9. März 2016

"Der Sklave und der König" von Michael Aulfinger

Spannender historischer Roman über Kyros II. und die Gründung des ersten Weltreiches der Geschichte.

Luskin wächst als Sklave auf. Dann muß er flüchten, und rettet eines Tages dem jungen Kyros II. das Leben. Später treffen sie sich wieder, und Luskin erlebt mit, wie Kyros das erste Weltreich der Geschichte erschafft. Sie treffen viele Gestalten der Geschichte und Religionen, wie Zarathustra, König Krösus und Nebukadnezar. Aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz.

Lesermeinung: "Der Roman ist in sich stimmig. Mir hat er gut gefallen. Ich empfehle ihn jedem der gerne Romane mit geschichtlichem Hintergrund liest."

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Leseprobe:
Ein Herold rief meinen Namen.
„Luskin aus Ekbatana.“
Wie es das Protokoll vorschrieb, ging ich nur bis zu den zwei Weihrauchgefäßen, die als Schranke vor dem Thron fungierten. Dort angekommen, sank ich auf die Knie, und verneigte mich indem mein Kopf den Boden berührte, und meine Arme nach vorne ausgestreckt waren. So wartete ich auf die Aufforderung des Königs mich erheben zu dürfen.
Doch sie kam nicht. Statt dessen wandte der König eine Frage an den Ausrufer.
„Wie war der Name? Wiederhole ihn noch einmal.“ Der Herold gehorchte.
„Luskin aus Ekbatana.“
„Steh auf Luskin und laß dich ansehen.“ Ich gehorchte.
Der König Kyros sagte nichts weiter. Seine Augen waren stechend, gar durchdringend auf mich gerichtet. Ebenso starrte Astores hinter dem Thron mich ungläubig an, als wenn ich ein div, ein Dämon wäre. Plötzlich erschallte von den umherstehenden Personen ein überraschtes „Ah“, denn es war etwas eingetreten, was eigentlich nie geschah, oder besser gesagt nicht dem Protokoll entsprach, und daher nie geschehen dürfte.
Der König war aufgestanden, und ging auf mich zu. Immer noch sprach er kein Wort. Stattdessen kam er immer näher, und blieb nur eine Elle entfernt vor mir stehen. Seine Augen sprachen Bände. Freude des Erkennens und Ungläubigkeit ließen sie aufleuchten. Plötzlich erhob er die Arme, und umarmte mich.
„Ah", erklang es erneut im Saal. Die Menschen tuschelten, denn es war wirklich ungewöhnlich. Als der König endlich die Umarmung löste, standen uns beiden Tränen in den Augen.
„Du bist es wirklich. Ich konnte es erst nicht glauben.“
Er drehte sich um, und wandte sich an Astores.
„Schließe für heute die Audienz. Sie ist jetzt beendet. Diejenigen, die mich nicht mehr sprechen konnten, gib eine neue Audienz.“ Sie sollen an einem anderen Tag vorsprechen dürfen. Für unseren Freund jedoch bereite ein festliches Mahl vor. Wir werden nachher unser Wiedersehen feiern. Doch Luskin, sage mir wer diese schöne Frau an deiner Seite ist. Ist dies dein Weib?“
Es war mir später peinlich doch in diesem Moment konnte ich nicht innehalten Ich prustete auf vor Lachen. Kyros und Astores der zu uns getreten war, fielen in mein Gelächter ein. Der Bann war gebrochen. Wir waren wieder die furchtlosen und ungehemmten Jünglinge von damals.
„Entschuldige mein König, doch sie ist nicht mein Weib, sondern meine Schwester Simine. Ich hoffe mein König hat nichts dagegen, daß ich sie mitbrachte.“
„Geschwätz. Sage nicht immer mein König zu mir. Nenne mich einfach nur Kyros, so wie du es früher tatest. Ich möchte nicht, daß etwas zwischen mir und meinem Lebensretter steht. Doch jetzt laß uns feiern gehen. Aber vorher könnt ihr euch in euren Zimmern im Palast frisch machen. Ich werde euch Sklaven zu euren Diensten abstellen. Es soll euch an nichts fehlen. Wir treffen uns dann zu Essen. Ihr werdet abgeholt und dorthin geleitet werden. Dann kannst du mir auch erzählen, warum du in Sabol plötzlich verschwunden warst. Es interessiert mich brennend, wie es dir danach erging. Wie es mir erging siehst du ja hier.“
Lachend breitete er die Arme aus und zeigte auf die Untertanen, die jetzt den Audienzsaal verließen. Kyros schien seinen Humor von früher behalten zu haben. Das bedeutete wohl, daß die Bürde des Königseins nicht schwer auf seiner Schultern lastete, sondern er es in seiner von früher gewohnten Art humorvoll nahm. Dies erfreute mich in höchstem Maße, denn es bedeutete, daß er sich nicht allzu sehr verändert hatte. Davor hatte ich nämlich am meisten Befürchtungen.
Selbstverständlich wurde unser Gepäck aus der kühlsten Herberge von Anschan in den Palast herübergebracht, wie auch unsere Pferde die von nun an das beste Stroh im königlichen Pferdestall vorgelegt bekamen.
Wir dagegen bekamen prunkvoll ausgestattete Zimmer im Palast zugewiesen. Uns fehlte es an nichts. Simine konnte ihr Glück nicht fassen. Ich gönnte ihr diesen dargebotenen Luxus von ganzem Herzen, denn jetzt konnte sie so viel versäumtes nachholen, und einige angenehme Jahre nach ihrem vorher kargem Leben genießen. Sollte auch sie einmal im Leben die süßen Seiten nach dem Leid genießen dürfen.
