24. Oktober 2016

'Michael Lindqvist: In einer dunklen Nacht' von Jo Hess

Band 2: Da Michael Lindqvist wieder von Albträumen heimgesucht wird und sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommt, kehrt er zu Henry Cavill zurück. Erneut berichtet er dem Priester von den schrecklichen Ereignissen in Wolfenegg. Doch auch Henry Cavill verbirgt ein großes Geheimnis. Um Michael zu helfen, muss er dieses Geheimnis offenbaren.

Die Horror-Serie {ML}
Michael Lindqvist {ML} ist ein Student, der sich nach einem tragischen Schicksalsschlag dazu entschließt, neben seinem Studium Monster zu jagen. Die Buchserie ist in einzelne, jeweils in sich abgeschlossene Geschichten unterteilt. Nebenher existiert ein fortlaufender Handlungsstrang, der sich durch alle Bände zieht. Dabei geht es um die Jagd nach dem Werwolf Karsten Berghoff, dem Michael im ersten Band begegnet. Michael kämpft gegen klassische Monster wie Werwölfe, Vampire, Geister und Dämonen. Jedoch wird es in den folgenden Teilen auch unterschiedliche Figuren aus Legenden oder eigene Erfindungen des Autoren geben.

Gleich lesen:
Für Kindle: Michael Lindqvist: In einer dunklen Nacht - Band 2 {ML}
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
März 2015
Erinnerungen
Murrend stapfte ich durch den Schnee zu meinem Wagen, den ich glücklicherweise gestern Abend mit einer Plane zugedeckt hatte, bevor der Schneefall einsetzte. Ich fragte mich, warum es im Dezember immer zu warm für Schnee war und dann im Januar, wenn man schon auf den Frühling wartete, die ganze Schose herunterkam. Mein Handy klingelte. Ich schüttelte die Plane aus, steckte sie in den Kofferraum und hüpfte in das Auto, bevor ich ranging.
„Hallo, Michael“, hörte ich Pater Henrys angenehme Stimme, bei der sich mein Magen jedoch augenblicklich verkrampfte. Ich wusste genau, warum er mich anrief.
„Hallo, Pater. Wie geht es ihnen?“
„Mir geht es ganz ausgezeichnet. Wie geht es dir? Ich hatte dich bereits letzten Monat zurück erwartet. Ich war mir sicher, du wolltest mir noch etwas erzählen.“
Genau wie ich es mir gedacht hatte. Natürlich war ihm klar gewesen, dass ich ihm nicht die ganze Geschichte erzählt habe, als ich zuletzt im Februar bei ihm gewesen war. Es hatte mir gut getan, endlich jemandem von all den schlimmen Vorfällen zu berichten, die mir und meinen Freunden letztes Jahr in Wolfenegg widerfahren waren. Jedoch hatte ich es nur geschafft, dem Pater die Hälfte von dem zu erzählen, was geschehen war. Die wirklich schlimmen Dingen hatte ich verschwiegen. Natürlich war ihm das klar gewesen, als ich mich von ihm verabschiedete, da ich ihm anfänglich mehrere Morde gebeichtet hatte. Und in dem Teil der Vorkommnisse, die ich ihm geschildert hatte, war zwar ein kleiner Junge schwer verletzt worden, jedoch kein offensichtlicher Mord geschehen. Da Pater Henry mich von Kindesbeinen an kannte, machte er sich Sorgen um mein Wohlbefinden. Ich wusste, er würde nicht nachgeben, bevor ich ihm alles erzählt hatte.
„Ich bin auf dem Weg zu Konstantin und Korbinian. Kann ich heute Abend bei ihnen vorbeikommen?“
„Du bist jederzeit willkommen, Michael. Heute Abend um sieben findet der Gottesdienst statt, das weißt du sicher noch, als ehemaliger Messdiener. Ansonsten findest du mich in meinem Büro.“
„Vielen Dank, Pater. Ich werde da sein.“
Wir verabschiedeten uns und ich steckte mein Handy wieder ein. Mein Herz schlug heftig in meiner Brust und trotz der Kälte lief mir Schweiß unter den Achseln hervor. Ich legte meinen Kopf gegen das Lenkrad, schloss die Augen und atmete tief durch.
Gleich nachdem ich das letzte Mal mit Henry gesprochen hatte, war es mir für einige Zeit viel besser gegangen. Die Albträume waren seltener geworden und ich konnte sogar einige Nächte durchschlafen. Für eine Weile war es mir gelungen, nicht den ganzen Tag daran zu denken, was im vorigen Sommer geschehen war. Seit letzter Woche waren die Erinnerungen wieder zurück. Sie drängten sich mir in den unpassendsten Momenten auf und ließen mich oft wie einen Psychopathen wirken. Wie etwa gestern im Café, als mit einem Mal ein Hund neben mir auftauchte. Der Geruch seines nassen Fells war mir schon in die Nase gestochen, bevor ich ihn überhaupt gesehen hatte. Gleichzeitig berührte er mich am Hosenbein und ich war schreiend aufgesprungen, wobei ich den Kaffee über meine Sitznachbarin verschüttete. Woher sollten die Leute wissen, dass in meinen Gedanken eine reissende Bestie neben mir aufgetaucht war, anstelle eines schwanzwedelnden Labradors?
Es war, als hätte Pater Henry meine Lage erraten. Sein Anruf hätte gar nicht passender kommen können. Mein Handy klingelte erneut und riss mich aus meinen Gedanken.
„Hallo?“
„Michael, ich bin es, Konstantin. Du, Korbinian schläft jetzt. Der Pfleger musste ihm eine Spritze geben. Er war unruhig heute. Es hat keinen Sinn wenn du her kommst. Der Pfleger meint, Korbi wird bis abends ausgeknipst sein.“
„Oh, alles klar. Dann seh ich morgen nach ihm. Treffen wir uns jetzt?“
„Nee, du, ich hab gleich ein Date. Eventuell später, okay?“
„Ein Date? Seit wann hast du Dates?“
„Halt die Klappe, du Penner. Ich melde mich später.“
Mein Cousin beendete das Telefonat und ich starrte verdutzt auf mein Handy. Seit sein Zwillingsbruder in der Klinik lag, hatte Konstantin praktisch aufgehört zu leben. Und jetzt ging er zu einem Date. Ich freute mich für ihn. Nur was sollte ich mit dem restlichen Tag anfangen? Ich selbst war mit keinem Mädchen mehr zusammen gewesen, seit ich mit Emma geschlafen hatte.
Ich rief erneut bei Henry an und fragte, ob ich sofort vorbeikommen könne. Er hatte nichts dagegen und ohne zu zögern, fuhr ich los.

