14. März 2016

"Der gegrillte Koch: Eine ganz heiße Geschichte" von Birke Butter

Heiner Holler arbeitet sich aus kleinsten Verhältnissen zum „Gastro-König“ der Kurstadt Baden-Baden hoch. Dabei helfen ihm ein paar glückliche Zufälle, die für die Menschen seiner Umgebung dummerweise tödlich enden. Er umgarnt das Publikum, das ihm zujubelt, mit Ideen und „besonderen“ Rezepten. Keiner ahnt, dass er für seine „Amuse Geules“ eine magischen Zutat verwendet, die jedem Koch das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Oder auch nicht?

Schöne Mädchen, elegante Damen und hübsche Jungs erliegen seinem Charme. Aber getrieben von Rache für eine in der Kindheit erlittene Demütigung, verliert er am Ende alles. Auch seine große Liebe.

Die schnörkellose Erzählung pendelt geschickt zwischen Drama und Satire. Hier ist kein Wort zu viel. Von der ersten Seite an verfolgt der Leser mit wachsender Spannung die Kapriolen des Protagonisten, die ihn immer höher steigen lassen. Bis zum tiefen Fall. Das ideale Buch für Menschen, die wenig Zeit haben – so spannend, dass man es in einer Nacht ausgelesen hat.

Gleich lesen: Der gegrillte Koch: Eine ganz heiße Geschichte

Leseprobe:
Heiner tastete sich mit der linken Hand an der feuchten Backsteinwand entlang, um den Lichtschalter zu finden. Die Steintreppe, die in die weitläufigen Kellergewölbe des Restaurants „Sinziger Krug“ führte, war mit einem feinen Belag aus feuchtem Staub, altem Fett und Mäusekot bedeckt. Es gab kein Geländer. Man musste geschickt sein, um nicht auszurutschen, und gute Augen haben, um im fahlen Licht der Kellerfunzel etwas zu erkennen.
Hier war der Bauch des Restaurants, der unersättlich alles in sich hinein schaufelte: Die Kisten mit Tomaten, Salat, Gemüse, die Steigen mit Kartoffeln und Zwiebeln, die Meerrettich-Wurzeln, die in einem feuchten Sandhaufen steckten, die Rinder- und Schweinehälften, die Hühner, die Enten und Wachteln, die Paletten mit den Eiern und alles was sonst noch gebraucht wurde für die Kreationen der traditionellen badischen Küche.
Nein, besonders sauber war es hier unten nicht, und Heiner fragte sich, wie das gehen konnte, wo es doch eine Gewerbeaufsicht gab. Schaute keiner von denen hinter die dicken grauen Türen der Kühlkeller, wo manchmal tagelang die Sahne und der Käse vor sich hin schimmelten? Roch keiner die faulenden Kartoffeln und die matschigen Zwiebeln, die hier in den dunklen Ecken verrotteten? Es spielte keine Rolle, und keiner sah es den „Tournedos Rossini“, dem „Coque au vin“, den „Hechtklößchen nach Art des Chefs“ und allen anderen wohlklingenden Gerichten der französisch beeinflussten badischen Küche an, unter welchen hygienischen Bedingungen sie auf den Tisch kamen.
Die Portionen waren reichlich im Restaurant „Sinziger Krug“. Was auf den Tellern blieb, wanderte in den „Verdauungstrakt“. Dort wo die überlaufenden roten und blauen Plastiktonnen, die auf den Schweinebauern warteten, vor sich hin stanken wie frisch Erbrochenes. Und über allem lag der faulige Moder des alten, feuchten Gemäuers.
Heiner hüpfte mit seinen Turnschuhen die glitschigen Steinstufen hinunter. Er hatte sich eine Technik angeeignet, bei der er die Stufen nur mit den Zehenspitzen berührte. Er war ziemlich schnell und rutsche nie aus.
Unten angekommen hielt er inne. Die Stille traf ihn jedes Mal wie ein Schlag: Er lauschte. Kam das Knistern und Rascheln von den Ratten? Nein, er hatte keine Angst vor den Viechern, mochte die Begegnungen aber nicht. Er war davon überzeugt, dass sie ihm überlegen waren. Schneller, gerissener, intelligenter. Eines Tages werden sie die Macht übernehmen, hatte seine verrückte Tante Adele prophezeit. Es sind Millionen, und wenn sich hundert von ihnen auf dich stürzen, fressen sie dich so schnell auf, dass in fünf Minuten nur noch deine Knochen übrig sind. Er fühlte sich angestarrt aus klugen schwarzen Augen.

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