19. August 2016

'Dreamcatcher: Die Macht der Träume' von Mackenzie Sturm

Seit einem Unfall leidet die 17-jährige Alli an einer Amnesie und schrecklichen Alpträumen, die sie Nacht für Nacht verfolgen.

Als sie schon glaubt endgültig den Verstand zu verlieren, taucht ein Mann auf, der behauptet sie zu beschützen.

Kann Alli dem ebenso gutaussehenden, wie unausstehlichen Iwaki vertrauen? Und was hat das alles mit einer alten Legende ihres Stammes zu tun?

Gleich lesen: Dreamcatcher: Die Macht der Träume






Leseprobe:
Ich blinzle. Etwas überrascht sehe mich um. Da wo bis eben mein Zimmer war, erstreckt sich nun dunkler Wald. Es riecht nach feuchter Erde, modrigen Blättern und Moos. Der Boden unter mir ist komplett damit bedeckt, bildet eine Symbiose mit herumliegenden Ästen und kleineren Felsen. Eine homogene Masse. Ich sehe kaum die Hand vor Augen, so düster ist es, aber ich erkenne was ich erkennen muss: Reihe um Reihe dicker alter Baumstämme, die um mich herum bis in den Himmel wachsen und scheinbar endlos in die Ferne reichen.
Langsam rapple ich mich auf. Die Feuchtigkeit hat sich sowohl in meinen Haaren als auch in meiner Kleidung festgesetzt, die mir bei jeder Bewegung unangenehm an der Haut klebt. Die Luft ist weder wirklich warm, noch kalt, trotzdem zittere ich am ganzen Leib.
Es ist nicht nur der Wald mit seinem urigen Erscheinungsbild, der mir unnatürlich vorkommt, es ist die Stille. Absolute anhaltende Stille, die jede Faser meines Körpers umhüllt. Sie ist wie eine Wand gegen die ich ankämpfen muss, während ich mich durch diesen unheimlichen Ort schleppe.
Ich laufe los, im plötzlichen Bestreben etwas zu suchen, auch wenn ich nicht den leisesten Schimmer habe, was es ist. Also jage ich durch den Wald und suche. Doch egal wo ich hinsehe, alles sieht gleich aus, als ginge ich im Kreis und dazu noch in einem sehr, sehr kleinen.
Im nächsten Moment stolpere ich über einen herabgestürzten Ast und falle mit den Knien voran zu Boden. Ich ringe nach Luft, denn sowohl der Aufprall als auch die Angst drücken mir schwer auf die Brust. Als ich mir meine blutenden Finger ansehe tropft Regen hinein.
Vereinzelte Tropfen trommeln dumpf durch das Blätterdach und klatschen auf meinen Kopf, meine Schultern und Hände, während ich mich wieder zurück auf die Füße stemme. Das und mein rasselnder Atem sind lange Zeit die einzigen Geräusche hier draußen.
Plötzlich höre ich ein leises Knacken und Rascheln hinter den Bäumen. Ganz so, als wäre der Wald auf einmal staubtrocken, obwohl es doch in Strömen regnet. Ein anderes Geräusch hallt zwischen den Bäumen hin und her, ehe es zu mir durchdringt: Ein lautes Heulen, dass mir eine Gänsehaut verpasst.
Außerdem werde ich beobachtet. Das vertraute Kribbeln auf meiner Haut, welches sich anfühlt wie ein Schwarm Ameisen, ist Beweis dafür. Vor ängstlicher Erwartung keuchend, stürze ich abermals auf die Knie.
Ein Schatten schiebt sich über mich, begleitet von einem markerschütternden Knurren. Zitternd sehe ich auf. Ein riesiger Wolf ragt über mir gen Himmel. Das dunkelbraune Fell zittert in der plötzlich aufkommenden Brise, während er mich mit seinen grünen Augen fixiert. Die Lefzen sind weit nach oben gezogen und legen große scharfe Zähne frei. Zwischen ihnen dringt das laute Knurren hervor, das wie Donner durch den Wald grollt. Ein frostiger Schauer läuft über meine Haut wie ein unheilvoller Vorbote.
Aus dem Augenwinkel bemerke ich eine Bewegung von der linken Seite. Weitere Wölfe beziehen Stellung zwischen den moosbewachsenen Bäumen. Auch sie starren mich an, bewegen sich jedoch kein Stück. Von der anderen Seite kommen noch mehr durch das allgegenwärtige Grün, kesseln mich ein.
Ich sitze in der Falle.
Sie stehen in einer V-Formation, wie Gänse auf den Weg in den Süden. Was würde ich dafür geben wenn es Geflügel wäre, das mich in meinen Träumen verfolgt!
Die Wölfe sehen nahezu identisch aus, bis auf den vor mir. Ich muss kein Experte sein um zu begreifen wer hier der Boss ist. Seine mächtige Brust hebt und senkt sich vibrierend und ein fürchterliches Grollen dringt aus seiner Kehle, als er mit gefletschten Zähnen näher kommt. Die lange Schnauze geduckt. Jeder erkennbare Muskel unter dem kurzen Fell ist bis zum Zerreißen gespannt. Er ist zum Angriff bereit.
Und ich bin bereit endlich aufzuwachen!
Ich lege die Hände über meine Ohren, doch auch durch sie hindurch höre ich das ohrenbetäubende Knurren. Es vibriert durch meinen Kopf und meinen Körper, sogar bis in den Boden. Mein Herz rast und pumpt mein Blut viel schnell durch meinen Körper. Heiß verteilt es sich in meinen Adern und rauscht an meinen Ohren vorbei. Die Lautstärke ist unerträglich. Ich krümme mich instinktiv zusammen um mich zu schützen. Aber ich weiß, ich kann mich nicht schützen.
Es funktioniert nie!
Ich blinzle hektisch die Tränen weg, die mir in die Augen treiben um die Bestie zu erkennen, aber eigentlich will ich sie gar nicht sehen.
Mein Blick wird erst wieder scharf, als der braune Wolf mit weit aufgerissenen Maul auf mich zustürzt.
Dann schreie ich ...

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