20. Februar 2016

"Zwei zwischen Minirock und Kochtopf" von Heidrun Böhm

Zwei Mädchen zwischen Minirock und Kochtopf versuchen erwachsen zu werden … nicht ohne Hindernisse.

"Ihr seid die Nägel zu meinem Sarg", kreischte die alte Lehrerin mit verzerrtem Gesicht. Ihre eisenfarbenen Augen waren weit aufgerissen und ihr Mund erinnerte Gabi und Lena an ein Bild vom Eingang der Hölle, das sie vor einiger Zeit in einer Bibel gesehen hatten. An jener Stelle loderte das ewige Fegefeuer, in das alle Sünder irgendwann kommen würden.

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Leseprobe:
„Ihr seid die Nägel zu meinem Sarg“, kreischte die alte Lehrerin mit verzerrtem Gesicht. Ihre eisenfarbenen Augen waren weit aufgerissen, und ihr Mund erinnerte Gabi und Lena an ein Bild vom Eingang der Hölle, das sie vor einiger Zeit in einer Bibel gesehen hatten. An jener Stelle loderte das ewige Fegefeuer, in das alle Sünder irgendwann kommen würden.
Im Klassenzimmer war es danach sehr ruhig. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, während die Mitschülerinnen Gabi und Lena spöttisch belächelten.
Die gemeinsame Abneigung gegen die Schulleiterin, die Unterricht im Nähen gab, verband die Freundinnen. Denn diese alte Schachtel hielt Gabi und Lena für gleichwertig dumm. Wenn andere Schülerinnen in einer Stunde eine perfekte Küchenschürze nähten, waren nur die beiden noch nicht mit dem Zuschnitt fertig.
Die Lehrerinnen dieser Schule betrachteten ihre Zöglinge mit einem milden und einem wachsamen Auge. Ihr Ziel war es, den jungen Mädchen auf den „rechten Weg zu helfen. Doch was die Lehrerinnen unter dem „rechten Weg“ verstanden, begriffen auch die Schülerinnen, die in einer Stunde eine Schürze nähen konnten, nicht.
Ein Unterschied war da. Gabi war dick, und Lena eine kleine dürre Bohnenstange. Wo die eine zu viel hatte, fehlte es der anderen an Rundungen. Trotzdem, etwas gefiel Lena an ihrer Mitschülerin. Ihr plattes rotes Hütchen, das wie angeklebt auf ihren blonden kurzen Haaren saß, war es nicht. Lena fand es scheußlich. Die grünen Augen waren es auch nicht. Lena hatte braune Augen. Grüne Augen haben nur wenige Menschen, und Katzen, das wusste sie. Gabi war merkwürdig angezogen, trug lange karierte Röcke und weiße Blusen mit Rüschen am Hals. Lena verglich die Vorstellung jemals selbst so ausstaffiert zu sein, mit einem Albtraum.
Und Gabi trat auch nicht so selbstsicher auf wie die anderen Mädchen hier in der Haushaltungsschule, die alles was ihnen beigebracht wurde, sofort zu verstehen schienen. Denn das Nähen dieser verflixten Schürzen machte nur Gabi und Herta Probleme.
Die Lehrerin, die Unterricht im Nähen gab, war von einer anderen Lehrerin abgelöst worden. „Heute lernen wir, wie man einen Säugling wickelt,“ kommt bitte alle nach vorn,“sagte sie.
Die Mädchen drängelten sich kichernd ums Pult. „Die Renate ist schwanger, „ zischelte Lena Gabi zu, und rückte ihr grünes Hütchen zurecht. Gabi hielt sich die Hand vor den Mund, um den aufsteigenden Lachreiz zu unterdrücken. „Und nun wollen sie uns beibringen, wie man aus einem Säugling, und einer Stoffwindel ein handliches Paket schnürt,“flüsterte sie Lena zu.
Die beiden Mädchen kicherten aber die ganze Stunde über, was zur Folge hatte, dass sie immer noch nicht wussten, wie man einen Säugling wickelt.
Lena und Gabi hatten immer etwas zu lachen. Aber genau so schnell fanden sie auch einen Anlass zum Weinen „Das ist nun mal so in der Pubertät“, hatte Lenas Mutter gesagt.
Aufklärung war weder im Lehrplan der Schule, noch bei den Eltern vorgesehen. Deshalb machten die Lehrerinnen dieser Schule und einige Eltern den meist vergeblichen Versuch, den Mädchen Tugend und Sittsamkeit beizubringen.

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