6. Januar 2017

'Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze' von Theo Graufell

Nicht nur für Katzenfreunde, sondern für alle, die gerne lachen, schmunzeln, grinsen oder kichern. Vorsicht, Satire! Nicht nachahmen. Geschichten aus Kümmels Revier.

Theo und seine graugetigerte Katze mit dem sonderbaren Namen Kümmel sind ein unzertrennliches Gespann, wobei Theo viel sonderbarer als der Name seiner Katze ist. Er unternimmt alles, um seinem pelzigen Liebling ein angenehmes und sorgenfreies Katzenleben zu bescheren und tritt dabei von einem Fettnapf in den anderen. Seine Frau Ulrike, der ruhende Pol in Kümmels Revier, tippt sich so manches Mal automatisch an die Stirn, wenn ihr Theo mal wieder das optimale Futter für seine Katze sucht, die Katzensprache erlernt oder den Nachbarkater Toni vertreibt. Aber nicht nur Theo und Kümmel leben im Katzenrevier, sondern viele andere skurrile Bewohner treiben dort ihr Unwesen.

Der Autor Theo Graufell ist Texter und Schriftsteller und lebt nach einer glänzenden Karriere als Baumwollpflücker in Israel und Erntehelfer auf einer Tabakfarm in Zimbabwe mit Frau und Katze in der ländlichen Umgebung von Berlin.

Gleich lesen: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Die Jubiläumsausgabe

Leseprobe:
Den ersten Kursabend gestaltete Frau Piepenkötter mit einem theoretischen Vortrag über die verschiedenen Katzenrassen und deren Körpersprache. Egal, ob man es mit einer Hauskatze, einer Maine Coon oder einer Siamkatze zu tun hat, die Sprache ist gleich. Ich hob die Hand.
„Und wie, bitteschön, verständigt sich eine Katze, die in Spanien geboren ist mit einer, die aus Indonesien stammt?“
Ich blinzelte verschwörerisch zu Frau Delling-Schnakenburg. Ich hatte inzwischen ja Erfahrung mit Scharlatanen und würde mir kein X mehr für ein U vormachen lassen. Die bekannte Tierpsychologin Cordula Piepenkötter legte die Ohren an.
„Es spielt keine Rolle, wo die Katze geboren wurde. Die Tiere bilden doch keine Worte, sondern teilen sich hauptsächlich durch ihre Körpersprache mit.“
Sie schüttelte sich ein paar Mal heftig, so als würde sie ein lästiges Laubblatt loswerden wollen.
„Aber Katzen machen doch auch Miau.“
Jetzt hatte ich sie.
„Das Miau dient nur zur Untermalung und ist auf der ganzen Welt gleich.“
Ich hatte es doch gleich geahnt: Eine üble Besserwisserin.
„Augen halb geöffnet, die Ohren im Normalzustand sagt uns, unsere Katze ist völlig entspannt. Sind die Ohren flach angelegt, bedeutet das Alarmbereitschaft. Die Katze ist zum Angriff bereit.“
Frau Piepenkötter leierte ihr Programm herunter.
„Die Katze zwinkert Ihnen zu. Das heißt, ich mag dich. Das Augenzwinkern ist das Lächeln der Katze. Die Katze macht einen Buckel, ihr Fell ist gesträubt, sie geht seitwärts. Imponiergehabe. Seht her, ich bin die Größte.“
Sehr interessant.
„Ist die Katze sehr nervös, stimmt irgendetwas nicht, wedelt sie heftig mit dem Schwanz. Er peitscht förmlich von einer Seite zur anderen.“
Ich hob wieder die Hand.
„Aber wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, zeigt das doch eher Fröhlichkeit.“
Frau Piepenkötter nickte anerkennend.
„Ja, so ist es.“
„Dann muss die Katze also eine Fremdsprache lernen, wenn sie den Hund verstehen will.“
Ich brach in kreischendes Gelächter aus und warf einen aufmunternden Blick in die Runde. Gleichgültige Gesichter wichen meinem schalkhaften Blick aus. Langweilige Bande. Die Piepenkötter klatschte in ihre fleischigen Hände.
„Wir üben das jetzt mal. Jeder sucht sich einen Partner. Sprechen verboten. Versuchen Sie, sich mit Gestik und Mimik verständlich zu machen.“
Ein guter Ansatz. Kümmel und Ulrike werden staunen. Ich saß der Delling-Schnakenburg gegenüber. Immerhin kannten wir uns ja. Ich schürzte meine Lippen und zog meine linke Augenbraue nach oben.
„Sie unverschämter Lümmel!“ Meine Nachbarin war außer sich. „Ich möchte sofort tauschen. So ein Lüstling.“
Frau Piepenkötter teilte mir unverzüglich einen neuen Trainingspartner zu, der sich mit den Worten: „Ich bin Kalle. Karatelehrer“ vorstellte. Kalle trug eine moderne Glatze, war muskulös und sehr kompakt. Die Dozentin klatschte wieder in die Hände.
„Weiter, Herrschaften.“
Kalle schürzte seine Lippen, ließ ein rosiges Stückchen Zunge sehen und zwinkerte mir zu. Ich sagte nichts.
Die drei Abende vergingen dank Kalle leider nicht wie im Fluge, aber fanden doch endlich ein Ende. Frau Piepenkötter zwinkerte jedem außer mir zu und überreichte uns zum erfolgreichen Abschluss eine Art Diplom, das uns als staatlich nicht anerkannten Katzenversteher auszeichnete. Ich platzte vor Stolz, als ich meine Urkunde Ulrike präsentierte.
„Ab heute ist jede Katze ein offenes Buch für mich.“
Meine Frau tippte sich wie üblich an die Stirn.
Dann schlenderte Kümmel mit hocherhobenem Schwanz zur Terrassentür herein.
„Alles klar“, prahlte ich. „Sie ist guter Dinge und freut sich.“
Kümmel zwinkerte erst Ulrike, dann mir zu.
„Ha! Sie zeigt uns ihre Sympathie. Sie lächelt uns an. Alles sehr einfach.“
„Sie lächelt, weil ich ihr gerade Putenherzen klein schneide“, erwiderte Ulrike. „Deine alberne Urkunde kommt mir aber nicht ins Wohnzimmer.“
Am nächsten Tag, es war Samstag, stürmte Dieter Delling-Schnakenburg unsere Einfahrt hoch.
„Theo!“
Er schien aufgebracht.
„Theo, du Halunke, wo steckst du?“
Keiner Schuld bewusst rief ich fröhlich: „Hier.“
Rotgesichtig stand Dieter, mein Nachbar von gegenüber, vor mir. Seine Schläfenadern waren deutlich zu sehen. Sie pochten leicht. „Was fällt dir ein ...“

Im Kindle-Shop: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Die Jubiläumsausgabe



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