18. März 2017

'Hetzjagd der Werwölfe' {ML} Band 1 und 2 von Jo Hess

Michael ist mit seinem Bruder auf dem Weg nach Italien. Ungeahnt kommen sie nachts vom richtigen Weg ab und werden in einen schrecklichen Unfall verwickelt. Auf der Suche nach Hilfe entdecken sie ein Dorf. Sie scheinen gerettet. Doch die Einwohner hüten ein dunkles Geheimnis. Und mit einem Schlag geht es für alle um Leben und Tod …

Nach einem schweren Schicksalsschlag ist Michael Lindqvist gezwungen, sein Leben zu ändern und fortan Jagd auf Monster zu machen. Neben klassischen Bestien wie Werwölfen, Vampiren und Dämonen, wird er es mit unterschiedlichen Gestalten aus alten Legenden zu tun bekommen.

Die ersten beiden Teile der Horror-Buchserie um MIchael Lindqvist in einem Band.

Gleich lesen:
Für Kindle: Michael Lindqvist: Band 1 & 2: Hetzjagd der Werwölfe
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Februar 2015
Die Beichte
„Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Amen.“
Die sonore Stimme mit dem britischen Akzent und der Geruch des Weihrauchs gaben mir ein Gefühl von Geborgenheit, das den Knoten in meinem Magen wenigstens teilweise auflöste, den ich seit Wochen mit mir herumschleppte. Trotzdem zitterte meine Stimme, während ich versuchte, mir sorgfältig meine nächsten Worte zurechtzulegen.
„Meine letzte Beichte war vor vielen Jahren“, stammelte ich. In meinem Kopf sprangen die Gedanken zwischen all den grauenvollen Ereignissen hin und her, die mir in den letzten Monaten widerfahren waren.
„Bereust du deine Sünden?“
Nachdenklich betrachtete ich die Maserung der Holzdielen unter meinen Schuhen. Ohne Reue gab es keine Vergebung. Dabei war ich mir nicht einmal sicher, ob Vergebung überhaupt das war, wonach ich hier suchte.
„Bereust du deine Sünden?“, fragte der Priester noch einmal.
„Es war immer mein Bruder gewesen, der den zappelnden Fischen den Hammer auf den Kopf schlug“, sagte ich und der Priester schwieg. Er konnte mit dieser Antwort nicht viel anfangen, vermutete ich. Doch genau das war der Grund, warum ich jetzt hier saß und Angst davor hatte, in einer Anstalt für Geisteskranke zu landen. Weil ich nie besonders mutig gewesen war, und immer mein Bruder die Fische erschlagen hatte.
„Ich habe getötet“, sagte ich und zuckte zusammen. Natürlich rutschte mir genau der eine Satz heraus, den ich hatte vermeiden wollen.
„Keinen der Fische, nehme ich an?“, fragte der Priester sanft und ich nickte, obwohl er es nicht sehen konnte.
„Warst du gezwungen gewesen, das Leben zu nehmen?“
Überrascht blickte ich auf das hölzerne Gittergeflecht, hinter dem ich die schemenhaften Umrisse des Priesters wahrnahm. Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet gewesen. Ich hatte befürchtet, er würde die Polizei oder die Männer mit den engen weißen Jacken rufen - Beichtgeheimnis hin oder her. Natürlich war ich gezwungen gewesen. Doch wie sollte ich ihm die Hintergründe erklären, ohne für verrückt gehalten zu werden? Mein linkes Augenlid zuckte, wie immer, wenn ich nervös war, und ich drückte meinen Daumen darauf, bis es sich beruhigt hatte.
„Es war nicht nur eines, Pater. Nicht nur ein Leben.“
„Möchtest du mir mehr darüber erzählen?“
Es schien, als würden die dunklen Wände des Beichtstuhls näher kommen. Als wollten sie mich erdrücken. Starr blickte ich auf den Boden. Es fiel mir schwer Luft zu holen.
„Entschuldigung, Pater, ich kann nicht.“
Schweiß lief mir in die Augen und ich wischte mir mit dem Ärmel meiner Jacke über das Gesicht. Obwohl mir heiß war, kauerte ich zitternd auf der kleinen Holzbank in der Beichtkammer.
„Es ist nicht leicht, einen so schweren Rucksack über den ohnehin schon oft beschwerlichen Pfad des Lebens zu tragen“, sagte der Priester.
Meine Schultern sackten nach unten und ich lehnte meine Stirn gegen die Trennwand. Ich spürte genau, wovon er sprach, und brach in Tränen aus. Auf wackeligen Beinen verließ ich den Beichtstuhl, um aus der Kirche zu fliehen, in der ich mein halbes Leben verbracht hatte.
„Michael, warte!“
