1. Februar 2017

'Lass mich (nie mehr) los' von Nicola J. West

»Ich kann keinen einzigen Gedanken, kein Gefühl greifen. In mir ist eine so laute Leere, dass ich nichts und alles zugleich fühle.«

Neill Benett wird nie wieder Single sein! Er würde Brief und Siegel darauf geben und jeden in den Schwitzkasten nehmen, der daran zweifelt. Von einem Moment auf den anderen aber steht er wieder alleine da. Seine Welt gerät vollkommen aus den Angeln und als er dann auch noch seine Bandmitglieder verliert, droht er endgültig unterzugehen.

Maria Carmichael weiß, wie er sich fühlt, denn nach dem Verlust ihres Mannes stand sie am gleichen Punkt. Seit dem sind drei Jahre vergangen und Maria hat vieles verwunden. Sie verliebt sich in Neill, doch was so schön sein könnte, droht, sich in die gleiche Hölle zu verwandeln, die sie schon einmal durchgemacht hat.

›Lass mich nie mehr los‹ - ein Roman über innige Freundschaft, tödliche Schicksalsschläge und Berge versetzende Liebe. Für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent erhältlich.

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Leseprobe:
Maria musste nicht Sherlock Holmes sein, um Neill zu finden. Er lehnte direkt neben der Tür unter dem Dachvorsprung an der Mauer an, hielt die Augen geschlossen und tat nichts, als flach zu atmen.
»Neill?« Sie sprach ihn ganz leise an, um ihn nicht aufschrecken zu lassen. Regentropfen sprenkelten sein Gesicht und fast hätte Maria sie mit Tränen verwechselt.
Neill blinzelte, sagte aber kein Wort. Nicht, dass sie weggehen und nicht, dass sie näherkommen sollte. Er nahm einen schnellen, tiefen Atemzug und schloss die Augen wieder. Maria trat dennoch näher. Ihr dünnes langärmeliges Shirt war schon beinahe durchnässt. »Hab ich irgendwas gemacht, das dich verärgert hat?« Sie hatte keine Ahnung, warum sie die Frage nun doch stellte, aber es erleichterte sie, dass er den Kopf schüttelte.
»Nein«, flüsterte er in die Nacht. »Du am allerwenigsten.«
»Was ist dann passiert? Was hat dich so unzufrieden gemacht? Die Bar war voll und die Leute hören nicht auf, nach neuen Demo-CDs zu fragen.« Sie hatten vor zwei Jahren welche produziert und für kleines Geld bei Neills Gigs angeboten. Es waren keine professionellen Aufnahmen und zuerst war der Verkauf damals sehr mittelmäßig gelaufen, sodass sie den Eindruck hatten sich verkalkuliert zu haben. Ganz allmählich hatten sich ihre Regale dann aber doch geleert und die Auflage war mittlerweile vergriffen. Seine Fans wollten mehr und Maria hoffte, Neill damit aufbauen zu können. Sie wollte ihn fragen, ob seine Laune mit Olivia zu tun hatte, aber behielt ihre Zunge wohlweislich im Zaum.
»Es hat mit all dem hier gar nichts zu tun«, antwortete Neill. Seine Stimme klang rau und die Worte kamen ihm nur stockend über die Lippen. »Tut mir leid, dass ich heute Abend so eine negative Ausstrahlung hatte.«
»Sie lieben dich und jeder hat mal einen schlechten Tag. Bei deinem nächsten Auftritt ist das längst vergessen.«
Neill nickte, sagte abermals kein Wort. Noch immer hatte er Maria auch nicht angesehen, lehnte mit geschlossenen Augen an der Wand. Regen perlte an seinem Kinn herab. An ihrem nicht, sie stand mit dem Rücken zum Wind.
»Was geht in dir vor?« Sie hielt beinahe die Luft an, war nicht sicher, ob sie zu weit ging, zu stark in einer Wunde bohrte, die noch zu frisch war.
»Nichts.« Neill schluckte sichtlich hart. Sein Kehlkopf sprang. »Alles.« Er öffnete die Augen und blickte Maria nicht an. Stur sah er geradeaus in die Nacht. Rote Äderchen dominierten über das verwaschene Südseeblau.
Nur mit Mühe schnappte Maria nicht nach Luft, als sie begriff, dass es nicht der Regen war, der sein Gesicht für sich entdeckt hatte. Neill weinte stumm über etwas, das er nicht preisgeben wollte.
»Ich geh wieder rein.« Maria gab vor nichts bemerkt zu haben, denn es war offensichtlich, dass er es geheim halten wollte. »Falls wir uns später verpassen-«
»Nein.« Überrascht von diesem einen hart hervorgebrachten Wort, hielt sie inne.
»Nein?«
»Nein«, wiederholte Neill. »Bleib bitte einfach da.« Nun wandte er ihr den Blick doch noch zu. »Ich weiß, dass du höflich sein und so tun willst, als hättest du nicht gesehen, dass ich weine, aber das musst du nicht. Ich hab dich in jedem erdenklichen Zustand gesehen und ich habe keinen Grund, mich dir nicht auch so zu zeigen.« Neill holte zitternd Luft. »Ich möchte nur nicht drüber reden, okay?«
»Okay«, flüsterte sie und auf Neills auffordernden Blick trat sie näher an ihn heran. Einen Schritt und noch einen, bis sein Arm ihren berührte und sein Zittern auf ihrer Haut vibrierte. Er hob eine Hand, legte sie auf ihre Schulter, zog sie an sich, als wäre sie der letzte Strohhalm. Sein Rettungsring im rabenschwarzen Meer. Er bettete den Kopf auf ihrer Schulter und sie streichelte ihm durch die feuchten Locken. Maria kraulte über seine Kopfhaut, als wäre er ihr Mann und sie die Frau an seiner Seite.
»Danke«, sagte er schlicht, als er sich wieder von ihr löste. Nur einen kurzen Moment lang blickte er ihr tief in die Augen. Ihr Herz klopfte unregelmäßig und wild, seit sein Arm ihren auch nur berührt hatte, und dieser Blick ließ es fast explodieren. Sie war 27 und fühlte sich wie 15. Fast war es surreal und ihr Gesicht war trotz der Nachtkälte ganz warm. Gänsehaut hatte sich von ihrem Nacken bis zu ihren Handgelenken herabgearbeitet und es kribbelte bis herab in ihre Zehenspitzen. Neill gehörte ihr Herz und sie konnte so gar nichts dagegen unternehmen.

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