30. August 2015

"Affäre ... oder doch Liebe?" von Hailey J. Romance

Nachdem Sophie von ihrem Mann schmählich wegen einer jüngeren Geliebten verlassen wurde, versucht ihr bester Freund David, sie auf andere Gedanken zu bringen und stellt ihr seine Bandkollegen vor.

Anfangs wenig begeistert kommt Sophie unverhofft Luca näher, jedoch anders als gedacht - denn er geht gleich aufs Ganze! Überrumpelt lässt sie sich darauf ein und in Abgründe sexueller Spielarten ziehen, an die sie niemals zuvor auch nur dachte.

Immer wieder befreit sie sich, denn sie wünscht sich eine normale Beziehung, um sich dann doch wieder auf Luca einzulassen, der ebenso zu schwanken scheint wie sie. Was verbirgt sich hinter seinem seltsamen Benehmen? Meint er es wirklich ernst, als er vorschlägt, es doch mal miteinander zu versuchen?

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Leseprobe:
Eine duftende Brise frischen Kaffees steigt mir in die Nase. Meine Augen zu öffnen, fällt mir allerdings noch ziemlich schwer. Ich höre David in der Küche mit Geschirr klappern, vernehme seine Schritte in meine Richtung und schon hält er mir eine heiße, dampfende Tasse vors Gesicht.
„Guten Morgen, du Schnapsdrossel.“
„Hmmmm“, brumme ich leise.
„Ich habe hier was für dich.“
Meine Lider nach oben zu ziehen, dürfte ich gerade noch so hin bekommen. In Davids linker Hand befindet sich das heiße Getränk, nach dem ich mich gerade so sehr sehne, und in der Rechten mein Schlafshirt.
Oh mein Gott! Plötzlich fällt mir alles wieder ein. Der Abend, dann diese Nacht ...
Sichtlich belustigt schwingt er mein Shirt hin und her. „Sag mal, du warst aber ganz schön angeheitert gestern und warum zur Hölle liegt dein Shirt auf meinem Ofen?“
Meine Gesichtsfarbe wird fahl. „ÄHM ... ja ...“
Ich zucke mit den Schultern. Lügen zählt nun nicht gerade zu meinen Stärken, noch dazu in diesem Zustand, in dem mein Gehirn noch auf Minimalleistung arbeitet.
David ist mein bester Freund, ihn anzulügen, beschert mir einen kalten Schauer auf dem Rücken. Allerdings kann ich ihm nicht sagen, was gestern Nacht in seiner Wohnung, seiner Küche passiert ist. Noch nicht zumindest.
Nach seiner Reaktion gestern im Rock-Club würde er mir nach dieser Aktion vermutlich den Hintern versohlen.
Ich schlage mir die Hände vors Gesicht. Ein großer Schwall Scham steigt in mir auf. Mein kleiner fieser Teufel zeigt lachend mit dem Finger auf mich.
David quetscht sich neben mich. „Hier, jetzt trink erst mal in Ruhe deinen Kaffee und vor allem zieh dir was an.“
„Danke.“ Mein Blick gleicht dem eines reumütigen Welpen.
„Es ist bereits Mittag und ich werde dich, sobald du fertig bist, nach Hause fahren. Du hast sicher noch einiges für die Schule morgen vorzubereiten.“
Ja, da hat er wohl nicht ganz unrecht. Eine Stunde später sitzen wir bereits in Davids Auto. Ich freue mich innerlich sehr, der Stadt der gelben Taxis vorerst Lebewohl sagen zu können. Mein grüner Stadtteil dieser riesigen Metropole erscheint mir dagegen nahezu wie ein Erholungsgebiet. Genau das habe ich gerade auch nötig.
„Du solltest wieder mal mitkommen, Sophie, nun kennst du ja alle. Vor allem aber schienst du sehr gelöst zu sein und hast ab und an sogar gelächelt.“ David wirkt zufrieden.
Nun kenne ich alle, von wegen. Das war gerade mal die Hälfte seiner Band und die beiden haben mir voll und ganz gereicht.
„Ja, mal sehen, bestimmt irgendwann mal wieder.“ Diese Antwort erscheint mir momentan am besten, am wenigsten auffällig und dürfte somit keine Diskussionsgrundlage bieten.
„Es freut mich, dass es dir gefallen hat.“ Er grinst. „Dann komm doch nächsten Samstag zu unserem Auftritt in die Musik-Bar, dann lernst du auch gleich noch die anderen Bandkollegen kennen.“

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29. August 2015

"Oceanbay - Höllentrip Türkei" von Monika Baitsch

Türkische Riviera: Als Pam eines Morgens während des gemeinsamen Urlaubs mit ihrem Mann Alex an einem felsigen Strandabschnitt aufwacht, glaubt sie noch, am Vorabend auf einem Partyschiff zu viel gefeiert zu haben. Unter rätselhaften Umständen, begibt sie sich auf den Weg zurück ins Hotel Oceanbay. Unterwegs schließt sie sich einigen Frauen an, denen es scheinbar ebenso ergangen ist wie ihr. Aber wo ist Alex? Wie kam sie hierher? Und: Wer ist die geheimnisvolle Frau im Haus an den Felsen?

Im Hotel taucht nach Stunden auch Alex auf. Sie finden heraus, dass ihnen mehrere Monate ihres Lebens fehlen. Sie sind als Opfer eingesponnen in ein Netz krimineller Machenschaften, in das selbst die Polizei verwickelt zu sein scheint. Eine dramatische Flucht mit drei anderen betroffenen Personen nach Ankara zur Deutschen Botschaft beginnt. Unterwegs stoßen sie auf eine Spur, die sie zu einer einsam gelegenen Klinik führt. Dort finden sie die unglaubliche Antwort auf ihre Fragen. Aber – ist es wirklich schon vorbei?

