11. Mai 2017

'Leidendes Herz' von Peter Wanzel

Es begann wie das perfekte Glück. Petra und Sven verliebten sich im Urlaub unsterblich ineinander. Er zieht wegen ihr nach Köln und gibt seine alte Heimat für sie auf. Nach einer schönen Zeit erkrankt sie an Depressionen. Sie zieht ihn mit hinunter in die depressiven Tiefen. Petras Kur wirft auch noch ihre dunklen Schatten. Sie betrügt Sven mit einen ausländischen Mann. Sven sieht sich in der Summe dadurch am Scheideweg.

Leben oder …
Suizidale Gedanken erfassen ihn.

Kann Sven aus diesem seelischen Tief herauskommen? Starke Depressionen ergreifen ihn selbst. Hat die Liebe zwischen Petra und Sven noch eine Chance?

Ein großes Liebesdrama, welches das Herz berührt – und an die Niere geht!

Gleich lesen: Leidendes Herz: Wenn Depressionen ein Glück zerstören

Leseprobe:
„Du sagst, daß du mich nicht mehr liebst. Ich dich aber. Als wir uns die Ehe versprachen, da hieß es: In guten wie in schlechten Zeiten.
Die guten Zeiten haben wir all die Jahre vorher zweifellos gehabt. Ich möchte keinen Tag davon missen. Aber nun haben wir schlechte Zeiten. Auch diese werden wir gemeinsam überstehen. Gemein schaffen wir das. Verstehst du? Das du Depressionen hast, ist kein Grund für mich an unsere Ehe zu zweifeln. Im Gegenteil. Es sollte uns zusammen schweißen. Wir passen sehr gut zusammen. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch diejenige von anderen. Und ich werde es nicht zulassen, daß die Depression unsere Ehe zerstört.
Aus diesem Grund werde ich dich in allem Unterstützen. Du bist nicht alleine. Ich bin bei dir. Gemeinsam kommen wir durch das Tal durch.“
Die Rage hatte mich immer noch ergriffen, so daß ich in diesem Ton weiter redete. Aber jedes Wort davon hatte ich so gemeint wie gesprochen. Jetzt sah ich sie an. Noch immer saß sie unbeweglich im Schneidersitz auf dem Bett. Endlich bewegten sich ihre schönen, sinnlichen Lippen.
„Ich weiß, daß du mich liebst. Das brauchst du mir nicht dauernd zu bestätigen. Das spüre ich ja. Das genau ist vielleicht mein Problem. Um es kurz zu nennen: Deine Liebe erdrückt mich.
Eine kurze Pause entstand, in der ich das eben vernommene erst einmal verdauen musste.
Das war also mein Verbrechen?
Eine gelebte Liebe?
Ich verstand die Welt nicht mehr.
Eines Fehlers war ich mir keineswegs bewusst, denn ich zeigte ihr meine Liebe nur insoweit, daß es bestimmt nicht als zu aufdringlich gelten konnte.
„Jetzt überraschst du mich aber. Ich glaube nicht, daß ich dich mit meiner Liebe erdrückte. Ich habe dich nicht mehr mit meinen Liebesbeweisen überhäuft, als es je ein anderer Mann für seine Frau machen würde. Wenn ich dir ein Geschenk mitbrachte, so hast du dich ehrlich gefreut. Wenn ich dir meine Liebe bestätigte, so hast du dich ehrlich gefreut. Ein paar mal habe ich dich gefragt, ob es zu viel sei. Du hast es verneint. Wenn es zu viel gewesen wäre, so hättest du es doch bestimmt damals schon gesagt. Da fällt mir gerade ein, daß du einmal zu mir sagtest, du könntest nie genug hören, daß ich dich liebe. Also widersprichst du dich gerade.“
Die Pause hatte ich nötig, denn ich merkte selbst, daß etwas mit mir geschah was ich selbst nicht beabsichtigte. Die Pferde begangen mit mir durchzugehen. In der Hitze des Gefechts konnte ich schon mal über die Stränge schlagen, und verbale Laute von mir geben, welche ich später bestimmt bereuen würde. Ich kannte mich nur zu gut. Deshalb bremste ich mich bewusst.
„Nein. Wir hängen ständig aufeinander. Wir sind immer zusammen. Du lässt mir keine Luft zum Atmen mehr. Es erdrückt mich. Das mußt du doch verstehen.“
Das Einzige was ich verstand, war Bahnhof. Mir fielen ihre vielen Wochenenddienste ein. Und verschiedene andere Gründe, welche aber alle eine Aussage hatten. Wir sahen uns eindeutig zu wenig. Das war dem Umstand geschuldet, daß wir verschiedene Arbeitszeiten hatten. Das erklärte ich ihr auch sogleich, weil es mich partout ärgerte.
„Da tust du mir unrecht. Im Gegenteil. Wir sehen uns viel zu wenig. Wann sehen wir uns denn. Abends eine Stunde, weil du sehr müde früh ins Bett gehst. Morgens vielleicht mal für zehn Minuten. Und am Wochenende, wenn ich Zeit hätte, arbeitest du oft. Da bleibt in einer Woche meistens nicht mal ein einziger Tag für uns, an dem wir etwas gemeinsam unternehmen. Wir sehen uns viel zu selten. Es ist nicht wahr, wenn du sagst, ich würde dich erdrücken. Das Gegenteil ist der Fall. Wir leben uns eher auseinander. Es ist doch so.“
