellschaft von Vampiren. Ihr Anführer und Fürst ist der angesehene und charismatische Lucien, der Älteste und Stärkste der Gruppe. Der junge Vampir Adam ist schon lange in Luciens schöne Gefährtin Rufina verliebt. Um jeden Preis will er sie für sich gewinnen. Doch Adams Pläne zerschlagen sich, als nach einer nächtlichen Jagd seine Beute, eine junge Frau, fliehen kann.

Auf der Suche nach dem abtrünnigen Opfer erkennt Adam, dass die Dinge nicht so sind, wie er glaubte – und hinterfragt schließlich nicht nur seine eigenen Motive, sondern seine gesamte Existenz.

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Leseprobe:
Er tat es aus Liebe. Das durfte er trotz allem nicht vergessen.
Nie hätte Adam geglaubt, einmal selbst der Henker zu sein, doch hier stand er nun und starrte auf den Gesetzesbrecher hinab. Der Vampir saß vor ihm, die Arme an die Lehne eines Stuhls gefesselt, und erwiderte unverwandt seinen Blick.
Ringsum hörte Adam die Atemzüge der Evocati. In einem Halbkreis standen sie um ihn, die Blicke starr auf ihn und den Anderen gerichtet. Er schloss kurz die Augen, sammelte sich und versuchte, ihre Anwesenheit wie ein störendes Geräusch auszublenden.
Dies war seine Prüfung.