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Leseprobe:
»Hallo, aufwachen!«, rief jemand, tätschelte ihr dabei die Wangen und rüttelte sie an der Schulter. Pam öffnete langsam die Augen und schaute geradewegs in das Gesicht einer Frau, die sich über sie beugte.
»Sie ist wieder bei sich«, teilte diese den anderen um sie herumstehenden Personen sichtlich erleichtert mit.
»Wo bin ich? Wer sind diese Leute?«, murmelte Pam und versuchte, sich zu erheben. Die zierliche Frau stützte sie dabei. Langsam kam ihre Erinnerung wieder, es war Sandra, eine aus der Gruppe, die sie vorhin auf den Klippen getroffen hatte. Nun befand Pam sich im Inneren des Hauses, das völlig überraschend auf dem steilen Weg aufgetaucht war.
Die fremde Frau brachte ihr ein Glas Wasser. Ihre zusammengekniffenen Mundwinkel machten einen verbissenen Eindruck.
»Sie sind ohnmächtig geworden und wir mussten Sie hereintragen. Fühlen Sie sich nun wieder etwas besser?«
Besser? Sie fühlte überhaupt nichts, nur noch immer diesen unwahrscheinlich pochenden Schmerz in ihren Schläfen und eine Gedächtnislücke, die sich einfach nicht schließen wollte.
»Ich habe im Hinterhof den Tisch gedeckt und ein paar Kleinigkeiten zu essen hergerichtet. Wenn Sie sich stärken wollen … Ihre Freundinnen sind schon draußen«, bemerkte die Frau, während sie einige Flaschen in einen Korb packte und ebenfalls nach draußen ging.
Freundinnen? Das sind nicht meine Freundinnen, dachte Pam, sagte aber nichts.
Verstohlen schaute sie sich um. Sie saß in einem kleinen, dunklen Raum, an einem Holztisch direkt hinter einer Tür. Ein Blick durch diese Tür verriet ihr, dass es die Küche des Hauses war. Etwas weiter vorn im Flur befand sich eine weitere Tür. Sie verspürte den Drang, sich das Gesicht mit kaltem Wasser abzuwaschen und erhob sich, in der Hoffnung, dass es sich um das Bad oder zumindest eine Toilette handelte. Mit wackeligen Beinen erreichte sie die Tür und öffnete sie. Es war das Badezimmer. Drinnen war es finster, fast ein bisschen unheimlich, und die Deckenbeleuchtung warf nur ein schummriges Licht.
Sie drehte den Wasserhahn auf und wusch ihr Gesicht mehrmals eiskalt ab. Als ihr Blick in den Spiegel fiel, wunderte sie sich über das Bild, das sich ihr bot. Sie schien abgenommen zu haben, die Wangen wirkten eingefallen und ihre grünen Augen lagen in tiefen Höhlen. Die dunklen Ringe darunter führte Pam auf die gestrige Party zurück. Inzwischen konnte sie sich dunkel an ein Fest auf einem Piratenschiff erinnern. Was war nur geschehen? Wieso wirkte sie so hager und ausgemergelt? Nachdem sie das Gesicht abgetrocknet hatte, schaute sie sich in dem Raum um. Über der Badewanne war eine Wäscheleine gespannt, auf der einige Kleidungsstücke zum Trocknen aufgehängt waren. Kurzerhand griff sie zu einem dunkelblauen Shirt und Jeans-Shorts und stopfte die Sachen in ihre Badetasche, sie würde sie später gegen das Strandtuch austauschen. Ratlos ließ Pam sich auf den Rand der Wanne sinken. Wo war Alex? Wieso hatte er sie allein gelassen? Ihr Handy fiel ihr ein und sie kramte es aus ihrer Tasche. Es war ausgeschaltet. Sie drückte auf den Einschaltknopf, aber das Display blieb schwarz. Der Akku war vermutlich alle, wobei ihr das merkwürdig vorkam. Normalerweise hielt er immer ein paar Tage, wenn er voll aufgeladen war, und das hatte sie sicher getan, bevor sie und Alex zum Schiff aufgebrochen waren. Seufzend ließ Pam das Telefon wieder in die Badetasche zurückgleiten, als es an der Tür klopfte.
»Alles in Ordnung mit Ihnen?«, vernahm sie die Stimme der Hausbesitzerin, die sich als Anna vorgestellt hatte. Erst jetzt fiel Pam auf, dass auch sie Deutsche war. Merkwürdig, dachte Pam, aber an diesem Tag war alles in irgendeiner Form merkwürdig und sie bekam einfach keine klare Linie in das Geschehen oder ihre Erinnerung.
»Ja, alles okay. Haben Sie vielleicht eine Kopfschmerztablette für mich?«, versuchte sie möglichst unbefangen zu antworten. Irgendetwas mahnte sie, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Pam fuhr sich mit den Händen durch ihre schulterlangen, blonden Haare und verließ das Badezimmer. Als sie nach draußen in den Innenhof trat, war ein großer Tisch gedeckt. Die anderen Frauen saßen schweigsam um ihn herum und stocherten appetitlos auf ihren Tellern. Schon allein der Gedanke an Nahrung drehte ihr fast den Magen um und sie begnügte sich mit dem Wasser, das in einer Karaffe bereitstand. Anna brachte das Päckchen mit den Tabletten und legte es wortlos vor ihr auf den Tisch. Der bohrende Blick aus ihren eisblauen Augen, ließ Pam schaudern. Sie erinnerte sie an eine unangenehme Person, aber an wen?
Während die anderen weiterhin schweigend am Tisch saßen, beobachtete sie die Frauen unauffällig und erhoffte sich dadurch irgendeinen Hinweis, der Klarheit in ihre Gedanken bringen konnte. Die Situation war zum Verzweifeln und ihre Unruhe beinahe unerträglich.
Da war zum einen die korpulente Kate. Sie war wohl die Älteste von allen und erzählte inzwischen, dass sie Künstlerin sei und Landschaftsbilder male, die sie in ihrer Galerie verkaufen würde. Dann war da Sandra. Sie war etwa im gleichen Alter wie Pam und ihre langen braunen Haare und die dunkelbraunen Augen gaben ihr ein fast südländisches Aussehen. Auch sie war sehr still und schien, genau wie Pam, aufmerksam die Lage zu beobachten, um einen Überblick zu bekommen. Und die zierliche Rebecca, die Jüngste unter ihnen. Sie wirkte, wie ein erschrockenes Reh, zerbrechlich und ein wenig kindlich. Die Sommersprossen verstärkten diesen Eindruck vermutlich und ihre rotblonden Locken standen wild vom Kopf ab.
Jede hing ihren Gedanken nach, nur Kate redete inzwischen mehr und mehr. Sicher konnte sie nur diese unangenehme Stille nicht ertragen. Die vier Frauen hatten festgestellt, dass sie alle Gäste des Hotels Oceanbay waren, aber sie waren sich dort in den letzten Tagen nicht über den Weg gelaufen. Normalerweise hätte man sich doch bei einer der Mahlzeiten oder am Pool sehen müssen? Und warum trafen sie sich nun ausgerechnet hier in dieser Einöde?
Pam fühlte sich beobachtet und wandte instinktiv ihren Kopf in Annas Richtung. Ihr Gefühl bestätigte sich. Diese drehte sich schnell weg und füllte geschäftig neues Wasser in die Karaffen. Diese hagere Person mit den streng zu einem Zopf gebundenen Haaren war ihr unheimlich. Die nervöse Unruhe breitete sich noch stärker in Pam aus. Sie kannte diese Frau, dessen war sie sich nun sicher, aber woher? So sehr sie sich auch den Kopf zerbrach, sie fand keine Antwort, verspürte aber einen unsäglichen Drang zu fliehen. Erleichtert erhob sie sich, als sie, einigermaßen erholt und gestärkt, ihren Weg fortsetzten. Anna schaute ihnen noch auffällig lange nach.
Pams Füße begannen immer mehr zu schmerzen. Sie war barfuß unterwegs und ihre Fußsohlen waren einen solch steinigen Boden nicht gewohnt, an einigen Stellen bluteten sie bereits. Nach ungefähr einer halben Stunde Fußmarsch erreichten sie eine Stadt. Auf einem kleineren Platz fand gerade ein Markt statt, und sie kaufte sich im Vorbeigehen an einem der Stände ein Paar Flip-Flops. Die Gegend machte einen gepflegten Eindruck, alles war sauber und an den Straßenrändern reihten sich alte Bäume, deren große Baumkronen Schatten spendeten. Auch die Häuser und Grundstücke sahen sehr gepflegt aus und waren überwiegend mit hohen Zäunen umgeben.
Als sie an einem unscheinbaren Stadthotel vorbeikamen, bemerkte Pam die geöffnete Hintertür und erhoffte sich dort eine Gelegenheit, endlich ihr Strandtuch gegen das Shirt und die Shorts auszutauschen. Sie wollte sich auch nach dem richtigen Weg zum Hotel Oceanbay erkundigen, denn obwohl sie inzwischen schon ein gutes Stück gegangen waren, kannte keine der Frauen die Gegend oder den richtigen Weg. Wieso waren sie so weit entfernt von ihrem Hotel? Pam erschien die ganze Situation immer rätselhafter. Sie erreichte die Tür und spähte vorsichtig hinein. Es war niemand zu sehen. Zögerlich klopfte sie, und im gleichen Moment eilte ein Hotelmitarbeiter mit einem strahlenden Lächeln aus einem benachbarten Raum auf sie zu. Er war ein dunkelhäutiger und sehr charismatischer Typ und trug ein ordentlich gebügeltes weißes Hemd zu einer dunkelblauen Stoffhose. Warum nur interessierte sie sich plötzlich für die Kleidung eines Hotelmitarbeiters? Und, weshalb fühlte sie sich in seiner Gegenwart plötzlich unbehaglich? Er sah doch an sich ganz harmlos aus. Mit Händen und Füßen erklärte sie dem Mann, dass sie die Toilette suche und er zeigte ihr bereitwillig, wo sie diese finden konnte. Ehe sie darin verschwand, fragte sie ihn nach dem Weg zum Hotel Oceanbay. Erstaunlicherweise verstand er jedes Wort und antwortete in perfektem Deutsch, dass es etwa drei Kilometer entfernt sei. Der Weg führe zunächst nach links, dann die Straße auf der linken Seite hinunter. In seiner Hand bemerkte Pam ein seltsames Gerät, das an einen Preisscanner im Supermarkt erinnerte. Genau in diesem Moment fragte er, ob er sie einmal scannen dürfe, und bewegte den merkwürdigen Apparat auch schon an ihrem linken Arm hinab. Verwirrt verschwand sie in der Toilette, dachte aber nicht weiter darüber nach. Sie zog sich schnell um und kehrte nach draußen zurück, wo die anderen Frauen im Schatten der Bäume auf sie warteten.

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"Ungesagte Worte" von Laura Gambrinus

Carlotta schwärmt schon so lange sie denken kann für Damiano Mantovani. Seine Bücher, allesamt Bestseller, füllen ihre Regale. Das Schicksal hat den berühmten Schriftsteller schwer getroffen. Nun will er wieder schreiben, will wieder leben. Carlotta soll gemeinsam mit ihm an seinem neuen Buch arbeiten Aber – kann sie das überhaupt, wenn sie ihre wahren Gefühle vor ihm verbergen muss?

Damiano ist auf Anhieb von Carlotta fasziniert. Sie könnte die Richtige sein, um ihn bei der Arbeit zu begleiten. Und weit darüber hinaus. Denn er fühlt sich zu ihr hingezogen. Schnell entwickeln sich tiefere Gefühle zwischen den beiden. Doch die Schatten von Damianos Vergangenheit lauern bereits im Verborgenen ...