Zur angegebenen Zeit wurden Simine und ich aus unseren nebeneinander liegenden Gemächern geholt. Sie war nicht wieder zu erkennen. Ein glänzender bunter Seidenstoff aus dem fernen Han-Land betonte ihre weibliche Figur. Die Haare waren kunstvoll bestückt und frisiert. Ich sah ihr an, daß sie sich einerseits freute, aber andererseits dies doch alles ungewohnt für sie war. Ich versuchte ihr das Unbehagen zu nehmen.
„Du wirst dich daran gewöhnen. Vielen Frauen wären froh, wenn sie so aussehen würden, wie du.“
Als Antwort erhielt ich ein Lächeln das mich erfreute.
Wir wurden in einen riesigen Saal geführt, wo eine große Tafel gedeckt war. An ihrem Ende saß der König. Als ich mir die Frage stellte, ob ich schon Platz nehmen sollte oder nicht, wurde mir die Entscheidung abgenommen, denn der Herold rief.
„Der König. Erweist ihm die Ehre.“
Wir verbeugten uns, bis Kyros Platz genommen hatten. Außer Simine, Astores und mich befand sich niemand mehr am Tisch.
„Deine Überraschung ist gelungen. Mit dir habe ich gar nicht mehr gerechnet. Du warst auf einem Mal in Sabol verschwunden. Da wir uns ebenfalls im Aufbruch befanden, nahmen wir an, du wärst vorzeitig abgereist, ohne dich verabschieden zu wollen.“
„Ganz so war es nicht. Ich wurde unfreiwillig fortgebracht.“ In groben Zügen schilderte ich ihm meine durch Jamasp veranlaßte Verschleppung, und meine Zeit als Sklave in Balkh. Dann berichtete ich ihm über die Tage in Babylon und die Jahre in Ekbatana. Als er dies hörte wurde er aufmerksam. Ich spürte, daß er großes Interesse an meinem Bericht hatte. Denn seine Augen funkelten, je mehr ich sprach. Wie ich ihn kannte, arbeitete sein Gehirn unaufhörlich. Irgend etwas brütete er aus, dachte ich mir. Dann kam ich auf den Grund meines Besuches zu sprechen.
„Da ich in Ekbatana von deiner Thronbesteigung hörte, und wir uns in der Stadt des Königs Astyages nicht mehr wohl fühlten, beschloßen wir zu meinem Freund Kyros zu ziehen, um ihn zu bitten mich in seiner Stadt als Arzt arbeiten zu lassen.“
„Du bist also Arzt?“
„Ja, denn ich hatte einen der besten Ärzte als Lernherr.“
Kyros konnte ein Lachen nicht unterdrücken.“
„Da sieh mal einer an. In Sabol konnte er es nicht erwarten Feinde in zwei Stücken zu hauen, und jetzt als Arzt kann er es nicht erwarten sie wieder zusammen zu setzen. Luskin, du bist schon ein seltsamer Mensch.“
Kyros erzählte mir, daß er seit einigen Jahren mit Kassandane verheiratet war. Sie hatte ihm zwei Söhne geschenkt, und zwar Kambyses nach Kyros Vater benannt, und Bardiya-Smerdis. Seine Töchter hießen Atossa, Roxane und Artystone die von Nebenfrauen geboren wurden. Während des Essens wurde viel gelacht. Aber als das Essen vorbei war, nahm Kyros seinen vergoldeten Trinkkelch, erhob sich spontan, und wurde während er zu mir sprach mit einem Mal ernst.
„Komme mit. Ich muß dich alleine sprechen.“
Folgsam ließ ich Astores und Simine am Tisch zurück. Kyros und ich gingen in einen Garten des Palastes. Dieser Garten war nicht so prächtig wie die hängenden Gärten in Babylon, doch waren sie trotzdem ein Ort der Entspannung. Über uns war der sternenklare Himmel. Brennende Fackeln leuchteten uns den Weg. Der Duft der Apfelsinenbäume stieg mir genauso in die Nase, wie die duftenden Rosen und die Orchideen.
Kyros verlor nicht viel Zeit, und kam gleich auf den Zeck unseres Gespräches. Seine Stimme klang immer noch ernst.
„Du bist also her gekommen, um dich hier als Arzt nieder zu lassen? Das hättest du doch auch an jedem anderen Ort tun können.“
„Sicherlich, ich habe es ja auch in Ekbatana versucht, doch war mein und Simines Herz nicht mit dem Mederland verbunden. Wir fühlten uns nicht wohl, und irgendwie kamen wir uns wie Fremdkörper vor. Da erinnerte ich mich an dich, als ich zufällig von deiner Thronbesteigung hörte. Mir hat immer viel an unserer Freundschaft gelegen, und das tut es heute noch. Das solltest du wissen. Es stört dich doch nicht das ich hergekommen bin, oder doch? Dann sage es mir, und wir ziehen augenblicklich weiter. Ich möchte nicht, daß du denkst ich will deine Stellung als König ausnützen. Irgendwo werde ich schon als Arzt arbeiten können, denn ich beherrsche wahrlich meine Kunst.“
Kyros fand sein Lächeln wieder, und legte mir beschwichtigend seine Hand auf meine Schulter.
„Du hattest mich falsch verstanden. Ich habe mich sehr gefreut, daß du hier bist, und ich möchte daß du hier bleibst. Ich wollte nur sicher gehen, ob dir noch was an unserer Freundschaft gelegen ist, und dies scheint mir so. Denn ich habe einiges vor, und dafür brauche ich treue Männer, auf die ich mich vollständig verlassen muß.

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