18. Oktober 2016

'Kysano: Erde, Licht und Dunkel' von Beatrice Hiu

Aus heiterem Himmel wird Leeza aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen und findet sich in einer ihr völlig fremden Welt voller Magie, Illusionen, Geheimnissen und Gefahren wieder. Während sie noch daran arbeitet, sich in Kysano einzuleben und mit Hilfe ihrer neuen Verbündeten auf die Mission vorzubereiten, überschlagen sich die Ereignisse, und die Suche nach dem ersten Schlüssel beginnt.

Die Kysano-Saga:
Einst war Kysano eine prachtvolle Welt, deren Bewohner in Frieden zusammenlebten. Heute aber breitet sich das Böse immer mehr aus und gemäß einer uralten Prophezeiung gibt es nur einePerson, die verhindern kann, dass Kysano von der Dunkelheit verschlungen wird. Diese Person ist Leeza, die allerdings keine Ahnung von der Existenz Kysanos hat. Sie wurde auserwählt, die Schlüssel zu dem einen Artefakt zu finden, das angeblich die Rettung bringen soll.

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Leseprobe:
Leeza erwachte plötzlich, irgendetwas musste sie aufgeschreckt haben. Obwohl ihr Zimmer im Licht des Vollmondes hell schimmerte, hatte sie zuerst Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Sie wusste zwar, sie lag in ihrem Bett, aber alles kam ihr seltsam fremd vor und sie fühlte sich unbehaglich.
Nach einer Weile setzte sie sich auf und lauschte. Sofort wurde ihr klar, was sie störte: Es war zu ruhig! Viel zu ruhig. Diese ungewohnte Stille hatte sie wohl geweckt. Weder hörte sie das Plätschern des Brunnens noch das leichte Rascheln der Blätter in den Bäumen vor dem Haus. Es schien gerade so, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Sie warf einen Blick zum dickbauchigen Wecker auf dem Nachttisch, aber seine Zeiger rührten sich nicht vom Fleck. Er war um Punkt drei Uhr stehengeblieben.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, schlüpfte Leeza leise aus dem Bett und ging ans Fenster. Im Mondlicht sah sie alles ganz genau, doch was sie da erblickte, verschlug ihr den Atem. Das Wasser im Brunnen vor ihrem Haus war zu Eis erstarrt! Als riesiger Eiszapfen ragte der Wasserstrahl in den Trog hinein, und hoch im Baum vor ihrem Fenster sah sie eine Eule, die reglos in der Luft hing. Eingefroren!
Leeza rieb sich die Augen und dachte: Das ist unmöglich. Ich muss träumen. Wenn ich mich jetzt kneife, werde ich aufwachen und alles wird sein wie sonst.
Mit geschlossenen Lidern kniff sie sich kraftvoll in den Arm.
„Aua!“ Nein, sie lag nicht träumend im Bett, stand immer noch am Fenster und draußen war alles vereist.
Das Geschehen war ihr absolut unerklärlich und sie beschloss, ihre Mutter Lyzea zu befragen. Sie wandte sich vom Fenster ab, ging zur Tür und öffnete sie vorsichtig und leise, um die beängstigende Stille nicht zu durchbrechen. Die Tür zum Zimmer ihrer Mutter stand offen, Leeza nahm an, sie würde sie unten im Wohnzimmer oder in der Küche finden, und ging langsam die knarrende Holztreppe abwärts. Noch bevor sie ganz unten angekommen war, hörte sie aus dem Wohnzimmer leise Stimmen. Eine davon war die ihrer Mutter, die andere war Leeza unbekannt. Die ganze Situation wurde immer seltsamer. Wieso unterhielt sich ihre Mutter mitten in der Nacht mit einem Fremden? Ausgerechnet ihre Mutter, die sich normalerweise tunlichst von allen nicht bekannten Menschen fernhielt, und das in einer Nacht, in der die Zeit stehengeblieben war.