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Leseprobe:
„Du musst Carlotta sein“, sagt eine dunkle Stimme neben mir.
Ich fahre mit einem leisen Schreckenslaut herum und starre in ein vom Leben gezeichnetes, aber immer noch verdammt attraktives Gesicht. Der Mann, der zu diesem Gesicht gehört, ist größer, als ich ihn mir vorgestellt habe, und hat eine ungeheure physische Präsenz. Er streckt mir die Hand zur Begrüßung entgegen. Nach kurzer Schockstarre greife ich hastig danach. Ganz nebenbei schäme ich mich dafür, dass meine Finger schweißnass und glitschig sind.
„Ich wollte dich nicht erschrecken“, sagt er und duzt mich weiterhin ganz selbstverständlich. Da taucht auch schon Ambra auf.
„Ah, du hast sie also schon gefunden.“ Sie begrüßen sich herzlich wie zwei alte Bekannte, während ich nervös von meinem Barhocker rutsche.
„War ganz leicht“, lächelt er sie an. „Du hattest deine Freundin wirklich gut beschrieben.“
Ambra lächelt zufrieden zurück, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sich schon längst mit ihrem Kollegen verbündet hat. Das kann ja heiter werden.
Aber ich kann noch immer ablehnen.
„Setz dich“, fordert meine Freundin ihn nun auf und deutet auf den Tisch, der für uns gedeckt worden ist. „Raffaele kommt auch gleich, dann können wir uns vor dem Essen noch ein bisschen unterhalten.“
Mantovani gleitet auf den Stuhl mir gegenüber. Ich starre auf die sorgsam gefaltete Serviette vor mir und versuche, meinen fliegenden Atem unter Kontrolle zu bekommen. Hoffentlich bemerkt er nicht, wie meine Hände zittern. Er muss mich ja sonst für eine komplette Idiotin halten.
„Du bist also meine neue Lektorin“, höre ich ihn sagen und finde das beinahe frech.
Keinesfalls will ich mich so einfach von ihm überfahren lassen. Ich hätte außerdem, fällt mir leider erst jetzt ein, Ambra darüber befragen sollen, was genau sie ihm über mich gesagt hat. „Was? Nein! Darüber müssen wir erst noch reden! Ganz so einfach ist das nicht, es gibt noch viel zu viele ungeklärte Fragen.“
„Tatsächlich?“, fragt er halblaut und sieht mich aufmerksam an.
Ich bemerke ein Netz von feinen Fältchen um seine Augen. Ob ihm aufgefallen ist, dass ich eine direkte Anrede vermieden habe? Ich schaffe es einfach nicht, ihn so aus dem Stand heraus zu duzen, wie er das ganz selbstverständlich macht. Er spricht nicht weiter, weil Ambra sich zu uns setzt und auch Raffaele an unserem Tisch Platz nimmt. Der Maître schenkt uns Wein ein und stellt eine Karaffe Wasser auf den Tisch. Ich beobachte alles wie durch einen Schleier und fange voller Unbehagen einen nachdenklichen Blick von ihm auf.
Zum Glück retten mich meine Freunde, und wir schaffen es, ein einigermaßen gelöstes Abendessen hinter uns zu bringen, weil die beiden völlig unbefangen die Unterhaltung bestreiten und dabei auch mich und mein Gegenüber mit unverfänglichen Fragen einbeziehen. Raffaele hat viel zu erzählen und tut es auf eine angenehm lockere Art. Ambra hat mir mal von seiner Stimme vorgeschwärmt, und ich muss zugeben, sie hat nicht übertrieben. Allerdings ist es nicht Raffaele, der mir mit seinen Worten gelegentliche Schauer über den Rücken jagt, sondern Damiano. Er klingt noch tiefer und nicht so samten wie Raffaele, nicht so weich und verführerisch wie er. Das ist eher eine klassische Reibeisenstimme. Er hat eine faszinierende Gestik und ich starre immer wieder wie gebannt auf seine ausdrucksstarken Hände. Es sind schöne, schlanke, aber kräftige Finger. Einen Moment lang vergesse ich alle Vorsichtsmaßnahmen und stelle mir diese Finger auf nackter Haut vor, doch ich rufe mich schnell wieder zur Ordnung.
Wenn er doch nur irgendetwas hätte, das ich auf den ersten Blick abstoßend finden könnte! Etwas, das mich enttäuscht, das mir missfällt. Aber da ist nichts, zumindest noch nicht. Er entspricht keineswegs dem Bild, das ich mir vor langer Zeit von ihm gemacht habe – er übertrifft meine Erwartungen vielmehr bei Weitem, das ist etwas, womit ich nicht gerechnet habe, und es verunsichert mich.
Ich atme tief ein und erinnere mich an meine Selbstdisziplin. Ich werde zu allem Nein sagen und jedem Gedanken an einen Lektoratsauftrag widerstehen, egal wie verlockend er auch sein mag. Ich könnte mit Sicherheit nicht objektiv arbeiten, könnte keine klare Trennung zwischen meiner privaten Bewunderung und technischer Kritik an seiner Arbeit vornehmen. Und wenn ich eine schwache Leistung abliefere, wie steht dann Ambra vor Damiano da? Das könnte auch noch meine Freundschaft zu ihr gefährden, und das will ich nun wirklich nicht riskieren …

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28. August 2015

"Emilie - Traumbegegnungen" von Marita Sydow Hamann

Romantasy der Reihe "Das Vermächtnis der Lil`Lu" und der dritte Band der Lovisa-Bücher.

Die 17-Jährige Emilie wird seit ihrem fünften Lebensjahr Nacht für Nacht von immer gleichen Alpträumen heimgesucht. Ein blitzendes Messer, eine blasse Kinderhand und Blut, so viel Blut … Als ihre Freundin Lovisa entführt wird, ändert sich ihr Alptraum zum ersten Mal und die Ereignisse überschlagen sich. Vollkommen verwirrt taucht Lovisa wieder auf und erzählt eine unglaubliche Geschichte von Dimensionsagenten aus parallelen Welten, von explodierenden Universen, die gerettet werden können, und davon, dass sie selbst in ein benachbartes Universum wechseln muss, um dies zu vollbringen.

Emilie, die zunehmend selbst von mysteriösen Ereignissen eingeholt wird, will ihrer offenbar geistig verwirrten Freundin helfen. Doch dann geschieht etwas, das Emilies Weltbild gehörig auf den Kopf stellt …

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Leseprobe:
Ich war eine Träumerin – Träumen gehörte zu meinem Leben, wie für jeden anderen die Luft zum Atmen. Träume können böse sein oder hilfreich. Sie können dich zermürben oder dir helfen, Ereignisse zu verarbeiten. Träume waren ein fundamentaler Teil meines Lebens – und um ehrlich zu sein, ist das auch heute noch so. Träume haben mich geformt, gequält und …
Aber beginnen wir ganz von vorne. Mein Name ist Emilie, ich wurde in drei Wochen achtzehn Jahre alt, war Schülerin am Gymnasium in Ljungby in Südschweden und war – wieder einmal – hundemüde. Ich schlief schlecht. Um genau zu sein, schlief ich miserabel und das schon seit meiner frühen Kindheit. Albträume plagten mich und Schatten verfolgten mich, sobald ich einschlief. Ein und derselbe Traum, seit vielen, vielen Jahren. Ich weiß nicht einmal mehr genau, wann das alles angefangen hat. Für mich war es so etwas wie ein Normalzustand, niemals ruhig durchschlafen zu können. Nacht für Nacht erwachte ich schweißgebadet, zitterte am ganzen Körper und lauschte meinem davonrasenden Herzen. Schatten in der Nacht, ein Windhauch, ein silberglänzendes Messer, der Schrei eines Kindes, eine schlaffe Hand und Blut … So viel Blut … Im Grunde war das alles, was ich sah. Ein Messer, das viele Blut, eine schlaffe Kinderhand und die Schatten – mehr nicht. Man sollte meinen, dass ich mich nach so vielen Jahren daran gewöhnt hätte, doch das Gefühl der Panik, die Kälte, die mich überfiel, raubte mir jedes Mal wieder von neuem die Luft zum Atmen. An mir hatten sich schon einige Psychologen die Zähne ausgebissen – weder Gesprächstherapie noch Hypnose haben irgendetwas bewirkt. Der Traum änderte sich nicht, genauso wenig wie meine Gefühle, die ihn begleiteten. Ich lernte, damit zu leben. Irgendwie. Die neueste Entwicklung war, dass sich mein Unterbewusstsein etwas wirklich Interessantes ausgedacht hatte: Danny – meine Traumfreundin.
Bereits als Kind hatte ich einen imaginären Freund. Meine Eltern empfanden meinen Freund als befremdlich. Gut, viele Kinder hatten imaginäre Freunde, doch ich ging ihnen in meiner Fantasie wohl doch ein wenig zu weit. Meine Urgroßmutter Thekla fand meinen Freund entzückend. Das Problem dabei war nur, dass Uroma Thekla ebenfalls nicht real war. Genau genommen war sie schon real. Uroma Thekla war die Großmutter meines Vaters. Mit dem kleinen aber feinen Haken, dass sie bereits seit vielen Jahren tot war. Und genau das machte meinen Eltern nun wirklich Sorgen. Ihre Tochter hatte nicht nur einen imaginären Freund, nein, sie behauptete auch noch steif und fest, dass Uroma Thekla ihr erlaubt hatte, mit dem Jungen zu spielen.
Ein leichtes Grinsen breitete sich bei der Erinnerung daran über mein Gesicht aus, während ich dem Strom von Schülern durch die Flure Richtung Klassenraum folgte. Meine Freundin Josefin deutete mein Lächeln falsch.
»Emilie!«, rief sie fröhlich und stürmte auf mich zu. Und dann plauderte sie munter drauflos, in der fälschlichen Annahme, ich wäre fit und aufnahmebereit. Immerhin hatte ich lächelnd den Tag begrüßt – ihre Interpretation der Situation. Nun lächelte ich noch breiter. Josefin schaffte es immer wieder, mich trotz zermürbtem Gehirn aus der Reserve zu locken. Ihre überschwängliche, immer fröhliche Art wirkte einfach ansteckend auf mich. Aber sinnerfassend zuzuhören, gelang mir dann doch nicht. Zum Glück war Josefin es gewohnt, von mir eher stumm begleitet zu werden. Hin und wieder ein Hm oder Tatsächlich? reichte ihr vollkommen als Erwiderung. Ich schwamm im Schülerstrom in den Klassenraum und ließ mich auf meinen Platz fallen. Josefin redete ohne Punkt und Komma, während ich überlegte, wie ich es schaffen sollte, im Unterricht nicht einzuschlafen. Die albtraumfreien Schlafstunden der letzten Nächte konnte ich an einer Hand abzählen. So schlimm war es schon lange nicht mehr gewesen. Und auf Hilfe in Form meiner Traumfreundin hatte ich vergeblich gewartet. Wofür wollte mich mein Unterbewusstsein bestrafen? Weshalb hielt es mir die einzige Möglichkeit vor, ein paar Stunden erholsamen Schlaf zu bekommen?
Seufzend legte ich meinen Kopf auf dem Tisch ab, gähnte hinter vorgehaltener Hand und ließ mich weiter von Josefins guter Laune berieseln. Nach und nach trudelten unsere Mitschüler ein. Simon, ein netter Junge mit haselnussbraunen Augen, schmiss seine Tasche neben mir auf den Tisch.
»Hey, Emmy«, murmelte er und warf einen Blick auf Josefin, die einfach weiterredete. Irgendetwas von Haare färben und misslungenem Versuch. Ich betrachtete ihre Mähne, von der sie mir demonstrativ eine Strähne vor die Nase hielt. Ich wich von meinem üblichen Hm und Tatsächlich ab und sagte: »Wow! Das ist echt ...« Ich suchte nach den richtigen Worten.
»Ich weiß!«, rief Josefin, obwohl ich selbst kaum wusste, was ich hatte sagen wollen.
»Ich hab‘s schon dreimal übergefärbt und es ist immer noch …«
»Wie eine Karotte«, warf Simon hilfreich ein, grinste bis über beide Ohren und kassierte ein herzhaftes Lachen von Josefin. Jedes andere Mädchen hätte dafür nur einen giftigen Blick übrig gehabt.
»Genau!«, lachte Josefin stattdessen. »Ich sah aus wie eine Karotte!«
Schmunzelnd hörte ich ihrer Haarfärbe-Leidensgeschichte zu und schaffte es, zwischendurch ein »Aber jetzt sieht es doch ganz gut aus« anzubringen. Denn das tat es. Ich sah jedenfalls keinen Unterschied zu sonst. Bis auf diese eine Strähne, die immer noch einer Karotte glich. Während ich noch überlegte, ob ich meinen rattenfarbenen Haaren vielleicht auch mal ein wenig Pepp verpassen sollte, wechselte Josefin bereits nahtlos das Thema. Ich verpasste den Anschluss, was wohl nicht weiter wild war, denn der Lehrer betrat das Klassenzimmer, im Kielwasser weitere Mitschüler. Darunter Lovisa und Amanda, die genau wie Simon zu unserer Clique gehörten. Josefins Aufmerksamkeit richtete sich schlagartig auf ihre neuen Opfer.
Obwohl Simon es schaffte, sein übliches »Hey, Isa« vorher anzubringen – er war bis über beide Ohren in Lovisa verknallt, was sie zu seinem Leidwesen nicht gerade stürmisch erwiderte –, strahlte Josefin den beiden entgegen.
»Hallo, ihr zwei. Gerade noch rechtzeitig, was?«, lachte sie vergnügt. »Einen wunderschönen guten Morgen!«
Ich warf Lovisa einen verstehenden Blick zu und verdrehte die Augen. Auch wenn Josefins gute Laune mir ein wenig über meine Müdigkeit hinweg half, so wusste ich doch, dass es Lovisa und den meisten anderen in der Klasse mächtig auf die Nerven ging, so früh am Morgen bereits mit Fröhlichkeit überfallen zu werden. Es wunderte mich, dass Josefin die Klassenfahrt überlebt hatte. Von mindestens fünf Leuten wusste ich, dass sie grimmige Pläne geschmiedet hatten, Josefin klammheimlich um die Ecke zu bringen, um ihrer Guten-Morgen-Laune zu entkommen. Eine der fünf war übrigens Lovisa gewesen.
»Wo ist Filip?«, fragte sie gerade verwundert.
Gute Frage, dachte ich. Amanda ohne Filip? Wie äußerst ungewohnt. Seit die beiden ein Paar waren, waren sie wie siamesische Zwillinge – allerdings merkwürdigerweise an den Lippen zusammengewachsen.

