17. Juni 2016

'Orcumorra: Siegel des Feuers' von Tanja Hammer

Einhundert Jahre sind vergangen, und wieder einmal steht die Erneuerung des Siegels des Feuers bevor. Doch die Feuerstochter, deren Aufgabe es seit Jahrtausenden ist, dem Siegel neue Kraft zu geben, ist dieses eine Mal zu spät. So folgt das Unausweichliche: Nodrogg, das Urböse, kommt frei aus seinem von dem Siegel gesicherten Gefängnis und nicht nur Orcumorra soll es sein, das seinen finsteren Machenschaften unterliegen soll. Nein, auch die anderen drei Dimensionen sind es, welche es begehrt und für die Feuerstochter heißt es nun, dem schwarzen Wesen aus reinster Bosheit die Stirn zu bieten und die Welten vor dem Untergang zu bewahren.

Der erste Band der Orcumorra-Reihe.

Gleich lesen:
Für Kindle: "Orcumorra: Siegel des Feuers" bei Amazon
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Verdammt, sie fressen mich bei lebendigem Leibe auf!
Dies war ihr einzig klarer Gedanke, der sich noch einen Weg durch die schier unerträgliche Hitze des lodernden Feuers zu kämpfen vermochte, dessen rotgolden glühendes Flackern längst die ganze Welt um sie herum verschlungen zu haben schien. Doch hungrig war es noch immer, und offenbar hatte es sich seine nächste Mahlzeit bereits ausgesucht: Es wollte sie!
Leckend kosteten die Flammen ihre Haut und waren höchst zufrieden mit ihrer Wahl, fanden von Sekunde zu Sekunde immer mehr Gefallen an ihr. Tiefer und tiefer gruben sie ihre scharfen, glimmenden Zähne in ihr Fleisch, begannen zu nagen und zu reißen. Voller Verzweiflung warf sie sich hin und her, wollte den brennend-kochenden Kannibalen von sich schütteln, der sich ihren Körper vollends einzuverleiben begann, wollte schreien und kreischen, um ihn in die Flucht zu schlagen, doch allesamt war es vergebens. Sie wurde es nicht los. Nein, ganz im Gegenteil krallten sich die Flammen nur noch stärker an ihr fest, je mehr sie sich ihnen verwehrte, und wirkten eisern entschlossen, die einmal gefasste Beute nicht eher wieder herzugeben, bis am Ende nur noch Asche von ihr übrig war.
Der beißende Gestank brennenden Haares und verkohlenden Fleisches kroch nach und nach in ihr Bewusstsein, und als ihr gewahr wurde, dass es ihr eigenes, schwelendes Leben war, das sich stinkend vor ihr in Rauch auflöste, entrang sich ein zitternd erstickter Schrei ihrer Kehle, der jedoch mehr einem lebendig gewordenen Röcheln gleich war denn einem echten Ton. Sie schrie, bis ihre Stimmbänder im Feuer verglühten, und mitsamt ihrer Stimme verabschiedete sich auch ihr Verstand, stob einem aufgescheuchten Schwarm schwarzer Krähen gleich davon, der sich vor einer glutroten Sonne gen Himmel erhob, um für immer in düsterem Nichts zu verschwinden.
Schon lange wusste sie nicht mehr zu sagen, wo oben und wo unten war, fühlte sich gleichsam durch tonnenschwere Lasten zu Boden gedrückt und mit Leichtigkeit in die Luft geschleudert. Zeitgleich nahm ihr dicker, schwarzer Qualm endgültig den Atem. Die kochende Luft bahnte sich zäher Lava gleich den Weg hinab in ihre Lungen und erfüllte diese mit nichts als Schmerz. Die grelle Hitze hatte sie blind gemacht, das tosende Knistern des wütenden Loderns sie taub werden lassen. Es führte kein Weg daran vorbei, die unaufhaltsame Gier des durch und durch hungrigen Feuers fraß sie voll und ganz auf, zerkaute sie zu dunklem Rauch und würde in Bälde ihre spärlichen Überreste in Form kleinster, glimmender Kohlen in die rußschwarze Nacht hinausspucken.
Eine letzte, nicht enden wollende Sekunde, in der ihr Körper von bohrender, alles zerreißender Pein geschüttelt wurde, verging schließlich doch, und mit einem Mal war plötzlich nichts mehr. Alle Qual, alles Sterben, alles unnachgiebige Auslöschen jeglichen Lebensfunkens wurde völlig unvermittelt und wie von fremder Hand ausgeblendet, woraufhin sie eine erlösende, beinahe körperlich fühlbare Stille umfing, in der jene rettende Macht sie einsam schwebend sich selbst überließ. Irgendwann - ob inzwischen Ewigkeiten oder Augenblicke vergangen waren, wagte sie nicht einmal zu vermuten - tauchte ein winziges weißes Licht vor ihr auf und blendete ihre zuvor leblosen Augen. Sie blinzelte verwundert, betrachtete voller Neugier das stecknadelgroße, friedvolle Glimmen und sah zu, wie es nach einer Weile erst langsam und dann immer schneller zu wachsen begann. Es wurde größer und größer, streckte seine sanft strahlenden Finger nach ihr aus, und als es sie endlich erreichte, sie mit seiner milden Kühle berührte, stürzte sie jäh in die Tiefen des urreinen Scheins hinab und damit hinein in einen rasenden Strudel jahrtausendealter Erinnerungen.
Plötzlich wusste sie alles.
Und wusste nichts.
Derweil wurde das weiße Glühen stetig greller, und sein rhythmisches Pulsieren nahm mehr und mehr zu, bis es am Ende schweigend explodierte. Nur Sekundenbruchteile später spürte sie, wie sie auf etwas Hartem aufschlug, aber so durchdringend die Wucht ihres Aufpralls auch war, sie durchlebte nicht einmal mehr den geringsten Schmerz. Sie hatte es endlich hinter sich. Es war ganz und gar vorbei.

Im Kindle-Shop: Orcumorra: Siegel des Feuers
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Tanja Hammer auf ihrer Website.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen