26. Juli 2016

'Luzide Träume' von Luisa Blum

Jona kann in die Köpfe der Menschen eindringen, während sie träumt. So hilft sie ihrem Vater dabei, einem Serienmörder auf die Spur zu kommen. Doch bald schon muss sie die sichere Welt der Träume verlassen und in der Realität um ihr Leben kämpfen. Denn der Mörder hat einen Plan, und Jona spielt darin die Hauptrolle ...

Gleich lesen: Luzide Träume









Leseprobe:
Es war dunkel und ich sah aus wie eine Ninja Kämpferin. Mit einem langen Messer bewaffnet näherte ich mich Thomanns Jaguar. Eine Sturmhabe trug ich zwar nicht, aber meine Kapuze war bis zu den Augenbrauen ins Gesicht gezogen und der Kragen meiner Jacke bedeckte den Mund. Das Messer, das zum filetieren von Fisch gefertigt worden war, erfüllte seinen Dienst. Mit einem einzigen Hieb zerstach ich den linken Hinterreifen. Schnell, aber ohne zu rennen, entfernte ich mich wieder. Glücklicherweise lag der Parkplatz in einer mäßig beleuchteten Ecke, auf einem Hinterhof. Kurz darauf befand ich mich auf der Jakob-Kessen-Ring-Straße. Ich zog meine schwarze Jacke aus und stopfte sie in den Rucksack. Absichtlich hatte ich einen leuchtend roten Pullover gewählt, damit der Unterschied zu der dunklen Gestalt, die den Reifen zerstochen hatte, möglichst deutlich ausfiel. Ich kehrte um und näherte mich unserem Auto, das etwa hundert Meter von Thomanns Wagen geparkt war.
Während ich für die erste Schicht eingeteilt war, kochten Anna und Kira in der Herberge das Abendessen. Jede Schicht ging vier Stunden, also musste ich bis ca. 23 Uhr auf meine Ablösung warten. Ich schickte ein Smiley auf Annas Handy, das Zeichen, das wir vereinbart hatten. Es bedeutete: Der Reifen ist platt und ihr könnt um 23 Uhr antanzen. So was in der Art.
Gerade hatte ich mich auf dem Beifahrersitz niedergelassen, als es an die Fensterscheibe klopfte. Ich zuckte zusammen und stieß einen schnellen Fluch aus.
„Scheiße! Verdammt!“
„Entschuldige, aber ich wusste nicht, wie ich mich bemerkbar machen sollte, ohne dich zu erschrecken.“
Der Mann lächelte, wobei er seine strahlend weißen Zähne präsentierte.
Ich war erleichtert, dass es nicht Thomann war, kam mir aber dennoch ein wenig ertappt vor. Ich ließ das Fenster herunter.
„Ich dachte, du hättest eine Verabredung“, sagte Giacomo.
„Ja, ich wollte gerade losfahren.“
„Darf ich dir einen Tipp geben?“
„Wenn’s nicht allzu lang dauert.“
„Du solltest dich auf die Fahrerseite setzen, von dort kommt man besser an die Pedale.“
„Was?“
„Du sitzt auf der falschen Seite, auf dem Beifahrersitz.“
„Ach so, ja. Das ist weil … ich noch was gesucht habe.“
„Und wofür brauchst du ein Schlachtermesser?“
„Für meine Verabredung.“
„Nett.“
„Wir machen Fisch.“
„Ihr macht Fisch?“
„Ja, er hat kein Fischmesser.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mich anschwindelst.“
„Was geht dich das überhaupt an?“, zischte ich. „Ich habe zu tun, auf Wiedersehen“, sagte ich und ließ die Scheibe nach oben.
„Ciao“, sagte er und winkte mir zu. Dann verschwand er in der Haustür direkt gegenüber. Ein paar Sekunden später bewegte sich der Vorhang an einem der Fenster und Giacomos Schmalzkopf kam zum Vorschein. Großartig, dachte ich. Ich beobachte Thomanns Jaguar und der Kellner beobachtet mich.

Im Kindle-Shop: Luzide Träume

Mehr über und von Luisa Blum auf ihrer Facebook-Seite.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen