3. Juni 2016

'Die Heydrich-Verschwörung - Die Wahrheit kennt keine Verjährungsfrist' von Yale Tieman

Im Mai 1942 wird in Prag das Attentat auf Reinhard Heydrich verübt. Offizielle Quellen berichten, daß sowohl die Waffe des Attentäters als auch Heydrichs Waffe nicht funktionierte. Ebenso soll auch die Pistole des Fahrers Heydrichs ohne Funktion gewesen sein. Zuviel der Zufälle? Auf jeden Fall Stoff für eine fiktive Geschichte.

70 Jahre nach dem Attentat trifft sich ein Teil der damaligen Protagonisten wieder. Durch Briefe eines Zeitzeugen, der das Geschehene nicht mehr für sich behalten kann, werden Betroffene verschiedenster Herkunft aktiv, um den damaligen Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Alle treffen Sie in einer Kleinstadt in der Nähe von Hannover aufeinander, wo es zu einem atemberaubenden Showdown kommt. Da gibt es einerseits den ‚Hermelin‘, ein ehemaliger tschechischer Agent, der nach dem Krieg nach Südamerika übersiedelte. Er hatte seinerzeit mit dem deutschen Reichssicherheitsdienst zusammen gearbeitet und hat noch eine vermeintliche Rechnung offen. Es tauchen aber noch zwei Enkel auf, die ihre Großväter im Strudel der damaligen Geheimdienstaktivitäten verloren hatten. Vor Ort gehen ehemalige Mitarbeiter der Heydrich-Stiftung derweil scheinbar seltsame Wege.

Kommissar Rotklee wird von Hannover in die niedersächsische Provinz versetzt. Kaum dort angekommen, wird ein Briefmarkenhändler mit einem Giftpfeil ermordet. Die Spur führt nach Prag in das Jahr 1942. Im Zusammenhang mit einer Briefmarkenausgabe von 1943, des damaligen stellvertretenden Reichsprotektoratsleiter Reinhard Heydrich, findet man einen Tresor, der seit 70 Jahren verschlossen ist. Der Inhalt bereitet einigen Zeitgenossen schlaflose Nächte. Im Laufe des Falles tauchen immer mehr Details zu dem Attentat auf Heydrich auf. Es erscheinen Namen, die bisher als tadellos galten. Diese Tatsachen wollen sich verschiedene Zeitgenossen nicht entgehen lassen. Neben dem Mord kommt nun noch Erpressung ins Spiel. Und scheinbar nebenbei gibt es noch einen merkwürdigen Todesfall in Südamerika.

Gleich lesen: Die Heydrich-Verschwörung

Leseprobe:
Ankunft in der Provinz
07. Januar 2013
Kommissar Heinz Rotklee saß in seinem Büro in einer niedersächsischen Kleinstadt, in die er vor einer Woche versetzt worden war. Bisher hatte er es in seinen früheren Resort in Hannover mit interessanten Fällen im Bereich Computerkriminalität zu tun. Er war sich sicher, dass er diese Erfahrungen in der Kleinstadt nicht verwenden konnte, wenn hier jemals etwas passieren würde. Der letzte Mord geschah hier vor 3 Jahren und wurde innerhalb von 2 Tagen aufgeklärt. Sein Blick fiel aus seinem Fenster auf die trostlose Fußgängerzone, die gegen 20 Uhr vereinsamt war. An einer Werbetafel war ein Kinoplakat zu sehen. Der wöchentliche Highlight des örtlichen Kinos war eine Komödie aus den 60er Jahren. Er hatte den ganzen Tag Kriminalstatistiken gefüllt, mehr gab es nicht zu tun. Der Höhepunkt in dieser Woche war ein Ladendiebstahl, dieser Anlass schaffte es mühelos auf die Titelseite der Lokalzeitung. Er war sich sicher, dass er bei dieser Lebensweise innerhalb von 2-3 Jahren an chronischem Alzheimer erkranken würde.

Bekanntschaft mit der Vergangenheit
Karl Wolff arbeite in seinem Briefmarkenladen am Ende der Fußgängerzone. Es war kurz vor Ladenschluss, als ihm seine Aushilfe einen Besucher meldete. Er hatte heute 3 Kunden gehabt, nur einer hatte eine Kleinigkeit gekauft. Er war jetzt 87 Jahre alt, er hätte sich längst zur Ruhe setzten können, aber da ihm sein Hobby und Geschäft Freude machten, dachte er nicht ans Aufhören.
Seine Aushilfe lies den Besucher in sein kleines Büro im hinteren Teil des Geschäftes und verabschiedete sich in den Feierabend.
Ihm gegenüber setzte sich ein kleiner, drahtiger Mann südamerikanischen Aussehens. Er stellte sich als Enrico Marles vor. Er musste Mitte 40 sein, er trug einen blauen Business-Anzug. Sein Besucher musterte in kurz und fragte im tadellosen Deutsch, ob er Marken des Sammelgebietes Böhmen und Mähren hätte. Karl Wolff hatte. Er ging an einen Schrank hinter ihm und holte ein großes Lageralbum heraus. Der Besucher blätterte das Album schnell durch, bis er auf die Ausgaben von 1943 kam. Enttäuscht fragte er, ob er nicht auch einen ‚Heydrich-Block‘ hätte. Der Händler nahm ein kleines Album aus dem hinter im angebrachten Wandtresor und reichte es ihm über den Schreibtisch.
In dem Album waren 3 Blöcke der Gedenkausgaben von 1943. Der Besucher sah sich die Stücke genau an, drehte sie gegen das Licht, strich über das Papier, sah sich die Gummierung an und sagte schließlich: „Zwei davon sind Nachdrucke, nur einer ist echt. Was soll der Block kosten?“ Der Händler frage höflich, wer denn in Südamerika Interesse an einem solchen Block hätte. Enrico Marles antwortete mit ruhiger Stimme: „Es ist jemand, der an der Operation ‚Anthropoid‘ beteiligt war. Er meinte, Sie hätten sich damals nicht an die Vereinbarungen gehalten“. Karl Wolff wurde aschfahl, griff in seine oberste Schublade des Schreibtisches, um nach seiner Pistole zu greifen. Bevor er das tun konnte, hatte der späte Besucher ein kleines Blasrohr aus seiner Tasche gezogen, ein ca. 1 Millimeter großer Pfeil traf Karl Wolff in die Brust. Marles griff nach dem Heydrich-Block, der die laufende Nummer 19 trug, und verschwand in der Dunkelheit.