Noch vor wenigen Stunden hatte er fest geschlafen, in der Stille und Finsternis unter der großen Stadt, umgeben von dreihundert schlafenden Brüdern und Schwestern. Wie aus weiter Ferne war ein körperloses Flüstern zu ihm gedrungen.
»Adam! Hörst du mich?«
Die Stimme klang weiblich. Ein träges Hämmern in seiner Brust signalisierte ihm den wieder einsetzenden Herzschlag. Ein Sog erfasste ihn, katapultierte ihn aus dem dunklen Nichts in eine Welt aus Kälte und Durst.
Seine Kehle brannte. Ihn verlangte nach Blut. Gierig fuhr er sich mit der Zunge über die spröden Lippen. Heißes, köstliches Blut. Ihm war, als könne er ganze Ozeane davon trinken.
»Adam!«, flüsterte die Stimme wieder. »Sieh mich an!«
Langsam lösten sich seine vom langen Schlaf verkrusteten Lider voneinander. Die Welt lag hinter einem grauen Schleier verborgen. Unmöglich, etwas zu erkennen.
»Keine Angst. Deine Augen werden sich bald daran gewöhnt haben.«
»Wer bist du?«, fragte er und erschrak vor dem rauen Klang seiner eigenen Stimme.
»Gib mir die Kerze!«, sagte die Frau zu einem unbekannten Dritten.
Dicht über ihm tauchte ein heller Fleck auf. Er blinzelte, und endlich lüftete sich der Schleier. Eine Vampirin beugte sich über ihn. Eine Locke ihres kupferfarbenen Haars löste sich und kitzelte seine Nase.
»Rufina«, flüsterte er. Sie war ihm vertraut, als hätte er sie schon immer gekannt. Er erinnerte sich an das Gefühl, von ihr berührt zu werden. Und er erinnerte sich daran, wie er vor langer Zeit in den Sarg gestiegen war und die Augen geschlossen hatte, in der Hoffnung, eines Nachts von ihr erweckt zu werden.
Nun war diese Nacht gekommen.
»Es ist so weit. Du wurdest auserwählt.«
Mühsam setzte er sich auf. Jede Bewegung kostete ihn enorme Kraft. Ein feuchtes, steinernes Gewölbe erstreckte sich über seinem Kopf, erhellt vom unruhigen Licht mehrerer Fackeln. Nach und nach entdeckte er ein knappes Dutzend Vampire, die um Rufina und seinen geöffneten Sarg standen und ihn schweigend anstarrten. Die Evocati, ging es ihm durch den Kopf.
Reflexartig blickte er an sich hinab. Sein einst schmuckes Hemd war halb verfallen und staubig. Aus den schmutzigen grauen Spitzenärmeln ragten wie zwei dürre bleiche Spinnen seine Hände.
Einer der Vampire trat an Rufinas Seite. Der Mann war groß und schlank und überragte sie um mehr als einen Kopf. Er wirkte sehr viel älter als alle anderen. Feine graue Strähnen durchzogen sein dunkles Haar. Ein schwarzer, eng geschnittener Mantel unterstrich seine hochgewachsene Erscheinung.
Lucien, dachte Adam, als er ihn wiedererkannte. Der Fürst.
»Deine Prüfung steht bevor«, sagte Lucien mit rauer Stimme. Seine dunklen Augen musterten Adam abschätzig. »Wenn du versagst, stirbst du.«
Er legte zärtlich seinen Arm um Rufina. Ihr Blick ruhte noch kurz auf Adam, als wolle sie ihm eine stumme Botschaft übermitteln, bevor sie den Kopf hob und Lucien in die Augen sah. Langsam reckte sie den Hals, gab ihm einen Kuss und wandte sich mit ihm zum Gehen.
Adam wollte etwas sagen, doch seine Stimme versagte. Schweigend sah er den beiden nach und ballte die Hände zu Fäusten.
Er erinnerte sich ganz genau daran, wie Rufina ihm einst von ihrem Blut gegeben, ihn als ihren Gefährten auserwählt hatte – vor langer Zeit, bevor er sich hier unten zu einem jahrhundertelangen Schlaf in einen Sarg gelegt hatte. Ihretwegen war er damals in die Katakomben hinabgestiegen und hatte sich in die Obhut der Gemeinschaft begeben.
Wenn nur Lucien nicht wäre. Adam war fest davon überzeugt, dass Rufina nicht freiwillig das Bett mit ihm teilte. Er musste sie gewaltsam dazu gezwungen haben, seine Gefährtin zu werden. Das war die einzige Erklärung.
Aus diesem Grund hatte sie Adam einst von ihrem Blut gegeben und ihn nun erweckt: Sie konnte sich nicht aus eigener Kraft von Lucien befreien. Sie wollte, dass Adam es für sie tat. Und sie war offenbar zu dem Schluss gekommen, dass nun der geeignete Zeitpunkt dafür gekommen war.
Die Situation war in seinen Augen eindeutig. Wenn Lucien es war, der zwischen ihm und Rufina stand, gab es nur eine Lösung: Er musste ihn beseitigen.

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Mehr über und von Isabel Roderick auf ihrer Website.

3. Februar 2015

"Was Du liebst lass frei - Liebesfluch der Vergangenheit" von J.J. Winter

Nach dem tragischen Ende ihrer Eltern ist Maria felsenfest überzeugt, dass sie dazu bestimmt ist, nie die wahre Liebe zu erfahren. Selbst als sie Juliano begegnet, der mit einer Gauklertruppe durch das Land reist und dem sein Ruf als “Liebesgott” vorauseilt, weigert sie sich vehement, seiner schier unwiderstehlichen Anziehung nachzugeben. Die achtundzwanzigjährige Maria muss jedoch erkennen, dass hier weit größere Mächte ihren Einfluss spielen lassen.

Auf Juliano lastet seit Jahrhunderten ein geheimnisvoller Fluch, den einzig die wahre Liebe brechen kann – und der Preis für seine Erlösung ist hoch ...

“Wenn wir wirklich und aufrichtig lieben, bedeutet das zugleich den Tod.”