Im Kindle-Shop: Emilie - Das Vermächtnis der Lil`Lu (3): Traumbegegnungen - Romantasy
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'Einfach nur ICH ... und ich lebe immer noch' von Daggi Geiselmann

"Stimmt, ich lebe immer noch und das sehr gerne, obwohl ich manchmal allen Grund gehabt hätte, an meinem Leben zu verzweifeln. Wer meine Biografie „Einfach nur ich … ich habe überlebt“ gelesen hat, weiß schon warum. Für diejenigen, denen Teil 1 unbekannt ist, fasse ich als Einführung kurz zusammen, was ich dort berichtet habe. Was erwartet Sie in Teil 2? Mir ist klar geworden, dass ich im 1.Buch vieles unbewusst und manches bewusst verschwiegen habe. Mein Gedanke war damals, dass es unglaubwürdig klingen könnte und die Leser dächten, so viel kann ein normaler Mensch doch gar nicht erleben."

"Aber da ich kein „normaler Mensch“ sondern einfach nur ich bin, habe ich mich nun dafür entschieden, auch das noch nicht Erwähnte preiszugeben und einige Lebensabschnitte genauer zu beschreiben. Außerdem ging mein Leben nach der Buchveröffentlichung ja noch weiter,wurde nicht einfacher und ich werde Sie in dieser Fortsetzung auf den neuesten Stand bringen."

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Leseprobe:
Ich wurde 1963 als Jüngste von 5 Kindern geboren, bin in einer Kleinstadt am Bodensee in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen, und hatte bis zu meinem 15. Lebensjahr eine ganz normale Kindheit.
Davor gab es nichts, was mich von anderen Kindern unterschied, außer der Tatsache, dass wir Geschwister nicht alle denselben Vater hatten. Meine Mutter brachte drei uneheliche Kinder in die Ehe mit meinen Vater mit und bekam von ihm zwei Mädchen. Eines davon bin ich.
Nach zwei schlechten Erfahrungen mit dem sogenannten starken Geschlecht, die ich schlichtweg als Vergewaltigungen eines Teenagers bezeichne, wurde ich etwa ein Jahr danach erneut von der Männerwelt enttäuscht. Enttäuscht? Nein, damals empfand ich es nicht so. Es war normal für mich. Ich dachte, es gehört dazu, dass Männer nur das EINE wollen. Nur welcher Mann es dieses Mal war, das war ganz und gar nicht normal, so viel hatte ich doch kapiert.
Ich habe mir lange überlegt, ob ich darüber berichten soll, und habe es bisher bewusst verschwiegen, niemand weiß davon. Aber jetzt will ich auch diese Erlebnisse erwähnen. Mich daran zu erinnern, ist nicht einfach, denn ich kann heute nicht mehr genau nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte, wie es anfing. Vielleicht hilft es mir, wenn ich analysiere, wie die Verhältnisse in meiner Familie waren, um selbst zu verstehen.

Meine Mutter, eine dominante Frau, sehr darauf bedacht, dass es ihren fünf Kindern an nichts fehlte, obwohl die finanziellen Verhältnisse nicht rosig waren. Meine drei Schwestern und mein Bruder hatten großen Respekt vor ihr. Es gab Themen, über die wir mit ihr nicht reden konnten und es gab Themen, bei denen sie uns gerne zuhörte und mit Rat und Tat zur Seite stand. Aber wir wussten auch, dass bei ihr immer alles im Rahmen bleiben musste. „Die Kirche im Dorf lassen“ nannte sie das. Das war ihre Antwort, wenn jemand von uns mal etwas Außergewöhnliches machen wollte oder über etwas sprach, das ungewöhnlich war.
Mein Vater war ein Mann, der jede Verantwortung für die Familie meiner Mama überließ und dachte, es würde reichen, wenn er brav jeden Monat seinen Lohn an sie aushändigt. Dass er für sich heimlich einen Teil einbehielt, erfuhr ich erst, als ich nicht mehr zuhause lebte.
Die Ehe meiner Eltern würde ich heute als nicht gerade glücklich beschreiben, doch wir waren Kinder, bekamen das nur am Rande mit und machten uns weiter nichts daraus. Es gab oft Streit und wie das eben so ist, hilft man als Kind meist zu demjenigen, der Vorteile bringt. Und das war Mama. Zu Papa half ich nur, wenn ich etwas von ihm wollte. Und was wollte ich? GELD, denn das war immer knapp bei uns. Als ich anfing zu rauchen, wollte ich Zigaretten, die ich mir nur selten selbst kaufen konnte.

Im Kindle-Shop: Einfach nur ICH ... und ich lebe immer noch

"Mit deinen Augen" von Jana Zenker

Dunkelheit, schwarz, ewige Nacht ... Helena tappt durch Pauls Welt, wie Paul durch die Welt der Sehenden. Als sie beginnt, die Blindheit ihres Freundes zu akzeptieren, ist es beinahe zu spät für ihre Beziehung.

Die Studentin Helena verliebt sich nach einer unerfüllten Beziehung in den blinden Physiotherapeuten Paul. Er erwidert ihre Liebe, doch ihr Mitleid und ihre wohlgemeinte - doch erdrückende - Fürsorge überschatten diese Liebe und so kommt es nach einer Auseinandersetzung zum Bruch. Kurz darauf stellt Helena fest, dass sie schwanger ist.

Sie entscheidet sich für das Kind und während sie mit Paul - gezwungenermaßen - die Zukunft des ungeborenen Kindes plant, kommen sie sich wieder näher und sind diesmal in der Lage die Ansprüche und Erwartungen des jeweils anderen wahrzunehmen und zu akzeptieren.