Mit dem Gefühl, bei einem schlimmen Streich ertappt worden zu sein, fuhr ich herum. Der Priester sah kaum einen Tag älter aus als damals, während ich hier noch Messdiener gewesen war. Er war ein schlanker, sportlicher Mann. Seine rötlich-braunen Haare waren noch immer voll und zu einem ordentlichen Seitenscheitel gekämmt. Er war keine klassische Schönheit, jedoch fanden viele Leute ihn attraktiv. Zumindest hatte meine Mutter das in einem Gespräch mit ihrer Schwester erwähnt, das ich als Junge zufällig mit angehört hatte.
„Sie wissen noch wer ich bin, Pater?“
Er lächelte, als wäre das die dümmste Frage, die er je gehört hatte. Jahrelang war ich Messdiener an seiner Seite gewesen, bevor ich in meiner Jugend den Bezug zur Kirche verloren hatte.
„Du weißt, ich darf, und ich werde niemandem erzählen, was du mir gebeichtet hast. Ich habe dich heranwachsen sehen. Ich kenne dich und weiß, du bist kein Mörder, Michael. Und da frage ich mich, was dich dazu bewogen haben könnte, zu tun, was du getan hast.“
Wie ein alter Mann ließ ich mich auf eine der Bänke fallen.
„Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen erklären soll.“
Der Priester setzte sich neben mich und fragte: „Wenn du nur eine Sache der letzten Monate ungeschehen machen könntest, was wäre das?“
„Ich würde dafür sorgen, dass wir niemals bei dieser Tankstelle anhalten“, schoss es aus mir heraus. Diese verfluchte Tankstelle, die mich jede Nacht in meinen Träumen verfolgte.
„Also hat alles bei dieser Tankstelle angefangen?“
„Nein, angefangen hat es mit meinem Bruder, und seiner dämlichen Idee, einen Ausflug zu machen. Bei der Tankstelle gingen nur die richtig schlimmen Dinge los. Eigentlich fing es mit dem Unfall an. Scheiße, ich weiß nicht, womit es anfing. Entschuldigung, Pater.“
Ich seufzte und sah nach vorn auf die brennenden Kerzen, die den Altar schmückten. Darüber hing ein schlichtes, mannshohes Holzkreuz, von dem aus Jesus Christus mich traurig ansah. In der Mitte stand ein kleines Holzpodest, auf dem ich die aufgeschlagene Bibel erkennen konnte. Seitdem ich als Messdiener zurückgetreten war, hatte ich keinen Gedanken mehr an diese Kirche verschwendet. Jetzt fühlte ich mich wie ein Scharlatan, der so tat, als sei er gläubig, nur um die Dienste des Priesters in Anspruch nehmen zu können. Bei diesem Gedanken zuckte ich unter dem Blick des leidenden Jesus zusammen. Aber ich brauchte den Priester. Außer einem Arzt und einem Anwalt kannte ich sonst niemanden, der an seine Schweigepflicht gebunden war. Ich war nicht krank, somit war der Arzt raus, und einen Anwalt konnte ich mir nicht leisten. Der Pater legte mir eine Hand auf die Schulter. Eine angenehme Wärme strahlte von seiner Handfläche aus.
„Sprich ruhig weiter. Und nenn mich Henry. Wir kennen uns lange genug.“
Ich nickte und sah wieder in das Kerzenlicht.
„Wissen Sie, Henry, ich war immer der Meinung gewesen, Abenteuer geschehen nur auf Kinoleinwänden und Tragödien ausschließlich in verstaubten Büchern längst verstorbener Dichter. Ich dachte immer, die meisten Menschen fristen ein langweiliges und vorherbestimmtes Dasein. Stehen morgens auf, trinken Kaffee, fahren zur Arbeit, fahren Nachhause, machen ihr Abendessen in der Mikrowelle warm, essen vor dem Fernsehgerät und gehen schlafen. Manche trinken Tee anstatt Kaffee, manche arbeiten Daheim oder gar nicht, andere kochen das Essen selbst oder bestellen beim Lieferservice. Alle gehen schlafen und am nächsten Tag wiederholt sich ihr Leben auf die ein oder andere Weise. Und da unser aller Dasein so berechenbar schien, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was ich tun würde, sollte sich etwas so undenkbares wie eine Apokalypse ereignen. Ganz im Gegensatz zu Nick, der ein regelrechter Zombie-Apokalypsen-Fan war. Ich dachte nicht über Dinge wie Raubüberfälle oder Schlägereien nach. In meinem Leben gab es so etwas nicht. Dachte ich. Und weil ich so dachte, hat mich das Schicksal geradewegs zwischen die Augen getroffen.“

Im Kindle-Shop: Michael Lindqvist: Band 1 & 2: Hetzjagd der Werwölfe
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Jo Hess auf seiner Website.



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