Gleich lesen: Was Du liebst lass frei - Liebesfluch der Vergangenheit

Leseprobe:
Seine Lenden schmerzten. Wild schoss das Blut durch seine Adern. Er war bereit. Bereit, sie zu verführen und zu hören, wie sie in der Hitze des Gefechts laut seinen Namen schrie. So, wie er es täglich bis zu fünf Mal von fremden Frauen gewohnt war.
Sie hingegen schien noch nicht in dem Feuer gefangen zu sein, das er für gewöhnlich nur durch seinen Anblick und die Aussicht auf Erfüllung in seinen Opfern entfachte. Sie saß einfach nur da und sah ihn mit großen Augen an. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, streifte er sein Hemd ab und beförderte es durch die kleine Öffnung nach draußen, um das Publikum anzustacheln. Üblicherweise folgten jetzt die Kleider seiner Gespielin. Die Frau vor ihm machte allerdings keine Anstalten, es ihm nachzutun, sah ihn weiterhin nur stumm aus diesen wunderbaren braunen Augen an.
„Jetzt du!“, forderte er sie auf, während er mechanisch seinen Gürtel aus der Hose zog und zu dem Hemd auf die freie Fläche vor seinem Zelt warf.
Sie blickte sich um. In einer Ecke entdeckte sie ein fein säuberlich zusammengelegtes Häufchen Hosen und Hemden. Achselzuckend griff sie nach dem Packen Wäsche und warf ihn hinterher. Die Ansammlung von Schaulustigen vor seinem Heiligsten begann lautstark zu johlen. Sein Mund klappte auf, und er musterte sie entgeistert.
„Hätte ich sie einzeln rauswerfen sollen?“, erkundigte sie sich kleinlaut.
Fassungslos antwortete er: „Das waren meine Sachen zum Wechseln.“
Zerknirscht blickte sie an ihm hoch und zog schuldbewusst die Schultern nach oben. „Sorry, ich dachte, die wären dazu da.“
Er schüttelte verwirrt den Kopf. Was war das denn? Sonst fielen die Frauen in Scharen vor ihm nieder. Bettelten darum, dass er sie auswählte und beglückte. Sie konnten es gar nicht erwarten, sich die Kleider vom Leibe zu reißen und zu genießen, was er mit ihnen teilte.
Verunsichert erhob sich Maria und eilte nach draußen, um seine Gewänder wieder einzusammeln. Er folgte ihr irritiert. Die Gruppe vor dem Zelt lachte noch lauter, als er mit in die Hüften gestemmten Händen hinter ihr stand und kopfschüttelnd dabei zusah, wie sie jedes einzelne Stück fein säuberlich wieder zusammentrug. Auch das Hemd und den Gürtel hob sie auf und überreichte ihm alles mit einem leisen „Entschuldigung“. Ein paar der Männer brüllten, und Maria senkte verlegen den Blick, als ihr bewusst wurde, dass sie es war, die sie dermaßen belustigte.
Franco, dessen Aufgabe es war, Julianos Geschichte zu erzählen, hatte sich bisher recht ruhig verhalten, angesichts des bizarren und für ihn vollkommen unverständlichen Ablaufs der Show. Seit vielen Jahren begleitete er Juliano nun schon. Hatte schon einiges erlebt. Aber das hier war auch ihm neu.
Endlich räusperte er sich: „Oho, was für eine stürmische Maid. Sie hatte wohl Angst, dass sie in dem Zelte nicht ausreichend Platz für ihr Liebesspiel fände. Aber seid versichert, holde Jungfer, Meister Juliano ist ein begnadeter Künstler. Ihm wird es gelingen, trotz der Enge euer Blut zum Kochen zu bringen und euch in die höchsten Gefilde von Lust und Ekstase zu geleiten. Denn er ist Meister Juliano, der Liebesgott!“
Marias Blick schweifte schuldbewusst zwischen ihm und dem Zelt hin und her, während Juliano sie noch immer ungläubig anstarrte. Zumindest nahm sie an, dass er das tat. So genau konnte sie dies unter der Maske, die er trug, nicht erkennen. Ohne ein Wort griff er nach ihrem Arm und zog sie in sein Zelt zurück. Die Sachen flogen unachtsam in eine Ecke, und erneut heftete er seinen Blick auf ihre sanften braunen Augen.
„Es tut mir leid, wenn ich deine Show ruiniert habe. Ich verspreche auch, mich von jetzt an zu benehmen.“
Maria kannte seine Vorstellung. Hatte Arbeitskolleginnen davon reden hören. Ziel war es, den Festbesuchern da draußen vorzugaukeln, dass es hier drinnen tatsächlich zu sexuellen Handlungen käme und Juliano, der Liebesgott, beinahe stündlich eine holde Maid beglückte.
„Okay. Ich bin bereit, fangen wir an!“ Schnell nahm sie im Schneidersitz Platz und blickte zu ihm auf, unsicher, ob sie beginnen sollte zu stöhnen, oder ob er den Takt vorgab. Überrascht sah Juliano auf sie nieder, als sie sich nun so bereitwillig fügte und darauf zu warten schien, dass er sein Spiel beginne. Langsam trat er näher, postierte sich so, dass der Knopf seiner Hose unmittelbar vor ihren Augen war, und wartete gespannt, ob sie die Initiative ergreifen würde.