März 2015
Das Gespräch
„Lass mich noch einmal zusammenfassen, was du mir letzten Monat erzählt hast.
Dein Bruder Nick, sein bester Freund Ben, dessen Freundin Emma und du, ihr habt zusammen einen Ausflug gemacht. Dabei habt ihr euch irgendwann wegen eines Umleitungsschildes verfahren, das euch vom Hauptweg fortgelockt hat. Ihr seid stundenlang zwischen Feldern und Wäldern im Nebel umhergeirrt, wo es kein Mobilfunknetz gab, bis euch ein kleiner Junge vor das Auto lief. Mit dem schwer verletzten Kind seid ihr weitergefahren und schließlich in Wolfenegg bei einer Tankstelle gelandet. Der Eigentümer der Tankstelle, Karsten Berghoff, war ein Werwolf, der Ben verletzte und Emma entführte. Außerdem habt ihr ihm den Jungen überlassen, da ihr anfangs nicht wusstet, was für eine Bestie in ihm schlummert. Ihr seid aus dem Dorf geflohen, und kurze Zeit später wieder zurückgekommen, um nach Emma und dem Jungen zu suchen. Als ihr festgestellt habt, dass weder Polizei noch eure Familie euch glauben, habt ihr es aufgegeben, nach den Vermissten zu suchen. Daraufhin ist Ben ins Ausland verschwunden und dein Bruder und du habt versucht, wieder in euer normales Leben zurückzufinden.“
Ich nickte und trank einen Schluck von dem heißen Kakao, den mir Pater Henry gemacht hatte. Erneut saßen wir in seinem Büro, in dem ich ihm im letzten Monat genau diesen Teil der Geschehnisse geschildert hatte.
„Ihr seid dann noch einmal nach Wolfenegg zurückgefahren, nicht wahr?“
„So ungefähr, Pater. Am besten ich fange mit meinen Cousins an. Sie sind vom Alter her genau zwischen mir und Nick. Die beiden sind die Kinder der Schwester meines Vaters und oft bei uns zu Besuch. Sie sind extrem gut aussehend, sehr intelligent und talentiert in allem, was sie anfangen. Jeder liebt sie. Nick und ich waren manchmal neidisch gewesen auf die Zwillinge. Aber man musste sie gern haben, auch wenn ihre Perfektion einen krank machte.
Sie erinnern sich, dass mein Onkel, Konstantins und Korbinians Dad, uns die Wohnung kaufte, und wir alle zusammengezogen sind?“

Im Kindle-Shop: Michael Lindqvist: In einer dunklen Nacht - Band 2 {ML}
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Jo Hess auf seiner Website zur Horror-Serie {ML}.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen