23. Februar 2017

'Kreativer Gesellschaftsumbruch' von Daniela Muthreich

Lebenserfahrung in Satire verpackt – das Erstlingswerk von Daniela Muthreich.

Migration einmal anders: Die gebürtige Deutsche machte sich auf in die Schweiz. In einem Mix aus Satire, Theaterstück und Prosa verarbeitet sie ihre Erfahrungen bei der Integration in den Alpenstaat.

Die ungewöhnliche Textform als Theaterstück beleuchtet auf amüsante Weise Aspekte menschlichen Zusammenlebens und reflektiert diese mit scharfem Blick und reichlich Humor. Dabei schreckt Daniela Muthreich auch vor heiklen Themen wie der Generationenschuld nicht zurück und hält sich und ihrer Umwelt einen durchaus kritischen Spiegel vor.

Satirische Unterhaltung mit Intelligenz und einem Augenzwinkern.

Gleich lesen: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Leseprobe:
Integration im Amts-Stüberl
[…]
Maître des Humors, hastig: «Ist es grundsätzlich erforderlich, bei Migration in ein anderes Land vorerst das Vokabeltraining auf Begriffe wie Steuereinnahmen der Kommunen, Umverteilung, Investitionen, Infrastruktur, Flexibilität bei der Jobsuche, Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich eigener pädagogischer Ansätze beim Erlernen von Sprache sowie rechtfertigende Argumente unter Einbeziehung aller familiären Aspekte zu konzentrieren?»
Rechercheur, mit schmerzhaftem Gesichtsausdruck: «Das sind alles grundsätzliche Spektren, die sowieso jeder bei seiner Migration bzw. Integration im Kopf haben sollte und somit sofort einwandfrei in einer anderen Sprache, der jeweilig gewünschten, im direkten Gespräch einfließen lassen muss.»
Ich: «Kann man nicht davon ausgehen, dass die Handhabung mit Steuergeldern im Allgemeinen und von Großkonzernen im Besonderen bei kommunalen Treffen seine Aufklärung erhält? Mit anderen Worten, sind dies so schwer verständliche Abläufe, dass die hiesige Bevölkerung darüber nicht informiert werden will oder kann?»
Rechercheur: «Man geht letztlich davon aus, dass diese Abläufe und die Auswirkungen der Abläufe der herrschenden Gesellschaft geläufig sein müssten und verzichtet auf ausführliche Erklärungen.»
Maître des Humors, mit Grinsen im Gesicht: «Aber in unserem Fall findet ein Teil der Gesellschaft eine ganz andere Erklärung!»
Rechercheur, fast beleidigt: «In meinem Arbeitspapier vom 3.3.2013 steht dazu, dass aufgrund von Komplexität und mit Rücksichtnahme auf das jeweils stark oder weniger stark ausgeprägte Informationsinteresse bei Teilen der Gesellschaft auf eine ausführliche Erklärung von normalen Steuerabläufen beziehungsweise Verteilen von finanziellen Mitteln verzichtet wird.»
Ich, in Sorge: «Ja, aber dann entsteht ein gewisser Eindruck! Der Eindruck, dass die schuld sind, die da kommen!»
Rechercheur, streng: «Erstens sind die immer schuld, die da kommen, weil nur die schuld sein können, schon allein deswegen, weil sie kommen. Zweitens findet das vernachlässigte Aufklären von Teilen der Gesellschaft anderswo Anklang, denn es kann somit politisch-strategisch optimal genutzt werden.»

Im Kindle-Shop: Kreativer Gesellschaftsumbruch: Mein Leben als Theaterstück

Mehr über und von Daniela Muthreich auf ihrer Website.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen