7. April 2017

'Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze' von Theo Graufell

Geschichten aus Kümmels Revier. Vorsicht, Satire. Nicht nachahmen.

Als Haustier lieber ein Krokodil als eine Katze. Ist pflegeleichter. Diese Erkenntnis gewinnt Theo spätestens, als er die Katzensprache erlernt, den bösen Kater Toni vertreibt oder seine umtriebige Katze sucht, die in der Nachbarschaft eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Theo tut alles, damit seine Katze sich wohlfühlt; seine Bemühungen sind allerdings meistens nicht besonders erfolgreich. Aber er gibt sich die allergrößte Mühe. Der Leser trifft auf seinem Streifzug nicht nur Theo und seine Katze mit dem ungewöhnlichen Namen, sondern viele andere Bewohner aus Kümmels Revier. Da wären der Hund, der sich nicht mehr aus seiner Hundehütte traut, eine übergewichtige Gans, Kater Toni, ein freches Eichhörnchen und ein menschlicher Wattwurm.

Nicht nur für Katzenfreunde, sondern für alle, die gerne lachen, schmunzeln, grinsen oder kichern. In dieser Jubiläumsausgabe findet der geneigte Leser zusätzlich die Geschichte vom Mann, der keine Katzen mochte, sowie ein paar satirische Betrachtungen über Männer im Haushalt, denn nicht nur im Umgang mit seinem Haustier zeigt der männliche Mensch absonderliches Verhalten.

Gleich lesen: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Fellsträubendes aus Kümmels Revier

Leseprobe:
Den ersten Kursabend gestaltete Frau Piepenkötter mit einem theoretischen Vortrag über die verschiedenen Katzenrassen und deren Körpersprache. Egal, ob man es mit einer Hauskatze, einer Maine Coon oder einer Siamkatze zu tun hat, die Sprache ist gleich. Ich hob die Hand.
„Und wie, bitteschön, verständigt sich eine Katze, die in Spanien geboren ist mit einer, die aus Indonesien stammt?“
Ich blinzelte verschwörerisch zu Frau Delling-Schnakenburg. Ich hatte inzwischen ja Erfahrung mit Scharlatanen und würde mir kein X mehr für ein U vormachen lassen. Die bekannte Tierpsychologin Cordula Piepenkötter legte die Ohren an.
„Es spielt keine Rolle, wo die Katze geboren wurde. Die Tiere bilden doch keine Worte, sondern teilen sich hauptsächlich durch ihre Körpersprache mit.“
Sie schüttelte sich ein paar Mal heftig, so als würde sie ein lästiges Laubblatt loswerden wollen.
„Aber Katzen machen doch auch Miau.“
Jetzt hatte ich sie.
„Das Miau dient nur zur Untermalung und ist auf der ganzen Welt gleich.“
Ich hatte es doch gleich geahnt: Eine üble Besserwisserin.
„Augen halb geöffnet, die Ohren im Normalzustand sagt uns, unsere Katze ist völlig entspannt. Sind die Ohren flach angelegt, bedeutet das Alarmbereitschaft. Die Katze ist zum Angriff bereit.“
Frau Piepenkötter leierte ihr Programm herunter.
„Die Katze zwinkert Ihnen zu. Das heißt, ich mag dich. Das Augenzwinkern ist das Lächeln der Katze. Die Katze macht einen Buckel, ihr Fell ist gesträubt, sie geht seitwärts. Imponiergehabe. Seht her, ich bin die Größte.“
Sehr interessant.
„Ist die Katze sehr nervös, stimmt irgendetwas nicht, wedelt sie heftig mit dem Schwanz. Er peitscht förmlich von einer Seite zur anderen.“
Ich hob wieder die Hand.
„Aber wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, zeigt das doch eher Fröhlichkeit.“
Frau Piepenkötter nickte anerkennend.
„Ja, so ist es.“
„Dann muss die Katze also eine Fremdsprache lernen, wenn sie den Hund verstehen will.“
Ich brach in kreischendes Gelächter aus und warf einen aufmunternden Blick in die Runde. Gleichgültige Gesichter wichen meinem schalkhaften Blick aus. Langweilige Bande. Die Piepenkötter klatschte in ihre fleischigen Hände.
„Wir üben das jetzt mal. Jeder sucht sich einen Partner. Sprechen verboten. Versuchen Sie, sich mit Gestik und Mimik verständlich zu machen.“
Ein guter Ansatz. Kümmel und Ulrike werden staunen. Ich saß der Delling-Schnakenburg gegenüber. Immerhin kannten wir uns ja. Ich schürzte meine Lippen und zog meine linke Augenbraue nach oben.
„Sie unverschämter Lümmel!“ Meine Nachbarin war außer sich. „Ich möchte sofort tauschen. So ein Lüstling.“
Frau Piepenkötter teilte mir unverzüglich einen neuen Trainingspartner zu, der sich mit den Worten: „Ich bin Kalle. Karatelehrer“ vorstellte. Kalle trug eine moderne Glatze, war muskulös und sehr kompakt. Die Dozentin klatschte wieder in die Hände.
„Weiter, Herrschaften.“
Kalle schürzte seine Lippen, ließ ein rosiges Stückchen Zunge sehen und zwinkerte mir zu. Ich sagte nichts.
Die drei Abende vergingen dank Kalle leider nicht wie im Fluge, aber fanden doch endlich ein Ende. Frau Piepenkötter zwinkerte jedem außer mir zu und überreichte uns zum erfolgreichen Abschluss eine Art Diplom, das uns als staatlich nicht anerkannten Katzenversteher auszeichnete. Ich platzte vor Stolz, als ich meine Urkunde Ulrike präsentierte.
„Ab heute ist jede Katze ein offenes Buch für mich.“
Meine Frau tippte sich wie üblich an die Stirn.
Dann schlenderte Kümmel mit hocherhobenem Schwanz zur Terrassentür herein.
„Alles klar“, prahlte ich. „Sie ist guter Dinge und freut sich.“
Kümmel zwinkerte erst Ulrike, dann mir zu.
„Ha! Sie zeigt uns ihre Sympathie. Sie lächelt uns an. Alles sehr einfach.“
„Sie lächelt, weil ich ihr gerade Putenherzen klein schneide“, erwiderte Ulrike. „Deine alberne Urkunde kommt mir aber nicht ins Wohnzimmer.“
Am nächsten Tag, es war Samstag, stürmte Dieter Delling-Schnakenburg unsere Einfahrt hoch.
„Theo!“
Er schien aufgebracht.
„Theo, du Halunke, wo steckst du?“
Keiner Schuld bewusst rief ich fröhlich: „Hier.“
Rotgesichtig stand Dieter, mein Nachbar von gegenüber, vor mir. Seine Schläfenadern waren deutlich zu sehen. Sie pochten leicht. „Was fällt dir ein ...“

Im Kindle-Shop: Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze: Fellsträubendes aus Kümmels Revier



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