Nun war es mir gelungen den Frust von der Seele zu reden. Auch wenn ich wusste, daß ich vollkommen recht hatte, so blinkte in meinem Gehirn sofort ein Warnlämpchen auf. Denn einiges wurde mir sogleich bewusst:
Es war schwer, mit der Wahrheit gegen Petras Argumente anzugehen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Um Fehler einzusehen, war sie nämlich ungeeignet veranlagt.
Das bedeutete, daß sie ein Scheuklappendenken aufwies.
Es war mir schon vor der Kur aufgefallen, daß sie sich von mir absonderte. Wir unternahmen sehr wenig miteinander. Höchstens am Sonntagnachmittag fuhren wir mal weg. Zum Essen, oder ins Kino. Aber mehr Gemeinsamkeiten ließ die geringe Zeit einfach nicht zu. Das war tatsächlich ihrer Schichtarbeit geschuldet. Das sagte ich ihr auch direkt in das Gesicht.
„Wir sehen uns so selten. Du arbeitest ständig im Krankenhaus. Höchstens am Sonntag unternehmen wir mal was. Das liegt an deiner Schichtarbeit. Außerdem warst du erst fünf Wochen zur Kur. Da wolltest du mich nicht sehen. Aus diesem Grunde, weil ich Rücksicht auf dich nahm, habe ich dich nicht besucht. Ich wollte dich zur Ruhe kommen lassen. Wenn du mir sowas vorwirfst, so tutst du mir Unrecht.“
Sie schwieg.
Ich schwieg.
Es war viel gesprochen worden. Dennoch vermutete ich, daß es noch nicht alles war. Das noch einiges geschehen würde. Ich sollte recht behalten.
„So kann es nicht weitergehen.“ Auf meine kurz vorher hervorgebrachten Einwürfe reagierte sie gar nicht mehr.
„Was meinst du?“
Wieder dieser trockene Hals in mir, der Böses ahnen ließ.
„Ich fände es besser, wenn wir uns für eine Weile trennen.“
Das war der Satz gesagt. Das Unglücksverheißende ausgesprochen. Mir wurde beinahe schlecht.
„Wie meinst du das?"
„Das du für eine Weile ausziehst. Vielleicht findest du irgendwo ein möbliertes Zimmer. Ich muß erstmal zu mir selber finden.“
„Aha.“
Zu mehr war ich nicht fähig. Die Hiobsbotschaften nahmen nicht ab. Zu meinem Leidwesen war es jedoch nicht als Scherz gedacht. Sie meinte es ernst.
„Da ich der Meinung bin, daß wir zu früh geheiratet haben, und alles zu schnell ging, so sollten wir uns für eine Weile trennen. Das wäre ganz gut. Glaube mir, so finden wir zu uns zurück. Jeder für sich. Es wird uns guttun.“
Davon war ich überhaupt nicht überzeugt. Im Gegenteil. Denn ich befürchtete sofort, daß es der Anfang vom Ende sein könnte. Und das lag gar nicht in meinem Sinn.
„Das glaube ich überhaupt nicht. Es wäre sinnvoller, wenn wir dieses Problem gemeinsam bewältigen. Ich meine, daß ich dir helfe so gut ich kann. Irgendwann hast du deine Depressionen überwunden, und wir leben wieder friedlich miteinander.“
„Nein.“ Petra blieb stur und hartnäckig. Was sie sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, das zog sie geradeaus durch. Ohne nach links und rechts zu schauen. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Dieser Verlust trug meinen Namen.
„Für wie lange?“
Traurig klang meine Stimme. Niedergeschlagen war meine Stimmung. Ein schmerzlicher Tag in meinem Leben. Der Traurigste bisher.
„Das weiß ich noch nicht. Aber ich verspreche dir, daß wir wieder zusammen ziehen. Nur wann kann ich noch nicht sagen. Ich brauche noch Zeit. Die brauche es wirklich. Gebe sie mir bitte. Das rechne ich dir hoch an.“
„Wenn du meinst. Ich bin aber davon überhaupt nicht überzeugt, daß es hilft. Im Gegenteil. Ich glaube eher, daß die Trennung unsere Ehe zerstört. Deshalb ist meiner Meinung nach eine kurze Trennung der falsche Weg. Denn wehret den Anfängen. Damit will ich sagen, daß es ein Automatismus zur vollständigen Trennung in Gang setzen kann. Und das liegt gar nicht in meiner Absicht. Du weißt, daß ich gerne mit dir zusammen lebe, und wir auch gut zusammen passen. Wir sind doch glücklich miteinander. Bis auf deine Depression zur Zeit. Aber auch dieses Problem können wir gemeinsam schaffen. Da bin ich zuversichtlich. Ich kämpfe für uns. Bist du nicht auch der Ansicht, daß wir es gemeinsam packen?“
Ich merkte, daß Petra unsicher wurde.
„Ich meine doch erstmal nur für kurze Zeit. Danach sehen wir weiter. Von Scheidung oder so habe ich doch nicht gesprochen. Lass uns doch erstmal getrennt wohnen. Wir werden ja wieder zusammen leben. Versprochen.“
„Versprochen?“
„Versprochen.“

Im Kindle-Shop: Leidendes Herz: Wenn Depressionen ein Glück zerstören



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen