27. Oktober 2016

'Per Handschlag für immer' von Lotte R. Wöss

Ein Vertrag. Ein Pakt. Ein Handschlag.
Für immer?

Nur ein Ehevertrag samt Marketingtrick vereint Nora und Klaus. Die mollige Besitzerin einer Schokoladenmanufaktur und der enttäuschte Leiter einer renommierten Backwarenfirma wollen gemeinsam ein neues Produkt auf den Markt bringen. Gefühle haben in dieser Partnerschaft keinen Platz. Zu sehr sind die beiden mit Vorurteilen und persönlichem Ballast behaftet. Doch dann bekommt das Paar einen unberechenbaren Mitspieler …

„Finanzieller Verlust tut im Kopf weh, aber Liebesbetrug greift dein Herz an!“

Gleich lesen: Per Handschlag für immer

Leseprobe:
[...]
»Ich möchte Ihnen die Ehe anbieten.«
Hatte er sich verhört? Eher nicht, denn die Amazone vor ihm sah ihn erwartungsvoll an.
»Sind Sie verrückt?« Er fuhr sie dermaßen unwirsch an, dass sie zusammenzuckte. Seine gute Erziehung zwang ihn, ruhiger zu werden.
»Ich will nicht unhöflich sein, Frau Spatz, aber ...«
Nora spürte, wie ihre Felle davon schwammen. Sie musste sich beeilen und bemühte sich um Geschäftsmäßigkeit. Rasch zog sie ihren Laptop und ihre Mappe aus der Aktentasche. Beides legte sie auf seinen Schreibtisch.
»Werfen Sie einen Blick in meine Aufstellungen. Für unsere Firmen ein Riesengeschäft. Eine Win-win-Situation.«
Er stand auf. »Frau Spatz, es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, aber ...!« Sein Tonfall klang förmlich, sodass Nora zu ihrer gewohnten Routine zurückfand und ihn einfach unterbrach.
»Hören Sie mich erst an, Herr Heim! Mir gehört die Manufaktur Spatz-Schokoladen in Bad Hofgastein, bekannt für feinste Schokolade. Unser Hauptprodukt sind die Klammsteiner Herzen, nach Burg Klammstein benannt. Mein Urgroßvater war der Erfinder der Streifenglasur, einer Schokoglasur aus verschiedenen Brauntönen.«
Klaus Heim saß wieder hinter seinem Schreibtisch, machte jedoch keinerlei Anstalten, die vor ihm liegende Mappe mit dem Logo von Spatz-Schokoladen zu öffnen. Nora ließ sich nicht beirren.
»Ich möchte Ihnen eine Geschäftsidee unterbreiten. Wir sind dabei, eine zartschaumige Pralinencreme zu kreieren, die einen Unterkeks braucht. Tatsächlich hat es Pralinenkekse schon mehrmals auf dem Markt gegeben, leider waren sie relativ erfolglos. Deswegen brauchen wir eine geniale Marketingstrategie. Aus Anlass unserer Hochzeit würde ich den Namen ‚Hochzeitskuss‘ vorschlagen. Außerdem ...!«
Heim hatte genug und sprang auf. »Bei aller Liebe, Frau Spatz, aber ...«
»Es wäre nur eine Ehe auf dem Papier und auf Zeit. Nach zwei bis drei Jahren lassen wir uns wieder scheiden. Wir müssten nicht einmal zusammenwohnen, zumindest nicht ständig. Schließlich liegen unsere Orte zweihundertfünfzig Kilometer auseinander.«
»Ich finde Ihre Idee schlichtweg absurd und beleidigend.« Dachte diese monströse Schokoladefabrikantin, er wäre so ausgehungert nach einer Ehefrau, dass er jede nehmen würde?
»Tut mir leid, aber ich möchte unsere Zeit nicht länger verschwenden.« Seine Stimme hatte einen messerscharfen Tonfall angenommen. »Alle Heim-Erzeugnisse verkaufen sich bestens. Besonders die Heim-Waffeln, unsere Klassiker, gehen ausgezeichnet. Es braucht keine neuen Produkte.«
Nora blieb sitzen, obwohl ihr elend zumute war. Sie konnte beharrlich sein wie ein Terrier, der sich in ein Hosenbein verbissen hatte. Mit sanftem Vorgehen setzte man in der Geschäftswelt keinen Fuß vor den anderen.
»Stimmt. Sie haben Ihr Sortiment schon ewig nicht verändert. Eine Aufstockung könnte also nicht schaden«, fuhr sie fort; sie schien unbeirrt.