Begegnung mit der Vergangenheit
Heinz Rotklee wollte gerade sein Büro abschließen, als sein Handy klingelte. Es war ein Streifenpolizist, der ihm mitteilte, dass er einen leblosen Mann in einem Briefmarkengeschäft aufgefunden hätte. Rotklee rief sofort die Spurensicherung und den Polizeiarzt an, bevor er sich zu Fuß auf den Weg machte. Der Laden war ca. 500 Meter vom Polizeirevier entfernt, er hatte das Geschäft ein paarmal aus den Augenwinkeln wahrgenommen, als er durch die Fußgängerzone in den letzten Tagen gelaufen war. Insgeheim hatte er sich dabei gefragt, wie man von solch einem Laden leben konnte. Wer mochte da einkaufen, was waren das für Kunden? Einige Minuten später traf er am Tatort ein, fast zeitgleich mit Benno Ernig, dem Polizeiarzt. Sie hatten sich Anfang der Woche flüchtig bei seiner Vorstellung im Revier kennengelernt.
Ernig fragte knapp: „Was gibt es“? Rotklee erklärte ihm den Sachverhalt, während sie in den Laden gingen. Im hinteren Teil im Büro lag eine reglose Gestalt im Schreibtischstuhl. Ernig stellte knapp fest, dass der Mann tot sei. Der Streifenpolizist stand noch in der Tür. Rotklee fragte ihn, ob er jemanden gesehen habe. Der Mann verneinte. Er fragte den Arzt, ob er die Todesursache kenne. Emig untersuchte den Toten vorsichtig, bis er an der Brust des Toten einen kleinen dreieckigen Gegenstand fand, der etwa ein Millimeter groß war. „Ich vermute, er wurde mit einem Giftpfeil getötet“, antwortete der Arzt. „Wir werden ihn obduzieren müssen.“ „Weis jemand, wer das ist?“ fragte Rotklee. „ Es handelt sich um Karl Wolff, den Inhaber das Ladens“, antwortete der Streifenpolizist.
Nachdem die Spurensicherung ihre Arbeit getan hatte, war Rotklee alleine im Laden. Draußen auf der Straße stand eine kleine Gruppe von Anwohnern und Nachbarn und unterhielt sich mit gedämpfter Stimme. Niemand von Ihnen hatte jemand um diese Uhrzeit den Laden betreten oder verlassen sehen, überhaupt hätte er nur selten Kunden gehabt. Er sei alleinlebend, seine Wohnung war direkt über dem Laden im 1. Obergeschoss.
Der Kommissar stand hinter dem Schreibtisch und sah sich die Szenerie an. Die Schreibtischschublade, in der bis vor kurzem noch die Pistole von Karl Wolff lag, war leer. Die Waffe war als Beweismittel sichergestellt worden. Sonst war nichts Relevantes gefunden worden.
Auf dem Tisch lag ein großes Briefmarkenalbum, aufgeklappt mit Marken von Böhmen und Mähren des Jahrgangs 1943, daneben ein kleines Album, das zwei Briefmarkenblöcke enthielt, es zeigte das Gesicht von einem Reinhard Heydrich, dabei waren der Geburtstag und Todestag (07.03.1904 - 04.06.1942) angegeben, auf der jeweils linken unteren Seite jeden Blocks befand sich eine 3-stellige Nummer. Auf der Rückseite befand sich ein kleiner Aufdruck „ND“. An einer Stelle des kleinen Albums steckte ein kleiner handgeschriebener Zettel: „ Bl I, Mi-Nr. 131, lfd. Nr. 19, *, FA, KW 12000“. Hier hatte wohl noch ein Block gesteckt, der jetzt fehlte. Mit den Angaben auf dem Zettel konnte er zunächst nichts anfangen. Von der Person Heydrich hatte er noch nie gehört.

Im Kindle-Shop: Die Heydrich-Verschwörung

Mehr über und von Yale Tieman auf seiner Facebook-Seite.

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