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Leseprobe:
Marc und ich kannten uns, seit wir fünfzehn waren. An einem Spätsommermorgen – ich war gerade aus Dublin und Marc aus einer Kleinstadt im Norden nach Berlin gezogen – hatten wir nebeneinander vor dem Sekretariat des Gymnasiums gestanden, hoch konzentriert die Risse im Anstrich der geschlossenen Tür betrachtet und uns gewünscht, die Erde würde sich unter uns auftun. Die Direktorin schickte uns in dieselbe Klasse, und der Lehrer dort setzte uns auf dieselbe Bank, wo wir wochenlang miteinander schwiegen.
Obwohl mir Marc eigentlich gefiel. Er war etwas größer als ich, was klein bedeutete für einen Jungen, doch er war äußerst schlank, was ihn groß wirken ließ. Und er war äußerst höflich, nicht so laut wie die anderen Jungen. Nach der Disco am Schuljahresende küssten wir uns zum ersten Mal, und nach einer wilden Party an der Uni, in der wir uns nach dem Abitur eingeschrieben hatten, schliefen wir zum ersten Mal miteinander.
Am nächsten Morgen – ich konnte mich kaum erinnern, was in der Nacht zuvor passiert war - beschlossen wir zusammenzubleiben, und jetzt war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun und in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Was bedeutete, dass ich zu Marc ziehen würde. Seine Wohnung war geräumiger und heller als meine, und außerdem musste er, der Medizinstudent, sich auf Prüfungen vorbereiten und hatte keine Zeit, Kisten zu packen und Möbel auseinanderzuschrauben. Den Umzug hatten wir für die letzte Woche der Semesterferien geplant, davor flogen wir nach Portugal ins Ferienhaus seiner Eltern.
Ich hatte mich auf die Generalprobe für unser Glück gefreut. Ich hatte mich darauf gefreut, mit Marc am Strand zu liegen, neben ihm einzuschlafen, und neben ihm aufzuwachen, ihm das Frühstück ans Bett zu bringen, in seinen Armen auf das Meer zu schauen. Ich hatte mich auf Romantik gefreut, auf Intimität und zärtlich geflüsterte Worte.
Und dann saß ich am Strand und beobachtet die Jungen, die ihren Freundinnen den Rücken eincremten, während ich selbst mir die Arme verrenken musste, ging alleine zu Bett und stand alleine wieder auf, drängelte ihn jeden Morgen, wenigstens für eine Weile seine Bücher zu vergessen und sich zu mir zu setzen.
Einen Tag vor unserer Abreise jedoch besann er sich darauf, dass er sich mit mir im Urlaub befand, griff mich bei der Hand und zog mich übermütig lachend zum Pool. Auf einmal wollte er Spaß. Mit weit aufgerissenen Augen stürzte er sich auf mich und merkte nicht, dass ich ihm auswich, dass ich mich panisch wehrte, als er mich unters Wasser tauchen wollte. Am Abend konnte ich meinen Hals nicht mehr bewegen, und zurück in Berlin bekam ich rasende Kopfschmerzen.
Das würde schon wieder, sagte Marc, der angehende Arzt, und drückte mir Tabletten in die Hand, von denen das Dröhnen hinter meinen Schläfen noch unerträglicher wurde. Und nachdem ich eines Morgens das Frühstück wieder ausgebrochen hatte, suchte ich einen richtigen Arzt auf, der mir anstelle der Tabletten Massagen verschrieb.
Mit der Visitenkarte einer Physiotherapiepraxis in der Hand stand ich danach auf dem Gehsteig und schluckte das bittere Gefühl herunter, das mich seit Portugal nicht mehr verlassen hatte. Doch eigentlich hatte Marc ja recht: Er hatte wirklich Prüfungen, er musste wirklich viel lernen, und er hatte sich wirklich nur aus Spaß auf mich gestürzt. Und ich hätte mich nicht steif zu machen brauchen. Und Romantik würde sich einstellen, wenn wir erst einmal richtig zusammenleben würden. Zurück in meiner kleinen, schattigen Hinterhofwohnung, die ich mit Pit, einem angehenden Krankenpfleger, teilte, wählte ich die Nummer auf der Visitenkarte, um einen Termin zu vereinbaren, obgleich sich alles in mir gegen Massagen sträubte. Ich hasste das Gefühl fremder Hände auf meiner Haut. Ich hasste es, ausgeliefert dazuliegen, und mich von fremden Augen betrachten zu lassen. Marc war der einzige Mensch, der meinen Körper jemals nackt gesehen hatte, dem ich meinen Körper jemals anvertraut hatte.
„Sie können sofort vorbeikommen“, klang eine junge, freundliche Stimme aus dem Telefon. „Paul macht von eins bis zwei Mittag, danach hätte er Zeit für sie.“
Paul, dachte ich, auch noch ein Mann ...
„Was ist?“, drängte die Stimme. „Soll ich sie buchen?“
„Okay“, erwiderte ich geschlagen. „Um zwei also ...“
Papier raschelte, dann wurde ich ermahnt, bitte pünktlich zu erscheinen, und dann erstarb die Leitung. Ich sah auf die Uhr - noch genau eine Stunde.
Im Bad streifte ich mir die Shorts und das Top ab und betrachtete mich im Spiegel. Ich war dünn. Und ich war weiß. Kein Wunder, dass Marc mich nicht so behandelt hatte, wie die Jungen ihre braun gebrannten, vollbusigen Freundinnen am Strand von Praia de Rocha. Seufzend wandte ich mich ab und stellte mich unter die Dusche. Ich mochte meinen Körper nicht. Das Einzige, was ich an mir mochte, waren meine dichten Haare, die mir bis zum Hintern reichten. Sie waren der Schleier, den ich mir für gewöhnlich über Brust und Schultern fallen ließ, wenn ich männliche Blicke auf mir spürte - der Schleier, den ich zu einem Knoten binden musste, als ich mich, pünktlich um zwei, auf der Liege in der Praxis präsentierte.

Im Kindle-Shop: Mit deinen Augen: Eine Liebesgeschichte
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27. August 2015

"Rebellion unter Tage" von Steff Chulam

Nach dem letzten großen Krieg ist die Menschheit nahezu ausgestorben. Das Gros der Überlebenden zog sich in ein System unterirdischer Bauten zurück, das rechtzeitig, bevor die atomaren Sonnen über den großen Städten aufgingen, errichtet worden war. Konrad, aufgewachsen in den Trümmern der alten Hauptstadt, sucht nach Jahren des Überlebenskampfes nun sein Glück in dieser Unterwelt.

Katharina, seine Betreuerin, lebt mit ihm auf einem der zahlreichen Hausboote, die das unterirdische System aus Seen, Kanälen und Inseln bevölkern. Sie führt ihn ein in die Neue Gemeinschaft unter Tage. Katharina ist dem System treu ergeben, das seine Bürger streng kontrolliert und Schutzsuchende in genetisch wertvolle oder in vermeintlich minderwertige Menschen kategorisiert, und die Ausgesonderten in Lager steckt.

Konrad wird in die Sicherheitskräfte aufgenommen und nimmt an Einsätzen gegen Terroristen teil. Als Konrad klar wird, dass er einem faschistoiden Regime dient, wechselt er die Seiten und schließt sich dem Widerstand an. Zusammen mit seinen Freunden startet er die 'Rebellion unter Tage' .

