4. April 2016

"Einseitige Glücksgefühle in Barcelona" von Heike Adami

In der belebten Stadt Barcelona treffen unterschiedliche Gesellschaftsschichten aufeinander, mit ihrem Ziel, das Glück zu finden. Das Leben der Einwanderer versus die Tage der Touristen. Beide Parteien lieben die Stadt mit ihrem Flair am Mittelmeer.

Maria, José und Pedro. Mexikanische Einwanderer. Nehmen kriminalistisches Verhalten aus ihrer alten Heimat mit. Isabelle und Max. Deutsches Touristenpaar. Spiegelbild!? Herausforderungen. Glückssuchende. Wege durch die katalanische Hauptstadt am Mittelmeer. Sie begegnen sich im Park Guell, am Strand und in den dunklen Gassen Barcelonas. Doch für einen kommt die Einsicht zu spät.

Sieger und Verlierer treffen sich ständig und überall. Sie wechseln ihre Seiten. Ihre Gefühle leben Wechselbäder. Der/Die LeserIn erlebt in Barcelona beide Seiten hautnah. Emotionen pur. Aus Liebe wird Gier, auf der Suche nach dem Glück. Doch, was folgt?

„Einseitige Glücksgefühle in Barcelona“ ist eine spannende Lesereise durch Barcelona.

Gleich lesen: Einseitige Glücksgefühle in Barcelona

Leseprobe:
Fünf Tage aus Sicht von den mexikanischen Einwanderern Maria, José und Pedro.
Fünf Tage aus Sicht der deutschen Touristen Max und Isabelle.
Fünf Tage durch die Straßen Barcelonas.
Fünf Tage unterwegs mit Sieger und Verlierer.

8. September
Maria und José

Maria lunzte unter der Decke hervor. Sie kniff ihre Augen zu und drehte sich. Sonnenstrahlen. Sie bekamen keine Chance, sie zu vernaschen.
Doch bei José, Marias langjährigem Lebensgefährten, hatten sie Erfolg. Ein sonnig heißer Tag wird uns heute begleiten, dachte er, als die Morgensonne ins noch kühle Schlafzimmer blickte. Die Kraft der gelben Strahlen zog ihn aus seinen Federn. Ein graues Nachtgewand aus Leinen umhüllte seine nackte Eleganz. Er schlappte bis zum Fenster. Zog die Gardinen zur Seite und öffnete es.
Die Wärme der Sonne. Sie spendete Geborgenheit. Der blaue Himmel. Vorbeiziehende Vögel. Sie verliehen die Freiheit. Die Freiheit der großen Welt.
Das satte Blattgrün der Allee schenkte ihr Aroma. Josés Lächeln weilte in der Morgensonne. Er atmete tief ein. Nicht nur er hatte diese Idee.
Die nette Nachbarin Natalja stand am offenen Fenster gegenüber. Auch sie genoss den Morgen mit seinem frischen Duft. Etwa fünfundsiebzig Lenze hatte die Dame bereits geschnuppert.
Weiß waren sie. Ihre schulterlangen Haare. Feine Haarsträhnen tanzten. Sanfter Wind.
Verfärbt rosa. Großes Blumenmuster. Der Style ihres Morgenmantels.
Prüfende Blicke. Über den Köpfen der geschwind laufenden Menschen. Manche Worte von José zogen inzwischen an Natalja vorbei. Tausend andere Geräusche beeinträchtigten das Gespräch über die Straße bei offenem Fenster.
Natalja war nicht allein. LA VIE war ihr Name. Gemeinsam sahen sie aus dem Fenster. Vier Stockwerke hinunter. In eine der aparten Gassen Barcelonas. Eine andere schwarze. Die kleinere. Die Katze Namens ART. Sie zog es vor, einen Rundblick ins dunkle Zimmer zu genießen. Auf Nataljas rechter Schulter. Sie zeigte dem Geschehen ihren kalten Rücken.
Die Greisin hatte vier Katzen. „Els Quatre Gats“. „Els Quatre Gats“ war das bekannte Restaurant in der Altstadt, in das seiner Zeit Nataljas Lieblingsmaler Picasso ein und aus ging. Sie war davon überzeugt, ihre Katzen seien genau so intelligent wie Picasso.
Nur HOMMAGE. Der Kater mit den blaugelben Augen. Er hatte, nach Nataljas katziger Auffassung, das Recht, aus diesem Milchunterteller zu schlecken. Er stand auf dem Fenstersims. Übermut. Übermut machte sich breit. Belebte das Geschehen. Auch heute.
Sie traute sich. Sie steckte ihr Leckermäulchen hinein. Nicht ohne Folgen. Ein heftiges Gefecht. Ein Tanz ihrer Krallen. Auf dem Sims. Und dann kam sie. Zur falschen Zeit an diesen Ort.
COLLAGE. COLLAGE, die Ungebetene. Sie bekam alles ab. Weggeschubst. Weggedrängt. Milchunterteller wackelte. Fensterbrett zu schmal. Das äußerste Teil. Ihr einziger Freund. Schräg hing sie. Kläglich miaute sie. Die greise Nachbarin. Zitterte. Rettete. In letzter Sekunde. Kein schriller Sturz. Die vierstöckige Tiefe blieb fern. COLLAGE, die vierte der „Els Quatre Gats“, hatte es nie leicht.
Die alte Dame, mit ART auf der rechten Schulter, sah José. Freundlich winkten sie sich zu und grüßten sich.
„Guten Morgen Natalja. Ist es nicht ein herrlicher Morgen? Ich glaube, es wird ein schöner Tag.“
„Ja!“, schrie sie, nachdem José es wiederholte.
„Gigantisch! Beinahe täglich. „Els Quatre Gats“ freuen sich auch.“
„Sie sind heute besonders verspielt. Tollkühn. Sie kraulen sich. Fahren ihre Krallen aus. Gaudi steht ihnen ins Gesicht.“ Fröhlich streichelte sie COLLAGE. „Bald werden mir nur noch drei bleiben. COLLAGE werde ich nicht mehr lange auffangen können.“
„Dann musst du auf der Hut sein. Sie dürfen sich nicht am Fenster streiten“, rief José und lächelte.
Ein Motorrad schlang die Silben auf. Mit vollem Getöse raste es durch die Straße. Natalja wandte sich ab. Sie schlich zurück in die Wohnung. Zu „Els Quatre Gats“.
Wie so oft begrüßten sich José und Natalja mit diesen Floskeln. Sie sahen sich nie auf der Straße oder in einem der vielen verschiedenen Läden. Dieser täglich einzige Kontakt kam José sehr gelegen. Er wollte nicht zu viele Bekannte in seiner näheren Umgebung haben. Unter Umständen bekämen sie etwas von seiner Arbeit mit. José liebte Harmonie. Dazu musste er seinen Job erfolgreich erledigen und unerkannt bleiben.

Im Kindle-Shop: Einseitige Glücksgefühle in Barcelona

Mehr über und von Heike Adami auf ihrer Website.

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