26. Juni 2017

'Long Life Island: Der 200-jährige Mensch' von Franziska Nelka

Das Projekt Long Life Island wird gestartet. Es handelt sich um eine hermetisch abgeriegelte Kuppel, ähnlich wie Tropical Island nur viel größer, die 100 ausgewählte Menschen beherbergt und ihnen dort alles bietet, was sie für ein langes Leben benötigen.

Dafür wurden die 7 Säulen des Lebens berücksichtigt, wie auch das Prinzip vom Programm Tod. Nun gilt es herauszufinden, ob es gelingt in diesem Projekt unter diesen speziellen Kriterien den ersten 200-jährigen Menschen hervorzubringen und damit zu beweisen, dass die Menschen durchaus in der Lage sind ein langes und gesundes Leben zu führen.

Begleite die Longlifer durch dieses spannende Abenteuer!

Gleich lesen: Long Life Island: Der 200-jährige Mensch

Leseprobe:
„Ach hör doch auf, im Durchschnitt geht jeder von uns nur 750 Meter pro Tag. Noch vor wenigen Jahrhunderten waren es um die 17 Kilometer. Das habe ich vorhin gelesen.“, sagte Lars Friedmanns.
„Ich gehe jedenfalls regelmäßig Walken!“, erwiderte Detlef Strauss, sein Gegenüber. Beide Männer starrten während des Gesprächs auf ihre großen Flatscreens.
„Auf der griechischen Insel Ikaria leben derzeit die ältesten Menschen mit 90 Jahren Plus. Einer von ihnen, ein 90- jähriger Grieche sagte in einem Interview, dass nicht nur wichtig ist, was man isst, sondern auch, was man nicht isst.“ Detlef Strauss schmunzelte und bemerkte die kurze Atempause seines Gegenübers. Dieser hatte soeben sein Schokocroissant zur Seite gelegt und war nun damit beschäftigt die Krümel von seiner Tastatur zu schütteln. Während Strauss eher der smarte Buchhalter und Zahlenverdreher war, konnte Friedmanns nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Das sah man ihm auch an. Sein Bauch reichte bis über den Tischrand des Arbeitsplatzes, so dass er manchmal Mühe hatte aus seinem Bürostuhl aufzustehen oder die Tastatur mit seinen kürzer erscheinenden Armen zu erreichen. Jedoch war Friedmanns ein genialer Kopf wenn es um Struktur und Organisation ging, das musste Strauss schon zugeben.
Beide Regierungsangestellte arbeiteten nun schon seit über zehn Jahren zusammen. Nun waren sie mit diesem großen Projekt beauftragt worden und sollten eine Kostenanalyse aufstellen. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt das Projekt „Long Life Island“ das erste seiner Art ist. Orientieren sollten sich die Männer an Projekten wie Tropical Island und Spreewald Thermen. Somit waren sie in der Lage Regierungsmittel für den Besuch diverser Freizeiteinrichtungen zu nutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Doch was anfangs wie ein Vergnügen erschien, wurde nun langsam zum Mamutprojekt. Es sollten spezielle Baumaterialien wie Titanium für die Kuppel verwendet werden. Von einem Kraftfeld war außerdem die Rede. Und auch im Innenbereich sollte es an nichts fehlen. Einzelräume, Gruppenräume, Kino, Natursee, Sportplatz und Permakulturgärten bzw. Ackerflächen für die Selbstversorgung waren geplant. Zudem sollten Photovoltaikanlagen, eine Biogasanlage und ein Blockheizkraftwerk für den nötigen Strom und Wärme sorgen.
Architekten, Bauingenieure, Statiker, Permakulturexperten und Umwelttechniker arbeiteten bereits seit Monaten mit Hochdruck an dem Projekt. Es gab bereits die ersten Kostenvoranschläge und "Long Life Island" bekam immer mehr ein Gesicht.
„Japaner auf der Insel Okinawa haben ihre eigene Interpretation vom Sinn des Lebens und wissen warum es sich lohnt jeden Tag aufzustehen. Ein Drittel der Über-100- Jährigen auf Okinawa steckt noch im Arbeitsleben. Vielleicht ist das ja der Schlüssel?“, sagt Friedmanns schließlich und grinste zufrieden zu Strauss hinüber.
Detlef Strauss schüttelte nur mit seinem Kopf und sagte etwas geistesabwesend: „Ich glaube, dass ganze Projekt ist eine Luftnummer. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass 7 Säulen des Lebens ausreichen, um das Leben insgesamt auf 200 Jahre zu verlängern. Und außerdem kommt es ja auch auf die Qualität an und nicht nur auf die Quantität.“
Lars Friedmanns mustert seinen Kollegen ausgiebig. Der akkurate Kurzhaarschnitt erinnerte ihn irgendwie an seinen Armeeausbilder von damals. Schon immer war Strauss eher der Skeptiker von beiden. Doch Friedmanns gefiel die Idee vom langen Leben. Er hatte sich interessiert das Konzept durchgelesen, welches von einem Bestseller-Autorenpaar ausgearbeitet wurde. Die Idee dahinter war, dass wenn man alle sieben Säulen des Lebens einhielt, es gar nicht oder eben viel später zum Auslöser “Körperabbau“ oder Tod kommt.
„Es kommt auf die Mischung an mein lieber Detlef und wer sich daranhält, wird auf jeden Fall ein niedrigeres biologisches Alter haben, als sein Alter in Lebensjahren. Das wiederum führt zu mehr Vitalität und Glück. Die Qualität dürfte somit also auch stimmen!“, konterte Friedmanns schließlich.
Strauss winkte sogleich ab. „Dann würden es ja alle machen. Das wäre viel zu leicht. Gesundes Essen, Bewegung, Sonne, Wasser, Meditation und was war es noch? Ach … das gibt es doch schon alles!“
Friedmann schlug seine dicken Finger über Kreuz und ließ sie auf seinem Bauch ruhen. Lächelnd sah er zu Strauss und nickte. „Wohl war Kollege. Aber was du vergisst, ist die Tatsache, dass es hier und heute zu viele Außenfaktoren oder besser gesagt Einflussfaktoren gibt, die die Säulen angreifen!“
Strauss zog skeptisch eine Braue hoch: „Und die wären bitte?“
„Smog, Handystrahlung, Friedhöfe, Ärzte, die einem sagen, wie lange man noch leben darf, Patientenverfügung, unreines Wasser … ich kann dir eine ganze Liste machen!“
Beide Regierungsangestellte schwiegen eine Weile. Strauss überlegte sichtlich, welches Gegenargument er nun anführen konnte. Schließlich fiel es ihm ein: „Dann willst du also wieder zurück in die Steinzeit? Kein Strom, kein Internet, keine Handys?“
Friedmanns lachte kurz auf und nahm sein Croissant wieder in die Hand.

Im Kindle-Shop: Long Life Island: Der 200-jährige Mensch

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