Das Handtuch zu werfen, war kein Weg. Es hing zu viel davon ab. »Ich habe Ihnen hier die Eckdaten aufgeschlüsselt. Wenn Sie einen Blick ...«
»Frau Spatz! Sie reden von Hochzeit und nicht von einem x-beliebigen Geschäft. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?« Würde er den Sicherheitsdienst rufen müssen, um diese Dame mit Gewalt hinauszubefördern?
»Herr Heim, Sie haben vor Kurzem eine Beziehung beendet. Und das knapp vor der Hochzeit.«
»Die ganze Welt weiß das!« Er hatte sich vor ihr aufgebaut wie ein gereizter Tiger. Alle konnte er auf diese Weise in die Flucht schlagen.
Nur dieser zu breit geratene Spatz ließ sich nicht beirren.
»Sie sind momentan ungebunden, daher ...«
Zum Teufel war diese Frau hartnäckig! Er beugte sich zu ihr, stützte sich mit beiden Händen auf den Armlehnen ab. Sein lodernder Blick sollte sie verbrennen – Dr. Nora Spatz wich jedoch nicht zurück.
»Ich habe keine Ahnung, warum und wie weit Sie über meine geplatzte Hochzeit Bescheid zu wissen glauben. Aber denken Sie wirklich, dass ich dermaßen verzweifelt wäre, eine wildfremde Frau, noch dazu eine Dame, die überhaupt nicht meinem bevorzugten Typ entspricht, zu ehelichen?«
Seine Mutter hätte ihm die Ohren lang gezogen, würde sie auch nur ahnen, wie beleidigend er sich geäußert hatte. Der Termin strapazierte seine Nerven. Dabei hatte er sich seit vier Monaten durch nichts und niemanden aus der eisigen Ruhe bringen lassen, in die er geflüchtet war.
Eine andere wäre weinend hinausgelaufen. Frau Doktor Spatz blieb ungerührt und kühl.
»Das ist mir klar! Normalerweise würden Sie eine Ehe mit einer Frau wie mir niemals in Erwägung ziehen. Das ist mir mehr als bewusst. Tatsächlich befinde ich mich in einer Notlage. Deswegen habe ich einen Geschäftsplan ausgetüftelt, der eine Eheschließung auch für Sie schmackhaft machen sollte. Und, das möchte ich betonen, es wäre eine Ehe auf dem Papier und auf Zeit.« Sie klappte ihren Laptop auf. »Ich habe einen Joint-Venture-Vertrag ausgearbeitet. Mir ist vollkommen klar, dass Heim-Backwaren in einer anderen Liga als Spatz-Schokoladen spielt. Aber eine Verbindung zwischen beiden wird definitiv für Sie von Vorteil sein.«
Heim hörte nicht alles, was sie erzählte. Er war auf einmal fasziniert von ihrer Lebhaftigkeit und ihrem Mienenspiel. Trotz ihrer gewaltigen Erscheinung sah er eine Agilität in ihr, die er auf den ersten Blick nicht vermutet hätte. Auf dem Laptop erschien ein Foto, das eine schokoladige Köstlichkeit zeigte, überzogen mit einer in mehreren Brauntönen gestreiften Glasur.
»Die Kekspraline Hochzeitskuss muss mit einem Knalleffekt eingeführt werden! Das erste Mal wird sie bei unserer Hochzeit verteilt und danach an sämtliche Vertriebsquellen geliefert. Ziel ist, dass verliebte Paare sich mit dieser Keks-Praline identifizieren.«
Bestimmt nicht auf Kosten seiner Hochzeit. Kurz war er abgelenkt gewesen und hatte sie plappern lassen, aber jetzt musste er die Dame stoppen, bevor sie sich weiter in Hirngespinsten verfing. Er würde eine Heirat nie mehr in Erwägung ziehen. Und schon gar nicht mit einer Frau, deren Äußeres schlichtweg nicht seinem Geschmack entsprach.
»Ich werde das Ganze hier an dieser Stelle abbrechen, tut mir leid, Frau Spatz!« Seine Stimme klirrte durch den Raum und klang in seinen eigenen Ohren hart. »Die Idee ist unmöglich durchführbar.«

Im Kindle-Shop: Per Handschlag für immer

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