Gleich lesen: Rebellion unter Tage

Leseprobe:
Friedrich erreicht vollkommen erschöpft die Werkstattinsel. Seine Männer, die noch in jüngeren Jahren und um einiges ausdauernder sind als er, stützen ihn, als sie über die breiten Steinstufen aus dem Wasser steigen. Einige Techniker und Arbeiter, die die Landung ihrer Leute beobachtet hatten, laufen dem kleinen amphibischen Trupp entgegen. Die Schwimmer stehen in stetig wachsenden Pfützen und erholen sich schwer atmend von der Anstrengung.
»Männer, wir brauchen euch! Die Rebellion hat endlich begonnen. Wir haben eine Eingangsschleuse und ein Tunnellager besetzt. Derzeit läuft der Kampf um die Regierungsinsel. Wir haben die Schleuse zur Basis der Sicherheitskräfte zugeschweißt. Kein Boot kommt da mehr durch«, redet Friedrich auf die Leute ein.
»Wo ist euer Boot? Warum seid ihr zurück geschwommen?«, fragen die Leute.
»Wir hatten nach der Schweiß-Aktion die Schleuse weiter überwacht. Als die Wachen Verstärkung durch die Schleuse schicken wollten zu ihren Truppen auf der Insel und sie das Schleusentor nicht öffnen konnten, haben sie uns aufgefordert, das Tor zu reparieren. Natürlich haben wir nicht reagiert. Dann haben uns die Drecksäcke unter Feuer genommen, bis unser verdammter Kahn abgesoffen ist. Unsere Verbündeten, die ein Patrouillenboot der NGuT gekapert hatten, kamen gerade noch rechtzeitig, um uns Deckung zu geben. Leute, wir brauchen jetzt jeden Mann! Das ist die Gelegenheit, die Macht zu übernehmen und die verdammten Faschos beiseite zu fegen. Wenn wir jetzt entschlossen handeln, siegen wir.«
»Friedrich, du weißt, dass wir hinter die stehen«, erklärt ein hoch gewachsener Arbeiter mit rotblonden struppigen Haaren, der aus der wachsenden Menge hervor tritt. »Und du weißt auch, dass wir nichts lieber täten, als diese Nazi-Bande zu vernichten. Aber wir können doch nichts ausrichten mit Schraubenschlüsseln, Spaten und Hämmern! Wir brauchen Waffen!«
»Wir haben Waffen. Jede Menge sogar. Sind unsere drei Arbeitsboote in Ordnung?«
»Wir haben noch zwei von ihnen, ein drittes ist verschwunden.«
»Wie, verschwunden?«
»Vor ein paar Stunden hatten wir hohen Besuch. Der Nestapo-Chef höchst persönlich hat sich die Ehre gegeben. Er kam mit einem stinknormalen Hausboot. Abgefahren, oder? Er ist mit seiner schwer bewaffneten Eskorte, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen, in eines der Boote umgestiegen und ist abgedampft.«
»Egal, darum kümmern wir uns später. Dann muss es eben mit zwei Booten gehen. Also was ist jetzt, Männer? Seid ihr bereit, zu handeln?«
»Ich sage meinen Kumpels aus der Schicht Bescheid. Die sind auf jeden Fall dabei, wie ich sie kenne.« Der Rotschopf macht auf dem Absatz kehrt und läuft in Richtung des zentralen Platzes davon. Die Menge strebt auseinander. Weitere Leute laufen zu ihren Häusern, um Bekannte und Freunde zu mobilisieren.
»Wir machen die Boote klar. Los!«, sagt Friedrich zu seinen Kameraden. Die Männer streben dem kleinen Anleger zu. Dann steigen sie in die Boote und werfen die Motoren an.
Minuten später sammeln sich dutzende Techniker und Arbeiter am Steg. Friedrich bedeutet ihnen, an Bord zu kommen. »Die letzten machen die Leinen los!«, ruft er ihnen entgegen. »Hört zu Männer! Wir werden jetzt zur sabotierten Schleuse fahren und mit unserem Patrouillenboot koppeln, das die Wachen im Schach hält. Auf dem Boot sind die Waffen für euch. Wir legen ab, volle Fahrt voraus!«
Als die beiden Werkstattboote bei Ben ankommen, liegt der See bereits in der Abenddämmerung. Die Boote schieben sich langsam an die von der Schleuse abgewandte Seite heran und machen am Patrouillenboot fest. Die Männer steigen die flache Bordwand herauf und gehen dann nacheinander unter Deck, wo Ben sie unverzüglich mit Gewehren und Munition ausstattet. »Friedrich, das sind weit mehr Leute, als ich erwartet hatte. Ich hoffe nur, dass sie mit den Waffen auch halbwegs umgehen können und vor allem, dass wir uns auf sie verlassen können«, sagt Ben, als er Friedrich den Niedergang zum Mannschaftsraum herunter kommen sieht.
»Für meine Leute würde ich meine Hand ins Feuer legen. Sie waren allesamt beim Pflichtdienst der Sicherheitskräfte. Sie sind also, was Waffen angeht, absolut fit.«
»Dein Wort in Gottes Ohr!« Ben grinst seinen Freund breit an und hält ihm ein Sturmgewehr entgegen. »Während du deine kleine Schwimmrunde absolviert hast, habe ich nachgedacht.«
»Schwimmstunde! Sehr witzig!«
»Komm, sei nachsichtig mit mir.«
»Über was hast du denn nun nachgedacht?«
»Darüber, wie wir weiter vorgehen werden. Unser Plan sah ja eigentlich vor, dass wir mit euch als Verstärkung zur zentralen Insel aufbrechen sollten. Ich denke aber, dass wir dem Feind auf der Basis keine Chance geben sollten, sich über Nacht zum Gegenangriff zu sammeln. Wir müssen sie unter Druck halten. Wir sollten die Schleuse besetzen und dort eine Art Brückenkopf bilden. Dann gehen wir mit Patrouillen links und rechts des Kanals vor und greifen sie weiter an. Parallel schicken wir eines der Werkstattboote mit einigen Männern zu Konrad und Chris auf die Regierungsinsel. Sie verstärken die Teams dort und übermitteln die Nachricht, dass wir die Basis angreifen. Der Kahn sollte aber erst abrauschen, wenn wir den Schleusenposten fest in unserer Hand haben. Was meinst du?«
»Hast du alle Posten erledigt?«
»Ich hoffe es. Genau wissen wir es erst, wenn wir die Schleusenhäuschen gecheckt haben und dabei nicht beschossen wurden.«
»Dieses Risiko müssen wir wohl eingehen.«
»Attacke?«
»Attacke!«

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"Der Spinswitcher: In der nahen Zukunft einer parallelen Wirklichkeit" von Matthias Töpfer

Schon in naher Zukunft, in einer parallelen Wirklichkeit, die der unseren zum Verwechseln ähnlich ist, stößt der australische Gehirnforscher Aldo Effetti auf einen Algorithmus, der ihm Einfluss auf Schicksal und Materie verleihen könnte. Doch seine Arbeit wird von einer unbekannten Organisation überwacht und noch in derselben Nacht mutwillig zerstört. Effetti rettet, was zu retten ist und flieht illegal nach London, wo er beginnt, sein Wissen in Form von Programmen für Smartphones zu vermarkten: den sogenannten Wünsch-dir-was-Apps.

Werden ihm die Mächtigen der Welt das durchgehen lassen? Welche Rolle spielt die Schiffsmechanikerin Stephanie Viper in dieser Angelegenheit? Und welches erschütternde Ereignis dokumentiert der Kameramann Desmond Labaru am Freitag dem 13. hautnah, live und in Farbe für das weltweite Publikum der BBC?

Der Spinswitcher ist ein sozialkritischer, aber mit Fantasie, Ironie und Action geladener Thriller, der mit einer Prise Science Fiction versucht, auf amüsante Weise eine Brücke zwischen Wissenschaft und Magie zu schlagen.

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Leseprobe:
London, Freitag der 13. September 2024 10:20

Heute war ihr erster Urlaubstag. Ruth Oasis hockte in ihrem Lieblings-Schlabbershirt und einer gemütlichen, extraweiten grauen Jogginghose aus dicker Baumwolle an der Theke ihrer schicken Wohnküche. Die patente Postbotin war gerade erst fünfunddreißig Jahre alt geworden. Sie war sportlich schlank und klemmte ihr kastanienbraun schimmerndes, schulterlanges Haar gerne elegant hinter die Ohren. Das brachte ihre markanten Wangenknochen besser zur Geltung, fand sie.
»Ach nö, nicht schon wieder!«, schimpfte sie genervt und starrte missmutig auf das Display ihres Smartphones. »Epli Incorporated«, stand da. »Eine neue Softwareaktualisierung ist verfügbar. Download: ›Ja?‹ Oder ›Weiter?‹«
»Zum Teufel, nein! Ich will kein Update! Ihr blinden Tunnelaffen! Ich - will - es - nicht! Zum Kuckuck. Wo habt ihr denn den Abbrechen-Button versteckt?«
Ratlos vergrub sie das kleine Gerät in ihren Händen und ließ es frustriert in den Schoß fallen. Sie starrte durchs Fenster – defokussiert – weit hinaus über die lange Reihe historisch anmutender Londoner Hinterhofdächer. Noch feucht vom Regen der Nacht, reflektierten diese das flach einfallende Sonnenlicht wie matte Spiegel und trugen es gleißend hell und spätsommerlich warm bis hinein in Ruths putzige, mit Blümchen bemusterte Mansardenwohnung. Links an der Wand, gegenüber dem dunkelroten Sofa aus Schweden, flimmerte das Vormittagsprogramm über ihren betagten Flachbildfernseher. Der Ton war sehr leise eingestellt. Ausnahmsweise interessierte sich Ruth nur am Rande dafür, was gesprochen wurde. Es ging ihr mehr darum, nebenbei am Geschehen da draußen in der Stadt teilzuhaben, ohne irgendetwas Wichtiges zu verpassen.
Sie sah erneut aufs Display ihres Smartphones. »Na gut, du Quälgeist, du gibst ja doch keine Ruhe. Aber wehe, es funktioniert später wieder irgendetwas nicht, was vorher wunderbar mitgemacht hat!« Sie drückte auf dem Touchscreen den Button für ›Weiter‹. Ein grüner Balken tat sich auf. »Download läuft. Noch 25 Minuten.«
»Sooo lange? Bist du noch ganz sauber in der Birne?« Ruth legte das Handy verächtlich auf den Tresen und ließ es tun, was nicht zu verhindern war. Dann goss sie sich etwas heißen Tee nach. Immerhin: Der war köstlich. Ein Lord Phi Highland Spezial, erste Pflückung. Ein Geschenk ihres vierzehn Jahre älteren Freundes.

Und da war sie wieder: diese stechende Sehnsucht. Das Herz tat ihr weh, wenn sie an ihren Noah dachte. Was war aus ihm geworden? Das letzte Mal hatten sie sich auf ein Bier getroffen, sehr spät am Abend, in ihrer Stammkneipe am Queensway 112. Ganz kurz nur. Er war in schlechter Verfassung gewesen und hatte von Problemen gesprochen, die er nicht im Griff habe. Er hatte gehetzt gewirkt, angetrunken und dennoch sehr um sie besorgt. Hoch und heilig hatte er ihr versprochen, sich bald wieder bei ihr zu melden. Das war vor drei Monaten gewesen. Eine viel zu lange Zeit, wie sie fand. Warum rief er sie nicht an?
Im Streit waren sie nicht auseinandergegangen. Ganz im Gegenteil. Sie hatten sich sehr zärtlich voneinander verabschiedet. Die Trennung sollte nur vorübergehend sein, hatte er damals beteuert, nur für wenige Tage. – Irgendetwas stimmte mit ihm nicht.
Als sie gleich am Montag darauf in seiner Straße gewesen war, um die Post auszutragen, war ein hoher Bauzaun vor seinem Haus gestanden – mit einer Plane als Sichtschutz. Der unfreundliche Polizeibeamte davor, hatte sie weggejagt, weil sie einen Blick dahinter werfen wollte. Und es hatte dort seltsam gerochen. Nach Zitronenaroma. Daran erinnerte sie sich noch. Ruth war besorgt. Wo er sich jetzt wohl herumtrieb?

Sie spülte den Kloß in ihrem Hals mit einem weiteren Schluck des köstlichen Tees hinunter und starrte auf das Fernsehgerät. Unter dem eingeblendeten Newsticker zeigten die Kameras des Senders polizeiliche Einsatzfahrzeuge, pulsierendes Blaulicht und Polizisten beim Absperren irgendeiner Stelle, die nach Hyde Park aussah. Gesichter fassungslos umherblickender Menschen waren zu sehen. Was war denn da los? Ruth wollte nach dem Handy greifen, um mit dem zuständigen App den Fernsehton laut zu drehen.
Ach natürlich, das lud ja immer noch dieses leidige Update herunter. Besser in Ruhe lassen. Wo hatte sie gleich noch die Fernbedienung hingelegt? Sie kramte ihre Küchenschubladen durch. Ah, da war sie ja. Sie zielte mit dem Infrarotsender auf den Monitor und drückte auf ›Lauter‹. Aber es tat sich nichts. Der Ton blieb weiterhin unhörbar. Lag das vielleicht an den alten Batterien? Na ja, die Fernbedienung war ja auch seit Monaten nicht mehr benutzt worden. Mit dem App ging es eben wesentlich komfortabler.
Wie weit war denn das Smartphone inzwischen? Schwarzer Bildschirm … tot? Nein. Das Betriebssystem fuhr gerade wieder neu hoch. Gott sei Dank. Der erlösende Jingle erklang und im nächsten Moment erschien auch die Eingabemaske für den Pincode. Eilig tippte sie ihn ein.
Und was war das jetzt? Ruth traute ihren Augen nicht. Sie kreischte: »Seid ihr kirre?« Ihre Stimme klang so – und so schaute sie auch drein, als hätte man zu ihr gesagt: »Ihr Baby ist im Kreißsaal leider vertauscht worden.«
Und irgendwie war dieses Gerät ja auch so etwas wie ihr Baby. Nun war es ihr fremd geworden. Die Bedienungsoberfläche sah ganz anders aus als vor dem Update. Das machte Ruth zu schaffen. Sie schüttelte angewidert den Kopf.
»Was ist denn das für eine Scheiße? Was habt ihr getan? Ohne mich zu fragen. Warum? Es war doch alles gut!« Ruth blätterte ungläubig durch die Icon-Sortimente und verstand die Welt nicht mehr. Epli hatte das komplette Design geändert. Der vertraut-kindlich und wohlig anmutende Look, der Ruth so charmant an ihre Puppenstube aus Kindertagen erinnert hatte, war gegen eine kalte, flache Businessoberfläche ersetzt worden. Keine Ledereinfassung mit putzigen Nähten um den Notizblock mehr. Die Datenbank für Adressen und Kontakte sah nicht mehr aus wie ein niedliches aufgeschlagenes Buch. Stattdessen waren die Icons nun quietschbunt, flach und schattenlos, als würden sie nicht vom renommiertesten Smartphone-Hersteller der Welt stammen, sondern zu irgendeinem chinesischen Billighandy gehören, das man sich für fünf Pfund aus dem Wühltisch ziehen konnte.
Doch der eigentliche Schock kam ja erst: Es benahm sich nicht mehr wie gewohnt. Ruth hatte Ihre geliebten Wünsch-dir-was-Apps längere Zeit nicht benutzt. Und als sie jetzt auf die entsprechenden Icons tippte, passierte … gar nichts. Es war, als gäbe es die Programme nicht mehr. Die neue Version des Betriebssystems hielt es nicht einmal für nötig, eine Fehlermeldung anzuzeigen. Ruth probierte es immer wieder, aber der Effekt war gleich null. Inzwischen saß sie gekränkt auf ihrer Couch vor dem Fernseher und es kullerten ihr richtig dicke Tränchen aus den Augen.
Wenn doch bloß Noah wieder da wäre. Er hätte ihr bestimmt geholfen. Schließlich war er der Schöpfer dieser ganz besonderen Apps. Als wäre es gestern gewesen, sah sie ihn vor sich. So sympathisch besorgt war er um sie an dem Tag, als sie einander kennenlernten. Er redete völlig unverständliches Zeug, aber er roch gut und seine warme Stimme berührte ihr Herz, als sei in ihrem Inneren der Button für ›Weiter‹ gedrückt worden.

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26. August 2015

"Lucy, das liebe Seeungeheuer" von Lady Grimoire

Lucy ist anders als die anderen Seeungeheuer. Ihr macht es keinen Spaß, Menschen zu erschrecken. Das Seeungeheuermädchen folgt seinem Herzen und freundet sich – zum Entsetzen aller – am Ufer mit Vanessa an, einem Menschenmädchen, mit dem sie ihre Vorliebe für Erdbeereis teilt.

Obwohl in der Seeungeheuerschule Lucys Mitschüler über sie zu tuscheln beginnen und ihre Eltern ihr den Umgang mit ihrer neuen Freundin zunächst verbieten, hält sie trotzdem an der Freundschaft fest. Zusammen mit Vanessa kommt sie schließlich hinter das alte, vergessene Geheimnis der Seeungeheuer …

Eine liebevoll illustrierte Kindergeschichte, die Kindern moralische Werte vermittelt und aufzeigt, wie wichtig Freundschaft und Toleranz sind.

Gleich lesen: Lucy, das liebe Seeungeheuer

Leseprobe:
Lucy war ein Seeungeheuerkind, das im Meer lebte. Oft langweilte sie sich schrecklich, weil wieder niemand mit ihr spielen wollte. Dann hockte sie auf dem Meeresboden und schaute ihren Luftblasen hinterher, die langsam zur Meeresoberfläche hinaufstiegen. Auch wenn dies nicht besonders spannend war, vertrieb sie sich lieber die Zeit alleine, da die anderen Seeungeheuerkinder nur mit ihr spielen wollten, wenn sie mit ihnen zusammen Menschen am Strand erschrecken würde. Lucy fand es aber überhaupt nicht lustig, Menschen Angst einzujagen. Sie war der Ansicht, dass es ihr auch nicht gefallen würde, wenn man sie erschreckte. Und Lucy war stolz darauf, ein liebes Seeungeheuer zu sein. Sie wollte nicht ihr gutes Herz in ein böses Herz verwandeln. Leider gab es einige ihrer Art, die sich nicht davon abhalten ließen, sie trotzdem zu ärgern.
Eines Tages, als Lucy gerade dabei war, vor lauter Langeweile Algen zu flechten, kniff Albert sie mal wieder von hinten in ihren langen Schwanz. Er lachte meckernd, als er sah, wie Lucy sich erschreckt hatte. Albert machte sich jedes Mal einen Spaß daraus, Lucy zu ärgern. Im Gegensatz zu ihr war er dicklich, da er sehr gerne Unmengen von Fisch und Muscheln aß.
„Lass mich endlich in Ruhe, Albert!“, schimpfte Lucy und riss ihren Schwanz an sich, damit Albert sie nicht weiter hineinzwicken konnte.
„Sei keine Spielverderberin und schließe dich uns an. Wir wollen heute wieder an die Wasseroberfläche schwimmen und die Menschen am Strand erschrecken.“
„Könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?! Ich werde niemals Menschen erschrecken.“
„Ich sehe schon, dass ich dich nicht umstimmen kann. Ich verschwende hier mit dir nur meine wertvolle Zeit.“ Der dicke Albert streckte ihr seine Zunge heraus und schwamm hurtig davon. Dabei hinterließ er durch seine schnellen Flossenbewegungen aufwirbelnden Meeresboden.
Lucy war sehr traurig darüber, dass er und die anderen sie nicht akzeptierten, wie sie war. Da sie keine Lust mehr hatte, Algen zu flechten, beschloss sie, auch einmal wieder an die Wasseroberfläche zu schwimmen. Oben angekommen, tauchte sie besonders vorsichtig mit ihrem Kopf aus dem Wasser auf, damit die Menschen sie nicht entdeckten. Sie hatte schon oft vom Wasser aus den Menschenkindern zugesehen und sich immer gewünscht, dass sie mit ihnen spielen könnte. Lucy wollte sich am liebsten bemerkbar machen, doch sie wusste genau, dass die Kinder dann schreiend davonlaufen würden. Zu oft hatten sich in der Vergangenheit die anderen Seeungeheuerkinder einen Spaß daraus gemacht, die Menschenkinder zu erschrecken. „Wieso sollten sie auf mich anders reagieren?“, fragte sie sich.
„Danke schön für das Eis!“, hörte sie plötzlich eine hohe Mädchenstimme sagen. Lucy sah, dass ein kleines Mädchen mit langen, stroh-blonden Haaren von einem weißen Wagen wegging und auf einer Bank in der Nähe des Ufers Platz nahm. Sie war das einzige Kind weit und breit. Die anderen Kinder spielten in einiger Entfernung auf einem Spielplatz. Nachdem es sich hingesetzt hatte, fuhr der Wagen auch schon weg. Lucy konnte nicht widerstehen, mit ihren großen Nüstern in Richtung dieser Delikatesse, die Eis hieß, zu schnuppern. Welch ein verlockender Duft von ihm ausging! Lucy schwamm langsam immer näher und näher heran, bis sie schließlich im flachen Wasser ihre vier Flossen auf dem sandigen Boden aufsetzen konnte.
Sie versteckte ihren Kopf hinter dem Schilf, das überall wuchs, und fragte von dort aus: „Liebes Mädchen, darf ich bitte auch mal probieren?“
Das blonde Kind schaute auf und blickte sich suchend nach der Stimme um. „Wer bist du? Wo bist du? Ich sehe dich nicht.“
„Ich würde mich dir gerne zeigen, aber du wirst dich bestimmt erschrecken, wenn du mich siehst.“
„Wieso sollte ich mich erschrecken? Du hast so eine schöne Stimme, dass du bestimmt bezaubernd aussiehst.“
„Das ist lieb von dir, aber …“
„Wir machen es so“, redete das Menschenkind dazwischen, „ich verspreche dir, dass ich dir die Hälfte meines Erdbeereises abgebe, wenn du dich mir zeigst. Abgemacht?“
„Aber was ist, wenn du dich wirklich erschreckst? Ich mag es nämlich nicht, wenn sich Menschen vor mir fürchten, dafür habe ich die Menschen zu gerne.“
„Ich werde mich nicht erschrecken“, versprach das mutige Mädchen und leckte wieder an ihrem Eis.