Zögernd ging Leeza auf die angelehnte Tür zu und wusste nicht recht, was sie machen sollte. Eigentlich hatte sie ihr Zimmer verlassen, um sich genauer umzusehen und alles mit ihrer Mutter zu besprechen. Jetzt aber, wo sich so unerwartet jemand Unbekannter in ihrem Haus befand, war sie nicht sicher, ob sie stören sollte. Sie hatte die Tür noch nicht ganz erreicht, als die sich wie von Geisterhand ganz öffnete und den Blick ins Wohnzimmer freigab.
Lyzea saß mit einer Frau am Esstisch. Sie schienen nicht im Geringsten überrascht, Leeza zu sehen, denn ihre Mutter sagte nur: „Wir haben dich schon erwartet. Komm zu uns.“
Unsicher betrat Leeza das Wohnzimmer und blieb nach ein paar Schritten stehen. Obwohl ihr diese Frau vollkommen fremd war, fühlte sie sich von ihr angezogen, und das verwirrte sie zutiefst. Die Fremde war inzwischen aufgestanden, sie war groß und schlank, ihr Haar war dunkellila und reichte ihr fast bis zur Hüfte. Sie ging auf Leeza zu und schaute ihr in die Augen. Der Blick aus den fast schwarzen Augen fesselte Leeza, sie hatte das Gefühl, in tiefes Wasser zu fallen. So sehr sie sich auch bemühte, es war ihr nicht möglich, sich daraus zu lösen, und fühlte sich immer weiter hinab in eine unergründliche Tiefe gezogen.
Wenn mich diese Augen nicht bald loslassen, werde ich noch in ihnen ertrinken, dachte sie, als sie von weit weg die Stimme Lyzeas sagen hörte: „Lass sie los, Syvenia. Ich sagte dir doch bereits, nur Lestre kann den Zauber brechen.“
Nun ließ der Blick der Frau, die offenbar Syvenia hieß, sie endlich los. Leeza tauchte wie betäubt aus der Tiefe auf. Die Fremde war mit diesem Blick bis in ihre Seele vorgedrungen und hatte ihr auf geistiger Ebene Fragen gestellt, die sie jetzt aber nicht mehr benennen konnte. Sie schwankte und wäre hingefallen, hätte ihre Mutter sie nicht festgehalten.
„Komm, setz dich, Leeza.“ Lyzea führte sie behutsam zu einem Stuhl am Esstisch.
Leezas Beine waren noch immer ganz wackelig und sie war dankbar, sich setzen zu können. Die beiden nahmen ihr gegenüber Platz. Langsam schaute sie von ihrer Mutter zu Syvenia und wieder zurück.
Niemand von ihnen sprach für eine ganze Weile. Als Leeza schließlich ihre Mutter fragen wollte, was das alles zu bedeuten hätte, durchbrach Syvenia das Schweigen. „Wieso hast du einen so starken Zauber angewandt, Lyzea?“
„Ich wollte ganz sicher gehen, dass niemand Falscher das Wissen in Leeza zurückholen kann. Niemand außer Lestre sollte dazu in der Lage sein.“
„Das zeugt von großem Vertrauen in den Magier.“
„Du weißt genau, ich habe Lestre immer vertraut. Bei der ganzen Sache ging es nie um ihn, nur um Leezas Schutz. Sie musste um jeden Preis behütet werden, bis die Zeit gekommen war.“
„Und nun ist es so weit. Es ist für Leeza an der Zeit, ihre Bestimmung anzunehmen und zurückzukehren.“
Je länger Leeza diesem seltsamen Gespräch zuhörte, desto verwirrter wurde sie. Zuerst erstarrte alles, dann fand sie ihre Mutter mitten in der Nacht mit dieser seltsamen Frau in ihrem Wohnzimmer und jetzt auch noch dieses Gespräch. Was zum Teufel ging hier vor?
Sie beschloss, sich den beiden Frauen in Erinnerung zu rufen. „Hallo, ich bin noch hier und höre euch zu. Wollt ihr mir nicht endlich mal erklären, worum es hier geht? Wovor musste ich geschützt werden, und was für eine Bestimmung soll ich annehmen?“
Die beiden Frauen hielten inne und schauten Leeza erstaunt an, gerade so, als ob sie sich erst jetzt bewusst würden, dass sie noch da war. Lyzea schüttelte nachdenklich den Kopf, erwiderte aber nichts. Da Leeza nun endlich mal eine Antwort wollte, forderte sie: „Du könntest vielleicht damit anfangen, mir zu sagen, wer diese Frau ist, Mom.“