Und das tat sie. Und wie sie es tat. Ihre Wangen röteten sich, den Blick auf den Boden geheftet, kaute sie kurz auf ihrer Lippe herum, bevor sie mit unsicherer Stimme begann: „Oh ja, Juliano. Du bist mein Hengst. Der Liebesgott unter all den Göttern. Oh ja, du bist der Beste.“
Und wieder klappte sein Mund auf. Vor dem Zelt brachen die Zuschauer in haltloses Gelächter aus, als sie das laienhafte Gesäusel vernahmen.
„Ist das so richtig?“, erkundigte sich Maria leise und blickte erstmals wieder direkt in sein Gesicht. Aber Juliano war zu perplex, um zu antworten. So etwas war ihm noch nie untergekommen. Seit unendlich vielen Jahren vollzog er seine Show, und noch keine hatte sich ihm jemals verweigert.
Maria machte weiter. Ihre Stimme klang dabei um einiges fester. „Oh ja, oh ja, mach weiter! Ich kann es gar nicht fassen! Oh ja, oh ja, jetzt! Jetzt, oh ja!“, brüllte sie nun laut, wobei sie ihren Blick nicht von seinen dunklen Augen nehmen konnte.
Da Juliano noch immer keine Anstalten machte, etwas beizutragen, Maria aber der Meinung war, dies nicht mehr steigern zu können, erhob sie sich und verließ das Zelt. Die Plane noch in der Hand, sah sie zurück und versank beinahe im Erdboden, während sie, von fröhlichem Gelächter und belustigten Blicken unzähliger Schaulustiger begleitet, zum Abschied noch ein „Danke. Das war der beste und vor allem schnellste Sex meines Lebens“ hineinwarf.
Juliano erlangte seine Fassung wieder, stürmte hinterher, in der Absicht, sie zurückzuholen. Aber Maria war schnell von der Mauer gesprungen und stand bereits wieder neben dem jungen Mann, mit dem sie vor zehn Minuten vor dem Zelt zum Stehen gekommen war, um sich die einzigartige Darbietung von Juliano dem Liebesgott anzusehen. Noch immer verlegen, ergriff sie die Hand des ausgelassen lachenden Mannes und zog ihn in Richtung der Hauptbühne.
Kurz vor der Biegung wandte sich Maria noch einmal um. Juliano stand reglos auf der Mauer und fixierte sie mit seinen dunklen, geheimnisvollen Augen hinter der Maske. Sein nackter, durchtrainierter Oberkörper glänzte in der Sonne, barfuß, nur in Leinenhosen, mit der Maske im Gesicht, die unweigerlich an einen Vogel erinnerte, stand er da.
In diesem Moment sah er wirklich aus wie ein Gott aus früheren Zeiten. Maria schluckte heftig, bevor sie den Blick von ihm losriss und sich wieder ihrem Begleiter zuwandte.

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