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25. August 2015

"Das Reich des Johannes: Buch 1 - Pela Dir" von Philipp Schmidt und Martin Pfeil-Schmidt

Ban Rotha – das Land der Fischer – ist in Gefahr. Ein gigantisches Heer von Nordländern sammelt sich unter dem Banner einer rachsüchtigen Magierin. Ihre ehemaligen Schwestern, die Herrinnen Ban Rothas, rufen in ihrer Not Helden aus den unterschiedlichsten Zeiten und Kulturkreisen zu Hilfe. Elf Männern, die bereit sind als Champions für sie einzutreten, gelingt es, ihrem Ruf zu folgen.

Einer ist Cuchulainn, ein mächtiger Kriegsherr aus dem mystischen Eire, ein anderer Johannes, ein beinahe gewöhnlicher Mann des 21. Jahrhunderts. Zwei Helden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.Um die Streitkräfte des Südens erfolgreich in die Schlacht zu führen, müssen sie und die anderen Champions trotz aller Gegensätzlichkeiten ihre Differenzen überwinden.

Der Zauberer Thoran, der letzte seiner Zunft, weiß, dass dabei nicht nur die Zukunft Ban Rothas auf dem Spiel steht, sondern das Schicksal aller Welten. Die Invasion muss um jeden Preis abgewehrt werden, aber die Hexenköngin hat ebenfalls einen Champion an ihre Seite befohlen: Ein Wesen aus dem Totenreich, ein Gestalt gewordener Alptraum, ein scheinbar unbezwingbarer Feind …

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Leseprobe:
Nebelverhangen sind die Küsten Eiras zu dieser Jahreszeit. Rot zeichnete sich die Steinküste im ersten Sonnenlicht des neuen Tages ab. Und auf noch etwas legte die Sonne tastend ihre warmen Finger: Von ihren Booten aus gewahrten grimmige Männer an der Spitze der sie erwartenden Heerschar die Umrisse eines hünenhaften Kriegers. Seine Silhouette schälte sich langsam aus der felsigen Küste, auf die sie mit eisigen Mienen zuhielten. Es waren allesamt entschlossene Kämpfer, die ihren Mut in vielen Schlachten unter Beweis gestellt hatten, dazu geschickte und erfahrene Seefahrer, und doch standen ihnen die Strapazen der Reise in die bärtigen Gesichter geschrieben. Die Vorboten der Herbststürme hatten sie über die Meerenge getrieben, fünf Mann hatte Mannanan, der Herr der Fluten, zu sich geholt.
Maredudd, der Befehlshaber der kleinen, einlaufenden Flotte, fühlte den alten Hass gegen die Bewohner dieses Landes in sich aufsteigen. Je mehr die Sonne von der Insel preisgab, umso grüner und lieblicher wurde sie. Und mit der steigenden Sonne wuchs seine Kampfeslust. Maredudd und seine Mannen kamen aus Cymru, das später einmal Walisien heißen sollte. Die Klippen, die er jetzt aufmerksam beobachtete, erhoben sich viele hundert Fuß über der Landzunge, an welcher er gedachte, die Insel zu betreten. Dennoch erblickte sein scharfes, kaltes Auge eine weitere Gestalt, die sich zu dem Riesen gesellte.
Es war Mortiana, Hohepriesterin der großen Mutter und Beraterin des Mannes, der in einen Fellmantel gehüllt, lässig auf seinen Speer gestützt, dem Treiben der gefürchteten Räuber zusah. »Wie ich vorhergesagt habe, Cuchulainn. Die Welt rückt zusammen. Schon lange haben sich die Cymraeg nicht mehr an unsere Küsten gewagt.« Die Worte wurden einem Raunen gleich an das Ohr des Kriegers getragen. Da sein Blick auf die landenden Kampfverbände gerichtet war, war er sich nicht sicher, ob die Priesterin beim Sprechen die Lippen bewegt, oder sich dabei ihrer magischen Kräfte bedient hatte. Nun wandte er sich zu ihr um. Bis auf einen Umhang aus Rabenfedern war sie nackt, was aber kaum auffiel, da ihr ganzer Körper von unzähligen Symbolen in blauer und weißer Farbe bedeckt war. Mitten auf der Stirn glühte das Zeichen ihrer geistigen Erkenntnisstufe, ein schwarzer Sichelmond. Auch diesmal war sie wie aus dem Nichts aufgetaucht. Einem Fremden, der die grüne Insel besucht hätte, wären vornehmlich männliche Würdenträger begegnet, doch die wahre Macht lag bei den Frauen. Selbst Cuchulainns König, Conchobjar Mac Nessa, folgte in allen großen Entscheidungen nur einem Willen: dem Mortianas und ihren Schwestern.
»Lugh zum Gruße«, erwiderte Cuchulainn, der stets darauf bedacht war, das der Priesterklasse gebührende Zeremoniell strikt einzuhalten. Und nach der Begrüßungsformel fügte er leiser hinzu: »Ihre schmutzigen Stiefel auf Eiras heiligen Boden zu setzen, wird der letzte Fehler ihres unbedeutenden Lebens sein. Da die Welt zusammenrückt, wie du sagst, müssten sie wissen, dass hier nichts auf sie wartet, außer der Spitze meines Speers und ein schneller Tod.«
Ein Windhauch erfasste sein Haar und flüsterte ihm Mortianas Antwort, die sich bereits zum Gehen anschickte, ins Ohr: »Lehre sie Respekt vor der Inselmutter, Beschützer von Ulster.«
Schon war sie verschwunden und er wieder allein mit seinen Gedanken. Mit Respekt lehren meinte sie, dass er die Fremden vernichten sollte. Niemand vermochte so harmlos und beiläufig vom Töten zu sprechen wie Mortiana. …

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"Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie" von Helmut Aigner

Aus Verbündeten werden Verräter - Freunde zu gnadenlosen Feinden, in einer Welt, in der das Wirken von Magie ein unsagbares Verbrechen darstellt.

Ein einfacher Auftrag gerät für eine Söldnerin aus Courant zu einem Desaster. Ein fanatischer Ritterorden macht Jagd auf eine Gemeinschaft von Verstoßenen.Und die letzte Elfenzivilisation Aedon-Vohrns steht kurz vor ihrem endgültigen Zerfall. Sie alle sind verbunden durch den Konflikt alter Mächte.

Einer Fehde der Gefallenen.

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Leseprobe:
Andauernd, jede Nacht, plagten sie düstere Albträume. Es blieb falsch, egal wie oft sie es durchlebte.
Unerklärliche Bilder verblassten nach dem Erwachen, mit rasendem Herzen suchte sie nach einer Erklärung.
Im Schlaf wurde Etaila zu jemand anderem, einer Frau, die in Furcht lebte vor ihren Verfolgern.
Sie rannte durch einen dichten Wald, gehetzt von einem Jäger. Oder glaubte es nur. Wenn sie sich umdrehte, war da nichts, nichts außer der Kälte zwischen den Ästen, dünnem aufsteigendem Rauch und purer Einsamkeit. Sie landete an einem anderen Ort, herausgerissen aus der Vergangenheit.
Grübelnd sah die Träumerin eine Siedlung, klein, friedlich und abgelegen in den Bergen, die sie nie bereist hatte. Sie erspähte eine alte Frau mit sorgenvollem Blick, die Sorgfalt galt allein dem Schicksal der Besucherin.
Der Tod kam in die kleine Siedlung.
Die Vorsteherin wurde erstochen von einem Mann bewaffnet mit schlichtem Dolch. Er wechselte sein Angesicht, war erst jung, später alt und wieder umgekehrt.
Doch das war nur der Beginn, die Eindrücke änderten sich rasch, sie konnte kaum folgen.
Sie sah ein Heer von Angreifern, keine Menschen, sie brachten das Leid in die entlegenen Täler des Grenzlandes der Thärden, den kriegerischen Clansleuten und verhassten Nachbarn der Elfen.
„Es sind Orks, flieht, wenn Ihr sie bemerkt, sonst ist es um Euch geschehen", flüsterte eine leise ängstliche Stimme ihr in den Nächten zu.
Diese Warnung flößte ihr Angst ein und machte sie panisch. Wieder befand sie sich in dem lichtlosen Wald unter schiefen Baumreihen. Sie zitterte vor Angst und Kälte, und als sich Etailas anderes Ich umwandte, stand jener, der seine Form wechselte, hinter ihr, mit gezogenen Dolchen und einem frostigen, mordgierigen Glitzern in den Augen.
Die ängstliche Stimme in ihr begann zu sprechen. Sie flüstere nur einen Namen. Es war derselbe, den die alte Frau kurz vor ihrem Tod gehaucht hatte. Ein mächtiger Name, so althergebracht wie die Sagen ihres Volkes
„Viondars".
Dann wachte sie auf, den Klang ihres eigenen Schreies in den Ohren. Der wirre Traum riss sie aus dem Schlaf. Sie setzte sich auf ihre einfache Schlafstätte, Säcke, gefüllt mit Stroh.

Im Kindle-Shop: Trugbild der Schatten: Erster Teil der Aedon-Vohrn Trilogie
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