Bevor Lyzea etwas sagen konnte, antwortete die Fremde: „Ich bin Syvenia, eine Magierin des inneren Zirkels von Kysano.“
Leeza starrte Syvenia an und fühlte, wie sich in ihrem Innersten etwas regte. Der Name Kysano rief ein unerklärliches Gefühl der Vertrautheit und der Freude in ihr hervor. Sie glaubte plötzlich, sich an etwas zu erinnern, aber bevor ihr Bewusstsein diese Bilder fassen konnte, waren sie auch schon wieder verschwunden. Durch diesen seltsamen Vorgang in ihrem Kopf war Leeza nun noch verwirrter als vorher und blickte verunsichert zu ihrer Mutter, die seufzte und sagte: „Das wird eine schwierige Sache.“
Leeza fiel wieder ein, weshalb sie ursprünglich zu ihrer Mutter wollte. „Wieso ist alles erstarrt, als ob die Zeit stehengeblieben wäre?“
„Weil die Zeit wirklich stehengeblieben ist, als Syvenia das Portal der Welten geöffnet hat.“
„Das Portal der Welten? Was bitte soll denn das sein?“
„Es verbindet Kysano mit dieser Welt und wenn es geöffnet wird, bleibt die Zeit hier stehen.“
Leeza sah Syvenia verwirrt an. „Aber wieso sind meine Mutter und ich nicht steifgefroren wie alles rundum?“
„Weil ihr der Grund für mein Kommen seid und genau wie ich von Kysano stammt.“
„Was? Wir kommen von Kysano? Wo liegt das denn überhaupt?“ Ruhelos sprang Leeza auf und umrundete den Tisch. Beide Frauen sahen ihr zu und schwiegen, also setzte sie sich genervt wieder auf ihren Stuhl.
Jetzt erst fuhr Lyzea fort. „Wir sind hierhergekommen, als du noch klein warst, Leeza. Es liegt hinter dem Portal der Welten.“ Wieder verstummte sie. Leeza war dieses Wechselspiel von Informationsbrocken und dann wieder Schweigen langsam leid.
„Also lasst mich doch alles mal zusammenfassen“, sagte sie gereizt. „Wir kommen also ursprünglich aus einer Welt namens Kysano. Diese Welt liegt irgendwo hinter dem Portal der Welten, das Syvenia geöffnet hat, um zu uns zu kommen, und durch das Öffnen dieses Portals ist die Zeit für alle außer uns eingefroren. Syvenia ist eine Magierin des inneren Zirkels von Kysano, was auch immer das ist. Und was war da noch? Ach ja, ich habe anscheinend eine Bestimmung, die ich jetzt annehmen muss. Habe ich das bisher richtig verstanden? Sagt mal, wollt ihr mich veräppeln?“ Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Ja, das hast du richtig verstanden und nein, wir wollen dich nicht veräppeln. Das ist jetzt alles sehr verwirrend für dich und wir haben nicht genug Zeit, um dir alles zu erklären, denn das Portal der Welten darf nicht zu lange geöffnet bleiben“, meinte ihre Mutter, ohne auf Leezas Tonfall einzugehen. Dann wandte sie sich Syvenia zu. „Du musst jetzt gehen, du bist schon viel zu lange hier. Komm im Morgengrauen wieder, bis dann wird alles bereit sein.“
„Bist du dir sicher?“
„Es geht nicht anders. Du kannst nicht hierbleiben, bis ich Leeza wenigstens das Nötigste erklärt habe. Die Gefahr, dass das Portal entdeckt wird, ist zu groß.“
„Ja natürlich, das Risiko ist wirklich zu groß. Ich werde also bei Sonnenaufgang wieder hier sein.“ Syvenia stand auf, hob die Arme über den Kopf und bewegte sie dann in einer schnellen Bewegung nach unten. Sofort erschienen die Konturen eines großen, in allen Farben schimmernden Torbogens. Sie nickte zuerst Leeza und dann Lyzea zu, machte einen Schritt vorwärts in das Tor hinein und war im gleichen Augenblick verschwunden. Der Torbogen löste sich wieder auf und nichts erinnerte mehr an das, was eben geschehen war.

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