29. Juni 2016

'Grundkurs Whisky: Entdecken - Verkosten - Genießen' von Mark Sectoren

Whisky oder Whiskey, Bourbon, Single Malt oder Blended Scotch? Über Whisky wird viel erzählt, noch mehr behauptet und wenig gewusst.

In seinen einzigartigen Streifzügen durch die Whiskywelt erkundet Mark Sectoren die Traditionen und Geheimnisse des goldgelben Edeldestillats, wagt einen Blick in idyllische Brennereien, offenbart die ungewöhnlichen Besonderheiten seiner Herstellung und erklärt Ihnen, was Sie über die verschiedenen Whiskyarten wissen müssen. Gehen Sie mit: Er führt Sie dorthin, wo das »Wasser des Lebens« seine Ursprünge hat, erklärt, wie man Whisky richtig genießt und verrät, mit welchem Sie unbedingt beginnen sollten. Für Sie entdeckt er die unendliche Vielfalt der edlen Brände, spricht über Preise, erläutert, welche Whiskys sie unbedingt probieren sollten und was es mit den individuellen Charaktereigenschaften und Aromen des Kultgetränks auf sich hat.

Tauchen Sie ein in die Vielfalt und Faszination der Welt der Whiskys.

Gleich lesen:
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Leseprobe:
Für mich beginnt die Suche nach deutschem Whisky in einer bayrischen Hausbrennerei, im kleinen Ort Arrach, nicht weit von Bad Kötzting entfernt.
Vom Parkplatz sieht man bereits einen großen Teil des Hofes. Das umfangreiche Anwesen wirkt sehr bayrisch: gestandene, hübsch bemalte Landhäuser mit Holzgibel und Blumenkästen, ein Biergarten, ein Museumswirtshaus, ein Bärwurzgarten und als Krönung, die Schnapsbrennerei - die den Namen DREXLER trägt.
Fahnen flattern lustig im Wind, der von den Bergzügen herüber weht. Der Drexler Hof liegt inmitten von fruchtbarem Land und ist umgeben von grüner Hügellandschaft. Ein hübscher Anblick, der sicher genügend Touristen und Genussmenschen anlockt. Denn es gibt dafür auch ausreichend Gründe: Zahlreiche, hausgemachte Spirituosen, die man nach Belieben verkosten und kaufen kann, ein liebevoll hergerichtetes Destillerie-Museum, Filmvorführungen und für jeden Geschmack der richtige Tropfen.
Ich bin aufgeregt, denn ich habe gleich mein erstes Date mit dem Bayerwald Single Cask Malt Whisky No1. Der Whisky wartet bereits im bauchigen Nosing-Glas auf einem Holztisch, wir werden uns heute zum ersten Mal begegnen.
No1 duftet aus dem Glas, sieht goldfarben aus und wirkt für sein zartes Alter ziemlich temperamentvoll. Das Etikett auf der bauchigen Flasche erzählt schon die halbe Geschichte: Ein Malt Whisky aus Bayern, Single Cask, DREXLER ARRACH, steht darüber, es ist der Name der Destillerie.
Tatsächlich ist es nicht einmal eine reine Whiskybrennerei. Man brennt hier vor allem Edelobstbrände. Doch für Whisky gelten andere Gesetze: Der perfekte Schluck fällt nicht vom Himmel. Die Zutaten für einen anständigen Whisky? Wasser, Gerste, Freude am Produkt und natürlich etwas Geschick.
Der No1 wird aus 100% gemälzter Gerste hergestellt und im klassischen Roh- und Feinbrandverfahren destilliert. Das Ergebnis ist ein exklusiver Whisky, dafür sorgt die Reifung in neuen Eichenfässern aus amerikanischer Weißeiche und in gebrauchten Bourbon- und Sherry Fässern.
Schon beim Riechen meint man den Whisky schmecken zu können. Gerste, Bittermandel, Rotwein und Eichenfass vermischen sich so, dass die Leistung meines Geruchsorgans neue Höhen erreicht.
Später machen sich Marzipan, Orange, Apfel und Lavendel bemerkbar, die jedoch bald von der forschen Eichenfass-Substanz gebunden werden.
Er duftet anders als die zahlreichen Whiskys aus Schottland oder Irland, soviel ist klar. Der No1 ist recht jung und am Gaumen äußerst kräftig, da der Whisky mit starken 46%vol. abgefüllt wird. Doch er besitzt genau die richtige Würze, die ich so von einem deutschen Malt Whisky nicht erwartet hätte. Sehr beeindruckend treffen zunächst Röstgetreide und ein Hauch herbes Eichenholz die sensiblen Geschmacksnerven, bevor sich eine recht saftige Portion Rotwein und Rumtopf mit den Aromen vollreifer Rosinen, sanfter Vanille und einer Spur Honig verbindet.
Der Whisky verfügt über eine ausdrucksstarke, angenehm-wärmende Note, die beim zweiten Schluck an Tokajer und Gewürznelken erinnert, während sie vom Eichenton, der nach vorn drängt, ablenkt.
Sein jugendlicher Abgang ist außergewöhnlich stark und er weist sogar eine dezente Chili-Note auf.
Dieser Whisky hat Stil, Charme und einen rebellischen Charakter. Er ist etwas ungestüm, doch angenehm komplex und baut auf großen Aromen auf.
Ich schenke mir noch ein weiteres Glas ein und lasse meine Gedanken kreisen. Dabei ahne ich, dass deutsche Hersteller niemals den Erfolg haben werden wie die große schottische Konkurrenz, aber ich verstehe nicht warum. Dem deutschen Whisky zu einem besseren Ruf zu verhelfen, obliegt vor allem auch Unternehmen wie dem von Reinhard Drexler. Denn die fleißigen Leute in Arrach destillieren wahrhaftige Sehnsuchtsgeschichten.
Und so fühle ich mich tatsächlich dem Paradies ein wenig näher, zwischen Gerste, Wasser und Eichenfass.

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